Heimischer Fisch — verantwortbare Alternative — Aber auch Fische benötigen ein Wohlfühlklima

von | 22. August 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Alt­mühl­fran­ken (red). Der „Tag der Fische“ am 22. August bie­tet Slow Food Altmühl­fran­ken die Gele­gen­heit, auf die beson­de­re Gefähr­dung der Fische in unse­ren klei­ne­ren Fließ­ge­wäs­sern ange­sichts zuneh­men­der Tro­cken­zei­ten und oft auf wei­ten Stre­cken feh­len­dem Ufer­be­wuchs auf­merk­sam zu machen. Denn gera­de der natür­li­che Ufer­be­wuchs erfüllt eine Rei­he von öko­lo­gi­schen Funk­tio­nen, die alle für die in die­sen Gewäs­sern leben­den Fische und ande­ren Orga­nis­men von exis­ten­zi­el­ler Bedeu­tung sind.
Ange­sichts der zuneh­men­den Tro­cken­pe­ri­oden fal­len neben feh­len­den Nie­der­schlä­gen z.B. auch Quell­schüt­tun­gen gerin­ger aus. In dem nied­ri­ge­ren Was­ser­stand wirkt sich das dann über einen gerin­ge­ren Sau­er­stoff­ge­halt im Gewäs­ser aus. Dies kann daher vor allem bei klei­ne­ren Fließ­ge­wäs­sern nur durch eine inten­si­ve beid­sei­ti­ge Beschat­tung mit dicht belaub­ten Bäu­men aus­ge­gli­chen wer­den. Das sind in der Regel die auch für die Tie­fen­durchwur­ze­lung gera­de an klei­ne­ren Bächen wich­ti­gen Rot- oder Schwarz­erlen. Ihr feh­len­der Schat­ten­wurf kann die Gewäs­ser­tem­pe­ra­tur um bis zu 2 °Cel­si­us nach oben ver­än­dern. Und so ähn­lich wie bei der Dis­kus­si­on um eine noch zu tole­rie­ren­de Erd­er­wär­mung sich auch nur um ein oder zwei Grad dreht, ist dies auch bei der Gewäs­ser­tem­pe­ra­tur. Die durch eine Beschat­tung zu erzie­len­de natür­li­che Gewäs­ser­tem­pe­ra­tur sichert z.B. den Fischen auch die Exis­tenz der Fisch­n­ähr­tie­re, wie z.B. Bach­flohkreb­se die in flie­ßen­den Gewäs­sern eben­falls nur an bestimm­te Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren ange­passt sind.
Es liegt daher nicht nur im Inter­es­se der Fische, son­dern des gesam­ten Gewäs­ser­öko­systems, wenn auch wir auf ange­pass­te Wohl­fühl­tem­pe­ra­tu­ren in unse­ren Gewäs­sern ach­ten. Die­se lie­gen natür­lich deut­lich unter dem Tem­pe­ra­tur­ni­veau, wel­ches wir als beson­ders ange­nehm erach­ten. So reagie­ren z.B. Forel­len bereits ab Tem­pe­ra­tu­ren von mehr als 16°Cel­si­us mit dem Abwan­dern in küh­le­re Was­ser­be­rei­che oft­mals höhe­re gele­ge­ne­re oder bes­ser mit ange­rei­cher­tem Sau­er­stoff durchmisch­te Abschnit­te. Und hier kön­nen wir den Fischen sehr wohl hel­fen, wenn es gelingt an den Uferstre­cken mög­lichst viel Schat­ten wer­fen­de Bäu­me dau­er­haft zu erhal­ten. Und auch deren mit­un­ter not­wen­di­ger Rück­schnitt soll­te aus glei­chem Grun­de immer so erfol­gen, dass genü­gend Schat­ten bie­ten­de Bäu­me noch für die­sen Tem­pe­ra­tur­aus­gleich sor­gen kön­nen. Feh­len sol­che Abschnit­te im Gewäs­ser - ins­be­son­de­re strö­mungs­auf­wärts - gibt es für Fische dann kei­ne Aus­weich­mög­lich­kei­ten
mehr. Ein umfas­sen­des Was­ser­ma­nage­ment muss daher auch die Fließ­ge­wäs­ser, und hier vor allem klei­ne­re Bäche und deren Ober­läu­fe im Blick haben.

Nur wenn wir unse­ren hei­mi­schen Fischen sol­che natur­na­hen Lebens­räu­me bie­ten, kann auch deren Fang als nach­hal­ti­ge Nut­zung ange­se­hen wer­den. Denn wenn wir auch in Zukunft Fisch als Pro­te­inund Genuss­quel­le in Anspruch neh­men möch­ten, dann wird dies nur über einen bewuss­ten Umgang mit die­ser wert­vol­len Res­sour­ce des Lebensraums Gewäs­ser mög­lich sein. Der Kli­ma­wan­del erwärmt die Gewäs­ser ob Meer, Bin­nen­seen oder Fließ­ge­wäs­ser und über die Flüs­se wer­den immer noch zu vie­le Schad­stof­fe trans­por­tiert. Slow Food will den Fisch als wert­vol­les Nah­rungs­mit­tel ger­ne auch für die Zukunft sichern und nutzt die­sen „Tag der Fische“ um deren heimische Lebens­räu­me stär­ker in das Bewusst­sein von Gesell­schaft und Kon­su­mie­ren­den zu rücken. Und da die über­dies ger­ne geschätz­ten Mee­res­fi­sche in ihren Bestän­den ohne­hin alle­samt stark bedroht sind, soll­te unser Anlie­gen viel stär­ker auf das Ange­bot von Bin­nen­fi­schen gelenkt wer­den, für wel­che die gera­de in Alt­mühl­fran­ken noch vor­han­de­nen Fisch­züch­ter auch gute und öko­lo­gisch unbe­denk­li­che Ange­bo­te aus ihren Fisch­zucht­be­trie­ben unter­brei­ten. Vor allem dann, wenn den Fisch­züch­tern im Zulauf Bäche und Gewäs­ser zur Ver­fü­gung ste­hen, die noch öko­lo­gisch intakt sind, also z.B. auch gut tem­pe­rier­tes Was­ser lie­fern kön­nen.

Nach wie vor wer­den aber nur etwa 3,5 kg je Ein­woh­ner und Jahr an Bin­nen­fisch ver­zehrt, wäh­rend mit 10 bis 11 kg je Ein­woh­ner und Jahr noch viel zu stark Mee­res­fisch aus über­fisch­ten Bestän­den - vor allem Lachs, Thun­fisch und Hering - nach­ge­fragt wer­den. Erschwe­rend kommt hin­zu, dass vie­le Kon­su­men­ten völ­lig zu Unrecht bei eini­gen Bin­nen­fi­schen von min­der­wer­ti­gen Lebens­mit­teln aus­ge­hen. Dabei gibt es aus aqua­ti­schen Lebens­räu­men kaum hoch­wer­ti­ge­re und vor allem nachhal­tig ver­ant­wort­bar erzeug­te Fisch­pro­duk­te, wie unse­re hei­mi­schen Forel­len, Saib­lin­ge oder Karp­fen bzw. Schlei­en, Zan­der oder Brach­sen.

Mit dem Bin­nen­fisch-Ver­zehr wird jedoch durch eine nach­hal­ti­ge Fisch­be­wirt­schaf­tung der jähr­li­che Über­hang genutzt. Ein Sys­tem, das vor Jah­ren auch noch in den Welt­mee­ren mög­lich war. Mit der Nut­zung der Bin­nen­fi­sche erhal­ten wir aber hier auf Dau­er aus­ge­wo­ge­ne Popu­la­tio­nen, die im Einklang mit den Nah­rungs­grundlagen der Seen ste­hen. Und in Zei­ten der Erd­er­wär­mung kom­men die­sen Gewäs­sern auch noch nicht zu unter­schät­zen­de Effek­te des klein­räu­mi­gen Tem­pe­ra­turaus­gleichs zu.

Der „Tag der Fische“ soll­te daher aktiv genutzt wer­den, um die­se unbe­grün­de­ten Vor­ur­tei­le genussvoll abzu­bau­en und auf die­se Wei­se auch noch einen höchst effi­zi­en­ten Bei­trag zur regio­na­len Wertschöp­fung zu leis­ten. Die gesun­den Fisch­vor­kom­men aus unse­renre­gio­na­len Seen, aus den Wei­hern und Tei­chen garan­tie­ren einen ver­ant­wor­tungs­vol­len Ver­zehr. Es liegt aus­schließ­lich an uns, dass wir gezielt die­se regio­na­len Qua­li­tä­ten nach­fra­gen, anstatt ein­fach immer nur nach Fisch zu ver­lan­gen und dann fast refle­xi­ons­ar­tig Fische aus meist öko­lo­gisch bedenk­li­cher Mee­res-Her­kunft erhal­ten.

Und das am 12./13. Okto­ber 2024 zum zehn­jäh­ri­gen Jubi­lä­um statt-fin­den­de Frän­ki­sche Seen­Land-Fischer­fest in Wald am Alt­mühl­see bie­tet eine aus­ge­zeich­ne­te Gele­gen­heit, umfas­send hei­mi­schen Fisch zu ver­kos­ten. Denn dort wer­den - was bei Fes­ten höchst sel­ten vor­kommt - ver­ant­wor­tungs­be­wusst aus­schließ­lich hei­mi­sche Bin­nen­fi­sche ange­bo­ten.

Bild­un­ter­schrift: Das Bild zeigt eine vor­bild­li­che Bach­ge­hölz­pfle­ge bei Hei­den­heim, hier ver­blei­ben genü­gend Bäu­me die dem Fließ­ge­wäs­ser wei­ter den wich­ti­gen Schat­ten spen­den. Foto: Die­ter Popp