Landg’macht. Regionale Produkte aus Altmühlfranken.

von | 12. März 2025 | Allgemein

Alt­mühl­fran­ken (red). Regio­na­le Lebens­mit­tel? In Alt­mühl­fran­ken kein Pro­blem. Eine leben­di­ge Sze­ne an Direkt­ver­mark­tern ist hier zuhau­se und steht für Regio­na­li­tät im Ein­kaufs­korb. Vom Apfel bis zur Zuc­chi­ni, vom Büf­fel bis zur Wach­tel. In Rah­men der Serie „Landg’macht“ erzäh­len wir die Geschich­ten der Men­schen, die hin­ter die­sen Pro­duk­ten ste­hen. Machen Sie sich mit uns auf eine Rei­se zu den Direkt­ver­mark­tern Alt­mühl­fran­kens. Zu Men­schen vol­ler Lei­den­schaft für Lebens­mit­tel, Lie­be zur Natur und Zunei­gung zu der Regi­on, in der sie zuhau­se sind.

Die Serie „Landg’macht. Regio­na­le Pro­duk­te aus Alt­mühl­fran­ken“ hat fünf Betrie­be besucht. Heu­te: Alt­mühl­ta­ler Wie­sen Ei aus Dit­ten­heim:

Wie aus einem feh­len­den Früh­stücks­ei 2.000 Hüh­ner wur­den

„Der Vater mei­ner Frau hat nach Dit­ten­heim gehei­ra­tet und das Ers­te, was er gemacht hat, war die Hüh­ner abzu­schaf­fen“, sagt Mar­tin Las­tin­ger und lacht. „Das Ers­te aller­dings, was ich gemacht habe, als ich nach Dit­ten­heim gehei­ra­tet habe, war es, die Hüh­ner wie­der anzu­schaf­fen.“

Es brauch­te aller­dings eine Art Aha-Moment, damit aus dem still­ge­leg­ten Bau­ern­hof im Her­zen des Dor­fes mit sei­nen 25 Hob­by-Hüh­nern wie­der ein ech­ter land­wirt­schaft­li­cher Betrieb wur­de. „Ich bin eines Mor­gens auf­ge­stan­den, und woll­te ein Ei zum Früh­stück“, erzählt Mar­tin Las­tin­ger.  „Aber mei­ne Frau hat mir erklärt, dass es kei­nes mehr gibt.“ Fami­lie, Freun­de, Bekann­te ver­sorg­ten sich so ger­ne und ver­läss­lich mit den Eiern der Fami­lie, dass für den Herrn der Hüh­ner nichts mehr übrig blieb.

„Dass kann es ja wohl nicht sein, hab‘ ich mir gedacht: Da hat man 25 Hüh­ner, küm­mert sich drum und kriegt trotz­dem kein Ei.“ Las­tin­gers Kon­se­quenz dar­aus: Schluss mit Hob­by, jetzt wird rich­tig Hüh­ner gehal­ten. Sei­ne Frau Kat­rin war bereit, die­sen Enthu­si­as­mus zu tei­len und bald war das dyna­mi­sche Ehe­paar deutsch­land­weit unter­wegs. Um sich Hüh­ner­stäl­le anzu­schau­en. Denn eines war klar: Wenn sie rich­tig vie­le Hüh­ner woll­ten, dann wür­den die nicht irgend­wo ein­ge­pfercht auf dem Hof leben, son­dern rich­tig Platz bekom­men.

Ein Stall wie ein Ufo

Die Lösung: Ein mobi­ler Hüh­ner­stall muss­te her. Damit könn­ten die Tie­re auf wech­seln­den Wie­sen rund ums Dorf Fut­ter und art­ge­rech­tes Zuhau­se fin­den. Immer­hin woll­te man ja die Eier von glück­li­chen Hüh­nern auf den Tisch brin­gen. 2017 schließ­lich hat­te man gefun­den, was man such­te und kam mit einem Hüh­ner­stall auf Rädern nach Dit­ten­heim. „Am Anfang haben die Leu­te das wie ein Ufo ange­schaut. Das kann­te man ein­fach noch nicht“, erin­nert sich die Fami­lie.

Heu­te kennt das in Dit­ten­heim jeder. Denn aus dem einen feh­len­den Früh­stücks­ei wur­den 2.000 Hüh­ner, die die Las­tin­gers heu­te in vier mobi­len Stäl­len rund um ihren Hei­mat­ort hal­ten. Und selbst dabei blieb es nicht, denn bei den Las­tin­gers ist heu­te fast alles zuhau­se, was Federn hat. Hähn­chen, Enten, Gän­se, Puten, Perl­hüh­ner, Wach­teln – sie alle haben beim Alt­mühl­ta­ler Wie­sen Ei ein wesens­ge­rech­tes Zuhau­se gefun­den.

Eine Her­rin der Hüh­ner

Das bedeu­tet eine Men­ge Arbeit, wes­we­gen es nun eine Her­rin der Hüh­ner gibt. Kat­rin Las­tin­ger ist die täg­li­che Betreue­rin der mitt­ler­wei­le um die 3.000 Feder­tie­re auf dem Hof. Ihr Mann arbei­tet bei der Berufs­feu­er­wehr in Nürn­berg, nutzt aber die freie Zeit, um auf dem Geflü­gel­hof mit anzu­pa­cken.

Der wirt­schaft­li­che Kern die­ses Hofes sind die Eier: Rund 1.800 klau­ben sie täg­lich von Hand aus den gemüt­li­chen Ein­streu­nes­tern der Stäl­le. Die Eier wer­den zu 100 Pro­zent regio­nal abge­setzt. „Wir woll­ten von Anfang an nicht in den Super­markt. Eine gro­ße Abhän­gig­keit von einem gro­ßen Abneh­mer war kei­ne Opti­on für uns, wir woll­ten eine klein­tei­li­ge Direkt­ver­mark­tung mit dem End­ver­brau­cher.“

Statt­des­sen ver­treibt man die Eier im eige­nen Hof­la­den, an vier Auto­ma­ten­stand­or­ten, dem eige­nen Markt­stand am Gun­zen­hau­se­ner Wochen­markt und bei etwa 15 loka­len Wie­der­ver­käu­fern. „Das Netz musst du dir erst­mal auf­bau­en, das war nicht so ein­fach, da musst du schon viel Klin­ken put­zen“, weiß Kat­rin Las­tin­ger.

Egal, ob Pute, Huhn oder Wach­tel, ob Fleisch oder Ei, der Fami­lie geht es dar­um, Tier­pro­duk­te her­zu­stel­len, hin­ter denen sie selbst ste­hen. „Das ist die Art Hal­tung, wie ich als Ver­brau­cher mir das auch vor­stel­le. Das ist unser Anspruch, die Tie­re so zu hal­ten, wie wir es als Kun­den auch ger­ne hät­ten“, erklärt Mar­tin Las­tin­ger.  Statt 30 Tage in einen Stall gepfercht zu sein, lau­fen die Dit­ten­hei­mer Hähn­chen 70 Tage im Frei­land durch die Gegend. Mit viel fri­scher Luft und Platz. Die auf dem Hof her­ge­stell­te Fut­ter­mi­schung, mit Kräu­tern, Pflan­zen­koh­le und vie­lem mehr ist ein wei­te­rer Bau­stein für das Wohl­be­fin­den von Las­tin­gers Tie­ren.

Haben die Tie­re Platz, blei­ben sie auch gesund

Ent­schei­dend für die Gesund­heit der Tie­re ist zudem, wie eng sie gehal­ten wer­den. „Hier haben die Tie­re Platz und wer­den deut­lich weni­ger krank“, bringt es Mar­tin auf den Punkt. „Seit­dem wir ange­fan­gen haben, haben wir noch kein Anti­bio­ti­kum, kein Medi­ka­ment gebraucht.“ Das Zusam­men­spiel von Frei­land­hal­tung mit den kli­ma­ti­schen Rei­zen, einer gerin­ger Besatz­dich­te und der wesens­ge­rech­ten Füt­te­rung hält die Tie­re fit.

Um sich einen Ein­druck zu ver­schaf­fen, wie das in der Pra­xis aus­sieht, dazu muss man nur einen Spa­zier­gang rund um Dit­ten­heim machen. An einer Wie­se ober­halb des Ortes macht man Halt. Die Hüh­ner lau­fen frei durch­ein­an­der, picken eif­rig vor sich hin, fin­den hier mal einen Wurm, rei­sen da mal an einem Büschel Gras. Mit­ten­drin ste­hen ein paar duld­sa­me Scha­fe mit ein­drucks­vol­len Hör­nern, die sich das Trei­ben gemäch­lich anse­hen, zwi­schen­durch springt Hof­hund Leo her­um.

Die Las­tin­gers ken­nen ihre Tie­re

Im Unter­schied zu anony­men Groß­be­trie­ben ken­nen Kat­rin und Mar­tin Las­tin­ger ihre Tie­re. Die täg­li­che Rou­ti­ne aus Füt­tern, Sau­ber­ma­chen, Eier holen und Kon­trol­lie­ren dau­ert allein schon einen Vor­mit­tag. Genug Zeit, dass auf­fällt, wenn eine Gans hinkt oder eine Ente nichts mehr fres­sen mag.  Mar­tin Las­tin­ger: „Das geht bei den gro­ßen Betrie­ben unter. Ich mer­ke es schon am Geräusch des Gur­rens der Hüh­ner, wenn was nicht stimmt.“

Hof­ei­ge­ne Schlach­tung

Seit Janu­ar 2024 schlach­ten Kat­rin und Mar­tin sämt­li­ches Geflü­gel selbst am Hof, dazu wur­de ein hoch­mo­der­nes Geflü­gel­schlacht­mo­bil ange­schafft. Der für die Tie­re belas­ten­de Lebens­trans­port fällt damit weg und die Wert­schöp­fungs­ket­te bleibt am Hof.  Den Las­tin­gers ist wich­tig, dass die Ver­ant­wor­tung gegen­über der Krea­tur nicht abge­ge­ben wird und auch das Schlach­ten in ihren Hän­den liegt.

Bei­de sind zufrie­den, was alles aus dem feh­len­den Früh­stücks­ei gewor­den ist. Sie sind auch stolz, wie­der Land­wirt­schaft in den Ort zurück­ge­bracht zu haben. Mit­te der 1990er-Jah­re hat­ten Kat­rins Eltern wie so vie­le ande­re auch, den Betrieb auf­ge­ge­ben. „Die haben im Amt haben erst mal geschaut, als wir gekom­men sind, und gesagt haben, dass wir eine Betriebs­num­mer brau­chen“, lacht er im Rück­blick.  „Die haben suchen müs­sen, wo die For­mu­la­re sind, denn ansons­ten geben die Leu­te sie ja immer nur zurück.“

Die nächs­ten Ideen schon in der Schub­la­de

Im Dorf hat man die bei­den Hüh­ner­pio­nie­re schon auch mal mit Skep­sis beäugt. „Wir waren ja kei­ne ech­ten Land­wir­te und fan­gen dann sowas an“, ver­ste­hen sie die Zwei­fel. Aber bei­de haben spä­ter auf der Abend­schu­le die Land­wirt­schaft auch noch „rich­tig gelernt“ und der Erfolg gibt ihnen sowie­so recht.

Wie es wei­ter­geht? „Die Mit­ar­bei­te­rin beim Steu­er­be­ra­ter sagt immer, wir hat­ten noch nie ein regu­lä­res Geschäfts­jahr, weil kein Jahr mit dem ande­ren zu ver­glei­chen ist, weil jedes Mal was Neu­es dazu­kommt“, lacht das umtrie­bi­ge Ehe­paar. Viel­leicht also erst­mal ein biss­chen ruhi­ger machen? Bei­de nicken, klingt nach einer guten Idee.

Wobei … „Wir haben einen geneh­mig­ten Bau­plan für einen Hof­la­den mit Café, aber da haben wir nach Coro­na und Beginn der Infla­ti­on ein biss­chen Muf­fe bekom­men, weil das Geschäft kurz­zei­tig ein­ge­bro­chen ist. Man muss jetzt mal sehen, ob und wann wir uns das mit der nächs­ten Erwei­te­rung trau­en, aber das wäre der nächs­te Schritt.“

Auf der Kam­pa­gnen­sei­te www.altmuehlfranken.de/landgmacht wer­den die Repor­ta­gen, Bil­der­stre­cken und Video­bei­trä­ge der Direkt­ver­mark­ter ver­öf­fent­licht. „Schau­en Sie doch auch mal auf unse­ren Social-Media-Kanä­len vor­bei, um die span­nen­den Geschich­ten unse­rer Direkt­ver­mark­ter ken­nen­zu­ler­nen“, lädt Land­rat Manu­el West­phal ein.

Bild­un­ter­schrift: Sind von der Hal­tungs­form über­zeugt: Kat­rin und Mar­tin Las­tin­ger. Foto: be media / Felix Oeder