Neubau läuft nur mit angezogener Handbremse

von | 6. November 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen feh­len 1.500 Woh­nun­gen

Woh­nungs­bau ankur­beln: „Güns­ti­ges Bau­geld und Abräu­men aller Vor­schrif­ten der letz­ten 10 Jah­re“

Man­gel­wa­re Woh­nung: Der Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen hat ein Woh­nungs­de­fi­zit. Aktu­ell feh­len rund 1.500 Woh­nun­gen. Gleich­zei­tig ste­hen im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen 1.920 Woh­nun­gen bereits seit einem Jahr oder län­ger leer. Wer eine Woh­nung sucht, soll­te sich dar­auf aber kei­ne Hoff­nun­gen machen: Woh­nun­gen, die lan­ge Zeit leer ste­hen, gehen kaum wie­der in die Ver­mie­tung. Die Zah­len für den Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen gehen aus der aktu­el­len regio­na­len Woh­nungs­markt-Unter­su­chung her­vor, die das Pest­el-Insti­tut gemacht hat. Die Wis­sen­schaft­ler haben dabei den Woh­nungs­be­stand, die Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung sowie Pro­gno­sen für den Arbeits­markt und die Beschäf­ti­gung im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen ana­ly­siert.

„Vom Arbeits­kräf­te­be­darf über die Gebur­ten bis zu den Ster­be­fäl­len: Es wird sich im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen eine Men­ge tun – und auf dem Woh­nungs­markt tun müs­sen. Das bedeu­tet kon­kret: In den nächs­ten fünf Jah­ren müs­sen rund 440 neue Woh­nun­gen im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen gebaut wer­den – und zwar pro Jahr“, sagt Mat­thi­as Gün­ther.

Der Chef-Öko­nom des Pest­el-Insti­tuts hält die­ses Woh­nungs­bau­pen­sum im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen für mach­bar. So habe es im ers­ten Halb­jahr die­ses Jah­res nach Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes (Desta­tis) 254 Bau­ge­neh­mi­gun­gen für neue Woh­nun­gen im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen gege­ben. „Das könn­te rei­chen, um den Woh­nungs­be­darf zu decken“, so Mat­thi­as Gün­ther. Dazu dür­fe es mit den Bau­ge­neh­mi­gun­gen im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen „jeder­zeit berg­auf, aber nicht mehr berg­ab gehen“.

Außer­dem sei eine Bau­ge­neh­mi­gung zunächst nur eine geplan­te Woh­nung auf dem Papier: „Am Ende muss jede geneh­mig­te Woh­nung auch tat­säch­lich gebaut wer­den. Das klappt aber nur, wenn bun­des­po­li­tisch mehr pas­siert: Der Bund muss den Neu­bau von Woh­nun­gen wie­der ankur­beln. Und das mög­lichst schnell“, so Gün­ther.

Dabei gibt es für den Lei­ter des Pest­el-Insti­tuts vor allem ein effek­ti­ves Instru­ment, das den Woh­nungs­bau auch im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen flott in Fahrt brin­gen wür­de: „Drin­gend not­wen­dig ist güns­ti­ges Bau­geld. Der Bund muss ein Zins-Pro­gramm auf­le­gen: Maxi­mal 2 Pro­zent Zin­sen – teu­rer darf die Finan­zie­rung beim Woh­nungs­bau nicht sein. Dann wären deut­lich mehr pri­va­te Bau­her­ren, aber auch Inves­to­ren end­lich wie­der in der Lage, neue Woh­nun­gen im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen zu bau­en. Vor allem wür­de das schnell einen Effekt brin­gen: Mit einem Nied­rig­zins-Bau­geld wür­de der Bund einen wirk­li­chen Tur­bo für den Neu­bau von Woh­nun­gen star­ten“, ist der Chef-Öko­nom des Pest­el-Insti­tuts über­zeugt.

Die Wis­sen­schaft­ler haben die regio­na­le Woh­nungs­markt-Ana­ly­se im Auf­trag des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del (BDB) durch­ge­führt. Des­sen Prä­si­den­tin feh­len kla­re Signa­le – Anrei­ze, die kurz­fris­tig wir­ken: „In Sachen Woh­nungs­bau pas­siert bei der neu­en Bun­des­re­gie­rung zu wenig. Nur das Schlag­wort ‚Woh­nungs­bau-Tur­bo‘ geis­tert seit Mona­ten durch die Repu­blik. Doch von einem ‚Tur­bo‘ kann kei­ne Rede sein. Die Maß­nah­men wir­ken nur mit­tel- bis lang­fris­tig. Jeden­falls ist von dem ver­spro­che­nen ‚Tur­bo-Effekt‘ im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und auch sonst nir­gend­wo etwas zu mer­ken“, sagt Katha­ri­na Metz­ger. Selbst da, wo es ein Plus bei den Bau­ge­neh­mi­gun­gen gebe, pas­sie­re dies auf „denk­bar nied­ri­gem Niveau“.

Dabei sei der Woh­nungs­bau ein wich­ti­ger Motor der Bin­nen­kon­junk­tur: „Läuft der Woh­nungs­bau, dann läuft auch die Wirt­schaft. Des­halb ist es höchs­te Zeit, dass Bun­des­kanz­ler Merz den Woh­nungs­bau jetzt zur Chef­sa­che macht“, for­dert die Prä­si­den­tin des Bau­stoff-Fach­han­dels. Pas­sie­re nichts, dann sacke der Neu­bau wei­ter ab. Schon jetzt ver­lie­re der Bau Tag für Tag Kapa­zi­tä­ten: „Bau­un­ter­neh­men gehen in die Insol­venz. Bau­ar­bei­ter ver­lie­ren ihre Jobs“, so Metz­ger.

Außer­dem sei das Bau­en zu kom­pli­ziert und zu teu­er gewor­den, kri­ti­siert der Bau­stoff-Fach­han­del. Ein Punkt, den auch das Pest­el-Insti­tut unter­streicht: „Deutsch­land muss drin­gend wie­der ein­fa­cher bau­en. Wenn der Bund alle Auf­la­gen und Vor­schrif­ten der letz­ten zehn Jah­re kom­plett zurück­neh­men wür­de, dann könn­ten im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen ziem­lich schnell wie­der deut­lich mehr und deut­lich güns­ti­ge­re Woh­nun­gen gebaut wer­den. Und zwar Woh­nun­gen mit einem guten Stan­dard. Manch­mal ist weni­ger eben mehr“, sagt Mat­thi­as Gün­ther.

Der Chef des Pest­el-Insti­tuts wirft dem Bund vor, dem Woh­nungs­bau „zehn Jah­re lang durch immer schär­fe­re Geset­ze und Ver­ord­nun­gen viel unnö­ti­gen Bal­last zuge­mu­tet zu haben“. Das habe die Kos­ten im Woh­nungs­bau und damit auch die Mie­ten regel­recht nach oben getrie­ben, so der Bun­des­ver­band Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del. „Vor allem völ­lig über­zo­ge­ne Ener­gie­spar-Auf­la­gen beim Neu­bau haben unterm Strich für die Umwelt wenig gebracht, das Woh­nen aber enorm viel teu­rer gemacht“, sagt BDB-Prä­si­den­tin Katha­ri­na Metz­ger.

Bild­un­ter­schrift: Wenn Bau­en so kin­der­leicht wäre: Das Bau­en von neu­en Woh­nun­gen ist im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen
vor allem teu­er und kom­pli­ziert. Dabei sind neue Woh­nun­gen gera­de auch für die Wirt­schaft im Land­kreis Wei­ßen­burg Gun­zen­hau­sen wich­tig: „Denn wer arbei­ten will, muss sich das Woh­nen auch leis­ten kön­nen. Woh­nungs­knapp­heit macht am Ende auch den Arbeits­markt kaputt“, so der Chef-Öko­nom des Pest­el-Insti­tuts, Mat­thi­as Gün­ther. Foto: Tobi­as Sei­fert