NGG Nürnberg-Fürth: „Gastronomie gehört zu den ‚Rekord-Branchen der Tarifflucht‘“

von | 12. Februar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Trotz „Schnit­zel-Steu­er­ge­schenk“: Vie­le Wir­te im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen knau­sern beim Lohn

Die rund 210 Gas­tro-Betrie­be im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen pro­fi­tie­ren – vie­le Beschäf­tig­te gehen leer aus: Hotels, Restau­rants und Gast­stät­ten müs­sen seit Jah­res­be­ginn deut­lich weni­ger Mehr­wert­steu­er bezah­len – näm­lich nur noch 7 statt 19 Pro­zent. „Von jedem 10-Euro-Schein, den der Gast im Restau­rant lässt, blei­ben dadurch rund 95 Cent zusätz­lich für den Gas­tro­no­men übrig. Das Geld lan­det zwar in der Kas­se – aber nicht im Porte­mon­naie der Beschäf­tig­ten“, sagt Regi­na Schle­ser von der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG).

Auch der Gast mer­ke von dem Steu­er­ge­schenk, das die Bun­des­re­gie­rung den Gas­tro­no­men gemacht habe, so gut wie nichts: „Ein Ruts­ch­ef­fekt der Prei­se auf den Spei­se­kar­ten im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen ist wie erwar­tet aus­ge­blie­ben“, so Regi­na Schle­ser. Die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth wird deut­lich: „Da hat die Bun­des­re­gie­rung die Rech­nung ohne den Wirt gemacht. Denn die aller­meis­ten Gas­tro­no­men im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen ste­cken das Geld, das durch das Schnit­zel-Steu­er­ge­schenk für sie übrig bleibt, in die eige­ne Tasche“, sagt Schle­ser.

Und es sei eigent­lich „alles noch viel schlim­mer“: „Denn gleich­zei­tig bezah­len vie­le Gas­tro­no­men ihren Beschäf­tig­ten in der Küche und im Ser­vice nur den gesetz­li­chen Min­dest­lohn. Das ist schä­big. Und noch dreis­ter wird es, wenn sich Gast­wir­te oder Restau­rant­be­sit­zer auch noch dar­über bekla­gen, dass sie 1 Euro und 8 Cent beim Stun­den­lohn drauf­zah­len müs­sen, weil der gesetz­li­che Min­dest­lohn zum Jah­res­be­ginn auf 13,90 Euro pro Stun­de gestie­gen ist. Das ist jedoch das abso­lu­te Mini­mum“, sagt Regi­na Schle­ser.

Die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth warnt vor „unschö­ner Gas­tro­no­men-Gier“: „Wer sei­ne Beschäf­tig­ten in der Küche oder im Ser­vice mit dem Min­dest­lohn abspeist, bezahlt kei­nen anstän­di­gen Lohn. Ent­schei­dend und wirk­lich fair ist nur der Tarif­lohn“, so Schle­ser. Der lie­ge für eine gelern­te und erfah­re­ne Fach­kraft in Bay­erns Gas­tro­no­mie bei immer­hin 19,62 Euro pro Stun­de.

Doch ein Groß­teil der gas­tro­no­mi­schen Betrie­be im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen betrei­be „sys­te­ma­tisch Tarif­flucht“: „Vie­le Gast­wir­te und Hote­liers im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen schla­gen einen wei­ten Bogen um den Tarif­lohn. Und damit auch um Zuschlä­ge an Sonn- und Fei­er­ta­gen und um Urlaubs­re­ge­lun­gen“, so Regi­na Schle­ser. Die Gas­tro­no­mie gehö­re zu den „Rekord-Bran­chen der Tarif­flucht“. Hier­für sei gera­de der Baye­ri­sche Hotel- und Gast­stät­ten­ver­band (DEHOGA Bay­ern) ver­ant­wort­lich, so die Gewerk­schaft.

„Vie­le der Gas­tro-Beschäf­tig­ten kom­men so beim Lohn zu kurz“, kri­ti­siert Schle­ser. Ins­ge­samt arbei­ten im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen nach Anga­ben der NGG Nürn­berg-Fürth rund 1.790 Beschäf­tig­te in der Gas­tro-Bran­che – von der Küche über den Ser­vice bis zur Hotel­re­zep­ti­on. Die Gewerk­schaft beruft sich dabei auf Zah­len der Arbeits­agen­tur.

Wer im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen in der Gas­tro­no­mie arbei­tet, kann sei­nen Lohn­zet­tel bei der NGG Nürn­berg-Fürth prü­fen las­sen und dabei auch mehr über den aktu­el­len Tarif­lohn erfah­ren: (0911) 20 90 12 0 | region.nuernberg-fuerth@ngg.net.

Bill­dun­ter­schrift: Jeder Schnit­zeltel­ler wirft mehr für den Wirt ab: Die Sen­kung der Mehr­wert­steu­er von 19 auf 7 Pro­zent macht’s mög­lich. „Trotz­dem knau­sern vie­le Wir­te beim Lohn: Sie bezah­len den Gas­tro-Beschäf­tig­ten nur den gesetz­li­chen Min­dest­lohn. Um den fai­ren Tarif­lohn machen sie aber einen wei­ten Bogen“, sagt Regi­na Schle­ser von der Gas­tro-Gewerk­schaft NGG Nürn­berg-Fürth. Foto; NGG | Ali­re­za Kha­li­li