Jahresarbeitsmarktbericht 2025

von | 30. Januar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Arbeits­markt ein­ge­trübt: Stei­gen­de Arbeits­lo­sig­keit und deut­lich weni­ger gemel­de­te Stel­len

Daten 2025 im Über­blick

Bestand Arbeits­lo­se (Jah­res­durch­schnitt): 8.280 (+5,1 Pro­zent | Vor­jahr: 7.880)

Arbeits­lo­sen­quo­te (Jah­res­durch­schnitt): 3,1 (Vor­jahr: 3,0)

Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­tig­te (Stich­tag 30.06.): 169.000 (-0,1 Pro­zent | Vor­jahr: 169.167)

Bestand gemel­de­ter Arbeits­stel­len (Jah­res­durch­schnitt): 5.005 ( ‑11,9 Pro­zent | Vor­jahr: 5.680)

Berufs­aus­bil­dungs­stel­len: 4.319 (+1,4 | Vor­jahr: 4.261)

Bewerber*innen für Berufs­aus­bil­dungs­stel­len: 3.148 (+5,7% | Vor­jahr: 2.977)

Der regio­na­le Arbeits­markt zeig­te sich im Berichts­jahr 2025 spür­bar ange­spannt. Clau­dia Wol­fin­ger, Vor­sit­zen­de der Geschäfts­füh­rung der Agen­tur für Arbeit Ans­bach-Wei­ßen­burg ord­net die Ent­wick­lung ein: „Der Arbeits­markt im Agen­tur­be­zirk ist merk­lich ein­ge­trübt. Unter­neh­men zei­gen sich zöger­lich. Die Ver­mitt­lung von Arbeits­lo­sen ist schwie­ri­ger als in den Jah­ren zuvor. Das haben wir über das gan­ze Jahr hin­weg gespürt.“

Arbeits­lo­sig­keit stellt sich dem­nach zum Teil anders dar als in frü­he­ren Jah­ren. Nicht allein die gestie­ge­ne Zahl der Arbeits­lo­sen stand im Vor­der­grund, son­dern auch ihre Struk­tur. Vie­le – nicht sel­ten unge­lern­te – Arbeits­lo­se brin­gen Wol­fin­ger zufol­ge Qua­li­fi­ka­tio­nen mit, die oft nicht zu den Anfor­de­run­gen der Betrie­be pass­ten. Denn Arbeitgeber*innen suchen zuneh­mend spe­zia­li­sier­tes Fach­per­so­nal. Hel­fer­tä­tig­kei­ten, für die aus­rei­chend Bewerber*innen vor­han­den wären, sind dafür aber zuneh­mend sel­te­ner gefragt.

„Wer kei­ne abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung hat oder lan­ge aus dem Beruf war, kommt in den ver­gan­ge­nen Mona­ten deut­lich schwe­rer zurück in Arbeit.“ Beson­ders im Bereich der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung (SGB III) zeig­te sich die­se Ent­wick­lung deut­lich. Län­ge­re Such­pha­sen erhö­hen zudem das Risi­ko, dass Arbeits­lo­sig­keit nicht nur vor­über­ge­hend bleibt. So ist ein hoher Arbeits­lo­sen­stand im Bereich der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung ein Warn­si­gnal, dass es zu einer nen­nens­wer­ten Anzahl an Über­gän­gen in den Bür­ger­geld­be­zug kom­men kann.

„Wenn Men­schen län­ger arbeits­los blei­ben, ver­fes­ti­gen sich Pro­ble­me. Dann wird aus einem kurz­fris­ti­gen Risi­ko eine lang­fris­ti­ge Auf­ga­be“, so Wol­fin­ger. Dabei gehe es nicht um feh­len­de Bereit­schaft, son­dern um struk­tu­rel­le Ver­schie­bun­gen. „Der Arbeits­markt ver­langt mehr Qua­li­fi­ka­ti­on und mehr Fle­xi­bi­li­tät. Vie­le Arbeits­su­chen­de kön­nen das kurz­fris­tig nicht erfül­len. Das bremst Ver­mitt­lungs­ver­su­che“, ergänzt sie.

Spür­ba­rer Rück­gang gemel­de­ter Stel­len im Jah­res­ver­lauf

Unter­neh­men agier­ten ange­sichts einer inter­na­tio­nal wie regio­nal ange­spann­ten Wirt­schafts­la­ge ent­spre­chend vor­sich­tig. Arbeitgeber*innen mel­de­ten spür­bar weni­ger offe­ne Stel­len als in den Jah­ren zuvor. Ein­stel­lun­gen wur­den zurück­ge­stellt und Ent­schei­dun­gen ver­zö­ger­ten sich. Als Fol­ge sta­gnier­te die sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung im Berichts­jahr. „Die­se Zurück­hal­tung spür­ten Arbeit­su­chen­de unmit­tel­bar“, so Wol­fin­ger. „Wenn weni­ger Stel­len gemel­det wer­den und Unter­neh­men zurück­hal­ten­der agie­ren, ver­län­gern sich Such­pha­sen. Dann wird Ver­mitt­lung zusätz­lich schwie­ri­ger – selbst für moti­vier­te und fle­xi­ble Arbeit­su­chen­de.“

Arbeits­lo­sig­keit: Mehr jun­ge Men­schen betrof­fen

Auf­fäl­lig ist im spe­zi­el­len die Ent­wick­lung bei jun­gen Men­schen. Der Anstieg der Arbeits­lo­sig­keit fiel deut­li­cher aus als in vie­len ande­ren Alters­grup­pen. Der Anteil der 15–25-jährigen Arbeits­lo­sen im Agen­tur­be­zirk ist seit 2023 spür­bar gestie­gen (2,6 auf 3,1 Pro­zent). Dazu erläu­tert Wol­fin­ger: „Der Ein­stieg ins Berufs­le­ben ist schwie­ri­ger gewor­den. Jun­ge Men­schen fin­den nicht mehr so schnell eine pas­sen­de Stel­le wie frü­her. Selbst Akademiker*innen haben aktu­ell häu­fi­ger Schwie­rig­kei­ten beim Berufs­ein­stieg. Bran­chen, die lan­ge selbst­ver­ständ­li­che Chan­cen boten, zeig­ten sich teil­wei­se zurück­hal­tend. Kon­kret sind unter ande­rem KI-Anwen­dun­gen oft dazu in der Lage, Tätig­kei­ten, die frü­her Berufs­ein­stei­gen­de über­nom­men haben, abzu­lö­sen.“

Trans­for­ma­ti­on belas­tet das ver­ar­bei­ten­de Gewer­be

Spür­bar zeigt sich der Struk­tur­wan­del im pro­du­zie­ren­den Bereich. „Das ver­ar­bei­ten­de Gewer­be steht am Stand­ort unter Druck. Trans­for­ma­ti­on, Ener­gie­prei­se und inter­na­tio­na­le Unsi­cher­hei­ten hin­ter­las­sen deut­li­che Spu­ren“, sagt Wol­fin­ger. Wäh­rend dort und in der untrenn­bar ver­bun­de­nen Arbeit­neh­mer­über­las­sung die Beschäf­ti­gung zurück­ging, zeig­ten sich ande­re Berei­che sta­bi­ler. „Das Dienst­leis­tungs­ge­wer­be konn­te einen Teil auf­fan­gen. Die Ver­lus­te lie­ßen sich jedoch nicht voll­stän­dig kom­pen­sie­ren“, ergänzt Wol­fin­ger.

Aus­bil­dungs­markt bleibt sta­bil

Trotz der ange­spann­ten Lage blieb der Aus­bil­dungs­markt robust. Sowohl die Bewerber*innenzahl als auch die gemel­de­ten Stel­len ver­zeich­ne­ten einen Anstieg. Es bestand wei­ter­hin ein deut­li­cher Stel­len­über­schuss: auf zehn Inter­es­sier­te kamen im Berichts­jahr 14 Aus­bil­dungs­stel­len. „Die regio­na­len Betrie­be hal­ten trotz Kri­se an Aus­bil­dung fest – das ist ein wich­ti­ges Signal“, sagt Wol­fin­ger.

Agen­tur für Arbeit stär­ker im Fokus – brei­tes Ange­bot für Kun­den

Ange­sichts der struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen rückt die Rol­le der Agen­tur für Arbeit stär­ker in den Fokus. Die Säu­len Ver­mitt­lung, Bera­tung und Qua­li­fi­zie­rung gewin­nen an Bedeu­tung. Abschlie­ßend fasst Clau­dia Wol­fin­ger zusam­men: „Unser Auf­trag ist es, Men­schen auf Ver­än­de­run­gen vor­zu­be­rei­ten und neue Per­spek­ti­ven zu eröff­nen. Dafür sind wir mit vol­lem Ein­satz und mit einem brei­ten Ange­bot für unse­re Kund*innen da. Von indi­vi­du­el­ler Berufs­be­ra­tung über Wei­ter­bil­dungs­för­de­rung bis hin zu Umschu­lun­gen haben wir vie­le Instru­men­te in der Hand.“

Ziel bleibt dem­nach, Arbeits­lo­sig­keit zu ver­kür­zen und Über­gän­ge in Beschäf­ti­gung zu erleich­tern – auch unter schwie­ri­ge­ren Rah­men­be­din­gun­gen. „Wenn Sie per­sön­lich Unter­stüt­zung wün­schen, ver­ein­ba­ren Sie jeder­zeit einen Ter­min unter arbeitsagentur.de/eservices“, schließt Wol­fin­ger.

Mit dem neu­en För­der­check kön­nen Unter­neh­men zudem schnell und mit weni­gen Klicks selbst her­aus­fin­den, ob sie mög­li­cher­wei­se eine unter­stüt­zen­de

För­der­leis­tung erhal­ten kön­nen – zum Bei­spiel bei Neu­ein­stel­lun­gen oder für bereits beschäf­tig­te Mit­ar­bei­ten­de. Ab sofort online unter: arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell

Foto: Bri­git­te Dorr