Ist ein Kraut gegen die Blaualgen in den Speicherseen gewachsen?

von | 20. Januar 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Muhr am See (red) Wie ent­wi­ckelt sich die Was­ser­qua­li­tät der Spei­cher­seen im Frän­ki­schen Seen­land in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels? Dies war die Grund­fra­ge, die in der Fach­ta­gung zur Ent­wick­lung der Altmühlseeregion im Mit­tel­punkt stand. Das Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach hat­te hier­zu Ver­tre­ter der Poli­tik, der Fach­ver­wal­tun­gen, Uni­ver­si­tä­ten und Betrof­fe­ne zu einer Fach­ta­gung am 17. Janu­ar 2025 nach Muhr am See in das Altmühlsee-Informationszentrum (AIZ) ein­ge­la­den.

Aus­lö­ser für Algen­wachs­tum ist ein Zuviel an Nähr­stof­fen, die in den See gelan­gen. Über­la­gert wird dies seit eini­gen Jah­ren durch die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels, wie län­ge­re und wär­me­re Tro­cken­pha­sen. Die­se ver­schär­fen die Pro­ble­ma­tik v. a. bei Seen, ein-schließ­lich des Altmühlsees, bei dem im ver­gan­ge­nen Jahr ein mas­si­ves Auf­kom­men von Blau­al­gen zu ver­zeich­nen war. Bereits in den Jah­ren 2009 und 2010 wur­den vom dama­li­gen Umwelt­mi­nis­ter Dr. Mar­kus Söder Seen­land­kon­fe­ren­zen ein­be­ru­fen und inten­siv an einer Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on am und um den Altmühlsee gear­bei­tet. Nun war es unter dem Ein­druck des Kli­ma­wan­dels erfor­der­lich, die bis­he­ri­gen Anstren­gun­gen zu reflek­tie­ren und neue, inter­dis­zi­pli­nä­re Ansät­ze zu ent­wi­ckeln, die die Regi­on – neben sei­ner was­ser­wirt­schaft­li­chen Funk­ti­on – wei­ter zukunfts­fä­hig machen.

Was­ser­wirt­schaft, Jagd, Fische­rei, Kom­mu­nen und Tou­ris­mus haben sich vor 15 Jah­ren auf einen Maß­nah­men­plan zur Bekämp­fung der Blau­al­gen­pro­ble­ma­tik ver­stän­digt. Vie­les wur­de seit­dem rea­li­siert. Sei­tens der Was­ser­wirt­schaft wur­den die damals beschlos­se­nen Maß­nah­men umge­setzt. Sowohl im Ober­lauf des Sees um die zuflie­ßen­de Nähr­stoff­fracht zu redu­zie­ren aber auch im See, um die Was­ser­qua­li­tät zu ver­bes­sern:

- So haben die betrof­fe­nen Kom­mu­nen im Ober­lauf des Atmühlsees mit Unterstützung des Frei­staats Bay­ern Klär­an­la­gen nachgerüstet, umge­baut oder an leis­tungs­fä­hi­ge­re Klär­an­la­gen ange­schlos­sen. Durch die­sen Kraft­akt gelan­gen nun rund vier Ton­nen Phos­phor pro Jahr weni­ger in die Altmühl.

- Die öko­lo­gi­sche Umge­stal­tung der Altmühl ober­halb des Sees schrei­tet vor­an. Natur­na­he Ufer mit aus­rei­chend Beschat­tung ver­bes­sern den Lebens­raum, kühlen das Gewäs­ser ab und redu­zie­ren den Ein­trag von Nähr­stof­fen aus den angren­zen­den land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen.

- Durch die jähr­li­che Ent­nah­me von Sedi­men­ten aus dem See wird der inter­ne Nähr­stoff­pool redu­ziert. Bis­lang wur­den dem See rund 90 Tau­send Kubik­me­ter Schlamm ent­nom­men.

- Über 440 Ton­nen Fried­fi­sche wur­den seit 2002 durch Sanie­rungs­be­fi­schun­gen ent­nom-men. Ein aus­ge­wo­ge­ner Fisch­be­stand ermög­licht das Auf­kom­men von Zoo­plank­ton. Die­ses wie­der­um dezi­miert die Algen.

- Was­ser­pflan­zen wur­den durch das Was­ser­wirt­schafts­amt ein­ge­bracht und haben sich zwi­schen­zeit­lich auch natürlich im Altmühlsee eta­bliert. Die­se ent­neh­men Nähr­stof­fe aus dem Was­ser und ent­zie­hen den Algen so die Nah­rungs­grund­la­ge. Kla­res Was­ser gibt es nur mit einer hohen Was­ser­pflan­zen­dich­te. Somit wäre ein Kraut gegen die Algen­pla­ge gewach­sen, aller­dings wäre ein deut­lich grö­ße­rer Bede­ckungs­grad im See erfor­der­lich.

All dies führte zu einer Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on. Die Sicht­tie­fe nahm ste­tig zu, die Algen­dich­te nahm ab und Was­ser­pflan­zen kamen auf.

Aber: Höhe­re Jah­res­durch­schnitts­tem­pe­ra­tu­ren und mil­de­re Frühjahre machen sich vor allem bei Seen bemerk­bar. Blau­al­gen bekom­men so durch den Kli­ma­wan­del immer bes­se­re Wachs­tums­be­din­gun­gen und set­zen sich gegenüber „nor­ma­len“ Algen durch. Dies bele­gen welt­weit ver­stärkt auf­kom­men­de Blau­al­gen­vor­kom­men. Die­se lang­sam fort­schrei­ten­de Ent­wick­lung kon­ter­ka­riert die erziel­ten Ver­bes­se­run­gen auch am Altmühlsee. Die neue Situa­ti­on erfor­dert neue Lösungs­an­sät­ze. Aber auch bereits bekann­te Aspek­te, wie ein Über­maß an Was­ser­vö­geln oder Fischen stel­len nach wie vor ein Pro­blem dar. Die zur Ver­bes­se­rung der Sicht­tie­fe drin­gend nöti­gen Was­ser­pflan­zen wer­den durch Was­ser­vö­gel und Fische dezi­miert.

Prof. Dr. Peif­fer der Uni­ver­si­tät Bay­reuth und Prof. Dr. Geist von der TU München haben sich inten­siv mit der Situa­ti­on am Altmühlsee beschäf­tigt und dem Gre­mi­um die Grund­la­ge für mög­li­che Abhil­fe­maß­nah­men dar­ge­legt. Unab­ding­bar ist die wei­te­re Reduk­ti­on der Nähr­stof­fe aus dem Ein­zugs­ge­biet des Altmühlsees. Neu und pre­kär ist die Tat­sa­che, dass die rund 800 Tau­send Kubik­me­ter Sedi­men­te im See mehr Pro­ble­me berei­ten, als bis­lang ange­nom­men. Einer­seits wan­dern die­se lang­sam in Rich­tung Gro­ßer Brom­b­ach­see und ande­rer­seits führt die höhe­re Was­ser­tem­pe­ra­tur zu einer erhöh­ten Rücklösung der Nähr­stof­fe in den See. Blau­al­gen sind ein Gewin­ner des Kli­ma­wan­dels.

Neben eher mit­tel- und lang­fris­ti­gen Lösungs­an­sät­zen zur Reduk­ti­on der Nähr­stof­fe wur­den auch kurz­fris­ti­ge Mög­lich­kei­ten zur Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on bespro­chen. Eben­so wur­den Optio­nen aus den Berei­chen der Jagd, Fische­rei und Tou­ris­mus dis­ku­tiert. Bis zu einer Fol­ge­ta­gung im Som­mer ist jeder gehal­ten, die Vor­schlä­ge intern bezüglich deren Rea­li­sier­bar­keit zu prüfen. „Wich­tig waren mir heu­te drei Aspek­te“ so Tho­mas Kel­ler, Lei­ter des Was­ser­wirt­schafts­am­tes Ans­bach: „ers­tens, dass wir uns heu­te gemein­sam die Zeit neh­men, um zwei­tens die kom­ple­xen Zusam­men­hän­ge fach­lich fun­diert zu dis­ku­tie­ren und dann drit­tens – jeder für sei­nen Bereich – die Din­ge anpackt!“

Der Altmühlsee ist Bestand­teil des Über­lei­tungs­sys­tems Donau-Main und wur­de bereits 1985 in Betrieb genom­men. Altmühlhochwasser wird bei Orn­bau dem Altmühlsee zugeführt und ent­las­tet so das mitt­le­re Altmühltal. Das Was­ser wird dann vom Altmühlsee über den Altmühlüberleiter in den Klei­nen Brom­b­ach­see und letzt­end­lich in den Gro­ßen Brom­b­ach­see gelei­tet. Dort wird es zwi­schen­ge­spei­chert und vor allem in Tro­cken­zei­ten zur Erhö­hung der Abflüsse in das Red­nitz-Reg­nitz-Main-Gebiet abge­ge­ben. Die­se Nied­rig­was­ser­auf­hö­hung, der Hoch­was­ser­schutz aber auch die Frei­zeit- und Erho­lungs­nut­zung waren Grund­la­ge für den Land­tags­be­schluss aus dem Jahr 1970 zum Bau des Frän­ki­schen Seen­lan­des. Das größ­te Was­ser­ma­nage­ment­sys­tem Bay­erns hilft einer­seits den betrof­fe­nen Flüssen Nord­bay­erns in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels mit Zusatz­was­ser aus – ist aber ander­seits selbst von den Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels betrof­fen. Eine trag­ba­re Lösung des Pro­blems für die Altmühlseeregion kann nur gesamt­ge­sell­schaft­lich getrof­fen wer­den. Die­se Optio­nen aus­zu­lo­ten war Ziel der Fach­ta­gung.

 

Foto: Jes­si­ca Frank