Explodierende Energiepreise belasten Straßen- und Tiefbau massiv
Treuchtlingen — Die anhaltende Krise rund um die Straße von Hormus trifft zunehmend den deutschen Mittelstand. Besonders mittelständische Unternehmen im Baugewerbe warnen vor drastisch steigenden Diesel‑, Transport- und Materialkosten. Vor allem der Straßen- und Tiefbau steht unter erheblichem, wirtschaftlichem Druck. Der Weißenburger Landtagsabgeordnete Wolfgang Hauber hat deshalb gerne die Einladung von Friedrich Engelhard und Markus Nelkel, beide Geschäftsführer der Firma Hirschmann KG in Treuchtlingen, angenommen, um sich über die aktuellen Herausforderungen der Baubranche zu informieren. Mit dabei auch Thomas Herrscher der Geschäftsführer der Dietfurter Firma Franken-Schotter GmbH & Co. KG.
Nach Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft werden fossile Energieträger weltweit knapp und dadurch erheblich verteuert. Ursache sind die Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus mit den dadurch stark gestiegenen Energiepreisen. Besonders betroffen sind Raffinerieprodukte wie Diesel und Bitumen sowie erdölbasierende Baustoffe. Dies hat erheblichen Folgen für Lieferketten und Produktionskosten in Deutschland. Die Energiepreise haben sich infolge des Konflikts im Persischen Golf deutlich erhöht. Der Preis für Rohöl stieg zeitweise auf über 100 US-Dollar pro Barrel. In Folge stiegen die Herstellkosten für Baustoffe sowie die Transportkosten. Besonders betroffen davon ist die Asphaltherstellung.
„Unsere Maschinen, Fahrzeuge und Asphaltwerke sind auf Diesel und Bitumen angewiesen. Die Preissteigerungen treffen besonders mittelständische Bauunternehmen und Bauzulieferer mit voller Wucht“, so die Verantwortlichen. Viele Mittelstandsbetriebe können laufende Projekte nur noch wage und risikoreich kalkulieren. Auch Lieferengpässe verschärfen die Lage. Die Einschränkungen im internationalen Schiffsverkehr wirken sich zunehmend auf industrielle Vorprodukte und Bauzulieferungen aus. Zusätzlich steigen die Kosten für Zuschlagstoffe, Instandhaltung, Strom und Braunkohle.
Für die Firma Hirschmann kommen die Aufträge bis zu 90 Prozent aus öffentlicher Hand. Schwierigkeit ist hier, dass öffentliche Auftraggeber im Unterschwellenbereich, d.h. bei einer Vergabesumme bis 5,5 Mio. Euro netto, keine Preisgleitklausel in den Vergabeunterlagen vorsehen und deshalb auch vertraglich nicht akzeptieren. Die Festpreisbindung ist bei den aktuellen Preisschwankungen ein untragbares finanzielles Risiko für mittelständische Bauunternehmen und deren Zulieferbetriebe sowie den Nachunternehmern. Öffentliche Auftraggeber sollten ein Interesse daran haben, Unternehmen flexibler in den aktuell sehr volatilen Situationen zu unterstützen. „Wir sind das Rückgrat der Gesellschaft“, macht Friedrich Engelhard deutlich. Die Firma Hirschmann beschäftigt 110 Mitarbeiter. Sie ist somit die größte Baufirma im Landkreis und der einzige Betrieb der Beton‑, Stahlbeton- und Straßenbauer ausbildet.
Wolfgang Hauber bestätigt die Sorgen und sichert zu, dass er das Thema in seiner Landtagsfraktion thematisieren wird. Der Abgeordnete Hauber weist zusätzlich auf das Modellregionengesetz Bayern (BayMoG) hin, welches Gemeinden, Landkreisen und Verwaltungsgemeinschaften befristet ermöglicht, von bestimmten landesrechtlichen Vorschriften abzuweichen, um neue und innovative Wege der Aufgabenwahrnehmung zu erproben. „Wir brauchen eine Entbürokratisierung und gerade in herausfordernden Zeiten müssen wir flexibel und handlungsfähig bleiben“, mahnt der Abgeordnete.
Die Modellregionen sollen mehr Gestaltungsspielraum bieten und helfen dabei, landesrechtliche Regeln zu prüfen und erfolgreiche Lösungen für ganz Bayern nutzbar zu machen. Das Gesetz wurde am 8. Mai 2026 beschlossen und trat Mitte Mai 2026 in Kraft. Die Modellregionen sind auf fünf Jahre angelegt und sollen unbürokratische, schnellere und bürgernähere Verfahren praktisch erproben.
In einem sind sich alle einig: der Mittelstand braucht schnelle politische Maßnahmen zur Stabilisierung der Energiepreise und zur Entlastung des Baugewerbes, um die zukünftigen Bauaufgaben, den Erhalt sowie den Ausbau unserer Infrastruktur sicher gewährleisten zu können.
Bildunterschrift: (v. l.): Friedrich Engelhard, MdL Wolfgang Hauber, Markus Nelkel und Thomas Herrscher. Foto: Büro MdL Wolfgang Hauber


