NABU: Schlechtes Schmetterlingsjahr trotz Masseneinflug des Admirals auf Streuobstwiesen

von | 4. Oktober 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Viel Fall­obst zieht ehe­ma­li­gen Wan­der­fal­ter magisch an – Rau­pen brau­chen Brenn­nes­seln

Stutt­gart (red). Der Admi­ral ist zur­zeit mas­sen­wei­se auf Streu­obst­wie­sen in Baden-Würt­tem­berg zu fin­den. Dort saugt er süßen Saft von rei­fem Fall­obst. „Die­ses Jahr ist ein Admi­ral-Jahr. Ich habe in mei­nem gan­zen Leben noch nicht so vie­le Admi­ral­schmet­ter­lin­ge beob­ach­tet wie zur­zeit“, sagt Mar­tin Feucht, NABU-Fach­be­auf­trag­ter für Schmet­ter­lin­ge. Jetzt, im Herbst, lässt sich der auf­fäl­li­ge Edel­fal­ter mit der kräf­ti­gen, oran­ge-schwarz-wei­ßen Flü­gel­far­be an son­ni­gen Tagen gut auf Streu­obst­wie­sen und in natur­na­hen Gär­ten beob­ach­ten. Auch Wein­ber­ge besucht er, weil sich die Flä­chen in der Herbst­son­ne schnell erwär­men. Wo Fall­obst am Boden bereits gärt, sind die Tag­fal­ter im Glück.

Vom Wan­der­fal­ter, der kei­ner mehr ist

Ursprüng­lich eine süd­eu­ro­päi­sche Art, die als Wan­der­fal­ter Jahr für Jahr im Früh­jahr über die Alpen zu uns geflo­gen ist, über­win­tern die zar­ten Insek­ten mitt­ler­wei­le zumeist bei uns. Es hat sich eine eigen­stän­di­ge mit­tel­eu­ro­päi­sche Popu­la­ti­on gebil­det, die jedoch als Wan­der­fal­ter im Som­mer bis nach Skan­di­na­vi­en zieht. Im Herbst fliegt der Admi­ral ein kur­zes Stück gen Süden, über­win­tert aber nörd­lich der Alpen, etwa am Ober­rhein.

Ihre Eier legen die Schmet­ter­lin­ge der­zeit aus­schließ­lich an Brenn­nes­sel­sträu­chern ab, die an besonn­ten oder schat­ti­gen Stel­len ste­hen. Noch bis Ende Okto­ber ver­pup­pen sich die Rau­pen. Schon die win­zi­gen Rau­pen hef­ten ein Brenn­nes­sel­blatt zu einer mar­kan­ten, an den Zacken zusam­men­ge­spon­ne­nen Tüte zusam­men. In dem Blatt suchen sie Schutz, fres­sen es nach und nach auf und ver­pup­pen sich oft dar­in.

Schmet­ter­lings­ar­mes Jahr 2024

Wäh­rend der auf­fäl­li­ge Admi­ral mit sei­ner an eine Uni­form erin­nern­den Fär­bung häu­fig zu beob­ach­ten ist, feh­len die­ses Jahr sehr vie­le ande­re Fal­ter. „Es ist erschre­ckend, wie weni­ge Klei­ne Füch­se, Tag­pfau­en­au­gen, Land­kärt­chen, Bläu­lin­ge, Schwal­ben­schwän­ze und Segel­fal­ter, aber auch Schwär­mer und Spin­ner die­ses Jahr zu sehen waren. Nur der Klei­ne Kohl­weiß­ling, des­sen Rau­pen alle ger­ne Kreuz­blüt­ler fres­sen und der des­halb kein Ernäh­rungs­pro­blem hat, war in sehr vie­len Gär­ten, Parks oder auf städ­ti­schen Wie­sen zu ent­de­cken“, fasst Feucht sei­ne Beob­ach­tun­gen zusam­men.

„Durch die Kli­ma­er­wär­mung ver­än­dern sich Blüh­zeit­punk­te. Die Tier­welt kann sich gar nicht so schnell an die Ver­än­de­run­gen anpas­sen. Wet­ter­ex­tre­me wie Stark­re­gen und Tro­cken­heit neh­men zu, dadurch ist es mal zu feucht, mal zu tro­cken. Hin­zu kommt, dass unse­re Kul­tur­land­schaf­ten struk­tur­arm, über­düngt und durch Pes­ti­zi­de belas­tet sind – die meis­ten Schmet­ter­lings­ar­ten brau­chen aber Mager­wie­sen und viel­fäl­ti­ge Lebens­räu­me. Dies alles hat Ein­fluss auf unse­re hei­mi­schen Schmet­ter­lin­ge, deren Bestän­de seit Jah­ren rapi­de abneh­men. Beson­ders betrof­fen sind Fal­ter, die auf bestimm­te Pflan­zen ange­wie­sen sind. Doch der hef­ti­ge Regen die­ses Jahr hat selbst häu­fi­gen Arten zuge­setzt: Tag­pfau­en­au­ge, Dis­tel­fal­ter und Klei­ner Fuchs sind sel­ten zu sehen, und auch die Bläu­lin­ge machen sich rar.

Fünf Tipps für mehr Schmet­ter­lin­ge

  • Viel­falt an Fut­ter­pflan­zen für Rau­pen und Fal­ter: Jede Art hat ihre spe­zi­fi­schen Fut­ter­pflan­zen. Zitro­nen­fal­ter lie­ben den Faul­baum, Sal­wei­den sind für meh­re­re Arten wie Abend­pfau­en­au­ge, C‑Falter oder Mond­vo­gel attrak­tiv. Diver­se Nacht­fal­ter flie­gen auf die gel­be Nacht­ker­ze, Schle­hen und Brenn­nes­seln sind als Rau­pen­fut­ter­pflan­ze wich­tig. Vie­le Schmet­ter­lin­ge sind bedroht, weil die­se Viel­falt fehlt.
  • Gift­freie Gär­ten und weni­ger Spritz­mit­tel in der Land­wirt­schaft: Pes­ti­zi­de belas­ten Insek­ten. Wer die Natur liebt, ver­zich­tet daher im hei­mi­schen Gar­ten auf aggres­si­ve Spritz­mit­tel und wer kann, kauft bio­lo­gi­sche Lebens­mit­tel, weil die­se Bewirt­schaf­tungs­art die Natur schont. Gly­pho­sat und ande­re che­misch-syn­the­ti­sche Stof­fe kom­men dort nicht zum Ein­satz.
  • Mehr Wild­nis im Gar­ten wagen: Wenn mög­lich, soll­te in jedem Gar­ten ein etwas ver­wil­der­ter Fleck sein dür­fen. Auch Alt­gras­strei­fen, ver­blüh­te Pflan­zen und Laub hel­fen Insek­ten beim Über­win­tern.
  • Fut­ter für Schmet­ter­lin­ge anbau­en: Hei­mi­sche Sträu­cher und Pflan­zen sind wich­tig für Insek­ten. Aber auch die Blü­ten von Kräu­tern, wie Ore­ga­no, Laven­del oder Min­ze, schme­cken vie­len Sechs­bei­nern. Wer jetzt im Herbst neue Sträu­cher und Stau­den kauft, kann sich vor­her eine Pflanz­lis­te anle­gen und schmet­ter­lings­freund­li­che Arten, wie Fel­sen­bir­ne, Kor­nel­kir­sche oder Storch­schna­bel dar­auf­set­zen.
  • Sel­te­ner oder zu einer ande­ren Zeit mähen: Die Brenn­nes­sel ist ein Super­food für Schmet­ter­lings­rau­pen. Trotz­dem wird sie oft radi­kal bekämpft, in pri­va­ten Gär­ten und auf kom­mu­na­len Flä­chen. Weil die Rau­pen von Tag­pfau­en­au­ge, Klei­ner Fuchs, Admi­ral oder Brenn­nes­sel­züns­ler deren Blät­ter fres­sen sich an Hal­men in der nähe­ren Umge­bung ver­pup­pen, soll­te man einen Teil der Brenn­nes­seln ste­hen las­sen.

Bild­un­ter­schrift: Admi­ral an einem Son­nen­platz;  Foto:  NABU/Rainer Deid­le