Gunzenhausen — Vor kurzem führte eine eintägige Exkursion der AGFK Bayern mehr als 30 Radverkehrs- und Mobilitätsbeauftragte, Stadt- und Verkehrsplaner sowie Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter mit dem Schwerpunkt Radverkehrsförderung zu uns nach Gunzenhausen. Die Veranstaltung bot einen kompakten Überblick darüber, wie in einer Kleinstadt der Weg zu mehr nachhaltiger Mobilität gestaltet werden kann und welche konkreten Maßnahmen dabei besonders wirksam sind.
„Mittlerweile ist Gunzenhausen ein Best practice-Beispiel in Sachen Radverkehr“, betonte Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. „2018 wurden wir als Gründungsmitglied der AGFK Bayern erstmals als fahrradfreundlich zertifiziert. Letztes Jahr wurde dieser Titel vor einer strengen Prüfkommission erfolgreich verteidigt.“
Die Rezertifizierung zur fahrradfreundlichen Stadt ist keine Selbstverständlichkeit und bedurfte großer Anstrengungen. Die Prüferinnen und Prüfer überzeugten die umfangreichen Infrastrukturmaßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs im Stadtgebiet und in den Ortsteilen, die seit 2018 kontinuierlich umgesetzt wurden. Als ausgezeichnet wurden zudem die flächendeckend installierten Abstellanlagen an öffentlichen Einrichtungen wahrgenommen, außerdem das kommunale Lastenradverleihsystem und das ehrenamtliche Seniorenrikscha-Projekt. „Gleichzeitig wurde aber auch offen thematisiert, dass trotz dieser vielen positiven Aspekte weiterhin Handlungsbedarf besteht“, erklärte Hauptamtsleiter und gleichzeitig Radverkehrsbeauftragte der Stadt Gunzenhausen, Klaus Stephan. „Bei städtebaulichen Maßnahmen haben wir einen Blick auf alle Mobilitätsarten, u.a. auf das Fahrrad. Unsere Infrastruktur muss den wachsenden Bedarf an Zweirädern abbilden und als wesentliches Element der Verkehrswende berücksichtigen. So sind beispielsweise gefährliche Verkehrssituationen nach und nach zu entschärfen, Querungsstellen einzurichten, weitere Abstellanlagen zu schaffen und die Vernetzung der Fortbewegungsmittel übergreifend kontinuierlich zu verbessern.“
Die Exkursion der AGFK Bayern gliederte sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Im theoretischen Teil hielt Klaus Stephan als städtischer Radverkehrsbeauftragter einen informativen Vortrag zur kommunalen Mobilitätswende und zur fahrradfreundlichen Weiterentwicklung der öffentlichen Infrastruktur in Gunzenhausen zwischen 2015 bis 2025. Dabei wurde nachvollziehbar dargestellt, welche strategischen Entscheidungen, Förderinstrumente und Beteiligungsformate auf dem Weg zur nachhaltigeren kommunalen Mobilität eine Rolle gespielt haben.
Im praktischen Teil folgte eine begleitete Fahrradtour durch Gunzenhausen, bei der vor Ort anschauliche Praxisbeispiele vorgestellt wurden – vom neu gestalteten Ein- und Ausfahrbereich Marktplatz/Saumarkt bis hin zum entschärften „Scharfen Eck“.
Ein zentraler Mehrwert der Exkursion war dazu der informelle, lockere Austausch in zwangloser Atmosphäre. So konnten Praxiserfahrungen diskutiert und erfolgreiche Projekte ausführlich besprochen werden. Teilnehmende erhielten so nicht nur Erkenntnisse zu konkreten Maßnahmen, sondern zeitgleich Einblicke, wie Radverkehrsförderung unter begrenzten Ressourcen in einer kleineren Kommune gelingen kann.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass die vielen umgesetzten Projekte und Maßnahmen in Gunzenhausen eine spürbare Wirkung entfalten. Zugleich machte die Exkursion deutlich, dass die Mobilitätswende ein fortlaufender Prozess bleibt, der ständige Anpassung, Bürgerbeteiligung und beharrliches politisches Handeln erfordert. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass der gemeinsame Blick über den Tellerrand wertvolle Impulse für die Praxis liefert und den Austausch unter Fachkolleginnen und ‑kollegen nachhaltig stärkt.
Nähere Informationen zur Radlstadt Gunzenhausen finden Sie unter www.gunzenhausen.de/radlstadt-gunzenhausen.html. Die AGFK Bayern ist unter www.agfk-bayern.de z finden.
Bildunterschrift: Holger Schmidt, stv. Geschäftsführer der AGFK Bayern, lobte in seiner Begrüßungsrede die nachhaltige Förderung des Radverkehrs in der Stadt Gunzenhausen. Foto: Stadt Gunzenhausen/Manuel Grosser


