Kommunale Arbeitsgemeinschaft „Integrierte Ländliche Entwicklung Region Altmühltal“

von | 15. August 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Winds­feld (red). Das unver­wech­sel­ba­re Pro­fil zahl­rei­cher Dör­fer mit aus­ge­zeich­ne­ter Bau- und Gar­ten­kul­tur zählt zu den inter­kom­mu­na­len Stär­ken im Bereich des Alt­mühl­tals zwi­schen Dit­ten­heim und Soln­ho­fen. Und die­se Qua­li­tät wur­de in den letz­ten Jah­ren – unter­stützt durch Pro­jek­te der Länd­li­chen Ent­wick­lung – mit dem Ansatz „Innen vor Außen“ auf­ge­grif­fen sowie sicht­bar an nahe­zu allen Dör­fern auch umge­setzt. Fran­zis­ka Bur­le­fin­ger – beauf­tragt mit der Fort­schrei­bung eines Kon­zep­tes für die Inte­grier­te Länd­li­che Ent­wick­lung (ILE) will die­se Aspek­te als bedeu­ten­de Schwer­punk­te für die neu zu erstel­len­de Zukunfts­pla­nung nut­zen, um mit bestehen­den Stär­ken der Regi­on zu noch mehr Auf­merk­sam­keit zu ver­hel­fen, aber auch die damit ver­bun­de­ne regio­na­le Iden­ti­tät in das Bewusst­sein zu heben.

In der Dis­kus­si­on im Rah­men einer öffent­li­chen Arbeits­kreis­sit­zung in Winds­feld konn­te fest­ge­stellt wer­den, dass es – trotz vie­ler vor­han­de­ner und guter Bei­spie­le – immer noch Vor­be­hal­te gegen­über einer Sanie­rung im Alt­be­stand gibt und trotz aller guten För­der­an­rei­ze und gelun­ge­ner Bei­spie­le immer noch Wün­sche nach Neu­bau­ten außer­halb des Orts­kerns gibt. Den Kom­mu­nen ent­ste­hen dadurch enor­me Erschlie­ßungs­kos­ten und der damit ver­bun­de­ne Flä­chen­be­darf geht dann weit­ge­hend zu Las­ten land­wirt­schaft­li­cher Böden. Böden, die über deren nach­hal­ti­ge Land­nut­zung dann auch der Was­ser­rück­hal­tung und der Grund­was­ser­neu­bil­dung ent­zo­gen wer­den. Schon heu­te sind in zahl­rei­chen frü­her aus­ge­wie­se­nen Neu­bau­ge­bie­ten viel zu gro­ße Wohn­ein­hei­ten für nur­mehr weni­ge Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner zu bekla­gen, wäh­rend ande­rer­seits bezahl­ba­rer – auch deut­lich klei­ne­rer – Wohn­raum für jun­ge Paa­re oder die älte­re Gene­ra­ti­on fehlt. Es ist daher ein Gebot der Stun­de, im Inter­es­se der lang­fris­ti­gen Siche­rung des frän­ki­schen Cha­rak­ters der Dör­fer, die vor­han­de­nen Bau­wün­sche von außen nach innen zu len­ken und dabei an die unver­wech­sel­ba­re bau­kul­tu­rel­le Tra­di­ti­on mit moder­nen archi­tek­to­ni­schen Lösun­gen zu ant­wor­ten. Das gelingt aber eben vor­ran­gig mit einer geschick­ten Umnut­zung vor­han­de­ner Bau­sub­stanz im Orts­kern, womit dann auch das ein­zig­ar­ti­ge Indi­vi­du­al­pro­fil der jewei­li­gen Kom­mu­ne bewahrt und für ein posi­ti­ves Image genutzt wer­den kann.
Mit Impuls­be­ra­tun­gen, Vita­li­täts­checks sowie der öffent­li­chen Prä­sen­ta­ti­on von „Best-Prac­ti­ce-Pro­jek­ten“ aus der Regi­on Alt­mühl­tal soll die­ser Ansatz künf­tig ver­stärkt und „Außen vor Innen“ als Qua­li­täts-Leit­bild für die Sied­lungs­ent­wick­lung offen­siv betont wer­den.

Es gibt in der ILE-Regi­on Alt­mühl­tal, aber auch im gesam­ten Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen bereits heu­te schon eine Viel­zahl an sehr gut gelun­ge­nen Bei­spie­len von nach­hal­ti­ger Dorf­ent­wick­lung, was sich allei­ne dar­an able­sen las­sen kann, dass sich der Land­kreis mit ins­ge­samt 12 Aus­zeich­nun­gen als „Gold­dör­fer“ auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne Spit­zen­rei­ter in Bay­ern rüh­men kann. Auch in der ILE-Regi­on Alt­mühl­tal lie­gen vie­le die­ser aus­ge­zeich­ne­ten Dör­fer, zuletzt das als Sie­ger im baye­ri­schen Wett­be­werb „Güte­sie­gel Hei­mat­dorf“ und Bun­des­sie­ger im Wett­be­werb „Unser Dorf hat Zukunft“ geadel­te Mein­heim. Aber auch das Sit­zungs­ort des Arbeitsk­rie­ses gewähl­te Winds­feld besticht ja durch sei­ne ein­zig­ar­ti­ge Dorf­struk­tur uns unter­malt die­se hohe Allein­stel­lung der Dör­fer im Alt­mühl­tal.
Daher soll – nicht beschränkt auf die bereits aus­ge­zeich­ne­ten Dör­fer – eine erleb­ba­re „Rou­te der Bau- und Gar­ten­kul­tur Alt­mühl­tal“ kon­zi­piert wer­den. Damit soll den inter­es­sier­ten Gäs­ten eine Rou­te auf­ge­zeigt wer­den, mit der viel der pit­to­res­ken Dorf­bild­er nach­voll­zo­gen wer­den kön­nen, die aber auch gezielt zu Anlauf­stel­len füh­ren sol­len, an denen die­se Gäs­te ver­pflegt und ver­sorgt wer­den kön­nen. Und für tie­fer an der The­ma­tik inter­es­sier­te Gäs­te sol­len auch spe­zi­fi­sche Füh­run­gen ange­bo­ten wer­den. Das Pro­jekt zielt dar­auf ab, dass mit der sehr gepfleg­ten Bau- und Gar­ten­kul­tur auch eine regio­na­le Wert­schöp­fung eröff­net wer­den soll und dass mit die­sem dann mul­ti­pli­zier­ten Image die Regi­on des Alt­mühl­tals einen posi­tiv besetz­ten Wohl­klang erhält. Denn auch ohne beson­de­re spek­ta­ku­lä­re Ele­men­te, wie bei der Bau­kul­tur Ober­bay­erns oder im All­gäu, spricht die Har­mo­nie der Dör­fer mit der eher beschei­den gebau­ten, aber den­noch sehr prä­gen­den frän­ki­schen und in Teil­be­rei­chen auch Jura­haus-Bau­kul­tur vie­le Men­schen und Ziel­grup­pen an, die sicher sehr gut zu den auf Ent­span­nung und Ent­schleu­ni­gung pas­sen­den Ange­bo­ten der Regi­on pas­sen. Und es fügt sich, dass die not­wen­di­ge Ziel­set­zung der Dorf­ent­wick­lung „Innen vor Außen“ gera­de auch die­ses eher tou­ris­ti­sche Ele­ment sehr sinn­voll und zukunfts­fä­hig ergänzt.

Nächs­te Sit­zung am 22. August

Mit die­sen bei­den Ansät­zen wird es daher wert­vol­le Anre­gun­gen und Inhal­te geben, die im neu kon­zi­pier­ten Inte­grier­ten Länd­li­chen Ent­wick­lungs­kon­zept Alt­mühl­tal ihren Nie­der­schlag fin­den kön­nen. Inter­es­sier­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger kön­nen sich an den wei­te­ren Dis­kus­sio­nen ger­ne betei­li­gen und aktiv ein­brin­gen. Die nächs­te öffent­li­che Arbeits­kreis­sit­zung fin­det am Diens­tag 22. August, um 19.30 Uhr, im „Euro­päi­schen Haus“ in Pap­pen­heim (neben dem Rat­haus) statt.

Dabei wer­den dann vor­ran­gig fol­gen­de The­men auf der Tages­ord­nung ste­hen:

  • Das Enga­ge­ment im Ehren­amt lässt nach – wor­an liegt das und wie kön­nen Ver­ei­ne unter­stützt wer­den?
  • Kli­ma­schutz auf dem Dorf – auch im Klei­nen kann viel erreicht wer­den
  • Leer­stän­de im Dorf – Wor­an liegt es und was wür­de den Eigen­tü­mern hel­fen?

Es dür­fen sich alle an den genann­ten The­men inter­es­sier­te Akteu­re ange­spro­chen füh­len und auch ohne Anmel­dung teil­neh­men.

Foto: Bri­git­te Dorr