Katholische Universität erhält Millionenförderung für Lehre mit Verantwortung

von | 3. Juni 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Geplant sind eine hoch­schul­wei­te Aca­de­my sowie neue Lehr- und Lern­for­ma­te

Eich­stätt — An der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Eich­stätt-Ingol­stadt (KU) soll die Leh­re in den kom­men­den Jah­ren noch stär­ker mit gesell­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen und kon­kre­ten Pra­xis­pro­jek­ten ver­knüpft wer­den. Dafür erhält die Uni­ver­si­tät rund 3,4 Mil­lio­nen Euro För­der­mit­tel. Die­se stam­men von der Stif­tung Inno­va­ti­on in der Hoch­schul­leh­re und wur­den im Rah­men der Aus­schrei­bung „Die Welt ist mein Cam­pus“ ver­ge­ben.

Mit ihrem Pro­jekt „Sha­ping Respon­si­bi­li­ty – Trans­for­ma­ti­ve Edu­ca­ti­on for Acti­ve Citi­zens“ (SHARE) will die KU inno­va­ti­ve Lehr- und Lern­for­ma­te erpro­ben, Stu­di­en­gän­ge wei­ter­ent­wi­ckeln und Stu­die­ren­de noch geziel­ter an rea­len gesell­schaft­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen arbei­ten las­sen. Im Zen­trum des Vor­ha­bens steht die Grün­dung einer hoch­schul­wei­ten „Aca­de­my for Social Respon­si­bi­li­ty & Trans­for­ma­ti­ve Edu­ca­ti­on“. Sie soll als neue Platt­form für gesell­schafts­ori­en­tier­te und fach­über­grei­fen­de Leh­re wir­ken. Leh­ren­de wer­den bei der Ent­wick­lung neu­er For­ma­te unter­stützt und die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Fakul­tä­ten und exter­nen Part­nern gestärkt. Im Sin­ne von aka­de­mi­scher Selbst­re­fle­xi­on gehört auch die Eva­lua­ti­on zur Auf­ga­be der Aca­de­my. Erfolg­rei­che Ansät­ze sol­len schließ­lich auch für ande­re Hoch­schu­len nutz­bar gemacht wer­den – unter ande­rem durch offe­ne Lehr- und Lern­ma­te­ria­li­en, Fach­ver­an­stal­tun­gen und bun­des­wei­te Ver­net­zungs­an­ge­bo­te.

An dem fächer­über­grei­fen­den Vor­ha­ben sind zum Start zehn Stu­di­en­gän­ge betei­ligt, unter ande­rem aus den Berei­chen Data Sci­ence, Jour­na­lis­tik, Nach­hal­tig­keit und Ethik, Entre­pre­neur­ship, Bil­dungs­wis­sen­schaf­ten, Deutsch als Fremd­spra­che und Geo­gra­phie. Die Stu­die­ren­den sol­len ihr Wis­sen künf­tig nicht nur in Semi­na­ren erwer­ben, son­dern es ver­stärkt in kon­kre­ten gesell­schaft­li­chen Anwen­dungs­fel­dern ein­set­zen und reflek­tie­ren. Zugleich ist vor­ge­se­hen, Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten stär­ker an der Wei­ter­ent­wick­lung von Cur­ri­cu­la, Lehr­for­ma­ten und Bil­dungs­zie­len zu betei­li­gen.

Ein wei­te­rer Schwer­punkt liegt auf dem Aus­bau der Zusam­men­ar­beit mit Kom­mu­nen, Unter­neh­men, kul­tu­rel­len Ein­rich­tun­gen und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen. Rea­le gesell­schaft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen soll­ten damit stär­ker zum Aus­gangs­punkt uni­ver­si­tä­rer Lern- und For­schungs­pro­zes­se wer­den, erklärt KU-Prä­si­den­tin Prof. Dr. Gabrie­le Gien. Sie sieht in der För­de­rung einen wich­ti­gen Impuls für die Wei­ter­ent­wick­lung der Uni­ver­si­tät: „Unse­re Gesell­schaft steht vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen wie Kli­ma­wan­del, KI oder Des­in­for­ma­ti­on. Das Pro­jekt ‚Sha­ping Respon­si­bi­li­ty‘ wird unse­re Stu­die­ren­den noch mehr als bis­her dazu befä­hi­gen, gesell­schaft­li­che Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se ver­ant­wor­tungs­voll mit­zu­ge­stal­ten.“

Ergänzt wird das Pro­jekt durch neue Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te für Leh­ren­de, digi­ta­le Koope­ra­ti­ons­platt­for­men und ein „Trans­for­ma­ti­on Lab“ als neu­en Lehr- und Lern­ort für inno­va­ti­ve und inter­dis­zi­pli­nä­re For­ma­te. Dr. Tho­mas Met­ten, der den Antrag für die KU kon­zi­piert und koor­di­niert hat, betont die struk­tu­rel­le Bedeu­tung des Vor­ha­bens: „Mit dem Pro­jekt wird es erst­mals mög­lich, trans­for­ma­ti­ve Hoch­schul­bil­dung breit in den unter­schied­li­chen Stu­di­en­gän­gen der KU zu ver­an­kern. Gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung, Demo­kra­tie­bil­dung und Nach­hal­tig­keit wer­den damit zu zen­tra­len Pro­fil­merk­ma­len eines Stu­di­ums an der KU. Die KU geht damit den nächs­ten Schritt bei der Stär­kung ihres Pro­fils als enga­gier­te und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Uni­ver­si­tät, die aktiv zur Gestal­tung gesell­schaft­li­cher Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se bei­trägt.“

Die Umset­zung des Pro­jekts beginnt offi­zi­ell am 1. Juli 2026 und ist auf vier Jah­re ange­legt. Zunächst ste­hen Pla­nung, Koor­di­na­ti­on und Abstim­mung im Mit­tel­punkt. Anschlie­ßend folgt ein mehr­stu­fi­ger Pro­zess zur Wei­ter­ent­wick­lung der betei­lig­ten Stu­di­en­gän­ge, zum Auf­bau der Aca­de­my sowie zur Ein­rich­tung neu­er Unter­stüt­zungs- und Trans­fer­struk­tu­ren.

Das Vor­ha­ben ver­fol­ge das Ziel, Stu­die­ren­de nicht nur fach­lich exzel­lent aus­zu­bil­den, son­dern sie zugleich dazu zu befä­hi­gen, gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen reflek­tiert, evi­denz­ba­siert und ver­ant­wor­tungs­voll mit­zu­ge­stal­ten, betont der Vize­prä­si­dent für Stu­di­um und Leh­re, Prof. Dr. Klaus Mei­er. Er ver­weist in die­sem Zusam­men­hang auf die beson­de­re Rol­le der KU im deut­schen Hoch­schul­sys­tem: „Als enga­gier­te Uni­ver­si­tät ver­bin­det die KU Leh­re, For­schung und gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung zukunfts­wei­send. Ich bin über­zeugt, dass wir in der deut­schen Uni­ver­si­täts­land­schaft damit eine Vor­rei­ter­rol­le ein­neh­men“, so Mei­er. Die Aus­wahl durch die Jury der Stif­tung Inno­va­ti­on in der Hoch­schul­leh­re ermu­ti­ge die KU, die­sen inno­va­ti­ven Weg wei­ter­zu­ge­hen. „Das ist für uns die Exzel­lenz, nach der wir stre­ben.“

Mit dem Pro­jekt SHARE will die KU ihre Leh­re künf­tig noch stär­ker an gesell­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung und wis­sen­schaft­li­cher Refle­xi­on aus­rich­ten. „Unse­re Leh­re und das Stu­di­um an der KU wer­den noch mehr geprägt sein von einem for­schungs­ori­en­tier­ten Fokus auf gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung. Wir wol­len unse­re Stu­die­ren­den evi­denz­ba­siert und auf soli­der ethi­scher Grund­la­ge dazu befä­hi­gen und ermu­ti­gen, sich in die Gesell­schaft ein­zu­brin­gen. Sie kla­gen nicht über Kri­sen, son­dern wir­ken an Lösun­gen mit und gestal­ten Zukunft.“ Bei der Umset­zung kann die KU auf umfang­rei­che Vor­ar­bei­ten auf­bau­en. Dazu zäh­len die lang­jäh­ri­ge Erfah­rung im Ser­vice Lear­ning, bestehen­de Trans­fer­struk­tu­ren, das Citi­zen Sci­ence Lab sowie die bereits eta­blier­te School of Trans­for­ma­ti­on & Sus­taina­bi­li­ty.

Bei der Aus­schrei­bung „Die Welt ist mein Cam­pus“ waren nach Anga­ben der Stif­tung Inno­va­ti­on in der Hoch­schul­leh­re ins­ge­samt 219 Anträ­gen ein­ge­reicht wor­den. Bun­des­weit wur­den 29 Vor­ha­ben für die För­de­rung aus­ge­wählt. In Bay­ern ist die KU neben der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Erlan­gen-Nürn­berg die ein­zi­ge geför­der­te Uni­ver­si­tät; dar­über hin­aus erhiel­ten die Hoch­schu­len Augs­burg und Nürn­berg sowie die Hoch­schu­le für Musik in Nürn­berg einen Zuschlag.

Foto: upd/Christian Klenk