Heimischer Fisch statt Meeresfisch

von | 17. August 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Auch ein Bei­trag für „Kli­ma­re­si­li­enz Alt­mühl­fran­ken“

Alt­mühl­fran­ken — Zum „Tag der Fische“ am 22.August weist Slow Food Alt­mühl-fran­ken auf die Bedeu­tung der Bin­nen­fi­sche als ver­ant­wor­tungs­vol­le Alter­na­ti­ve zum Mee­res­fisch hin. Fische sind als kalo­rien­ar­mes, pro­te­in­rei­ches und äußerst gesun­des Nah­rungs­mit­tel sehr beliebt, aber die Über­fi­schung gro­ßer Tei­le der Ozea­ne – auch unse­rer Nord- und Ost­see – ver­lan­gen nach Alter­na­ti­ven. Auf nach­hal­ti­gen Kon­sum set­zen­de Kon­su­mie­ren­de ver­zich­ten zuneh­mend auf Stein-butt, See­zun­ge oder Wolfs­barsch aus der Bre­ta­gne bzw. auf Lach­se per Luft­fracht aus Kana­da oder Chi­le. Die Über­fi­schung wird an der Ver­dop­pe­lung der Nach­fra­ge nach Mee­res­fisch im Ver­gleich gegen­über dem Kon­sum vor 50 Jah­ren trans­pa­rent.

Dabei wird Mee­res­fisch, wenn er aus Wild­fang stammt wegen die­ser mas­si­ven Über­fi­schung der Mee­re immer rarer und damit auch teu­rer. Weit über 37 % der kom­mer­zi­ell genutz­ten Fang­grün­de in den Welt­mee­ren gel­ten daher als über­fischt und 50 % als maxi­mal genutzt. Und die Über­fi­schung im Mit­tel­meer und in der Ost­see liegt teil­wei­se noch über die­sen Wer­ten. Man kann aber auch im Urlaub an Adria oder Rivie­ra nicht mehr mit gutem Gewis­sen eine Spe­zia­li­tät von der Kar­te ordern. Mit­un­ter wird da auch schon impor­tier­te aus ande­ren Ozea­nen auf­ge­tischt und die Gäs­te über die Her­kunft im Unkla­ren gelas­sen. Wobei auch die­ser „Ersatz“ in der Regel aus über­fisch­ten Gewäs­sern kommt. Und im Zuge der Kli­ma­ver­än­de­rung ver­zeich­nen die Ozea­ne so hohe Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren wie noch nie. Die Mee­res­ober­flä­chen­tem­pe­ra­tur ver­zeich­ne­te im Juli einen Durch­schnitts-Wert von 20,96 Grad! Für die Fische ist dies alles ande­re als eine Wohl­fühl­tem­pe­ra­tur und sie reagie­ren dar­auf mit Stress und Abwan­dern in küh­le­re Tie­fen. Im Inter­es­se der Mee­re und der sie bevöl­kern­den Mee­res­tie­re soll­ten wir zumin­dest bis auf wei­te­res auf den Ver­zehr die­ser Fische ver­zich­ten!

Dabei sta­gniert – pas­send zu die­ser Ent­wick­lung — die Aus­wei­sung von Mee­res­schutz­ge­bie­ten zur Erho­lung der Fisch­be­stän­de und deren „Kin­der­stu­be über­all rund um den Glo­bus. Zu den Pro­ble­men mit der Erwär­mung der Mee­re kommt die unver­än­dert zuneh­men­de Ver­schmut­zung der Ozea­ne mit unzu­rei­chend geklär­ten Abwäs­sern und Plas­tik­müll im Pazi­fik und bis hin zur Ant­ark­tis sowie die nach wie vor nicht ein­ge­dämm­te Belas­tung über Emis­sio­nen aus der Hoch­see-Schiff­fahrt.

All die­se Ent­wick­lun­gen moti­vie­ren immer mehr ver­ant­wor­tungs­be­wusst Kon­su­mie­ren­de dazu, sich beim Fisch-Genuss wie­der auf die Viel­falt unse­rer hei­mi­schen Bin­nen­fi­sche aus Süß­was­ser zurück zu besin­nen und dem aktu­ell mit 85 % ver­an­schlag­ten Import von Spei­se­fi­schen ent­ge­gen­zu­wir­ken. Sie stär­ken damit die hei­mi­schen Fisch­züch­ter und die ganz weni­gen auf Bin­nen­fisch spe­zia­li­sier­ten Fisch­händ­ler. Die 15 % der im Inland erzeug­ten Spei­se­fi­sche stam­men regio­na­len Teich­kul­tu­ren, eini­ge weni­ge aus Wild­fang in Seen. Wäh­rend Forel­le, Saib­ling und Karp­fen nach wie vor in aus-rei­chen­der Men­ge zur Ver­fü­gung ste­hen, sind Ren­ken, Zan­der, Aal, Huchen, Äsche, Bar­sche, Rot-augen, Nasen, Döbel, Wel­se und mit­un­ter auch wie­der Stör immer nur in begrenz­ten Men­gen ver­füg­bar.

Aber die ein­ge­schränk­te Ver­füg­bar­keit wer­tet die­se Pro­duk­te als Spei­se­fisch beson­ders auf und sie lie­fern zudem unver­gess­li­che Geschmacks­er­leb­nis­se. Kur­ze Lie­fer­we­ge und fang­fri­sche Qua­li­tät sowie der direk­te Aus­tausch mit Züch­tern oder Berufs­fi­schern wird zuneh­mend von Ver­brau­chen-den mit Qua­li­täts­an­spruch geschätzt. Selbst der hier im Frän­ki­schen Seen­land zu Unrecht wenig geschätz­te Weiß­fisch stellt mit sei­ner Fleisch­qua­li­tät vie­le ande­re Fisch­ar­ten in den Schat­ten und wird in Ber­lin in Ster­ne-Restau­rants als Spe­zia­li­tät ange­bo­ten. Der Bin­nen­fisch aus sau­be­rem Was­ser ohne Wachs­tums­ver­stär­ker und Anti­bio­ti­ka ist in der Qua­li­täts-Küche ange­kom­men und muss die Kon­kur­renz des Mee­res­fisch-Ange­bots nicht mehr scheu­en. Öko­lo­gisch ist er ihm ohne­hin unein-geschränkt über­le­gen.

Am „Tag der Fische“ soll­te daher auch ein Gedan­ke sei­nem Lebens­raum gewid­met sein. In Zei­ten des Kli­ma­wan­dels wer­den auch hier z.B.im Pro­jekt „Kli­ma­re­si­li­enz Alt­mühl­fran­ken“ Maß­nah­men initi­iert, die für mehr Was­ser­rück­hal­tung in der Flä­che, aber auch mit dem Bau oder der Reak­ti­vie­rung von klei­ne­ren Tei­chen für mehr Was­ser­le­bens­räu­me sor­gen sol­len. Die schon bestehen­den Tei­che der Fisch­züch­ter zäh­len eben­falls zu die­sen Land­schafts­ele­men­ten, die gezielt geför­dert wer­den. Aber auch der Lebens­raum von Fischen mit Anfor­de­run­gen an küh­le­re Gewäs­ser­tem­pe­ra­tu­ren steht im Fokus der Maß­nah­men, die über „Kli­ma­re­si­li­enz Alt­mühl­fran­ken“ eine stär­ke­re Unter­stüt­zung erfah­ren. Ein beson­ders wich­ti­ges – mit den Fische­rei­ver­ei­nen auf­ge­grif­fe­nes – Pro­jekt sind z.B. durch­gän­gi­ge Bach­be­pflan­zun­gen mit Erlen, um die not­wen­di­ge küh­le Wohl­fühl­tem­pe­ra­tur für die Fische dau­er­haft zu gewähr­leis­ten. Schon eine Erwär­mung von nur einem Grad kann für bestimm­te Fische bereits eine Bedro­hung dar­stel­len und sie wer­den sol­che Bach­ab­schnit­te mei­den.

Das Inter­es­se an funk­tio­nie­ren­den Gewäs­ser­le­bens­räu­men wird auch dadurch wach­ge­hal­ten, wenn all die­se Zusam­men­hän­ge dann stär­ker von den Men­schen beach­tet wer­den, wenn sie ein­kau­fen oder in der Gas­tro­no­mie aus­wäh­len. Die geziel­te Nach­fra­ge nach hei­mi­schem Fisch ist noch lan­ge kei­ne täg­li­che Selbst­ver­ständ­lich­keit. Auch wenn die­se nicht sicht­bar ange­bo­ten wer­den, kann die begrün­det arti­ku­lier­te freund­li­che Nach­fra­ge ein Umden­ken bewir­ken. Wir soll­ten am „Tag der Fische“ ein­fach ein­mal unser Inter­es­se am hei­mi­schen Fisch offen­siv zum Aus­druck brin­gen.…..
…oder zumin­dest ein­mal zum Frän­ki­chen­Seen­Land-Fischer­Fest gehen (sie­he Hin­weis unten).

Ergän­zen­der Hin­weis

Am 17. und 18. Okto­ber 2026 fin­det am Alt­mühl­see­ufer in Wald (See­zen­trum)
das 12. Frän­ki­che­SeenLand-Fischer­fest statt.

Des­sen Beson­der­heit liegt dar­in, dass dort – ganz im Gegen­satz zu den meis­ten ande­ren Fischer­fes­ten – aus­schließ­lich Bin­nen­fisch ange­bo­ten wird.

Foto: Die­ter Popp