Sehr geehrter Herr Landtagskollege Schnotz,
in Ihrer Stellungnahme vom 11.06.2025 („Handeln statt immer nur reden!“) betonen Sie Ihre jahrelangen Bemühungen zur Verbesserung der Wasserqualität des Altmühlsees und erwähnen Projekte wie die Installation von Phosphatfällungen und die Renaturierung der Zuläufe. Diese Maßnahmen, so wichtig sie auch sein mögen, haben jedoch bisher nicht verhindert, dass der Altmühlsee im Jahr 2024 regelmäßig vom Gesundheitsamt wegen Blaualgenblüten geschlossen werden musste.
Weitere pseudowissenschaftliche Esoterik-Maßnahmen, ich darf an das von Ihnen initiierte „Grander – Wasser“-Vorhaben erinnern, wurden glücklicher weise rechtzeitig und parteiübergreifend verhindert, bevor es der Steuerzahler teuer bezahlen durfte. Es ist doch unbestreitbar, dass die Wasserqualität des Sees weiter stark beeinträchtigt ist. Der Umweltminister selbst hat eingeräumt, dass vier von zehn mittelfränkischen EU-Badegewässern im letzten Jahr stark mit Blaualgen belastet waren – darunter am stärksten betroffen unser Alt
mühlsee. Ich spreche bewusst von unserem Altmühlsee, da ich als gewählter Abgeordneter auch den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen betreue und mich um die Probleme vor Ort aktiv kümmere. Dies im Übrigen bereits zum zweiten Mal seit 2013. Viele Ansprechpartner aus der Gegend haben mich im mer wieder im persönlichen Gespräch auf die Problematik hingewiesen, da ich als gelernter Umweltschutzingenieur durchaus fachliches Wissen mitbringe. In einem langen Fachgespräch mit Herrn Keller, dem Leiter des Wasserwirtschafts amtes Ansbach, wurden die bestehenden Probleme sowie mögliche Lösungsvorschläge ausführlich diskutiert.
Während Sie immer wieder auf vergangene Investitionen verweisen, ist es nach wie vor Realität, dass die Badestrände vor Ort während der Hauptsaison in den Sommermonaten Juli und August überwiegend geschlossen bleiben. Ihre beschriebenen Planungen und bisherigen Gespräche sind Schritte, die ich selbst verständlich unterstütze und befürworte, jedoch benötigen wir nach all der Zeit endlich nachhaltige Ansätze, die über künstliche Barrieren, Filtrierung und Fangnetze hinausgehen. Diese positiv zu bewertenden Maßnahmen bekämpfen
die Symptome, entbinden uns aber keineswegs davon, dass insgesamt weniger Nährstoffe ins Gewässer eingetragen werden müssen. Das Problem muss weiterhin an der Wurzel angepackt werden, hier stimmen Sie mir sicherlich zu.
Es ist immer ein Leichtes, Fakten als Panikmache und Negativwerbung abzutun. Die tatsächlichen Zahlen und Daten der beteiligten Ministerien, denen Sie augenscheinlich nicht trauen, sprechen für sich: Diese Augenwischerei schadet sowohl dem Ansehen der Region als auch dem lokalen Tourismus und der Fische rei. Der Rückgang bei Übernachtungen und beim Verkauf von Angelkarten ist eine klare Folge der wahrgenommenen Probleme am See. Ich fordere daher eine stärkere, langfristige Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten: der Landwirt schaft, dem Tourismusverband, den Gemeinden, dem Landtag und den Behörden. Nur so können wir garantieren, dass der See über Landkreisgrenzen hinaus weiterhin eine Attraktion bleibt und die negativen ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Region überwunden werden. Denn auch ich als Bürger der Metropolregion möchte weiterhin die großartigen Vorzüge des zweitgrößten Sees in Mittelfranken nutzen können.
Lassen Sie uns die beschriebenen Herausforderungen ehrlich angehen und gemeinsame Lösungen für die Zukunft des Altmühlsees finden. Ich freue mich auf den direkten Austausch auf fachlicher Ebene und Ihre kompetente Expertise bei der zweiten Fachtagung — Entwicklung der Altmühlseeregion am 18. Juli 2025 in Gunzenhausen. Ein Wegducken wird es mit mir jedenfalls nicht geben.
Foto: Büro MdL Harry Scheuenstuhl


