Knapp 140.000 Stunden im Job – das ist das

von | 3. Dezember 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Gewerk­schaft NGG Nürn­berg-Fürth: „8‑Stun­den-Tag darf nicht kip­pen“
„Fleiß­pen­sum“ vom Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen pro Tag

War­nung der NGG: „Bei zu lan­gen Arbeits­ta­gen dro­hen Unfäl­le, Schlag­an­fäl­le, Schlaf­stö­run­gen & Co.“

Rund 138.000 Stun­den arbei­tet der Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen – und zwar im Schnitt an jedem Tag. So vie­le Arbeits­stun­den leis­ten nach Berech­nun­gen des Pest­el-Insti­tuts alle Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer zusam­men: im Hand­werk, in der Indus­trie, in den Dienst­leis­tun­gen und im Han­del. „Das ist das gro­ße Fleiß­pen­sum vom Land­kreis – die ‚Tages-Stech­uhr vom Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen‘. Vie­le schie­ben täg­lich Über­stun­den. Und auch Schicht­ar­beit ist eine Rie­sen­her­aus­for­de­rung für die Beschäf­tig­ten: Gera­de der Wech­sel von Früh‑, Tages‑, Spät- und Nacht­schicht reibt vie­le Men­schen auf“, sagt Regi­na Schle­ser von der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG).

Die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth kri­ti­siert, dass die Bun­des­re­gie­rung jetzt auch noch an der Arbeits­zeit rüt­te­le: „Der Bund will den 8‑Stun­den-Tag kip­pen. Künf­tig sol­len 12-Stun­den-Schich­ten mög­lich sein. Das darf auf kei­nen Fall pas­sie­ren“, so die Kri­tik von Regi­na Schle­ser. Die Gewerk­schaf­te­rin warnt: Die Beschäf­tig­ten wür­den das teu­er bezah­len – und zwar mit ihrer Gesund­heit. Die NGG ruft ihre Mit­glie­der dazu auf, sich an der bun­des­wei­ten Kam­pa­gne des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des (DGB) „Mit Macht für die 8“ zu betei­li­gen.

Die Gewerk­schaft warnt vor „zu viel Arbeit am Stück“. Wer regel­mä­ßig mehr als 10 Stun­den am Tag oder über 40 Stun­den in der Woche arbei­te, der wer­de das irgend­wann mer­ken: „Es fängt mit Kopf­schmer­zen und Schwin­del­ge­fühl an“, so Regi­na Schle­ser. Auch Ver­dau­ungs­stö­run­gen und Schlaf­stö­run­gen sei­en oft Fol­gen von einer zu lan­gen Arbeits­zeit. „Vie­le Beschäf­tig­te igno­rie­ren die­se Signa­le. Rich­tig schlimm wird es, wenn Über­stun­den in Dau­er­schlei­fe zu einem Burn­out, zu Depres­sio­nen, Dia­be­tes oder zu einem über­mä­ßi­gen Alko­hol­kon­sum füh­ren“, sagt NGG-Geschäfts­füh­re­rin Schle­ser.

Beson­ders belas­tend sei­en auch unre­gel­mä­ßi­ge Arbeits­zei­ten: „Vor allem Früh‑, Spät- und Nacht­schich­ten brin­gen die inne­re Uhr enorm durch­ein­an­der. Wenn die dann noch im Wech­sel lau­fen, wird es für die Gesund­heit schnell kri­tisch“, sagt Regi­na Schle­ser. Gera­de auch in der Lebens­mit­tel­in­dus­trie gebe es oft Wech­sel­schich­ten. „Rücken­schmer­zen, Müdig­keit und Nie­der­ge­schla­gen­heit sind typi­sche Phä­no­me­ne bei der Arbeit in wech­seln­den Schich­ten“, so Schle­ser. Gut die Hälf­te der Beschäf­tig­ten kla­ge über Schlaf­stö­run­gen.

Außer­dem sei­en lan­ge Arbeits­ta­ge auch aus Sicht des Arbeits­schut­zes nicht unge­fähr­lich. „Denn das Unfall­ri­si­ko steigt nach 8 Stun­den stark an. Die Ermü­dung nimmt zu, die Kon­zen­tra­ti­on ab. 10 Stun­den und mehr am Stück sind hoch ris­kant. Ab der 12. Stun­de pas­sie­ren sta­tis­tisch dop­pelt so vie­le Unfäl­le wie bei einem 8‑Stun­den-Tag“, sagt Regi­na Schle­ser.

Die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth beruft sich dabei auf arbeits­me­di­zi­ni­sche Unter­su­chun­gen. Eine hohe Wochen­ar­beits­zeit wir­ke sich auch auf das Schlag­an­fall­ri­si­ko aus. Dies stei­ge bei 41 bis 48 Wochen­stun­den um 10 Pro­zent. Bei 55 und mehr Stun­den pro Woche sogar um 33 Pro­zent.

Gleich­zei­tig erschwer­ten noch län­ge­re Arbeits­zei­ten die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf, so Schle­ser. Die Gewerk­schaf­te­rin wei­ter: „Wer holt das Kind aus der Kita ab oder unter­stützt pfle­ge­be­dürf­ti­ge Ange­hö­ri­ge, wenn über­lan­ge und unplan­ba­re Arbeits­ta­ge die Regel sind?“

Daher spricht sich die NGG klar für ein „Hän­de weg vom Arbeits­zeit­ge­setz“ aus. „Denn zum guten Gesund­heits­schutz gehört, dass die maxi­ma­le Arbeits­zeit pro Tag ordent­lich gere­gelt ist: Am 8‑Stun­den-Tag darf kei­ner rüt­teln. Wer die Tages­höchst-Arbeits­zeit­gren­ze aus dem Gesetz streicht, sägt an einem zen­tra­len Pfei­ler des Arbeits- und Gesund­heits­schut­zes. Das müs­sen die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten aus dem Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und der Regi­on wis­sen und mit nach Ber­lin neh­men“, for­dert Regi­na Schle­ser.

Bild­un­ter­schrift: 8 Stun­den – alles dar­über geht stark auf die Gesund­heit und schraubt das Unfall­ri­si­ko nach oben, warnt die Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten. Die NGG Nürn­berg Fürth stemmt sich damit gegen Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung, den 8‑Stun­den-Tag zu kip­pen. „Das wäre das Go für den Mam­mut-Arbeits­tag mit 12 Stun­den. Und den steht auf Dau­er kei­ner durch“, so die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth, Regi­na Schle­ser. Foto: NGG/ Flo­ri­an Göri­cke