Trotz „Schnitzel-Steuergeschenk“: Viele Wirte im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen knausern beim Lohn
Die rund 210 Gastro-Betriebe im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen profitieren – viele Beschäftigte gehen leer aus: Hotels, Restaurants und Gaststätten müssen seit Jahresbeginn deutlich weniger Mehrwertsteuer bezahlen – nämlich nur noch 7 statt 19 Prozent. „Von jedem 10-Euro-Schein, den der Gast im Restaurant lässt, bleiben dadurch rund 95 Cent zusätzlich für den Gastronomen übrig. Das Geld landet zwar in der Kasse – aber nicht im Portemonnaie der Beschäftigten“, sagt Regina Schleser von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
Auch der Gast merke von dem Steuergeschenk, das die Bundesregierung den Gastronomen gemacht habe, so gut wie nichts: „Ein Rutscheffekt der Preise auf den Speisekarten im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen ist wie erwartet ausgeblieben“, so Regina Schleser. Die Geschäftsführerin der NGG Nürnberg-Fürth wird deutlich: „Da hat die Bundesregierung die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn die allermeisten Gastronomen im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen stecken das Geld, das durch das Schnitzel-Steuergeschenk für sie übrig bleibt, in die eigene Tasche“, sagt Schleser.
Und es sei eigentlich „alles noch viel schlimmer“: „Denn gleichzeitig bezahlen viele Gastronomen ihren Beschäftigten in der Küche und im Service nur den gesetzlichen Mindestlohn. Das ist schäbig. Und noch dreister wird es, wenn sich Gastwirte oder Restaurantbesitzer auch noch darüber beklagen, dass sie 1 Euro und 8 Cent beim Stundenlohn draufzahlen müssen, weil der gesetzliche Mindestlohn zum Jahresbeginn auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen ist. Das ist jedoch das absolute Minimum“, sagt Regina Schleser.
Die Geschäftsführerin der NGG Nürnberg-Fürth warnt vor „unschöner Gastronomen-Gier“: „Wer seine Beschäftigten in der Küche oder im Service mit dem Mindestlohn abspeist, bezahlt keinen anständigen Lohn. Entscheidend und wirklich fair ist nur der Tariflohn“, so Schleser. Der liege für eine gelernte und erfahrene Fachkraft in Bayerns Gastronomie bei immerhin 19,62 Euro pro Stunde.
Doch ein Großteil der gastronomischen Betriebe im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen betreibe „systematisch Tarifflucht“: „Viele Gastwirte und Hoteliers im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen schlagen einen weiten Bogen um den Tariflohn. Und damit auch um Zuschläge an Sonn- und Feiertagen und um Urlaubsregelungen“, so Regina Schleser. Die Gastronomie gehöre zu den „Rekord-Branchen der Tarifflucht“. Hierfür sei gerade der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bayern) verantwortlich, so die Gewerkschaft.
„Viele der Gastro-Beschäftigten kommen so beim Lohn zu kurz“, kritisiert Schleser. Insgesamt arbeiten im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen nach Angaben der NGG Nürnberg-Fürth rund 1.790 Beschäftigte in der Gastro-Branche – von der Küche über den Service bis zur Hotelrezeption. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur.
Wer im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen in der Gastronomie arbeitet, kann seinen Lohnzettel bei der NGG Nürnberg-Fürth prüfen lassen und dabei auch mehr über den aktuellen Tariflohn erfahren: (0911) 20 90 12 0 | region.nuernberg-fuerth@ngg.net.
Billdunterschrift: Jeder Schnitzelteller wirft mehr für den Wirt ab: Die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent macht’s möglich. „Trotzdem knausern viele Wirte beim Lohn: Sie bezahlen den Gastro-Beschäftigten nur den gesetzlichen Mindestlohn. Um den fairen Tariflohn machen sie aber einen weiten Bogen“, sagt Regina Schleser von der Gastro-Gewerkschaft NGG Nürnberg-Fürth. Foto; NGG | Alireza Khalili


