„Handeln statt immer nur reden!“ – MdL Schnotz widerspricht MdL Scheuenstuhl

von | 15. Juni 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

Sehr geehr­ter Herr Land­tags­kol­le­ge Schnotz,

in Ihrer Stel­lung­nah­me vom 11.06.2025 („Han­deln statt immer nur reden!“) beto­nen Sie Ihre jah­re­lan­gen Bemü­hun­gen zur Ver­bes­se­rung der Was­ser­qua­li­tät des Alt­mühl­sees und erwäh­nen Pro­jek­te wie die Instal­la­ti­on von Phos­phat­fäl­lun­gen und die Rena­tu­rie­rung der Zuläu­fe. Die­se Maß­nah­men, so wich­tig sie auch sein mögen, haben jedoch bis­her nicht ver­hin­dert, dass der Alt­mühl­see im Jahr 2024 regel­mä­ßig vom Gesund­heits­amt wegen Blau­al­gen­blü­ten geschlos­sen wer­den muss­te.

Wei­te­re pseu­do­wis­sen­schaft­li­che Eso­te­rik-Maß­nah­men, ich darf an das von Ihnen initi­ier­te „Gran­der – Wasser“-Vorhaben erin­nern, wur­den glück­li­cher wei­se recht­zei­tig und par­tei­über­grei­fend ver­hin­dert, bevor es der Steu­er­zah­ler teu­er bezah­len durf­te. Es ist doch unbe­streit­bar, dass die Was­ser­qua­li­tät des Sees wei­ter stark beein­träch­tigt ist. Der Umwelt­mi­nis­ter selbst hat ein­ge­räumt, dass vier von zehn mit­tel­frän­ki­schen EU-Bade­ge­wäs­sern im letz­ten Jahr stark mit Blau­al­gen belas­tet waren – dar­un­ter am stärks­ten betrof­fen unser Alt
mühl­see. Ich spre­che bewusst von unse­rem Alt­mühl­see, da ich als gewähl­ter Abge­ord­ne­ter auch den Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen betreue und mich um die Pro­ble­me vor Ort aktiv küm­me­re. Dies im Übri­gen bereits zum zwei­ten Mal seit 2013. Vie­le Ansprech­part­ner aus der Gegend haben mich im mer wie­der im per­sön­li­chen Gespräch auf die Pro­ble­ma­tik hin­ge­wie­sen, da ich als gelern­ter Umwelt­schutz­in­ge­nieur durch­aus fach­li­ches Wis­sen mit­brin­ge. In einem lan­gen Fach­ge­spräch mit Herrn Kel­ler, dem Lei­ter des Was­ser­wirt­schafts amtes Ans­bach, wur­den die bestehen­den Pro­ble­me sowie mög­li­che Lösungs­vor­schlä­ge aus­führ­lich dis­ku­tiert.

Wäh­rend Sie immer wie­der auf ver­gan­ge­ne Inves­ti­tio­nen ver­wei­sen, ist es nach wie vor Rea­li­tät, dass die Bade­strän­de vor Ort wäh­rend der Haupt­sai­son in den Som­mer­mo­na­ten Juli und August über­wie­gend geschlos­sen blei­ben. Ihre beschrie­be­nen Pla­nun­gen und bis­he­ri­gen Gesprä­che sind Schrit­te, die ich selbst ver­ständ­lich unter­stüt­ze und befür­wor­te, jedoch benö­ti­gen wir nach all der Zeit end­lich nach­hal­ti­ge Ansät­ze, die über künst­li­che Bar­rie­ren, Fil­trie­rung und Fang­net­ze hin­aus­ge­hen. Die­se posi­tiv zu bewer­ten­den Maß­nah­men bekämp­fen
die Sym­pto­me, ent­bin­den uns aber kei­nes­wegs davon, dass ins­ge­samt weni­ger Nähr­stof­fe ins Gewäs­ser ein­ge­tra­gen wer­den müs­sen. Das Pro­blem muss wei­ter­hin an der Wur­zel ange­packt wer­den, hier stim­men Sie mir sicher­lich zu.

Es ist immer ein Leich­tes, Fak­ten als Panik­ma­che und Nega­tiv­wer­bung abzu­tun. Die tat­säch­li­chen Zah­len und Daten der betei­lig­ten Minis­te­ri­en, denen Sie augen­schein­lich nicht trau­en, spre­chen für sich: Die­se Augen­wi­sche­rei scha­det sowohl dem Anse­hen der Regi­on als auch dem loka­len Tou­ris­mus und der Fische rei. Der Rück­gang bei Über­nach­tun­gen und beim Ver­kauf von Angel­kar­ten ist eine kla­re Fol­ge der wahr­ge­nom­me­nen Pro­ble­me am See. Ich for­de­re daher eine stär­ke­re, lang­fris­ti­ge Zusam­men­ar­beit zwi­schen allen Betei­lig­ten: der Land­wirt schaft, dem Tou­ris­mus­ver­band, den Gemein­den, dem Land­tag und den Behör­den. Nur so kön­nen wir garan­tie­ren, dass der See über Land­kreis­gren­zen hin­aus wei­ter­hin eine Attrak­ti­on bleibt und die nega­ti­ven öko­lo­gi­schen und wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Regi­on über­wun­den wer­den. Denn auch ich als Bür­ger der Metro­pol­re­gi­on möch­te wei­ter­hin die groß­ar­ti­gen Vor­zü­ge des zweit­größ­ten Sees in Mit­tel­fran­ken nut­zen kön­nen.

Las­sen Sie uns die beschrie­be­nen Her­aus­for­de­run­gen ehr­lich ange­hen und gemein­sa­me Lösun­gen für die Zukunft des Alt­mühl­sees fin­den. Ich freue mich auf den direk­ten Aus­tausch auf fach­li­cher Ebe­ne und Ihre kom­pe­ten­te Exper­ti­se bei der zwei­ten Fach­ta­gung — Ent­wick­lung der Alt­mühl­see­re­gi­on am 18. Juli 2025 in Gun­zen­hau­sen. Ein Weg­du­cken wird es mit mir jeden­falls nicht geben.

Foto: Büro MdL Har­ry Scheu­en­stuhl