Mühlenbrot und eine sympathische Autorin — Martina Bogdahn brachte bei ihrer „Mühlensommer“-Lesung das Publikum zum Mitmachen

von | 16. Dezember 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Gun­zen­hau­sen (red). Die Lite­ra­tur und die Kunst des Erzäh­lens stand beim Erzähl­fest der Kul­tur­ma­che­rei Gun­zen­hau­sen im Fokus. Autorin­nen und Autoren sowie buch­be­geis­ter­te Vor­le­se­rin­nen und Vor­le­ser gaben sich in den ver­gan­ge­nen Wochen sozu­sa­gen die Klin­ke in die Hand. Vol­le Ver­an­stal­tungs­räu­me sind die Kul­tur­ma­che­rei-Ver­ant­wort­li­chen ja gewohnt, doch zur gemein­sa­men Ver­an­stal­tung der Stadt- und Schul­bü­che­rei Gun­zen­hau­sen und der Buch­hand­lung Fischer mit Mar­ti­na Bogh­dan und ihrem „Müh­len­som­mer“ wäre man auch zwei­mal aus­ver­kauft gewe­sen!

Am Namen Mar­ti­na Bogh­dan sei­en Ulri­ke und Tho­mas Fischer und das Büche­rei­team bei der gemein­sa­men Pla­nung nicht vor­bei­ge­kom­men, berich­te­te zur Begrü­ßung Büche­rei­mit­ar­bei­te­rin Babett Gut­h­mann. Mar­ti­na Bogh­dan, in der Nähe von Plein­feld gebo­ren, hat mit ihrem Debüt­ro­man „Müh­len­som­mer“ aus dem Stand ein gro­ßes bun­des­wei­tes Lese­pu­bli­kum erreicht und begeis­tert.

Ist der „Müh­len­som­mer“ ein Über­ra­schungs­er­folg? Wer bei der Lesung dabei war und die sym­pa­thi­sche Autorin erlebt hat, wird die­se Fra­ge mit „nein“ beant­wor­ten. Mar­ti­na Bogh­dan erzählt in ihrer eige­nen schö­nen Spra­che und vol­ler Wär­me vom Auf­wach­sen ihrer Hel­din Maria auf dem Land, von der Nähe zur Natur und von den klei­nen und gro­ßen Sor­gen eines Mäd­chens, das spä­tes­tens mit dem Schul­ab­schluss aus die­ser klei­nen hei­len Welt aus­bre­chen möch­te. Mit viel Lie­be erzählt sie von ihrer Fami­lie, vom Mit­hel­fen müs­sen einer­seits, aber auch vom Auf­ge­ho­ben­sein in einer Fami­lie, die zusam­men­hält.

Das sind unter­halt­sa­me Sze­nen, in denen die Lese­rin­nen und Leser Maria durch ein von den land­wirt­schaft­li­chen Auf­ga­ben gepräg­ten Jah­res­lauf beglei­ten. Mar­ti­na Bog­dahn for­der­te das Publi­kum bei der Schil­de­rung der Arbeit an der Hop­fen­zu­pf­ma­schi­ne zum Mit­ma­chen ein: Die Groß­mutter Mari­as, streng und mit lau­ter Stim­me, saß da am Ein- und Aus­schal­ter der nicht ganz unge­fähr­li­chen För­der­bän­der. „Obacht!“, hieß es da immer vor dem Start. Das Publi­kum in Gun­zen­hau­sen über­nahm da ger­ne den Oma-Part, der ja auch jede Pau­se ein­lei­te­te. Es gab also vie­le „Obachts“ und viel zu lachen!

Auf einer zwei­ten Erzähl­ebe­ne schil­dert die Autorin die Rück­kehr Mari­as als Erwach­se­ne. Die Städ­te­rin kehrt wegen eines Not­falls in der Fami­lie zurück und wird sofort ein­ge­spannt: Schwei­ne füt­tern, die mitt­ler­wei­le demen­te Groß­mutter beschäf­ti­gen… Bal­sam für Mari­as See­le ist die Rück­kehr in den Müh­len­som­mer, das Leben im besänf­ti­gen­dem Gleich­klang mit dem Mühl­bach, der Blick in die Bir­ken­kro­ne vom ehe­ma­li­gen Kin­der­zim­mer aus. Doch es gibt Kon­flik­te in der Fami­lie: Wie soll die Zukunft des Hofes aus­se­hen?

Mari­as Mut­ter hat da schon mal eine gute Idee und arran­giert ein Tref­fen mit „Han­si“, dem immer noch unver­hei­ra­te­ten Ver­eh­rer Mari­as. Das Publi­kum in der Büche­rei war ganz hin­ge­ris­sen, als ein Mann aus dem Publi­kum gemein­sam mit Mar­ti­na Bog­dahn die Han­si-Sze­ne mit genau dem rich­ti­gen frän­kisch-zurück­hal­ten­den Zögern vor jeder gebrum­mel­ten Ant­wort las!

Mar­ti­na Bogh­dan ist ja in unse­rem Land­kreis, in der Mäus­leins­müh­le auf­ge­wach­sen. Sie lebt in und arbei­tet in Mün­chen als Foto­gra­fin und neu­er­dings auch als Autorin. Immer wie­der kommt sie aber zurück in die alte Hei­mat. Es ist schon so, dass wohl 90 Pro­zent Mar­ti­na in der Haupt­fi­gur Maria ste­cken. Im Nach­wort ihres Buches hat Mar­ti­na Bog­dahn denn auch ein Bekennt­nis zu der Müh­le und dem Ort ihrer Kind­heit for­mu­liert: „Und am Ende soll hier die Müh­le ste­hen, denn die­ser Ort rührt mein Herz. Jedes Mal, wenn ich ankom­me und noch mehr, wenn ich fah­ren muss. Denn man weiß nie so genau, wo es hin­geht im Leben, aber doch immer, wo man her­kommt.“

Nach der Lesung gab es für die Autorin etli­che Bücher zu signie­ren. Und für die Gäs­te in der Büche­rei noch eine Kost­pro­be vom Müh­len­brot, dem heim­li­chen Star im Roman.

Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen zur Stadt- und Schul­bü­che­rei Gun­zen­hau­sen erhal­ten Sie unter buecherei.gunzenhausen.de, per Tele­fon unter 09831/508 320 oder per E‑Mail an buecherei@gunzenhausen.de.

Bild­un­ter­schrift: Mar­ti­na Bog­dahn hol­te für die Sze­ne vom Wie­der­se­hen mit dem eins­ti­gen Ver­eh­rer einen Gast auf die Büh­ne, der genau den rich­ti­gen frän­kisch-ein­sil­bi­gen Ton fand: „Gut gemacht, Han­si!“. Foto: Stadt Gunzenhausen/Babett Gut­h­mann