Auch ein Beitrag für „Klimaresilienz Altmühlfranken“
Altmühlfranken — Zum „Tag der Fische“ am 22.August weist Slow Food Altmühl-franken auf die Bedeutung der Binnenfische als verantwortungsvolle Alternative zum Meeresfisch hin. Fische sind als kalorienarmes, proteinreiches und äußerst gesundes Nahrungsmittel sehr beliebt, aber die Überfischung großer Teile der Ozeane – auch unserer Nord- und Ostsee – verlangen nach Alternativen. Auf nachhaltigen Konsum setzende Konsumierende verzichten zunehmend auf Stein-butt, Seezunge oder Wolfsbarsch aus der Bretagne bzw. auf Lachse per Luftfracht aus Kanada oder Chile. Die Überfischung wird an der Verdoppelung der Nachfrage nach Meeresfisch im Vergleich gegenüber dem Konsum vor 50 Jahren transparent.
Dabei wird Meeresfisch, wenn er aus Wildfang stammt wegen dieser massiven Überfischung der Meere immer rarer und damit auch teurer. Weit über 37 % der kommerziell genutzten Fanggründe in den Weltmeeren gelten daher als überfischt und 50 % als maximal genutzt. Und die Überfischung im Mittelmeer und in der Ostsee liegt teilweise noch über diesen Werten. Man kann aber auch im Urlaub an Adria oder Riviera nicht mehr mit gutem Gewissen eine Spezialität von der Karte ordern. Mitunter wird da auch schon importierte aus anderen Ozeanen aufgetischt und die Gäste über die Herkunft im Unklaren gelassen. Wobei auch dieser „Ersatz“ in der Regel aus überfischten Gewässern kommt. Und im Zuge der Klimaveränderung verzeichnen die Ozeane so hohe Wassertemperaturen wie noch nie. Die Meeresoberflächentemperatur verzeichnete im Juli einen Durchschnitts-Wert von 20,96 Grad! Für die Fische ist dies alles andere als eine Wohlfühltemperatur und sie reagieren darauf mit Stress und Abwandern in kühlere Tiefen. Im Interesse der Meere und der sie bevölkernden Meerestiere sollten wir zumindest bis auf weiteres auf den Verzehr dieser Fische verzichten!
Dabei stagniert – passend zu dieser Entwicklung — die Ausweisung von Meeresschutzgebieten zur Erholung der Fischbestände und deren „Kinderstube überall rund um den Globus. Zu den Problemen mit der Erwärmung der Meere kommt die unverändert zunehmende Verschmutzung der Ozeane mit unzureichend geklärten Abwässern und Plastikmüll im Pazifik und bis hin zur Antarktis sowie die nach wie vor nicht eingedämmte Belastung über Emissionen aus der Hochsee-Schifffahrt.
All diese Entwicklungen motivieren immer mehr verantwortungsbewusst Konsumierende dazu, sich beim Fisch-Genuss wieder auf die Vielfalt unserer heimischen Binnenfische aus Süßwasser zurück zu besinnen und dem aktuell mit 85 % veranschlagten Import von Speisefischen entgegenzuwirken. Sie stärken damit die heimischen Fischzüchter und die ganz wenigen auf Binnenfisch spezialisierten Fischhändler. Die 15 % der im Inland erzeugten Speisefische stammen regionalen Teichkulturen, einige wenige aus Wildfang in Seen. Während Forelle, Saibling und Karpfen nach wie vor in aus-reichender Menge zur Verfügung stehen, sind Renken, Zander, Aal, Huchen, Äsche, Barsche, Rot-augen, Nasen, Döbel, Welse und mitunter auch wieder Stör immer nur in begrenzten Mengen verfügbar.
Aber die eingeschränkte Verfügbarkeit wertet diese Produkte als Speisefisch besonders auf und sie liefern zudem unvergessliche Geschmackserlebnisse. Kurze Lieferwege und fangfrische Qualität sowie der direkte Austausch mit Züchtern oder Berufsfischern wird zunehmend von Verbrauchen-den mit Qualitätsanspruch geschätzt. Selbst der hier im Fränkischen Seenland zu Unrecht wenig geschätzte Weißfisch stellt mit seiner Fleischqualität viele andere Fischarten in den Schatten und wird in Berlin in Sterne-Restaurants als Spezialität angeboten. Der Binnenfisch aus sauberem Wasser ohne Wachstumsverstärker und Antibiotika ist in der Qualitäts-Küche angekommen und muss die Konkurrenz des Meeresfisch-Angebots nicht mehr scheuen. Ökologisch ist er ihm ohnehin unein-geschränkt überlegen.
Am „Tag der Fische“ sollte daher auch ein Gedanke seinem Lebensraum gewidmet sein. In Zeiten des Klimawandels werden auch hier z.B.im Projekt „Klimaresilienz Altmühlfranken“ Maßnahmen initiiert, die für mehr Wasserrückhaltung in der Fläche, aber auch mit dem Bau oder der Reaktivierung von kleineren Teichen für mehr Wasserlebensräume sorgen sollen. Die schon bestehenden Teiche der Fischzüchter zählen ebenfalls zu diesen Landschaftselementen, die gezielt gefördert werden. Aber auch der Lebensraum von Fischen mit Anforderungen an kühlere Gewässertemperaturen steht im Fokus der Maßnahmen, die über „Klimaresilienz Altmühlfranken“ eine stärkere Unterstützung erfahren. Ein besonders wichtiges – mit den Fischereivereinen aufgegriffenes – Projekt sind z.B. durchgängige Bachbepflanzungen mit Erlen, um die notwendige kühle Wohlfühltemperatur für die Fische dauerhaft zu gewährleisten. Schon eine Erwärmung von nur einem Grad kann für bestimmte Fische bereits eine Bedrohung darstellen und sie werden solche Bachabschnitte meiden.
Das Interesse an funktionierenden Gewässerlebensräumen wird auch dadurch wachgehalten, wenn all diese Zusammenhänge dann stärker von den Menschen beachtet werden, wenn sie einkaufen oder in der Gastronomie auswählen. Die gezielte Nachfrage nach heimischem Fisch ist noch lange keine tägliche Selbstverständlichkeit. Auch wenn diese nicht sichtbar angeboten werden, kann die begründet artikulierte freundliche Nachfrage ein Umdenken bewirken. Wir sollten am „Tag der Fische“ einfach einmal unser Interesse am heimischen Fisch offensiv zum Ausdruck bringen.…..
…oder zumindest einmal zum FränkichenSeenLand-FischerFest gehen (siehe Hinweis unten).
Ergänzender Hinweis
Am 17. und 18. Oktober 2026 findet am Altmühlseeufer in Wald (Seezentrum)
das 12. FränkicheSeenLand-Fischerfest statt.
Dessen Besonderheit liegt darin, dass dort – ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Fischerfesten – ausschließlich Binnenfisch angeboten wird.
Foto: Dieter Popp


