Keep Water 4 Later

von | 3. November 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Schon heu­te Was­ser für mor­gen spei­chern

Wei­ßen­burg — Der Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen hat den Antrag „LIFE KeepWater4Later“ bei der EU ein­ge­reicht. Bei einer gro­ßen Pres­se­kon­fe­renz mit Land­rat Manu­el West­phal, Bür­ger­meis­tern aus betei­lig­ten Kom­mu­nen, Ver­tre­tern des Was­ser­wirt­schafts­amts Ans­bach, der Hoch­schu­le Wei­hen­ste­phan-Tri­es­dorf, dem Insti­tut für Fische­rei der Lan­des­an­stalt für Land­wirt­schaft, des ALE und des AELFs wur­de das ehr­gei­zi­ge Pro­jekt am kunst­stoff­cam­pus in Wei­ßen­burg vor­ge­stellt. Unter ande­rem brach AELF-Lei­te­rin Ingrid Bär eine Lan­ze für das LIFE-Pro­jekt (EU-För­der­pro­gramm LIFE (L’In­stru­ment Finan­cier pour l’En­vi­ron­ne­ment): „Das ist eine ganz tol­le Geschich­te, so stel­le ich mir die akti­ve Mit­ge­stal­tung des Kli­ma­wan­dels vor. Das ist eine super Zusam­men­ar­beit!“

Gemein­sam mit zehn Kom­mu­nen, dem Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach, der Hoch­schu­le Wei­hen­ste­phan-Tri­es­dorf und dem Insti­tut für Fische­rei der Lan­des­an­stalt für Land­wirt­schaft wur­de ein Pro­jekt erar­bei­tet, das zukunfts­wei­sen­de Was­ser­haus­halts­lö­sun­gen bie­tet. Damit soll die ers­te Säu­le von Kli­ma­re­si­li­enz in Alt­mühl­fran­ken umge­setzt wer­den. Das Gesamt­bud­get von vier Mil­lio­nen Euro soll in inno­va­ti­ve Pilot­maß­nah­men in zehn betei­lig­ten Gemein­den flie­ßen. Ziel von „KeepWater4Later“ ist es, durch natur­ba­sier­te Tech­no­lo­gien und bestehen­de Infra­struk­tur die loka­len Was­ser­re­ser­ven und den Land­schafts­was­ser­haus­halt nach­hal­tig zu stär­ken. Die Maß­nah­men fokus­sie­ren sich auf Was­ser­ma­nage­ment durch Was­ser­rück­halt in der Flä­che zur Höhung der Grund­was­ser­neu­bil­dung und Vor­beu­gung von Hoch­was­ser sowie auf die Spei­che­rung von Regen­was­ser zur Bewäs­se­rung öffent­li­cher Flä­chen – ohne kost­ba­res Trink­was­ser zu ver­brau­chen. Auch die Reak­ti­vie­rung still­ge­leg­ter Infra­struk­tu­ren oder die Neu­an­le­gung von Tei­chen, Grä­ben oder Rück­hal­te­be­cken spielt eine zen­tra­le Rol­le. Tra­di­tio­nel­le Tech­ni­ken sol­len dabei an heu­ti­ge Bedürf­nis­se ange­passt wer­den.

Über vier Jah­re hin­weg sol­len die Akteu­re aus Ver­wal­tung, Land­wirt­schaft, Natur­schutz und Wis­sen­schaft eng zusam­men­ar­bei­ten. Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gnen sol­len bewir­ken, dass die Ergeb­nis­se und Erfah­run­gen aus den Pro­jek­ten auch in der Regi­on bzw. auch dar­über hin­aus ver­brei­tet wer­den und damit ein Bewusst­sein geschaf­fen wird. Die ver­stärk­te Zusam­men­ar­beit soll nicht nur die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels abfe­dern, son­dern auch die Was­ser­ver­sor­gung der Regi­on nach­hal­tig sichern. Ins­ge­samt könn­ten durch das Pro­jekt rund 500.000 Kubik­me­ter Was­ser zur Wie­der­ver­wen­dung und Rück­hal­tung gespei­chert wer­den. Der Anlass für „LIFE KeepWater4Later“ ist der Kli­ma­wan­del, der auch in Bay­ern jetzt schon spür­ba­re Fol­gen zeigt: So neh­men Hit­ze­pe­ri­oden, Stark­re­gen, Dür­re und Über­schwem­mun­gen Jahr für Jahr zu.

Wäh­rend die Alpen­re­gio­nen noch über aus­rei­chend Was­ser ver­fü­gen, lei­den nörd­li­che­re Gebie­te wie das Frän­ki­sche Becken schon jetzt unter zuneh­men­der Tro­cken­heit. Dies erhöht den Hand­lungs­druck für ein zukunfts­fä­hi­ges Was­ser­ma­nage­ment erheb­lich. „Unser Über­lei­tungs­sys­tem spielt hier natür­lich schon die wich­tigs­te Rol­le, jedoch muss mit Blick auf die zuneh­men­den Wet­ter­ex­tre­me die Land­schaft ange­passt und umge­baut wer­den. Mit dem LIFE-Pro­jekt­an­trag haben wir tol­le Maß­nah­men ent­wi­ckelt, die so auch für ande­re Regio­nen ein­fach und ohne hohe Kos­ten umsetz­bar sein kön­nen“, ver­deut­licht Felix Pro­sie­gel vom Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach.

In zahl­rei­chen Work­shops wur­den gemein­sam mit Kom­mu­nen, Ver­bän­den und Fach­be­hör­den Maß­nah­men erar­bei­tet, die Land­wirt­schaft, Natur­schutz und der Bevöl­ke­rung glei­cher­ma­ßen zugu­te­kom­men. Land­rat Manu­el West­phal, die Mit­ar­bei­ten­den des Land­rats­am­tes und Ver­tre­ter des Was­ser­wirt­schafts­amts Ans­bach (WWA) haben mög­li­che Stand­or­te vor Ort besich­tigt und kon­kre­te Pro­jekt­ideen ent­wi­ckelt.

Natur­na­he Lösun­gen und alte Infra­struk­tur nut­zen

Ein wich­ti­ger Part­ner im Pro­jekt ist auch das Insti­tut für Fische­rei, da das Kon­zept der Bewäs­se­rungs­teich­wirt­schaft an eini­gen Stand­or­ten aus­pro­biert wer­den soll. Also der Was­ser­rück­halt in einem Teich, der für die Karp­fen­teich­wirt­schaft genutzt wer­den kann und gleich­zei­tig für Bewäs­se­rungs­zwe­cke – ein Vor­teil für Fische­rei­ver­ei­ne und Bio­di­ver­si­tät, wie auch Dr. Mar­tin Ober­le vom Insti­tut für Fische­rei in Höchstadt an der Aisch erklär­te. Der Wis­sen­schaft­ler, der im Bereich der öko­lo­gi­schen Fische­rei forscht, war eben­falls voll des Lobes für das Pro­jekt, das der Land­kreis an Land zie­hen will: „Was Sie da in kur­zer Zeit geschaf­fen haben, das ist ganz toll.“

Neben der Wie­der­be­le­bung von Tei­chen und Grä­ben zur Was­ser­spei­che­rung sol­len auch steu­er­ba­re Drai­na­gen und soge­nann­te Key­line-Flä­chen zur geziel­ten Was­s­erlen­kung und den Was­ser­rück­halt in Flä­che ein­ge­setzt wer­den. Dafür sol­len – nach För­der­zu­sa­ge – auch Zuschüs­se bereit­ge­stellt wer­den. Auch Grä­ben, die nicht als Gewäs­ser ein­ge­stuft sind, sol­len im Rah­men des Pro­jekts für wei­te­ren Was­ser­rück­halt genutzt wer­den. Land­rat Manu­el West­phal warb vor­ab per­sön­lich in vie­len Gemein­de­rä­ten für die Pro­jekt­teil­nah­me. Das Ergeb­nis: Zehn Kom­mu­nen mit über 30 Pro­jekt­stand­or­ten machen mit, dar­un­ter alle VG Alt­mühl­tal-Gemein­den sowie Hei­den­heim, West­heim, Treucht­lin­gen, Gun­zen­hau­sen, Pfo­feld und Nenns­lin­gen. Auch Nenns­lin­gens Bür­ger­meis­ter Bernd Dre­scher hält das Pro­jekt für mehr als sinn­voll: „Was­ser wird uns in Zukunft alle noch viel mehr beschäf­ti­gen als heu­te.“

Zusätz­lich zu den För­der­mög­lich­kei­ten für Kom­mu­nen sind auch Maß­nah­men für Pri­vat­per­so­nen geplant, etwa für smar­te Drai­na­gen oder die Umnut­zung von Gül­le­gru­ben als Was­ser­spei­cher. Auch die Land­wir­te pro­fi­tie­ren durch kon­trol­lier­te Bewäs­se­rung und neue Anbau­me­tho­den, die die Boden­qua­li­tät ver­bes­sern. Tech­ni­sche und öko­lo­gi­sche Maß­nah­men grei­fen inein­an­der, um sowohl Tro­cken­heit als auch Sturz­flu­ten zu begeg­nen. Ziel ist eine resi­li­en­te Land­schaft mit sta­bi­len Was­ser­haus­hal­ten und einer ver­min­der­ten Ero­si­on.

For­schung und Über­trag­bar­keit

Eine Beson­der­heit des Pro­jekts ist die enge Koope­ra­ti­on zwi­schen den Kom­mu­nen, Behör­den, Natur­schutz, der Jäger­schaft, der Fische­rei, der Land­wirt­schaft und der Wis­sen­schaft. Die Hoch­schu­le Wei­hen­ste­phan-Tri­es­dorf über­nimmt das Moni­to­ring und die Eva­lua­ti­on. Auch das Insti­tut für Fische­rei wird durch Pla­nungs­ar­bei­ten unter­stüt­zen. Durch Öffent­lich­keits­ar­beit und Hand­bü­cher sol­len die Erkennt­nis­se auch ande­ren euro­päi­schen Regio­nen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. „Das Pro­jekt ist so kon­zi­piert, dass sei­ne Ansät­ze über­trag­bar und anpass­bar sind. Die Anbin­dung an bestehen­de Netz­wer­ke, zum Bei­spiel auch an uns als HSWT, soll eine schnel­le Ver­brei­tung för­dern. Damit setzt das Pro­jekt aus unse­rer Sicht ein star­kes Signal für nach­hal­ti­ge Was­ser- und Land­schafts­po­li­tik im länd­li­chen Raum“, beton­te Pro­fes­sor Kris­ti­an Förs­ter. Die Über­trag­bar­keit und Wei­ter­ver­brei­tung der Ergeb­nis­se wird u.a. durch die enge Koope­ra­ti­on mit den ver­schie­de­nen Ver­bän­den wie dem LBV, dem LPV, dem BLSV oder dem BBV sicher­ge­stellt.

Ein Modell für die Zukunft

„Die brei­te Alli­anz aus Wis­sen­schaft, Kom­mu­nen, Land­nut­zer und Natur­schutz ist eine Win-win-Situa­ti­on für alle: Was­ser­res­sour­cen wer­den effi­zi­en­ter genutzt, die Arten­viel­falt geför­dert und die Bevöl­ke­rung bes­ser geschützt“, ist Land­rat West­phal über­zeugt. Das Pro­jekt zei­ge, wie ganz Alt­mühl­fran­ken zu einer zukunfts­fä­hi­gen Land­schaft wer­den kön­ne – als Vor­bild für ande­re Regio­nen. Ob die EU den Antrag bewil­ligt, ent­schei­det sich im spä­ten Früh­jahr 2026.

West­phal ist über­zeugt: „Schon jetzt haben wir ein trag­fä­hi­ges Kon­zept in der Hand, mit dem auch ohne För­de­rung zahl­rei­che klei­ne­re Maß­nah­men umge­setzt wer­den kön­nen, die in Sum­me Gro­ßes bewir­ken.“  Er dank­te allen Betei­lig­ten – ins­be­son­de­re dem Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach für sei­ne enge Unter­stüt­zung, aber auch den Mit­ar­bei­ten­den der Unte­ren Natur­schutz­be­hör­de am Land­rats­amt, den wei­te­ren Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen, der Zukunfts­in­itia­ti­ve Alt­mühl­fran­ken bis hin zur HSWT und dem Insti­tut für Fische­rei – für ihren Ein­satz: „Gemein­sam kön­nen wir etwas Gro­ßes errei­chen.“

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zum Pro­jekt Kli­ma­re­si­li­enz in Alt­mühl­fran­ken:

In zahl­rei­chen Work­shops und Ver­an­stal­tun­gen hat der Land­kreis gemein­sam mit den unter­schied­li­chen Akteu­ren ein Pro­jekt erar­bei­tet, das das The­ma Was­ser ganz­heit­lich ange­hen will. Das Pro­jekt „Kli­ma­re­si­li­enz in Alt­mühl­fran­ken“ basiert auf 5 Säu­len:

1. Land­schafts­was­ser­haus­halt: Ein Bestand­teil der Säu­le 1 ist der beschrie­be­ne För­der­an­trag im EU-För­der­pro­gramm LIFE (L’In­stru­ment Finan­cier pour l’En­vi­ron­ne­ment). Durch die Pro­jek­te wird der Land­schafts­was­ser­haus­halt ver­bes­sert, um zum Bei­spiel Was­ser für lan­ge Tro­cken­pha­sen zu spei­chern oder einen lang­sa­men Abfluss zu ermög­li­chen, wovon auch die Grund­was­ser­neu­bil­dung pro­fi­tiert. Die Land­schaft wäre so auch bes­ser auf Stark­re­gen­er­eig­nis­se vor­be­rei­tet.

Wei­te­re Maß­nah­men neben dem För­der­an­trag wer­den gemein­sam mit den Pro­jekt­part­nern ent­wi­ckelt.

2. Hoch­was­ser­re­si­li­en­te Sied­lungs­struk­tu­ren: Gemein­sam mit dem Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach wer­den die Kom­mu­nen für den Hoch­was­ser­schutz – sowohl tech­nisch als auch über natür­li­che Rück­hal­te­mög­lich­kei­ten in der Land­schaft (s. Säu­le 1) sen­si­bi­li­siert, bera­ten und bei der Umset­zung unter­stützt.

3. Nach­hal­ti­ge Tie­fen­grund­was­ser­nut­zung: Im Land­kreis nut­zen öffent­li­che Was­ser­ver­sor­ger sowie ein pri­va­ter Geträn­ke­her­stel­ler den Grund­was­ser­kör­per des „Über­deck­ten Sand­stein­keu­pers“, die der­zei­ti­gen Ent­nah­men über­stei­gen das nutz­ba­re Dar­ge­bot. Auch um die Ver­sor­gungs­si­cher­heit der bestehen­den, orts­na­hen Was­ser­ver­sor­gungs­struk­tu­ren zu stei­gern, geht der Land­kreis gemein­sam mit dem Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach neue Wege. Alle Nut­zer haben gemein­sam, Alter­na­ti­ven zur der­zei­ti­gen Ent­nah­me ermit­telt oder Ein­spar­mög­lich­kei­ten genutzt, um die Ent­nah­me im   Tie­fen­grund­was­ser zu redu­zie­ren.

4. Kli­ma­re­si­li­en­te Gewäs­ser: Durch die höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren im Som­mer erwär­men sich alle Gewäs­ser stark, was sich auf alle Lebe­we­sen und den Gewäs­ser­zu­stand aus­wirkt. Mit der Alt­mühl gibt es ein land­schafts­prä­gen­des Fließ­ge­wäs­ser im Land­kreis, das auf­grund sei­ner gerin­gen Fließ­ge­schwin­dig­keit beson­ders vom Kli­ma­wan­del betrof­fen ist. Gemein­sam mit dem Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach und vie­len wei­te­ren Part­nern sol­len hier eben­falls Ver­bes­se­run­gen an allen Gewäs­sern, ins­be­son­de­re auch an den klei­nen Gewäs­sern 3. Ord­nung erreicht wer­den


5. Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gne: Jeder kann etwas dazu bei­tra­gen, um die wert­vol­le Res­sour­ce Was­ser zu schüt­zen. Des­we­gen initi­iert der Land­kreis eine umfas­sen­de Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gne rund um die Res­sour­ce Was­ser. Die Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gne star­tet im Herbst 2025 und wird vom Regio­nal­ma­nage­ment geför­dert.

Zu den ein­zel­nen Säu­len haben sich auch Pro­jekt­grup­pen for­miert, deren Teil­neh­men­de aus ganz ver­schie­de­nen Sek­to­ren aus dem Land­kreis kom­men – schließ­lich wir­ken sich die Säu­len posi­tiv auf alle Berei­che aus: Natur­schutz, Land- und Forst­wirt­schaft, Was­ser­wirt­schaft, Fische­rei, Jäger­schaft, aber natür­lich auch die Bevöl­ke­rung, wes­halb bei den Pla­nun­gen und Umset­zun­gen alle Akteu­re über die Betei­li­gung von Behör­den, Kom­mu­nen und Ver­bän­den ver­tre­ten sind. Auch Ver­tre­ter der Frak­tio­nen des Kreis­tags sind in den Pro­jekt­grup­pen ver­tre­ten.

Bild­un­ter­schrift: „LIFE KeepWater4Later“: So heißt der EU-Antrag, der bei sei­ner offi­zi­el­len Vor­stel­lung am kunst­stoffcam­pus unter ande­rem auch bei den Bür­ger­meis­tern im Land­kreis auf brei­te Zustim­mung stieß. Wenn alles nach Plan läuft, könn­te das Pro­jekt im Som­mer 2026 bereits in Alt­mühl­fran­ken star­ten. Foto: Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen/­Mar­kus Stei­ner