NGG Nürnberg-Fürth: Sozialabbau und Kahlschlagdebatten sind keine Gesundheitsreform

von | 22. Mai 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

MdBs aus dem Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sol­len „Fin­ger von Teil­krank­schrei­bung las­sen“

Wenn das Krank­sein dem­nächst aufs Porte­mon­naie drückt: „Wer im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen zum Haus­arzt geht, für den wird es teu­rer“, sagt Regi­na Schle­ser von der Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG). Die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth kri­ti­siert das geplan­te Spar­pa­ket im Gesund­heits­be­reich, das die Bun­des­re­gie­rung „stark zu Las­ten der Ver­si­cher­ten ver­ord­nen“ wol­le: „Für Medi­ka­men­te sol­len Ver­si­cher­te künf­tig bis zu 15 Euro dazu­zah­len, min­des­tens aber 7,50 Euro. Das läp­pert sich und drückt auf die Haus­halts­kas­se – neben hohen Aus­ga­ben für Sprit, Lebens­mit­tel, Mie­te & Co.“ Heu­te dage­gen lie­ge die Zuzah­lung bei 5 Euro und sei bei 10 Euro gede­ckelt.

Um Arz­nei­mit­tel güns­ti­ger zu machen, spricht sich die NGG Nürn­berg-Fürth für eine redu­zier­te Mehr­wert­steu­er bei Medi­ka­men­ten aus. „Ob Tablet­ten, Trop­fen, Sal­ben, Zäpf­chen oder Infu­sio­nen: 7 statt 19 Pro­zent für Medi­ka­men­te im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen. Das hät­te einen posi­ti­ven Effekt fürs Porte­mon­naie der Men­schen“, sagt Regi­na Schle­ser. Vor­aus­set­zung dafür: Die Regie­rung müs­se Bedin­gun­gen dafür schaf­fen, dass die Redu­zie­rung „eins zu eins bei den Men­schen lan­det und nicht in den Taschen der Phar­ma-Kon­zer­ne“.

Hef­ti­ge Kri­tik kommt von der Gewerk­schaft an der Teil­krank­schrei­bung, die die Bun­des­re­gie­rung eben­falls plant: „Wer län­ger krank ist, schleicht – oder bes­ser wohl: schleppt – sich dann in Etap­pen zurück zur Arbeit. Und das ärzt­lich ver­ord­net“, sagt Regi­na Schle­ser. Home­of­fice und eine Fle­xi­bi­li­sie­rung der Arbeits­zei­ten sol­len das mög­lich machen, wenn es nach dem Wil­len der Bun­des­re­gie­rung geht. „Wer krank zur Arbeit geht, hilft weder sich noch dem Betrieb. Im schlimms­ten Fall kuriert man sich gar nicht rich­tig aus. Und das kann chro­ni­sche Krank­hei­ten zur Fol­ge haben“, so Regi­na Schle­ser. Lang­fris­tig belas­te das das Gesund­heits­sys­tem immer wei­ter, so die Befürch­tung der NGG Nürn­berg-Fürth.

Die NGG-Geschäfts­füh­re­rin ver­weist auf die Pra­xis: „Neh­men wir einen Bäcker oder eine Köchin im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen. Auch die sol­len künf­tig zu 25, 50 oder 75 Pro­zent arbeits­fä­hig sein kön­nen, wenn sie eigent­lich krank sind. Sie gehen dann also zur Arbeit“, so Regi­na Schle­ser. Aber in einer Back­stu­be gebe es genau­so wie in einer Restau­rant­kü­che „zu jeder Minu­te Zeit­druck und Stress“. Denn die Bro­te müss­ten mor­gens ab 2 Uhr in den Ofen und die Gerich­te abends um 20 Uhr auf den Tel­ler. „Die Arbeit muss ein­fach gemacht wer­den. Sie nimmt kei­ne Rück­sicht auf Halb- oder Drei­vier­tel-Kran­ke“, sagt die NGG-Geschäfts­füh­re­rin.

Unterm Strich sei die Gesund­heits­re­form in Sachen Teil­krank­schrei­bung nichts ande­res als eine Ver­schär­fung der Krank­schrei­bung. Zwar müss­ten Arbeit­neh­mer und Arbeit­ge­ber zustim­men. „Aber gera­de das ist hei­kel. Die Gefahr, dass Chefs Beschäf­tig­te, die schwer und damit län­ger krank sind, dazu auf­for­dern wer­den, an den Arbeits­platz zurück­zu­keh­ren, ist groß. Das kann mit ‚sanf­tem Druck‘, aber auch schroff mit einer Knall­hart-Ansa­ge pas­sie­ren“, befürch­tet Regi­na Schle­ser. Bei­des sei jedoch „wenig hilf­reich“, wenn es dar­um gehe, gesund zu wer­den.

An die Adres­se der CSU- und SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten aus dem Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und der Regi­on gerich­tet, appel­liert die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth, „alles dar­an­zu­set­zen, die Gesund­heits­re­form in punc­to Zuzah­lung und Medi­ka­men­ten-Mehr­wert­steu­er zu ändern sowie von der Teil­krank­schrei­bung die Fin­ger zu las­sen“.

Mit deut­li­chen Wor­ten warnt die NGG Nürn­berg-Fürth vor einem Sozi­al­ab­bau. „Die stän­di­gen Angrif­fe auf den Sozi­al­staat und Kahl­schlag­de­bat­ten sind kei­ne Ant­wort auf die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen. Wer den Sozi­al­staat zuneh­mend infra­ge stellt, ver­un­si­chert die Men­schen“, so Regi­na Schle­ser. Statt die sozia­le Unsi­cher­heit in der Reform­de­bat­te immer mehr zu ver­schär­fen, müs­se es dar­um gehen, die wach­sen­de Ungleich­heit zu besei­ti­gen. „Nicht die Beschäf­tig­ten sind das Pro­blem, son­dern Pro­fit­gier und ‚Rei­chen­pfle­ge‘.“

Bild­un­ter­schrift: Wer krank ist, soll nicht noch zusätz­lich lei­den: „Höhe­re Zuzah­lun­gen für Medi­ka­men­te gehen ins Geld. Außer­dem kann der Staat die Mehr­wert­steu­er für Arz­nei­mit­tel von der­zeit 19 auf künf­tig 7 Pro­zent sen­ken und so Pati­en­ten und Kran­ken­kas­sen ent­las­ten“, sagt Regi­na Schle­ser von der Gewerk­schaft NGG Nürn­berg-Fürth. Dar­auf sol­len die hei­mi­schen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten ach­ten, wenn sie dem­nächst über die Gesund­heits­re­form abstim­men. Außer­dem lehnt die NGG die geplan­te Teil­krank­schrei­bung ab. Foto: NGG/ Tobi­as Sei­fert