NGG: Allein 13.000 Gastro-Überstunden – auch wegen fehlender Fachkräfte

von | 12. November 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). Es ist der „Fleiß-Pegel“ vom Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen: Rund 661.000 Über­stun­den haben die Men­schen im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen im ver­gan­ge­nen Jahr am Arbeits­platz zusätz­lich geleis­tet. Davon 421.000 Arbeits­stun­den zum Null­ta­rif – ohne Bezah­lung. Das geht aus dem „Über­stun­den-Moni­tor“ vom Pest­el-Insti­tut her­vor. Die Wis­sen­schaft­ler haben dabei die „Plus-Stun­den im Job“ im Auf­trag der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) unter­sucht.

Ein pikan­tes Ergeb­nis aus dem „Über­stun­den-Moni­tor“: „Alle Beschäf­tig­ten zusam­men­ge­nom­men haben den Unter­neh­men im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen durch unbe­zahl­te Mehr­ar­beit rund 6,06 Mil­lio­nen Euro qua­si ‚geschenkt‘. Und das ist schon äußerst spar­sam – näm­lich nur auf Min­dest­lohn-Basis – gerech­net“, sagt Regi­na Schle­ser von der NGG Nürn­berg-Fürth. Außer­dem sei der Über­stun­den-Berg auch ein Grad­mes­ser für den „mas­si­ven Fach­kräf­te­man­gel“.

„Allein in Hotels, Restau­rants und Gast­stät­ten leis­te­ten die Beschäf­tig­ten im ver­gan­ge­nen Jahr im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen rund 13.000 Über­stun­den. 5.000 davon ohne Bezah­lung – qua­si für umsonst“, so das Pest­el-Insti­tut. Die Wis­sen­schaft­ler haben bei ihrer Unter­su­chung aktu­el­le Mikro­zen­sus­da­ten aus­ge­wer­tet. Basis der Über­stun­den-Berech­nung ist die Über­tra­gung von Bran­chen-Durch­schnitts­wer­ten auf die Beschäf­ti­gungs­struk­tur vom Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen.

Mit Blick auf die Über­stun­den warnt die NGG Nürn­berg-Fürth: Hotel­le­rie und Gas­tro­no­mie könn­ten nicht dau­er­haft auf die „Good­will-Über­stun­den“ ihrer Beschäf­tig­ten bau­en. „Es wird höchs­te Zeit, das Fach­kräf­te-Loch zu stop­fen, das die Coro­na-Pan­de­mie noch ver­grö­ßert hat. Das klappt aller­dings nur, wenn Hotels und Restau­rants bereit sind, attrak­ti­ve Löh­ne zu bezah­len. Per­spek­ti­visch muss der Gas­tro-Start­lohn für eine Köchin oder einen Restau­rant­fach­mann nach der Aus­bil­dung bei 3.000 Euro pro Monat für einen Voll­zeit­job lie­gen“, so Regi­na Schle­ser. Die­ses „Lohn-Ziel“ müs­se die Gas­tro-Bran­che Schritt für Schritt errei­chen. Nur dann wer­de es gelin­gen, jun­ge Men­schen für eine Aus­bil­dung im Hotel oder Restau­rant zu gewin­nen.

Das Gast­ge­wer­be erle­be gera­de einen regel­rech­ten „Fach­kräf­te-Schwund und Mini-Job-Schub“. Ob in der Küche, im Ser­vice, an der Hotel­re­zep­ti­on oder an der Bar: „Die Bran­che ver­sucht, feh­len­de Fach­kräf­te immer häu­fi­ger durch ange­lern­te Beschäf­tig­te zu erset­zen“, berich­tet die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth. Mitt­ler­wei­le sei­en 59 Pro­zent der Gas­tro-Beschäf­tig­ten im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen Mini-Job­ber.

Der Fach­kräf­te-Man­gel und eine fai­re Bezah­lung in der Gas­tro­no­mie, im Lebens­mit­tel­hand­werk und in der Ernäh­rungs­in­dus­trie wer­den auch ein Schwer­punkt­the­ma auf dem Gewerk­schafts­tag der NGG Mit­te Novem­ber in Bre­men sein, zu dem auch Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz erwar­tet wird.

Foto: NGG