Landessynode — Zwei gewählte Vertreterinnen aus der Region berichten

von | 9. April 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen

Wei­ßen­burg i. Bay / Pap­pen­heim / Schwa­bach (red). Zwei Dele­gier­te der Lan­des­syn­ode für die Deka­na­te Wei­ßen­burg, Pap­pen­heim und Schwa­bach berich­ten von ihren Ein­drü­cken. Gabrie­le Auern­ham­mer ist Kir­chen­vor­ste­he­rin in Kaltenbuch/Bergen und seit 12 Jah­ren als Ehren­amt­li­che in die Lan­des­syn­ode gewählt. Cor­ne­lia Mein­hard ist Pfar­re­rin in Geor­gens­gmünd und seit 6 Jah­ren als Ordi­nier­te in der Lan­des­syn­ode für die Deka­na­te Wei­ßen­burg, Pap­pen­heim und Schwa­bach.

Die baye­ri­sche Lan­des­syn­ode besteht aus 108 gewähl­ten und beru­fe­nen Kir­chen­mit­glie­dern. Sie ist ver­ant­wort­lich für wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen in kirch­li­chen Ange­le­gen­hei­ten. 2/3 der Syn­oda­len sind „Lai­en“, also Ehren­amt­li­che oder nicht-ordi­nier­te Mit­glie­der, 1/3 sind Ordi­nier­te (Pfar­rer und Deka­ne). Die Kir­chen­lei­tung der baye­ri­schen Lan­des­kir­che besteht aus 4 Tei­len: die Lan­des­syn­ode, der Lan­des­syn­odal­aus­schuss (führt die Geschäf­te zwi­schen den Syn­oden­ta­gun­gen), der Lan­des­kir­chen­rat (bestehend aus Abtei­lungs­lei­tun­gen des Lan­des­kir­chen­amts und Ober­kir­chen­rä­ten aus den Kir­chen­krei­sen) und der Lan­des­bi­schof Chris­ti­an Kopp.

Schwer­punkt­the­ma der Früh­jahrs­ta­gung war das Zusam­men­wir­ken von Kir­che und Dia­ko­nie. Bei einem Markt der Mög­lich­kei­ten stell­ten sich ver­schie­de­ne dia­ko­ni­sche Ein­rich­tun­gen vor. Schon im Vor­feld der Lan­des­syn­ode waren die Mit­glie­der ein­ge­la­den, sich Besuchs­sta­tio­nen der Dia­ko­nie vor Ort anzu­se­hen. Das viel­fäl­ti­ge Ange­bot reich­te von einer Stel­le, die sich um Ehren­amt­li­che küm­mert, über Quar­tiers­ar­beit und Demenz-Seel­sor­ge bis hin zu Initia­ti­ven für Kin­der und Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen. Es wur­de deut­lich, dass Kir­che und Dia­ko­nie zusam­men­ge­hö­ren und gegen­sei­ti­ge Abhän­gig­kei­ten bestehen. Nach einer star­ken Pro­fes­sio­na­li­sie­rung in der Dia­ko­nie wird jetzt auch zuneh­mend auf die inhalt­li­che Aus­rich­tung Wert gelegt.
Im Vor­trag des Sozi­al­wis­sen­schaft­lers Mar­kus Schmidt wur­de die theo­lo­gi­sche Grund­le­gung für das christ­li­che Men­schen­bild in der Dia­ko­nie beleuch­tet. Die Wür­de des Men­schen hört nicht auf, wenn der Mensch auf Hil­fe ange­wie­sen ist. Das christ­li­che Men­schen­bild und die Ver­bun­den­heit mit der Kir­che unter­schei­det die Dia­ko­nie von welt­li­chen Trä­gern sozia­ler Ein­rich­tun­gen. Schmidt for­der­te in sei­nem Vor­trag vor der Syn­ode, die Kir­che möge sich selbst als Dia­ko­nie neu ent­de­cken, sie dür­fe das „tat­kräf­ti­ge Han­deln“ nicht auf die Dia­ko­nie abschie­ben.

In Klein­grup­pen und Work­shops hat­ten die Syn­oda­len anschlie­ßend die Mög­lich­keit, sich zu infor­mie­ren, zu dis­ku­tie­ren und wei­ter­zu­den­ken.

Mit gro­ßer Mehr­heit hat die Syn­ode den Weg dafür geöff­net, dass auch que­er leben­de Men­schen in der ELKB künf­tig kirch­lich hei­ra­ten dür­fen. Die bis­her gel­ten­de Unter­schei­dung zwi­schen „Trau­ung“ und „Seg­nung“ ist damit auf­ge­ho­ben. Der Got­tes­dienst anläss­lich einer Ehe­schlie­ßung heißt für alle künf­tig „Trau­ung“. Die Ach­tung und Akzep­tanz aller Men­schen mit ihrer Lebens­form ist der Lan­des­syn­ode wich­tig. Es kamen auch Ver­säum­nis­se, Ver­let­zun­gen und Dis­kri­mi­nie­run­gen in der Ver­gan­gen­heit zur Spra­che. Jetzt wird die Trau­ung für alle all­ge­mein aner­kannt. Den­noch gibt es einen Gewis­sens­schutz für Pfar­rer, wie bei allen Kasua­li­en. Dann soll gemein­sam nach einer Lösung gesucht wer­den.

Beein­druckt haben Auern­ham­mer und Mein­hard auch die Andach­ten und Bei­trä­ge des gast­ge­ben­den Kir­chen­krei­ses Augs­burg. In die­sem Jahr fin­det das 500-jäh­ri­ge Jubi­lä­um der 12 Frei­heits­ar­ti­kel der Mem­min­ger Bau­ern von 1525 statt. Die Refor­ma­ti­on Mar­tin Luthers hat wei­ter­ge­wirkt und Städ­te und Gemein­den ver­än­dert. Bis zum Jubi­lä­um der Con­fes­sio August­a­na im Jahr 2030 wer­den noch zahl­rei­che Fest­ak­te statt­fin­den.

Die Stim­mung auf der Lan­des­syn­ode war sehr gut. Digi­ta­li­sie­rung macht in eini­gen Berei­chen die Tagung effek­ti­ver, z.B. bei Abstim­mun­gen. Durch das viel­fäl­ti­ge Pro­gramm war es auch mög­lich, Kon­takt zu Mit­ar­bei­tern der Dia­ko­nie zu knüp­fen und durch Work­shops mit Syn­oda­len aus ande­ren Arbeits­krei­sen und Aus­schüs­sen zusam­men zu kom­men.

Cor­ne­lia Mein­hard und Gabrie­le Auern­ham­mer ist der Erhalt der länd­li­chen Gemein­de­struk­tur wich­tig und mit den Men­schen im All­tag den Glau­ben zu leben. Die Wahr­neh­mung von Kir­che ist im länd­li­chen und städ­ti­schen Bereich unter­schied­lich, das ist ihnen bewusst und da braucht es auch unter­schied­li­che Kon­zep­te. Bei allen struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen darf die Gemein­de­ori­en­tie­rung nicht ver­lo­ren gehen, fin­den die bei­den Syn­oda­len.

Foto: Lan­des­syn­ode