Mut, Medaillen, Emotionen ‑Regens Wagner Absberg bei den Special Olympics

von | 26. Juli 2025 | Allgemein

(red). Astrid S. kann ihr Glück nicht fas­sen: Gera­de hat Sie eine Gold­me­dail­le über die 50 m Frei­stil im Schwim­men gewon­nen. Bei der Sie­ger­eh­rung flie­ßen Trä­nen des Glücks. Felix Z. dage­gen kämpft gegen Trä­nen der Ver­zweif­lung. Eben hat man ihm noch zum 2. Platz und neu­er Best­leis­tung gra­tu­liert, den­noch bleibt ihm die Sil­ber­me­dail­le ver­sagt. Der Grund: Er war zu schnell. Laut „Maxi­mum Performance“-Regel wer­den Ath­le­tin­nen und Ath­le­ten bei den Spe­cial Olym­pics Lan­dess­spie­len in Sport­ar­ten mit zeit- oder mess­ba­ren Leis­tun­gen dis­qua­li­fi­ziert, wenn sie im Fina­le 15 % bes­ser abschnei­den als im Vor­feld gemel­det. Felix hat­te sei­ne bis­he­ri­ge Best­zeit um rund 22% unter­bo­ten und wur­de dem Regle­ment ent­spre­chend dis­qua­li­fi­ziert. Ein rasch ein­ge­reich­ter Pro­test gegen die Ent­schei­dung wird abge­wie­sen.

Arg- und ahnungs­los wur­de Felix damit Leid­tra­gen­der einer an sich sinn­vol­len Rege­lung. Die Spe­cial-Olym­pics-Teil­neh­mer/in­nen wer­den, für eine gerech­te­re Beur­tei­lung der per­sön­li­chen Leis­tung, in ver­schie­de­ne Leis­tungs­klas­sen ein­grup­piert. Mit sei­ner neu auf­ge­stell­ten Final­best­zeit hät­te Felix in einer stär­ke­ren Grup­pe star­ten müs­sen. Die Betreu­en­den haben Mühe, Felix die Situa­ti­on zu erklä­ren, schaf­fen es jedoch den unglück­li­chen jun­gen Mann zu beru­hi­gen.

Es ist bereits der drit­ten Wett­kampf­tag für die Olym­pio­ni­ken von Regens Wag­ner Abs­berg, ein Tag an dem die Emo­tio­nen beson­ders hoch­ko­chen. Ins­ge­samt 15 Ath­le­tin­nen und Ath­le­ten sind zu dem alle vier Jah­re statt­fin­den­den Sport­event für Men­schen mit geis­ti­ger Beein­träch­ti­gung aus Abs­berg ange­reist, 5 tre­ten bei den Bow­ling- und 10 bei den Schwimm­wett­be­wer­ben an. Die Bowler/innen sind zu die­sem Zeit­punkt bereits fer­tig mit ihren Ein­zel- und Dop­pel­wett­be­wer­ben. Zwei Gold‑, eine Sil­ber- und drei Bron­ze­me­dail­len konn­ten sich die Sport­le­rin­nen und Sport­ler erspie­len. Am letz­ten Tag dür­fen sie gemein­sam mit ihren Trai­nern und Betreu­ern ein Uni­fied-Spiel bestrei­ten. Hier spie­len Men­schen mit Behin­de­rung gemein­sam mit Men­schen ohne Behin­de­rung.

Die Spe­cial Olym­pics zei­gen ein­drucks­voll, wie Men­schen mit geis­ti­ger Behin­de­rung die Mög­lich­keit zur Teil­ha­be an sport­li­chem Wett­be­werb anneh­men und genie­ßen. Gleich­zei­tig zeigt sich die Leis­tungs­be­reit­schaft der Teil­neh­men­den. Sehr deut­lich wer­den dabei jedoch auch die Unter­schie­de hin­sicht­lich der Ein­schrän­kun­gen jedes Ein­zel­nen. Wenn bei­spiels­wei­se ein Schwim­mer über zwei Minu­ten braucht, um ins Becken zu stei­gen, wäh­rend die übri­gen Teil­neh­mer längst im Was­ser war­ten, wird klar, dass hier ein Mensch mit schwers­ter Behin­de­rung an den Start geht. Die Ath­le­tin­nen und Ath­le­ten im Team Regens Wag­ner Abs­berg sind Men­schen mit Pra­der-Wil­li-Syn­drom (PWS). Neben einer ange­bo­re­nen Mus­kel­hy­po­to­nie und geis­ti­ger Beein­träch­ti­gung bringt der gene­ti­sche Defekt mit sich, dass Men­schen mit PWS stän­dig Hun­ger ver­spü­ren. Die Fol­ge: Ess­ba­res wird, sofern greif­bar, unkon­trol­liert auf­ge­nom­men – im Extrem­fall kann sogar der Magen plat­zen. Dies stellt die Trai­ner und Betreu­er von Team Regens Wag­ner Abs­berg vor beson­de­re Her­aus­for­de­run­gen – auch logis­tisch. Die Ein­nah­me der Mahl­zei­ten, ein­schließ­lich Zwi­schen­mahl­zei­ten, für die Tage sind exakt durch­ge­plant. Zudem ist die Belast­bar­keit von Men­schen mit PWS sehr unter­schied­lich. Die beglei­ten­den Betreu­er sind jedoch fach­lich geschult, wis­sen wie bei Rei­be­rei­en unter Kli­en­ten, bei her­aus­for­dern­dem Ver­hal­ten oder Gefühls­aus­brü­chen situa­tiv zu ver­fah­ren ist. Pas­san­ten in der Erlan­ger Innen­stadt ahnen nichts von alle­dem. Freund­lich begeg­net man der Sport­ler­schar bei ihrem Spa­zier­gang zur Sport­ler­dis­co, im Restau­rant oder Eis-Café.

„Die Pla­nung der Teil­nah­me mit einem Kli­en­ten-Team begann bereits Ende letz­ten Jah­res“, erklärt Sport­the­ra­peu­tin und sport­li­che Lei­te­rin, Eva Hefe­le.  In enger Zusam­men­ar­beit mit der PWS-Bereichs­lei­tung wur­de ein ent­spre­chen­des Kon­zept erar­bei­tet und der Gesamt­lei­tung vor­ge­stellt. Anschlie­ßend wur­den moti­vier­te Kli­en­tin­nen und Kli­en­ten gesucht und gefun­den. Wie im Sport üblich muss­ten sich die Inter­es­sen­ten an ent­spre­chen­den Sich­tungs­ta­gen für die Trai­nings und die Teil­nah­me an den Lan­des­spie­len qua­li­fi­zie­ren. Im Lau­fe des Jah­res wur­de regel­mä­ßig trai­niert. Dank groß­zü­gi­ger Unter­stüt­zung des För­der­ver­eins von Regens Wag­ner Abs­berg konn­ten Sport­le­rin­nen und Sport­ler sowie die beglei­ten­den Trai­ner und Betreu­er mit hoch­wer­ti­gen und pro­fes­sio­nell design­ten Shirts und Jacken aus­ge­stat­tet wer­den, es konn­te los­ge­hen.

Wäh­rend das Bow­ling-Team sein Uni­fied-Tur­nier spielt, geht es am Frei­tag, dem letz­ten Tag der dies­jäh­ri­gen Spie­le, noch ein­mal um Medail­len in der 4 x 50 m Frei­stil­staf­fel. Die Abs­ber­ger haben im Fina­le der ent­spre­chen­den Leis­tungs­klas­se gleich zwei Teams am Start. Bei der direkt anschlie­ßen­den Sie­ger­eh­rung lie­gen Freu­de und Ent­täu­schung dann wie­der dicht bei­ein­an­der. Wäh­rend Team 1 für den 5. Platz eine Sie­ger­schlei­fe für die Teil­nah­me umge­hängt wird, errin­gen die vier Staffelschwimmer/innen von Team 2 eine Bron­ze­me­dail­le. Gold­me­dail­len­ge­win­ne­rin Astrid S., an die­sem Tage Schluss­schwim­me­rin von Team 1, ist die Ent­täu­schung anzu­se­hen. Wie­der muss getrös­tet wer­den.

„Ich will gewin­nen. Doch wenn ich nicht gewin­nen kann, so will ich mutig mein Bes­tes geben.“ Gemäß die­sem offi­zi­el­len Eid der Spe­cial Olym­pics haben alle Olym­pio­ni­ken von Regens Wag­ner Abs­berg ihr Bes­tes gege­ben. Am Ende brin­gen die Schwimmer/innen zwei Gold‑, fünf Silber‑, und vier Bron­ze­me­dail­len mit nach Abs­berg in die Wohn­ge­mein­schaf­ten.

Bei der Abschluss­fei­er am Erlan­ger Rat­haus­platz fei­ern dann Hun­der­te fröh­li­che Men­schen der teil­neh­men­den Teams neben dem Olym­pi­schen Feu­er, tan­zen aus­ge­las­sen zur Live-Musik von „Voll­gas“, einem inklu­si­ven Ensem­ble der Musik­schu­le Fürth. Man begrüßt alte und neue Sport­freun­de, zeigt sich die Medail­len, singt und lacht. Nicht nur am Abschluss­tag bie­ten die Spe­cial Olym­pics den Teil­neh­men­den reich­lich Gele­gen­heit für den Aus­tausch und neue Begeg­nun­gen. Ent­spre­chend begeis­tert zeig­ten sich die Abs­ber­ger Olym­pio­ni­ken nach ihrer Rück­kehr.

Posi­tiv fällt auch das Fazit von Doris Frohn­hö­fer, Gesamt­lei­tung Regens Wag­ner Abs­berg, zum „Expe­ri­ment“ Spe­cial-Olym­pics-Teil­nah­me saus: „Von Alex­an­der dem Gro­ßen stammt der Satz: ‚Es gibt nichts Unmög­li­ches für den, der es ver­su­chen wird.‘ Wir haben mit unse­rer Betei­li­gung bewie­sen, dass man – mit ent­spre­chen­der, fach­li­cher Assis­tenz – selbst Men­schen mit schwe­rer bzw. mehr­fa­cher geis­ti­ger Behin­de­rung die Teil­ha­be an Sport­groß­ereig­nis­sen wie den Spe­cial Olym­pics ermög­li­chen kann. Wir sind sehr stolz auf unse­re Sport­le­rin­nen und Sport­ler, ob mit oder ohne Medail­le. Ich möch­te aber beson­ders auch allen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ganz herz­lich für die über­ra­gen­de Arbeit dan­ken, die im Zuge der Spe­cial Olym­pics geleis­tet wur­de. Dies gilt nicht nur für die Woche der Spie­le, son­dern für die gesam­te Zeit der Vor­be­rei­tung, der Sich­tun­gen und Trai­nings. Das gesam­te Team aber ganz beson­ders Frau Hefe­le haben einen unglaub­li­chen, einen unglaub­lich guten Job gemacht.“

Auf dem Som­mer­fest von Regens Wag­ner Abs­berg am Sonn­tag soll das gesam­te Team um ca. 14.15 Uhr auf der gro­ßen Büh­ne geehrt wer­den.

Bild­un­ter­schrift: Team Regens Wag­ner Abs­berg auf dem Fest­ge­län­de der Eröff­nungs­fei­er in Erlan­gen (Kul­tur­in­sel Wöhr­müh­le). Foto: Regens Wag­ner Abs­berg