Mittelständische Bauunternehmen und Bauzulieferer unter Druck

von | 18. Juni 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Explo­die­ren­de Ener­gie­prei­se belas­ten Stra­ßen- und Tief­bau mas­siv

Treucht­lin­gen — Die anhal­ten­de Kri­se rund um die Stra­ße von Hor­mus trifft zuneh­mend den deut­schen Mit­tel­stand. Beson­ders mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men im Bau­ge­wer­be war­nen vor dras­tisch stei­gen­den Diesel‑, Trans­port- und Mate­ri­al­kos­ten. Vor allem der Stra­ßen- und Tief­bau steht unter erheb­li­chem, wirt­schaft­li­chem Druck. Der Wei­ßen­bur­ger Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Wolf­gang Hau­ber hat des­halb ger­ne die Ein­la­dung von Fried­rich Engel­hard und Mar­kus Nel­kel, bei­de Geschäfts­füh­rer der Fir­ma Hirsch­mann KG in Treucht­lin­gen, ange­nom­men, um sich über die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen der Bau­bran­che zu infor­mie­ren. Mit dabei auch Tho­mas Herr­scher der Geschäfts­füh­rer der Diet­fur­ter Fir­ma Fran­ken-Schot­ter GmbH & Co. KG.

Nach Ana­ly­sen des Insti­tuts der deut­schen Wirt­schaft wer­den fos­si­le Ener­gie­trä­ger welt­weit knapp und dadurch erheb­lich ver­teu­ert. Ursa­che sind die Ein­schrän­kun­gen im Schiffs­ver­kehr durch die Stra­ße von Hor­mus mit den dadurch stark gestie­ge­nen Ener­gie­prei­sen. Beson­ders betrof­fen sind Raf­fi­ne­rie­pro­duk­te wie Die­sel und Bitu­men sowie erd­öl­ba­sie­ren­de Bau­stof­fe. Dies hat erheb­li­chen Fol­gen für Lie­fer­ket­ten und Pro­duk­ti­ons­kos­ten in Deutsch­land. Die Ener­gie­prei­se haben sich infol­ge des Kon­flikts im Per­si­schen Golf deut­lich erhöht. Der Preis für Roh­öl stieg zeit­wei­se auf über 100 US-Dol­lar pro Bar­rel. In Fol­ge stie­gen die Her­stell­kos­ten für Bau­stof­fe sowie die Trans­port­kos­ten. Beson­ders betrof­fen davon ist die Asphalther­stel­lung.

„Unse­re Maschi­nen, Fahr­zeu­ge und Asphalt­wer­ke sind auf Die­sel und Bitu­men ange­wie­sen. Die Preis­stei­ge­run­gen tref­fen beson­ders mit­tel­stän­di­sche Bau­un­ter­neh­men und Bau­zu­lie­fe­rer mit vol­ler Wucht“, so die Ver­ant­wort­li­chen. Vie­le Mit­tel­stands­be­trie­be kön­nen lau­fen­de Pro­jek­te nur noch wage und risi­ko­reich kal­ku­lie­ren. Auch Lie­fer­eng­päs­se ver­schär­fen die Lage.  Die Ein­schrän­kun­gen im inter­na­tio­na­len Schiffs­ver­kehr wir­ken sich zuneh­mend auf indus­tri­el­le Vor­pro­duk­te und Bau­zu­lie­fe­run­gen aus. Zusätz­lich stei­gen die Kos­ten für Zuschlag­stof­fe, Instand­hal­tung, Strom und Braun­koh­le.

Für die Fir­ma Hirsch­mann kom­men die Auf­trä­ge bis zu 90 Pro­zent aus öffent­li­cher Hand. Schwie­rig­keit ist hier, dass öffent­li­che Auf­trag­ge­ber im Unter­schwel­len­be­reich, d.h. bei einer Ver­ga­be­sum­me bis 5,5 Mio. Euro net­to, kei­ne Preis­gleit­klau­sel in den Ver­ga­be­un­ter­la­gen vor­se­hen und des­halb auch ver­trag­lich nicht akzep­tie­ren. Die Fest­preis­bin­dung ist bei den aktu­el­len Preis­schwan­kun­gen ein untrag­ba­res finan­zi­el­les Risi­ko für mit­tel­stän­di­sche Bau­un­ter­neh­men und deren Zulie­fer­be­trie­be sowie den Nach­un­ter­neh­mern. Öffent­li­che Auf­trag­ge­ber soll­ten ein Inter­es­se dar­an haben, Unter­neh­men fle­xi­bler in den aktu­ell sehr vola­ti­len Situa­tio­nen zu unter­stüt­zen. „Wir sind das Rück­grat der Gesell­schaft“, macht Fried­rich Engel­hard deut­lich. Die Fir­ma Hirsch­mann beschäf­tigt 110 Mit­ar­bei­ter. Sie ist somit die größ­te Bau­fir­ma im Land­kreis und der ein­zi­ge Betrieb der Beton‑, Stahl­be­ton- und Stra­ßen­bau­er aus­bil­det.

Wolf­gang Hau­ber bestä­tigt die Sor­gen und sichert zu, dass er das The­ma in sei­ner Land­tags­frak­ti­on the­ma­ti­sie­ren wird. Der Abge­ord­ne­te Hau­ber weist zusätz­lich auf das Modell­re­gio­nen­ge­setz Bay­ern (Bay­MoG) hin, wel­ches Gemein­den, Land­krei­sen und Ver­wal­tungs­ge­mein­schaf­ten befris­tet ermög­licht, von bestimm­ten lan­des­recht­li­chen Vor­schrif­ten abzu­wei­chen, um neue und inno­va­ti­ve Wege der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung zu erpro­ben. „Wir brau­chen eine Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung und gera­de in her­aus­for­dern­den Zei­ten müs­sen wir fle­xi­bel und hand­lungs­fä­hig blei­ben“, mahnt der Abge­ord­ne­te.

Die Modell­re­gio­nen sol­len mehr Gestal­tungs­spiel­raum bie­ten und hel­fen dabei, lan­des­recht­li­che Regeln zu prü­fen und erfolg­rei­che Lösun­gen für ganz Bay­ern nutz­bar zu machen. Das Gesetz wur­de am 8. Mai 2026 beschlos­sen und trat Mit­te Mai 2026 in Kraft. Die Modell­re­gio­nen sind auf fünf Jah­re ange­legt und sol­len unbü­ro­kra­ti­sche, schnel­le­re und bür­ger­nä­he­re Ver­fah­ren prak­tisch erpro­ben.

In einem sind sich alle einig: der Mit­tel­stand braucht schnel­le poli­ti­sche Maß­nah­men zur Sta­bi­li­sie­rung der Ener­gie­prei­se und zur Ent­las­tung des Bau­ge­wer­bes, um die zukünf­ti­gen Bau­auf­ga­ben, den Erhalt sowie den Aus­bau unse­rer Infra­struk­tur sicher gewähr­leis­ten zu kön­nen.

Bild­un­ter­schrift: (v. l.): Fried­rich Engel­hard, MdL Wolf­gang Hau­ber, Mar­kus Nel­kel und Tho­mas Herr­scher. Foto: Büro MdL Wolf­gang Hau­ber