Wachstein — Im Rahmen von Klimaresilienz in Altmühlfranken hat der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen zwei Experten des Fachzentrums für Energie und Landtechnik Triesdorf für einen interaktiven Vortrag gewinnen können. Thema war, wie die Landwirtschaft trotz veränderter Bedingungen durch den Klimawandels erfolgreich sein kann.
Als Referenten hatte Landrat Manuel Westphal Norbert Bleisteiner und Georg Schauer vom Fachzentrum für Energie und Landtechnik Triesdorf eingeladen. Die beiden Experten berichteten dem zahlreich anwesenden Fachpublikum ihre Erfahrungen aus der Praxis und stellten Anpassungsstrategien für den Klimawandel vor. Die schlechte Nachricht vorweg: Es gibt leider keine Musterlösung, um die Auswirkungen des Klimawandels in den Griff zu bekommen. Die gute Nachricht: Mit vielen, kleineren Einzelmaßnahmen, kann man die Folgen dennoch abmildern.
Immer mehr Wetterextreme
Eingangs schilderte Bleisteiner, der in Triesdorf die Abteilung Landtechnik/Bauwesen und Energie leitet, die Ausgangslage: Die Wetterlage verändert sich auch in unserer Region, daran bestehe kein Zweifel. Die Wetterextreme nehmen in Altmühlfranken zu und zeigen seit einigen Jahren eine immer größere Spannbreite. Starkregenereignisse wechseln sich mit länger anhaltenden Trockenphasen ab und stellen vor allem die Landnutzer vor neue Herausforderungen. Der Klimawandel betrifft vor allem die Land- und Forstwirtschaft, aber auch Siedlungsflächen und Gewässer. Starkregen und immer längere Trockenperioden bringen landwirtschaftliche Flächen, die Vegetation als auch den Landschaftswasserhaushalts zunehmend unter Druck. Wie hier das Projekt „Klimaresilienz in Altmühlfranken“ den Landkreis gemeinsam mit regionalen Akteuren fit für die veränderten Klimabedingungen machen kann, zeigten die beiden Experten auf, die von Landrat Manuel Westphal begrüßt wurden. Westphal betonte, dass Klimaresilienz in Altmühlfranken kein „Top-Down-Projekt“ sein solle, sondern eines, das von unten nach oben wächst und bei dem sich alle aktiv beteiligen sollen.
Aus seiner Sicht müsse man das komplexe Thema Wasser komplett neu überdenken, Ressourcen sparen und niederschwellig, aber dennoch wirkungsvoll handeln.
Die Folgen sind schon spürbar
Bleisteiner betonte in seinem Statement, dass der Klimawandel wohl von keinem mehr geleugnet werden könne und die Folgen vor allem die Landwirtschaft schon jetzt zu spüren bekomme, an erster Stelle durch Trockenheit (54 Prozent), gefolgt von Hagel, Starkregen und Frost. Bleisteiner zitierte eine Studie im Auftrag der Europäischen Investitionsbank: Der zufolge verliert die EU-Landwirtschaft jährlich mehr als 28 Milliarden Euro allein durch schlechtes Wetter. Deshalb stehen die Landwirte vor immer größeren Herausforderungen und müssen mit Extremwetter, Hitze- und Trockenstress, mehr Schädlingen und Pflanzenkrankheiten zurechtkommen. Unsichere Erträge und ein höherer Pflanzenschutzaufwand und damit verbunden steigende Produktionskosten seien weitere Folgen.
Eine richtige Fruchtfolgengestaltung stellte der Triesdorfer Experte als eine mögliche Strategie vor: So könnten beispielsweise in den Trockenmonaten vor allem Erbse, Winter- und Sommergerste angebaut werden. Die strengen EU-Vorgaben würden die Probleme der Landwirte noch weiter verschärfen: „In der Summe wird des extrem schwierig!“ Deshalb müssten die Landwirte ganzheitliche Ansätze verfolgen und sich vom Wunsch der Spitzenerträge verabschieden: „Das ist nicht anzustreben und auch nicht erreichbar und auch der falsche Ansatz.“ Sein Mitarbeiter und Kollege Georg Schauer warf ein, dass man dazu übergehen müsse, das Risiko zu splitten und nicht alles auf eine Karte setzen, wenn Ackerböden durch die Klimaextreme ihre Speicher- und Pufferfunktion einbüßen. Hier könne eine konservierende Bodenbearbeitung, Mulch- und Direktsaat sowie ein gezielter Humusaufbau mit Zwischenfrüchten eine Antwort sein.
Schauer führte aus, dass durch gezielte Düngung generell eine Ertragssteigerung möglich sei, sich aber beim Weizen kaum auswirke. Er plädierte dafür, dass man „das Beste aus zwei Welten“, der ökologischen und der konventionellen Landwirtschaft, kombiniere, um zum Erfolg zu kommen. In der Diskussion mit den Anwesenden, darunter Vertreter der Landwirtschaft, von Behörden und Verbänden aber auch des Kreistags wurden die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Landwirtschaft angesprochen und auch nach der Einschätzung der Triesdorfer Experten gefragt.
Landrat Manuel Westphal war es am Ende vorbehalten, das zusammenfassende Schlusswort zu sprechen: Man müsse als Landwirt aus seiner Sicht die verschiedensten Tools nutzen, um am Ende erfolgreich zu sein, was immer komplexer und schwieriger werde – auch weil es etliche Zielkonflikte gebe. Auch er sei der Ansicht, dass es keinen Königsweg gibt, sondern einen Weg, der sich aus vielen kleinen Bausteinen zusammensetzt, die zum Ziel führen. Jeder Landwirt müsse sich deshalb diese Frage stellen: „Was ist für mich die beste Lösung?“ Die Fachveranstaltung in Wachstein mit den beiden Triesdorfer Experten war aus seiner Sicht „ein Abend, der sich auf alle Fälle gelohnt hat.“
Bildunterschrift: Referierten über den Klimawandel und die herausfordernden Folgen für die Landwirtschaft in der Region: Georg Schauer und Norbert Bleisteiner vom Fachzentrum für Energie und Landtechnik in Triesdorf sowie Landrat Manuel Westphal, der zu der Infoveranstaltung ins Gasthaus Oster nach Wachstein eingeladen hatte. Foto: Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen/Markus Steiner


