Klimawandel und Landwirtschaft

von | 21. Januar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Wach­stein — Im Rah­men von Kli­ma­re­si­li­enz in Alt­mühl­fran­ken hat der Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen zwei Exper­ten des Fach­zen­trums für Ener­gie und Land­tech­nik Tri­es­dorf für einen inter­ak­ti­ven Vor­trag gewin­nen kön­nen. The­ma war, wie die Land­wirt­schaft trotz ver­än­der­ter Bedin­gun­gen durch den Kli­ma­wan­dels erfolg­reich sein kann.

Als Refe­ren­ten hat­te Land­rat Manu­el West­phal Nor­bert Blei­st­ei­ner und Georg Schau­er vom Fach­zen­trum für Ener­gie und Land­tech­nik Tri­es­dorf ein­ge­la­den. Die bei­den Exper­ten berich­te­ten dem zahl­reich anwe­sen­den Fach­pu­bli­kum ihre Erfah­run­gen aus der Pra­xis und stell­ten Anpas­sungs­stra­te­gien für den Kli­ma­wan­del vor. Die schlech­te Nach­richt vor­weg: Es gibt lei­der kei­ne Mus­ter­lö­sung, um die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels in den Griff zu bekom­men. Die gute Nach­richt: Mit vie­len, klei­ne­ren Ein­zel­maß­nah­men, kann man die Fol­gen den­noch abmil­dern.

Immer mehr Wet­ter­ex­tre­me

Ein­gangs schil­der­te Blei­st­ei­ner, der in Tri­es­dorf die Abtei­lung Landtechnik/Bauwesen und Ener­gie lei­tetdie Aus­gangs­la­ge: Die Wet­ter­la­ge ver­än­dert sich auch in unse­rer Regi­on, dar­an bestehe kein Zwei­fel. Die Wet­ter­ex­tre­me neh­men in Alt­mühl­fran­ken zu und zei­gen seit eini­gen Jah­ren eine immer grö­ße­re Spann­brei­te. Stark­re­gen­er­eig­nis­se wech­seln sich mit län­ger anhal­ten­den Tro­cken­pha­sen ab und stel­len vor allem die Land­nut­zer vor neue Her­aus­for­de­run­gen. Der Kli­ma­wan­del betrifft vor allem die Land- und Forst­wirt­schaft, aber auch Sied­lungs­flä­chen und Gewäs­ser. Stark­re­gen und immer län­ge­re Tro­cken­pe­ri­oden brin­gen land­wirt­schaft­li­che Flä­chen, die Vege­ta­ti­on als auch den Land­schafts­was­ser­haus­halts zuneh­mend unter Druck. Wie hier das Pro­jekt „Kli­ma­re­si­li­enz in Alt­mühl­fran­ken“ den Land­kreis gemein­sam mit regio­na­len Akteu­ren fit für die ver­än­der­ten Kli­ma­be­din­gun­gen machen kann, zeig­ten die bei­den Exper­ten auf, die von Land­rat Manu­el West­phal begrüßt wur­den. West­phal beton­te, dass Kli­ma­re­si­li­enz in Alt­mühl­fran­ken kein „Top-Down-Pro­jekt“ sein sol­le, son­dern eines, das von unten nach oben wächst und bei dem sich alle aktiv betei­li­gen sol­len.

Aus sei­ner Sicht müs­se man das kom­ple­xe The­ma Was­ser kom­plett neu über­den­ken, Res­sour­cen spa­ren und nie­der­schwel­lig, aber den­noch wir­kungs­voll han­deln.

Die Fol­gen sind schon spür­bar

Blei­st­ei­ner beton­te in sei­nem State­ment, dass der Kli­ma­wan­del wohl von kei­nem mehr geleug­net wer­den kön­ne und die Fol­gen vor allem die Land­wirt­schaft schon jetzt zu spü­ren bekom­me, an ers­ter Stel­le durch Tro­cken­heit (54 Pro­zent), gefolgt von Hagel, Stark­re­gen und Frost. Blei­st­ei­ner zitier­te eine Stu­die im Auf­trag der Euro­päi­schen Inves­ti­ti­ons­bank: Der zufol­ge ver­liert die EU-Land­wirt­schaft jähr­lich mehr als 28 Mil­li­ar­den Euro allein durch schlech­tes Wet­ter. Des­halb ste­hen die Land­wir­te vor immer grö­ße­ren Her­aus­for­de­run­gen und müs­sen mit Extrem­wet­ter, Hit­ze- und Tro­cken­stress, mehr Schäd­lin­gen und Pflan­zen­krank­hei­ten zurecht­kom­men. Unsi­che­re Erträ­ge und ein höhe­rer Pflan­zen­schutz­auf­wand und damit ver­bun­den stei­gen­de Pro­duk­ti­ons­kos­ten sei­en wei­te­re Fol­gen.

Eine rich­ti­ge Frucht­fol­gen­ge­stal­tung stell­te der Tri­es­dor­fer Exper­te als eine mög­li­che Stra­te­gie vor: So könn­ten bei­spiels­wei­se in den Tro­cken­mo­na­ten vor allem Erb­se, Win­ter- und Som­mer­gers­te ange­baut wer­den. Die stren­gen EU-Vor­ga­ben wür­den die Pro­ble­me der Land­wir­te noch wei­ter ver­schär­fen: „In der Sum­me wird des extrem schwie­rig!“ Des­halb müss­ten die Land­wir­te ganz­heit­li­che Ansät­ze ver­fol­gen und sich vom Wunsch der Spit­zener­trä­ge ver­ab­schie­den: „Das ist nicht anzu­stre­ben und auch nicht erreich­bar und auch der fal­sche Ansatz.“ Sein Mit­ar­bei­ter und Kol­le­ge Georg Schau­er warf ein, dass man dazu über­ge­hen müs­se, das Risi­ko zu split­ten und nicht alles auf eine Kar­te set­zen, wenn Acker­bö­den durch die Kli­ma­ex­tre­me ihre Spei­cher- und Puf­fer­funk­ti­on ein­bü­ßen. Hier kön­ne eine kon­ser­vie­ren­de Boden­be­ar­bei­tung, Mulch- und Direkt­saat sowie ein geziel­ter Humus­auf­bau mit Zwi­schen­früch­ten eine Ant­wort sein.

Schau­er führ­te aus, dass durch geziel­te Dün­gung gene­rell eine Ertrags­stei­ge­rung mög­lich sei, sich aber beim Wei­zen kaum aus­wir­ke. Er plä­dier­te dafür, dass man „das Bes­te aus zwei Wel­ten“, der öko­lo­gi­schen und der kon­ven­tio­nel­len Land­wirt­schaft, kom­bi­nie­re, um zum Erfolg zu kom­men. In der Dis­kus­si­on mit den Anwe­sen­den, dar­un­ter Ver­tre­ter der Land­wirt­schaft, von Behör­den und Ver­bän­den aber auch des Kreis­tags wur­den die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen im Bereich der Land­wirt­schaft ange­spro­chen und auch nach der Ein­schät­zung der Tri­es­dor­fer Exper­ten gefragt.

Land­rat Manu­el West­phal war es am Ende vor­be­hal­ten, das zusam­men­fas­sen­de Schluss­wort zu spre­chen: Man müs­se als Land­wirt aus sei­ner Sicht die ver­schie­dens­ten Tools nut­zen, um am Ende erfolg­reich zu sein, was immer kom­ple­xer und schwie­ri­ger wer­de – auch weil es etli­che Ziel­kon­flik­te gebe. Auch er sei der Ansicht, dass es kei­nen Königs­weg gibt, son­dern einen Weg, der sich aus vie­len klei­nen Bau­stei­nen zusam­men­setzt, die zum Ziel füh­ren. Jeder Land­wirt müs­se sich des­halb die­se Fra­ge stel­len: „Was ist für mich die bes­te Lösung?“ Die Fach­ver­an­stal­tung in Wach­stein mit den bei­den Tri­es­dor­fer Exper­ten war aus sei­ner Sicht „ein Abend, der sich auf alle Fäl­le gelohnt hat.“

Bild­un­ter­schrift: Refe­rier­ten über den Kli­ma­wan­del und die her­aus­for­dern­den Fol­gen für die Land­wirt­schaft in der Regi­on: Georg Schau­er und Nor­bert Blei­st­ei­ner vom Fach­zen­trum für Ener­gie und Land­tech­nik in Tri­es­dorf sowie Land­rat Manu­el West­phal, der zu der Info­ver­an­stal­tung ins Gast­haus Oster nach Wach­stein ein­ge­la­den hat­te. Foto: Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen/­Mar­kus Stei­ner