Neuer Service in Bayern bei Umstieg auf Regionalzüge

von | 23. Januar 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Mün­chen (red). Eine neue deutsch­land­weit ein­ma­li­ge Funk­ti­on in Fahr­plan-Apps soll die Zuver­läs­sig­keit des Bahn­ver­kehrs in Bay­ern stei­gern: Wer in Bay­ern in einen Regio­nal­zug umstei­gen will, kann ab sofort per App mel­den, dass der Anschluss­zug am Umstei­ge­bahn­hof nach Mög­lich­keit war­ten soll. Rund zehn Minu­ten vor dem Umstieg erhal­ten die Fahr­gäs­te per Push-Nach­richt eine Rück­mel­dung, ob es gelun­gen ist, den Anschluss zu sichern. Falls nicht, kann man sich über die App eine alter­na­ti­ve Ver­bin­dung vor­schla­gen las­sen.

Bis­lang muss­ten Fahr­gäs­te ihren Anschluss­wunsch per­sön­lich bei den Zug­be­glei­tern mel­den. Nun kön­nen Fahr­gäs­te, die in Fern- oder Regio­nal­zü­gen in Bay­ern unter­wegs sind, ihre Mel­dung per App selbst erle­di­gen – auch bereits kurz vor Fahrt­an­tritt. Der­zeit steht die Funk­ti­on in der Bay­ern-Fahr­plan-App und der Stre­cken­agent-App zur Ver­fü­gung, direkt in der Ver­bin­dungs­aus­kunft. Wei­te­re Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men kön­nen die Funk­ti­on eben­falls in ihre Fahr­plan-Apps über­neh­men. „Dass Fahr­gäs­te ihren Anschluss­wunsch selbst per App mel­den kön­nen, ist ein wei­te­rer Schritt bei der Digi­ta­li­sie­rung des Nah­ver­kehrs im Frei­staat und zahlt auf unse­re ÖPNV-Stra­te­gie 2030 ein”, sagt Bay­erns Ver­kehrs­mi­nis­ter Chris­ti­an Bern­rei­ter. „Die Funk­ti­on erhöht den Kom­fort für die Fahr­gäs­te und macht die Rei­se­ket­te zuver­läs­si­ger. Damit sind wir Vor­rei­ter in Deutsch­land und darüber hin­aus.“

Die Soft­ware für die Anschluss­mel­dung per App hat die Baye­ri­sche Eisen­bahn­ge­sell­schaft (BEG) finan­ziert, die im Auf­trag des Frei­staats den Regio­nal- und S‑Bahn Ver­kehr in Bay­ern plant, finan­ziert und kon­trol­liert. Am Anfang stand eine gemein­sa­me Idee von BEG und DB Regio. Bei­de Unter­neh­men haben den neu­en Ser­vice unter Betei­li­gung wei­te­rer baye­ri­scher Eisen­bahn­un­ter­neh­men ent­wi­ckelt und im Real­be­trieb getes­tet. „Die Anschluss­zü­ge zu errei­chen ist eines der wich­tigs­ten Kri­te­ri­en für die Zufrie­den­heit unse­rer Fahr­gäs­te, das wis­sen wir aus der Markt­for­schung und Kun­den­be­fra­gun­gen. Wir freu­en uns sehr, dass wir gemein­sam mit der BEG unse­ren Fahr­gäs­ten nun die­ses inno­va­ti­ve neue Ser­vice­an­ge­bot anbie­ten kön­nen“, sagt Patrick Pönisch, Geschäfts­lei­ter Mar­ke­ting DB Regio Bay­ern.

Am Umstei­ge­bahn­hof war­ten kön­nen bis­her Regio­nal­zü­ge; in den kom­men­den Jah­ren könn­ten ins­be­son­de­re Regio­nal­bus­se fol­gen. Ledig­lich für Züge der Baye­ri­schen Regio­bahn (BRB) in den Net­zen Chiem­gau-Inn­tal und Ober­land kann der Anschluss­wunsch der­zeit noch nicht per Klick gemel­det wer­den. Dort erfolgt in den nächs­ten Wochen noch die Inte­gra­ti­on in das neue Sys­tem.

Digi­ta­li­sie­rung macht Pro­zess kom­for­ta­bler und schnel­ler
Heu­te sind im Hin­ter­grund noch meh­re­re mündliche Abstim­mungs­ge­sprä­che zwi­schen ver­schie­de­nen Stel­len nötig, um einen Anschluss zu sichern. Das wird nun weit­ge­hend auto­ma­ti­siert und geht des­halb wesent­lich schnel­ler. Die Fahr­gäs­te haben bis 15 Minu­ten vor der regu­lä­ren Ankunft des Zuges im Umstei­ge­bahn­hof die Mög­lich­keit, ihren Anschluss­wunsch per App zu mel­den. „Ein wei­te­res Pro­blem gehört damit der Ver­gan­gen­heit an: Wenn kein Zug­be­glei­ter in der Nähe war, hat­ten Fahr­gäs­te bis­lang über­haupt kei­ne
Mög­lich­keit, einen Anschluss­wunsch zu mel­den“, so Bern­rei­ter.

Die Mel­dung des Anschluss­wun­sches bie­tet aller­dings kei­ne Garan­tie, dass der Anschluss­zug in jedem Fall war­tet. „Mehr als fünf Minu­ten War­te­zeit sind in der Regel für den Anschluss­zug nicht mach­bar“, erklärt Bär­bel Fuchs, Geschäfts­füh­re­rin der BEG. „In jedem ein­zel­nen Fall ist eine Abwä­gung zwi­schen Anschluss­si­che­rung und Pünktlichkeit not­wen­dig.“ Denn auch der war­ten­de Zug soll die Fahr­gäs­te schließ­lich pünktlich ans Ziel oder zu wei­te­ren Anschlusszügen und ‑bus­sen brin­gen. Auch gibt es tech­ni­sche Grün­de,
wes­halb Züge nicht immer war­ten kön­nen: Bei­spiels­wei­se kann es sein, dass das Gleis im Bahn­hof für einen nach­fol­gen­den Zug frei­ge­ge­ben wer­den muss und des­halb kein Zeit­puf­fer vor­han­den ist. Auch ein­glei­si­ge Stre­cken­ab­schnit­te ohne Begeg­nungs­mög­lich­kei­ten für die Züge schrän­ken die War­te­zeit ein. Die BEG erwar­tet durch die neue App-Funk­ti­on den­noch merk­li­che Ver­bes­se­run­gen für die Fahr­gäs­te: Etwa die Hälf­te aller nicht erreich­ten Anschlüs­se in Bay­ern kom­men dadurch zustan­de, dass sich die Züge um maxi­mal fünf Minu­ten ver­pas­sen. „Wir erwar­ten, dass sich die brei­te Nut­zung der Funk­ti­on auf die Zuver­läs­sig­keit im Bahn­land Bay­ern posi­tiv aus­wirkt“, sagt Bär­bel Fuchs. „Denn auch Fahr­gäs­te, die ihren Anschluss­wunsch nicht mel­den, pro­fi­tie­ren von der Mel­dung ande­rer Fahr­gäs­te.“

Auf den Wunsch der Fahr­gäs­te kommt es an
Es ist nicht vor­ge­se­hen, dass die Anschluss­si­che­rung flä­chen­de­ckend auto­ma­tisch ange­sto­ßen wird, sobald ein Zug an einem Umstei­ge­bahn­hof Ver­spä­tung hat. Vor­aus­set­zung dafür ist auch wei­ter­hin der aus­drück­li­che Wunsch von Fahr­gäs­ten. Der Grund: Die Anschluss­si­che­rung greift in den Bahn­be­trieb ein und führt zu Ver­spä­tun­gen der war­ten­den Züge. Das ist nicht sinn­voll, wenn es über­haupt kei­ne Anschluss­rei­sen­den gibt. Aus­nah­men sind stark fre­quen­tier­te Ver­bin­dun­gen, bei denen die Erfah­rung zeigt, dass es prak­tisch immer Anschluss­rei­sen­de gibt. Bei die­sen Anschluss­ver­bin­dun­gen stößt das Sys­tem künf­tig selb­stän­dig eine War­te­prü­fung an.

Das Sys­tem zur Anmel­dung von Anschluss­wün­schen soll in den fol­gen­den Jah­ren wei­ter aus­ge­baut wer­den. Geplant ist ins­be­son­de­re die Ein­bin­dung von Regio­nal­bus­sen, damit auch die Zuver­läs­sig­keit von Bahn-Bus-Rei­se­ket­ten steigt. Die BEG stellt den Ser­vice auf Wunsch auch Auf­ga­ben­trä­gern und Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men außer­halb Bay­erns zur Ver­fü­gung.

Mehr Infor­ma­tio­nen (zum Bei­spiel zum Gel­tungs­be­reich in S‑Bahn-Sys­te­men) und ein Video zur Mel­dung eines Anschluss­wunschs fin­den sich unter www.bahnland-bayern.de/anschluss.

Bild­un­ter­schrift: Der Zug von Klos­ter­lech­feld nach Kauf­e­ring hat fünf Minu­ten Ver­spä­tung, so dass der Anschluss in Kauf­e­ring knapp ver­passt wür­de. Per Klick in der App wird der Anschluss­wunsch gemel­det (links). Die App zeigt vor Ankunft in Kauf­e­ring das Ergeb­nis an (rechts): Der Zug Rich­tung Mün­chen war­tet in Kauf­e­ring vier Minu­ten auf Anschluss­rei­sen­de. Screen-Shot: BEG

Die Baye­ri­sche Eisen­bahn­ge­sell­schaft mbH (BEG)
Die Baye­ri­sche Eisen­bahn­ge­sell­schaft ist ein Unter­neh­men des Frei­staats Bay­ern. Im Auf­trag des Staats­mi­nis­te­ri­ums für Woh­nen, Bau und Ver­kehr plant, finan­ziert und kon­trol­liert die BEG den Regio­nal- und S‑Bahn-Ver­kehr in Bay­ern. Zu den wesent­li­chen Auf­ga­ben der BEG gehö­ren dabei die Kon­zep­ti­on und Ver­bes­se­rung von Fahr­plä­nen sowie die Qua­li­täts­si­che­rung. Die Auf­trä­ge für Ver­kehrs­leis­tun­gen wer­den in Wett­be­werbs­ver­fah­ren ver­ge­ben. Den Zuschlag erhält jeweils das Ver­kehrs­un­ter­neh­men, wel­ches das ins­ge­samt wirt­schaft­lichs­te, also das qua­li­ta­tiv und preis­lich bes­te Ange­bot abgibt. Als Fol­ge des Wett­be­werbs zwi­schen den Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men konn­te die BEG in den letz­ten Jah­ren nicht nur das Fahr­plan­an­ge­bot, son­dern auch Qua­li­täts­merk­ma­le wie Kom­fort und Fahr­gast­in­for­ma­ti­on stän­dig ver­bes­sern. Gro­ße Erfol­ge waren unter ande­rem die Ein­füh­rung des Bay­ern-Takts – ein Stun­den­takt für fast ganz Bay­ern – sowie des Bay­ern-Tickets.