LBV dankt Landwirten — Naturschützer ziehen positive Bilanz im Wiesenweihenjahr 2023

von | 28. Februar 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen (red). Der Früh­ling beginnt und schon bal­zen die ers­ten Vögel wie Kohl­mei­se und Star. Eini­ge unse­rer hei­mi­schen Vögel brau­chen jedoch noch eini­ge Wochen, bevor sie über­haupt aus ihren Über­win­te­rungs­ge­bie­ten zurück­keh­ren. So auch ein sel­te­ner Greif­vo­gel der Feld­flur: Die Wie­sen­wei­he. Die LBV-Kreis­grup­pe Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen hat sich jedoch bereits jetzt bei 14 Land­wir­ten für die gute Zusam­men­ar­beit im Jahr 2023 bedankt. „Natur­schutz und Land­wirt­schaft gehen oft nicht nur Hand in Hand, son­dern kön­nen mit­un­ter auch ein und das­sel­be sein. Wir freu­en uns rie­sig über die tol­le Zusam­men­ar­beit im Bereich des Wie­sen­wei­hen­schut­zes und möch­ten uns herz­lich bedan­ken!“, so der LBV-Kreis­vor­sit­zen­de Sebas­ti­an Amler. Min­des­tens 14 Brut­paa­re im Jahr 2023 sind das Ergeb­nis die­ser tol­len Zusam­men­ar­beit. Die­se ist beson­ders wich­tig, denn ohne den Schutz ehren­amt­li­cher Wie­sen­wei­hen­be­auf­trag­ter wäre die Art in Bay­ern womög­lich heu­te schon aus­ge­stor­ben.

Eine beson­de­re Art

Die Wie­sen­wei­he ist eine bedroh­te Greif­vo­gel­art, deren Bestän­de deutsch­land­weit sogar unter denen des See­ad­lers lie­gen. Stand die Wie­sen­wei­he in Bay­ern vor­mals kurz vorm Aus­ster­ben, konn­ten durch inten­si­ve Bemü­hun­gen die Bestän­de der Art nicht nur gesi­chert, son­dern durch jahr­zehn­te­lan­ge inten­si­ve Schutz­be­mü­hun­gen ehren­amt­li­cher Natur­schüt­zer die Art in Bay­ern gehal­ten und ihre Bestän­de sta­bi­li­siert wer­den. Durch ihr heu­ti­ges Brut­ver­hal­ten in Getrei­de­fel­dern ist die Art beson­ders vul­nerabel. Wie­sen­wei­hen brü­ten mitt­ler­wei­le zumeist nicht mehr in Wie­sen, son­dern in Getrei­de­fel­dern, die ihnen bei ihrer Ankunft als geeig­net erschei­nen. Hier­durch sind sie jedoch beson­ders gefähr­det. Getrei­de wie Grün­rog­gen wird früh geern­tet und bie­tet kei­nen Nist­platz auf Dau­er. Weizen‑, Gers­te- oder Rog­gen­fel­der sind aus­sichts­rei­cher. Zusam­men mit inten­si­ven Schutz­be­mü­hun­gen und einer spä­te­ren Ern­te durch die Bewirt­schaf­ter kön­nen die Wie­sen­wei­hen hier erfolg­reich ihre Jun­gen groß­zie­hen. Ohne die Schutz­be­mü­hun­gen wür­den die Bestän­de der gra­zi­len Flug­künst­ler jedoch ver­mut­lich recht schnell wie­der zusam­men­bre­chen. Auch im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen ist die Art seit eini­gen Jah­ren hei­misch.

Fin­den, schüt­zen, bewun­dern

Gut getarnt und ver­steckt sind die Wie­sen­wei­hen­ge­le­ge von außen dabei nicht erkenn­bar. Hier kom­men die Natur­schüt­zer ins Spiel. Um gemein­sam mit den bewirt­schaf­ten­den Land­wir­ten die Gele­ge der bedroh­ten Art sichern zu kön­nen, gilt es zual­ler­erst Such­ar­beit zu leis­ten. Mit Fern­glä­sern und Fern­roh­ren, soge­nann­ten Spek­ti­ven, beob­ach­ten die LBV-Ehren­amt­li­chen die Wie­sen­wei­hen, um her­aus­zu­fin­den, wo sie ihr Gele­ge ver­steckt haben. Die Wie­sen­wei­hen-Beauf­trag­ten suchen für ein Gele­ge dabei mit­un­ter tage­lang und beob­ach­ten die Eltern inten­siv. „Nur so kön­nen in enger Abstim­mung mit den Land­wir­ten die
Gele­ge der schö­nen Greif­vö­gel geschützt wer­den. Sind die Nes­ter der Wie­sen­wei­hen erst ein­mal loka­li­siert, ver­su­chen wir die­se in Abspra­che mit den Land­wir­ten zu schüt­zen und zu mar­kie­ren“, erklärt eine der Wie­sen­wei­hen-Beauf­trag­ten des LBV, Johan­na Wit­te­mann. „Land­wir­te kön­nen dann einen klei­nen Bereich um das Gele­ge ste­hen las­sen und nach dem Aus­flie­gen der Jun­gen das Feld ganz nor­mal wei­ter­be­ar­bei­ten. Für die­se Bewirt­schaf­tung gibt es zudem einen finan­zi­el­len Aus­gleich“, erklärt die Natur­schüt­ze­rin wei­ter.

Den Land­wir­ten sei Dank

„Land­wirt­schaft und Natur­schutz Hand in Hand, genau so wünscht man sich das! Nur gemein­sam kön­nen wir unse­re bio­lo­gi­sche Viel­falt schüt­zen. Die Land­wir­te ste­hen hier jeden Tag an vor­ders­ter Front. Gera­de die klein­bäu­er­li­che Land­wirt­schaft und die von ihr gepräg­te Kul­tur­land­schaft wol­len wir aus dem Natur­schutz unter­stüt­zen“, freut sich auch der LBV-Vor­sit­zen­de Sebas­ti­an Amler. Um die­sem Enga­ge­ment der Land­wir­te zu dan­ken, hat die LBV­Kreis­grup­pe WUG in die­sem Jahr des­halb ein Wie­sen­wei­hen-Foto­buch gestal­tet. „Wir woll­ten nicht nur Dan­ke sagen, son­dern die­se Dank­bar­keit auch zei­gen. Her­aus­ge­kom­men ist ein wirk­lich schö­nes Buch, dass mich schon jetzt wie­der posi­tiv auf die dies­jäh­ri­ge Sai­son bli­cken lässt“, erklärt Wie­sen­wei­hen­schüt­ze­rin Johan­na Wit­te­mann.

Gemein­sam wur­den die Foto­bü­cher nun am ver­gan­ge­nen Frei­tag von den Wie­sen­wei­hen­be­tr­auf­trag­ten um Wit­te­mann, Wer­ner Keim und Micha­el Sche­me­th
zusam­men mit dem LBV-Vor­sit­zen­den Sebas­ti­an Amler und Gebiets­be­treu­er Chris­toph Becken­bau­er an die betei­lig­ten Land­wir­te aus dem letz­ten Jahr über­reicht. Ger­hard Kirsch aus Sau­sen­ho­fen und sei­ne Fami­lie freu­ten sich über die Wert­schät­zung und berich­te­ten stolz von ihrem Wei­hen­paar. Sie mach­ten im letz­ten Jahr eine beson­de­re Ent­de­ckung: „Für mich war es schon eine Über­ra­schung als plötz­lich eine Wei­he direkt vor mir auf­flog. Wir haben dann sofort den LBV ver­stän­digt. Für uns als Bio­land­wir­te gehört Natur­schutz zur Land­wirt­schaft ein­fach dazu. Wir haben uns rie­sig gefreut, dass in unse­rem Feld schluss­end­lich drei Jun­ge flüg­ge wer­den konn­ten! Wie wir spä­ter erfah­ren haben, waren es zwar kei­ne Wie­sen­wei­hen aber ihre Ver­wand­ten, Rohr­wei­hen. Umso mehr freu­en wir uns über die Wert­schät­zung und hof­fen, dass es in die­sem Jahr auch mit den Wie­sen­wei­hen klappt!“, freut sich auch der
Land­wirt. Die Fami­lie betreibt zusam­men einen land­wirt­schaft­li­chen Bio­be­trieb mit Schaf-Hal­tung im Neben­er­werb.

Aktiv im Wie­sen­wei­hen­schutz

Wer sich im Schutz der bedroh­ten Vögel enga­gie­ren möch­te, darf sich jeder­zeit gern an den LBV wen­den. Vor allem am Jura sucht der LBV noch nach neu­en Akti­ven. Inter­es­sier­te kön­nen sich beim LBV per Mail unter weissenburg@lbv.de oder per Tele­fon bei der Gebiets­be­treu­ung unter 09831 516 98 30 mel­den.
Mehr Infor­ma­tio­nen und Mög­lich­kei­ten fin­den Sie auch unter: www.weissenburggunzenhausen.lbv.de.

Foto: naturfotos.lbv.de

Fotos: naturfotos.lbv.de