Kultkabarettist Klaus Karl-Kraus

von | 9. September 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

begeis­ter­te in Gun­zen­hau­sen mit frän­ki­schem Humor und nach­denk­li­chen Tönen

Gun­zen­hau­sen — Ein hal­bes Jahr­hun­dert auf der Büh­ne, die­ses Jubi­lä­um fei­ert in die­ser Sai­son nicht nur die Gun­zen­häu­ser Thea­ter­spiel­zeit, son­dern auch der Erlan­ger Klaus Karl-Kraus. Der Kaba­ret­tist und Musi­ker, von sei­nem Publi­kum lie­be­voll „KKK“ genannt, gas­tier­te am ver­gan­ge­nen Sams­tag in der Stadt­hal­le und bewies ein­mal mehr, war­um er seit Jahr­zehn­ten zu den fes­ten Grö­ßen der frän­ki­schen Kaba­rett­sze­ne gehört. Zuletzt war der wort­ge­wand­te „Hunds­grübbl“ im Stadt­ju­bi­lä­ums­jahr 2023 in Gun­zen­hau­sen zu Gast.

Zum Auf­takt des kurz­wei­li­gen Abends griff Klaus Karl-Kraus im Mickey Mou­se-T-Shirt zur Akus­tik­gi­tar­re und stimm­te das Lied „Ich zeig dir mein Leb­ku­chen-Herz­la“ an. Er kann eben nicht nur derb, son­dern eben­so gefühl­voll, der per­fek­te Start in das „Kerwa-Gschmarri“-Programm. Kurz vor Auf­takt der 625. Gun­zen­häu­ser Ker­wa am 12. Sep­tem­ber pass­te das natür­lich wie die sprich­wört­li­che Faust aufs Auge. Und das Niveau blieb durch­ge­hend hoch, Gags, Erzäh­lun­gen und Musik wech­sel­ten sich ab. Ganz nach dem Mot­to: frän­kisch, herz­lich und mit einer ordent­li­chen Por­ti­on Selbst­iro­nie.

KKK nimmt die Men­schen und ihre Eigen­hei­ten genau unter die Lupe. Und die Geschich­ten sind herr­lich skur­ril, etwa die von den „Kerwa‑B´soff´nen“ im Klo­con­tai­ner oder wie der katho­li­sche Pfar­rer dem klei­nen Klaus Auf­klä­rungs­un­ter­richt gab. Die jahr­zehn­te­lan­ge Hass­lie­be zum „Club“ war natür­lich eben­so The­ma, genau wie die ers­te Lie­be und war­um frü­her so man­ches bes­ser war.

Dabei wirkt Klaus Karl-Kraus trotz sei­ner aka­de­mi­schen Aus­bil­dung nie beleh­rend. Eher kommt er daher wie ein schlag­fer­ti­ger Freund, der die Macken des All­tags kennt und sie mit einem ver­schmitz­ten Lächeln kom­men­tiert. Sein wal­len­des Haar, die auf­fäl­li­gen T‑Shirts und sein spitz­bü­bi­sches Auf­tre­ten unter­strei­chen die leicht anar­chi­sche, fast kar­ne­val­eske Note sei­ner Erschei­nung.

Sei­ne Poin­ten ser­viert KKK meist ohne kom­pli­zier­te Umwe­ge. Poli­ti­sche The­men, gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen und lieb gewon­ne­ne Vor­ur­tei­le nimmt er eben­so aufs Korn wie SUV-Fah­rer, Preu­ßen, über­für­sorg­li­che Eltern oder die ver­meint­li­chen Gegen­sät­ze zwi­schen ver­schie­de­nen frän­ki­schen Regio­nen. Dabei darf es auch ein­mal der­ber wer­den. Gera­de die­se direk­te Art kommt beim Publi­kum an, schließ­lich ver­steht KKK es, Din­ge aus­zu­spre­chen, die vie­le ken­nen, aber längst nicht immer laut sagen. Selbst die „India­ner“ und den „Neger“ lässt er sich nicht neh­men.

Zwi­schen­durch schlug der Kaba­ret­tist aller­dings auch nach­denk­li­che­re Töne an. So erin­ner­te er dar­an, dass ein über­mä­ßi­ger Smart­phone-Kon­sum den Blick für das ech­te Leben ver­stel­len kann. Wer stän­dig auf den Bild­schirm schaut, bekommt womög­lich weni­ger von sei­ner Umge­bung, sei­nen Mit­men­schen und den beson­de­ren Momen­ten des All­tags mit. Sol­che Gedan­ken ver­lie­hen dem Abend neben all dem Kla­mauk auch eine nach­denk­li­che­re Ebe­ne. Und das ist das, was gutes Kaba­rett aus­macht.

Kon­kre­te Lösun­gen hat­te Klaus Karl-Kraus erwar­tungs­ge­mäß nicht im Gepäck. Dafür gab er sei­nem Publi­kum eini­ge Denk­an­stö­ße mit, z.B. gelas­se­ner zu blei­ben, den eige­nen Wohl­stand nicht als selbst­ver­ständ­lich zu betrach­ten, gele­gent­lich Ver­zicht zu üben und nicht über alles zu jam­mern.

Für vie­le Lacher sorg­ten sei­ne uri­gen Geschich­ten rund um die Kirch­weih. Auch sei­ne Aus­füh­run­gen über die „frän­ki­schen Suff­stu­fen“, „Schäu­fer­las­grä­ber“ und „Fres­sen im Uni-Saal“ tra­fen den Geschmack des Publi­kums. Bei zahl­rei­chen Gäs­ten bra­chen dabei end­gül­tig alle Däm­me. KKK besitzt ein­fach ein gutes Gespür für Poin­ten, die im rich­ti­gen Moment sit­zen.

Am Ende brach­te er sein per­sön­li­ches Ziel des Abends selbst auf den Punkt: Er wol­le „nur Spaß und einen schö­nen Abend“ haben. Ange­sichts der vie­len zufrie­de­nen und fröh­li­chen Gesich­ter im Saal ist ihm das in Gun­zen­hau­sen ohne Zwei­fel gelun­gen.

Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen zur Kul­tur in Gun­zen­hau­sen erhal­ten Sie unter www.gunzenhausen.info, per Tele­fon unter 09831 508 109 oder per E‑Mail an kulturamt@gunzenhausen.de.

Foto: Stadt Gunzenhausen/Manuel Gros­ser