Klinikum Altmühlfranken Gunzenhausen bewahrt Motorradfahrer vor Querschnittslähmung

von | 16. Oktober 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). Eine kur­ze Unachtam­keit und plötz­lich ist alles anders, als es bis­her war. Sebas­ti­an Hin­nert (Name geän­dert) ist ein erfah­re­ner Motor­rad­fah­rer, schon Jahr­zehn­te ist er unfall­frei unter­wegs. Hin­nert bezeich­net sich selbst als “Genuss­fah­rer”, der eher glei­tet, als dass er rast. Trotz­dem, in einer Rechts­kur­ve nahe dem Hah­nen­kamm pas­siert es: Hin­nert stürzt, dabei über­schlägt er sich mit sei­ner schwe­ren Maschi­ne mehr­fach im Gelän­de neben der Stra­ße.

Sofort schießt der Schmerz ein, der erfah­re­ne Motor­rad­fah­rer spürt zudem unmit­tel­bar die Läh­mung sei­nes lin­ken Armes. Zwar weist der Sturz­helm auf den ers­ten Blick kaum Beschä­di­gun­gen auf; Sebas­ti­an Hin­nert erlei­det jedoch eine schwe­re Ver­let­zung der Hals­wir­bel­säu­le mit einer Ver­ren­kung zwi­schen zwei Wir­bel­kör­pern. Durch eine solch gra­vie­ren­de Ver­wun­dung kann es durch Schä­di­gung der Ner­ven­bah­nen des Rücken­marks zu einer soge­nann­ten “Quer­schnitts­läh­mung” kom­men. Das Rücken­mark befin­det sich im Wir­bel­ka­nal und ist Teil des zen­tra­len Ner­ven­sys­tems, es lei­tet Infor­ma­tio­nen zwi­schen Gehirn und Kör­per wei­ter. Wird das Rücken­mark beschä­digt, wird auch die Lei­tung unter­bro­chen und kann meist nicht wie­der­her­ge­stellt wer­den. Die dar­aus resul­tie­ren­den Läh­mun­gen sind – je nach Art der Schä­di­gung – unter­schied­lich; jedoch für die Betrof­fe­nen stets eine per­sön­li­che Kata­stro­phe.

Hin­nert hat Glück: Vom Not­arzt wird der erfah­re­ne Motor­rad­fah­rer umge­hend ins Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken Gun­zen­hau­sen gebracht, wo er im
Schock­raum sofort ver­sorgt wird; zudem wird eine CT-Dia­gnos­tik durch­ge­führt. Höchs­te Eile ist gebo­ten: Um dem Rücken­mark wie­der aus­rei­chend Platz zu geben, musst die Ver­ren­kung so schnell wie nur mög­lich besei­tigt wer­den.

Eile ist gebo­ten
Nur kur­ze Zeit spä­ter geht ein Drei­er­team — bestehend aus Chef­arzt Dr. Bernd Krieg, dem lei­ten­den Ober­arzt Dr. Mar­kus Höl­zer sowie
Assis­tenz­ärz­tin  Dr. Shay­maa Sal­man die heik­le Ope­ra­ti­on an, rich­tet die Wir­bel­säu­le wie­der ein, räumt die zer­stör­te Band­schei­be aus und
ver­steift das betrof­fe­ne Bewe­gungs­seg­ment zwi­schen dem sechs­ten und sieb­ten Hals­wir­bel mit einem Metall­platz­hal­ter und einer Plat­te.
Trotz wei­te­rer Bles­su­ren und wie durch ein Wun­der erholt sich Hin­nert sehr schnell. Er bleibt nach der Ope­ra­ti­on über Nacht im künst­li­chen Koma, aus dem ihn die Inten­siv­me­di­zi­ner um Chef­arzt Dr. Marc Gut­sche am nächs­ten Tag behut­sam zurück­ho­len.

Schon jetzt zeich­net sich ab, dass die Ope­ra­ti­on ein vol­ler Erfolg war. Der Schmerz im lin­ken Arm ist weg und Sebas­ti­an Hin­nert kann den Ellen­bo­gen wie­der beu­gen sowie die Faust wie­der schlie­ßen. Fast stünd­lich gehen anfangs sei­ne neu­ro­lo­gi­schen Aus­fäl­le zurück. Sei­nem Ope­ra­teur, Chef­arzt Dr. Bernd Krieg, ist die Erleich­te­rung deut­lich anzu­mer­ken: „Bei der Ope­ra­ti­on wuss­te jeder im Team, was wann zu tun
ist. Und wir haben es geschafft. Es macht Spaß, mit sol­chen tol­len Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen zu arbei­ten und Teil die­ser Erfolgs­ge­schich­te zu sein! Herrn Hin­nert wün­schen wir wei­ter­hin eine gute Gene­sung und nur das Bes­te.“

Gene­sung schrei­tet gut vor­an
Nach gut einer Woche im Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken Gun­zen­hau­sen ist Sebas­ti­an Hin­nert nun wie­der zu Hau­se. Sei­ne voll­stän­di­ge Gene­sung wird noch eini­ge Zeit in Anspruch neh­men; auch die Hals­krau­se erin­nert ihn noch dar­an, wie ernst die Lage war. “Ich bin den Ärz­tin­nen und Ärz­ten im Kli­ni­kum Alt­müh­fran­ken sehr dank­bar und möch­te mir nicht aus­ma­len, was ohne die schnel­le Behand­lung pas­siert wäre. Ich hat­te rie­si­ges Glück – und gute Ärz­te!”, so Hin­nert.

Bild­un­ter­schrift: Kon­zen­tra­ti­on und Prä­zes­si­on: Das Team um Chef­arzt Dr. Bernd Krieg und Lei­ten­dem Ober­arzt Dr. Mar­kus Höl­zer bei einer Ope­ra­ti­on im OP-Saal in Gun­zen­hau­sen. Das Bild zeigt nicht den beschrie­be­nen Fall um Sebas­ti­an Hin­nert. Foto: Kli­ni­kum Alt­mühl­fran­ken.