Nächtliche Flugshow der Fledermäuse mit dem NABU erleben

von | 27. August 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Rund um die Bat­night am 29./30. August laden Ver­an­stal­tun­gen zum Beob­ach­ten ein – 9 von 21 Süd­west-Arten leben ganz in unse­rer Nähe

Stutt­gart – Zur jähr­li­chen Inter­na­tio­na­len Bat­night Ende August laden vie­le NABU-Grup­pen in Baden-Würt­tem­berg zu Vor­trä­gen, Füh­run­gen und Aus­stel­lun­gen ein, um die span­nen­den klei­nen Säu­ge­tie­re bes­ser ken­nen­zu­ler­nen und live zu erle­ben, etwa am Stutt­gar­ter Max-Eyth-See, in Brei­sach oder an der Sont­hei­mer Höh­le. Bis in den Sep­tem­ber sind Fle­der­mäu­se aktiv und es gibt Aktio­nen. Mehr Infos und alle Ter­mi­ne gibt es unter www.batnight.de.

Neun Fle­der­maus­ar­ten leben im Süd­wes­ten in unmit­tel­ba­rer Nähe des Men­schen – in Parks, auf Fried­hö­fen, in Kirch­tür­men, Dach­stüh­len oder Fas­sa­den­spal­ten – und kom­men her­vor, wenn es dun­kel wird. Neben den häu­fi­gen Zwerg­fle­der­mäu­sen sind das zum Bei­spiel Mücken‑, Breit­flü­gel- und Weiß­rand­fle­der­maus, Bart­fle­der­mäu­se, das Gro­ße Maus­ohr oder das Graue Lang­ohr. Ihre Beu­te fin­den sie etwa in Parks, auf Streu­obst­wie­sen, in natur­na­hen Gär­ten, an Hecken oder am Wald­rand. Wenn es däm­mert, schwir­ren sie aus und jagen im spek­ta­ku­lä­ren Zick-Zack-Kurs über den Nacht­him­mel, was sich in vie­len Städ­ten und Dör­fern gut erle­ben lässt. Mit Echo­or­tung spü­ren sie blitz­schnell klei­ne Insek­ten im Flug auf. Dabei rufen sie im Stak­ka­to Lau­te im Ultra­schall­be­reich. Das Echo ihrer Umge­bung fan­gen sie mit ihren gro­ßen Ohren auf. Es lei­tet sie im Flug, lässt sich von uns Men­schen aber nur mit­hil­fe eines Fle­derm­aus­de­tek­tors hören und den ver­schie­de­nen Arten zuord­nen.

Jun­ge Fle­der­mäu­se in der Woh­nung

Die jähr­li­che Bat­night Ende August mar­kiert die Schwärm­zeit der Fle­der­mäu­se. Dann ver­las­sen die flie­gen­den Säu­ge­tie­re ihre Som­mer­quar­tie­re und suchen nach Zwi­schen- und Win­ter­quar­tie­ren, die sie gemein­sam umschwär­men: „Das ist ähn­lich wie vor einem ange­sag­ten Musik­club – drau­ßen tum­meln sich teils hun­der­te Fle­der­mäu­se, tref­fen sich zur Partn­er­fin­dung und wei­sen den neu­en Jung­tie­ren den Weg zum attrak­ti­ven Unter­schlupf“, berich­tet NABU-Fle­der­maus­exper­te Robert Pfeif­le. Mit­un­ter ver­ir­ren sich dann uner­fah­re­ne und neu­gie­ri­ge Jung­tie­re, ein­zeln oder in Grup­pen, in mensch­li­che Woh­nun­gen. Pfeif­le rät bei sol­chen Ein­flü­gen zu Gelas­sen­heit: „Meist han­delt es sich um die bei uns häu­fi­ge Zwerg­fle­der­maus. Bit­te das Licht aus­schal­ten und die Fens­ter weit öff­nen, damit die Tie­re wie­der hin­aus­fin­den. Dann die Fens­ter schlie­ßen und in allen klei­nen Spal­ten suchen. Even­tu­ell ver­blie­be­ne Tie­re vor­sich­tig mit Hand­schu­hen auf­neh­men, bis zum Abend in eine Schach­tel mit Luft­lö­chern set­zen und spä­ter im Frei­en abflie­gen las­sen.“

5 Tipps für mehr Fle­der­maus-Schutz:

  • Wis­sen aneig­nen: „Wir kön­nen nur effek­tiv schüt­zen, was wir ken­nen. Je mehr wir die Bedürf­nis­se der Tie­re ver­ste­hen, des­to bes­ser“, sagt Robert Pfeif­le. „Lei­der sind die alle­samt harm­lo­sen Fle­der­mäu­se – 21 der 25 bun­des­wei­ten Arten leben im Süd­wes­ten – immer noch vie­len Vor­ur­tei­len aus­ge­setzt. Alle Arten sind gefähr­det und vier sogar vom Aus­ster­ben bedroht. Damit sie über­le­ben kön­nen, brau­chen sie viel­fäl­ti­ge gift­freie Land­schaf­ten und Gär­ten.“
  • Licht spa­ren: Künst­li­ches Licht kann Jagd- und Flug­we­ge stö­ren. Fle­der­maus­fach­mann Pfeif­le rät des­halb, Außen­be­leuch­tung nachts aus­zu­schal­ten oder nur gezielt und kurz zu nut­zen. „Im Gar­ten bit­te mög­lichst kom­plett auf Beleuch­tung ver­zich­ten. Und damit aus dem Innen­be­reich wenig Licht nach außen fällt, hilft es, Roll­lä­den zu schlie­ßen“, ergänzt er. Wei­te­re Infos: www.NABU-BW.de/lichtverschmutzung
  • Quar­tie­re erhal­ten: Fle­der­mäu­se leben oft unbe­merkt in der Nach­bar­schaft, auf Dach­bö­den, in Gewöl­be­kel­lern, hin­ter Fens­ter­lä­den oder Fas­sa­den. Damit ihr Ver­steck erhal­ten bleibt, soll­ten Reno­vie­run­gen an Häu­sern gut geplant wer­den und Ersatz­quar­tie­re recht­zei­tig ent­ste­hen, etwa Fle­der­maus­bret­ter, Flach- oder Höh­len­käs­ten. Auch Kom­mu­nen kön­nen ihren Bei­trag leis­ten und wer­den dabei durch das Pro­jekt „Mensch.Natur – natür­lich zusam­men leben.“ vom NABU unter­stützt.
  • Fle­der­maus­freund­li­che Umge­bung schaf­fen: „Fle­der­mäu­se leben nicht von Luft und Lie­be, sie brau­chen Insek­ten und die­se leben nur in einer pes­ti­zid­frei­en, viel­fäl­ti­gen Natur“, sagt Pfeif­le. Zwerg­fle­der­mäu­se etwa fres­sen rein rech­ne­risch mehr als 1.000 Klein­in­sek­ten, wie zum Bei­spiel Stech­mü­cken, pro Nacht. Spe­zia­lis­ten, wie das Lang­ohr und die Fran­sen­fle­der­maus, jagen Nacht­fal­ter, das Gro­ße Maus­ohr Lauf­kä­fer. Neben insek­ten­rei­chen Jagd­ge­bie­ten brau­chen sie frost­freie Win­ter­quar­tie­re, Wochen­stu­ben für die Fami­li­en­zeit im Som­mer und Tages­ver­ste­cke in Baum­höh­len oder Mau­er­rit­zen. Damit Fle­der­mäu­se die insek­ten­freie Jah­res­zeit gut über­ste­hen, müs­sen sie sich Fett­re­ser­ven anfut­tern, bevor sie den Win­ter ver­schla­fen.
  • Fle­der­maus­beet anle­gen: Fle­der­mäu­se füh­len sich am wohls­ten in einem viel­fäl­tig gestal­te­ten Gar­ten, der für Insek­ten attrak­tiv ist. „Ein Fle­der­maus­beet mit nacht­blü­hen­den, nek­tar­rei­chen Blü­ten­pflan­zen, zum Bei­spiel Leim­kraut, Sei­fen­kraut und Weg­war­te, ist wie ein Fein­schme­cker­lo­kal für die Tie­re“, berich­tet Pfeif­le. „Durch ihren inten­si­ven Duft locken die Pflan­zen Nacht­fal­ter an, Leib­spei­se vie­ler Fle­der­maus­ar­ten.“ Wei­te­re Infos: Gar­ten fle­der­maus­freund­lich gestal­ten

Ver­an­stal­tungs-Hin­weis:

Kos­ten­frei­er Online-Vor­trag zum fle­der­maus­freund­li­chen Gärt­nern am 17. Sep­tem­ber: www.MenschNatur.org/webinar

Foto: NABU/ Otto Schä­fer