Nur die optimale Seite zeigen! Rollenvorbilder von Influencerinnen und Influencern

von | 8. März 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). 95 Pro­zent der Jugend­li­chen zwi­schen 13 und 15 Jah­ren haben ein eige­nes Smart­phone und neben Whats­App zum Chat mit Freun­den gehö­ren Insta­gram, Tik­Tok und You­Tube zu den für sie wich­tigs­ten Apps. Auf die­sen Platt­for­men tum­meln sich vie­le Influen­ce­rin­nen und Influen­cer, sie errei­chen mit ihrem meist täg­li­chen Post enorm vie­le Fans und Fol­lower. Beim Vor­trag des Medi­en­päd­ago­gen Björn Fried­rich ging es um einen Blick hin­ter die Fas­sa­de und um die Fra­ge, wel­che Rol­len­bil­der durch den regel­mä­ßi­gen Kon­takt mit Online-Stars und ‑Stern­chen ver­mit­telt wer­den.

Im Rah­men der Rei­he „Medi­en­wel­ten“ hat­ten gun­net e.V. und Stadt- und Schul­bü­che­rei Gun­zen­hau­sen den Münch­ner Medi­en­ex­per­ten ein­ge­la­den. Als Mit­ar­bei­ter des „SIN-Stu­di­os im Netz“ befasst sich Björn Fried­rich mit dem Ein­fluss digi­ta­ler Ange­bo­te auf jun­ge Men­schen. So hat er sich auch mit den Auf­trit­ten von bei Jugend­li­chen belieb­ten Influen­ce­rin­nen und Influen­cern beschäf­tigt. Sein Fazit: Klas­si­sche Geschlech­ter­kli­schees und Schön­heits­idea­le wer­den hier über­mit­telt und somit ein Druck zur Selbst­op­ti­mie­rung geschaf­fen.

Bei den männ­li­chen Influen­cern sind brei­te Schul­tern, mus­kel­be­pack­te Arme und Six­packs zu bewun­dern. Erfolg­reich sind Influen­ce­rin­nen, die Schmink­tipps geben und ein Händ­chen für die Gestal­tung ihres Umfel­des haben. Pas­tell­far­be­ne Life­style-Posts und die Prä­sen­ta­ti­on der Scho­ko­la­den­sei­te des Lebens erhal­ten die meis­ten Likes bei weib­li­chen Jugend­li­chen. Ent­spre­chend fal­len die Vor­ga­ben aus, die jun­ge Men­schen für ihre Selbst­in­sze­nie­rung in eige­nen Bei­trä­gen erfül­len möch­ten. Björn Fried­rich zitier­te dazu aus einer Ver­öf­fent­li­chung der MaLi­sa-Sti­fung: Mäd­chen ahmen in ihren Posen die bei ihnen belieb­ten Influen­ce­rin­nen nach. Mög­lichst „spon­tan“ sol­len die Sel­fies wir­ken, gut gelaunt wird sich prä­sen­tiert, der Kör­per soll mög­lichst schlank und sport­lich wir­ken. Vie­le hel­fen mit Body-Edi­tor-Apps nach: Busen grö­ßer, Hüf­te schma­ler, Tail­le schlan­ker, Bei­ne län­ger.

Der Refe­rent gab auch Ein­bli­cke in die Funk­ti­ons­wei­se des Mar­ke­tings: Influen­cer ver­die­nen an ihrer Pro­mi­nenz und Beliebt­heit, indem sie als Mei­nungs­eli­te auch Mar­ken­bot­schaf­ten in ihre Posts imple­men­tie­ren und ein homo­ge­nes Ziel­pu­bli­kum für zuge­schal­te­te Wer­bung hin­ter sich brin­gen. Bei Nischen­pro­duk­ten, bei­spiels­wei­se im Bereich Moun­tain­bi­king, kann ein belieb­ter Insta­gra­mer bereits mit knapp 10.000 Fol­lo­wern gutes Geld ver­die­nen. Ein Super­star wie Ronal­do pos­tet neben vie­len Bil­dern, auf denen er Nike-Pro­duk­te trägt, auch mal einen per­fekt insze­nier­ten Fuß­ball­schuh und wird dafür sicher­lich ordent­lich bezahlt. Sol­che Post, so infor­mier­te Björn Fried­rich, müs­sen mit „#wer­bung“ gekenn­zeich­net wer­den, eben­so müs­sen Bild­be­ar­bei­tun­gen gekenn­zeich­net wer­den.

Selbst­ver­ständ­lich geht es bei den Erfolg­rei­chen nicht nur um Schön­heit, Make-up und Life­style. Es gibt auch viel zu Lachen und jede Men­ge Selbst­iro­nie, die gut ankommt. In You­Tube-Kanä­len haben zudem pro­fes­sio­nel­le Gamer ihre eige­nen Platt­for­men. Auch ihre Vide­os errei­chen ein gro­ßes Publi­kum.

Was haben nun Erzie­hen­de einer sol­chen Ein­fluss­nah­me von Wer­bung gepaart mit kal­ku­lier­ter Insze­nie­rung ent­ge­gen­zu­set­zen? Björn Fried­rich rät dazu, immer auf dem Lau­fen­den zu blei­ben, wel­che Accounts die Kin­der und Jugend­li­chen nut­zen. Er hält viel davon, sich ab und an etwas gemein­sam anzu­schau­en und Eltern soll­ten dann ruhig ihre Mei­nung äußern: Was ist dar­an gut, was gefällt mir weni­ger. Viel­leicht kön­nen Eltern auch die eige­ne Medi­en­nut­zung unter die Lupe neh­men und an ihre Vor­bild­funk­ti­on den­ken. Denn Björn Fried­rich ist über­zeugt: Den Weg in die digi­ta­le Welt zu ver­sper­ren ist kei­ne Alter­na­tiv. Den­noch gilt es zu beden­ken, auch mal die Nut­zungs­dau­er ins Visier zu neh­men. Denn da äußert sich der Exper­te sehr klar: „Die Dosis macht das Gift.“

Was gucken die Kids? – Bei­spie­le für erfolg­rei­che Influen­ce­rin­nen und Influen­cer bei Insta­gram, Tik­Tok und You­Tube: Zu den belieb­tes­ten Ins­ta-Ido­len gehö­ren oft Sport­ler. Spit­zen­rei­ter ist Chris­tia­no Ronal­do mit aktu­ell 548 Mil­lio­nen Fol­lo­wern, gefolgt von Lio­nel Mes­sie mit 531 Mil­lio­nen. Erwähnt wer­den soll­te hier auch noch die erfolg­rei­che Prä­sen­ta­ti­on wah­rer Mus­kel­ber­ge des Schau­spie­lers und ehe­ma­li­gen Wrest­lers Dway­ne John­son, ali­as „The Rock“, er hat 367 Mil­lio­nen Insta­gram-Fans.

Kylie Jen­ner hat 377 Mil­lio­nen Insta­gram-Fol­lower, eine eige­ne Kos­me­tik-Mar­ke und ein eige­nes Mode-Label. Hier flie­ßen Wer­bung und Selbst­dar­stel­lung untrenn­bar zusam­men. Fast eben­so erfolg­reich agiert die US-Schau­spie­le­rin und Musi­ke­rin Sele­na Gomez in den sozia­len Medi­en, sie hat 367 Mil­lio­nen Fol­lower.

Auf Tik­Tok hat Char­li d’Amelio 130 Mil­lio­nen Fol­lower. Sie pos­tet vor allem Vide­os, in denen sie belieb­te Tik­Tok-Tän­ze per­formt. Mit sei­nen Come­dy-Clips, die ohne Wor­te aus­kom­men, ist der ita­lie­ni­sche Kha­ba­ne Lame berühmt gewor­den. Bei Tik­Tok hat er 154 Mil­lio­nen Fol­lower. Der Web­vi­deo­pro­du­zent Younes Zarou hat für sei­nen inter­na­tio­na­len Tik­Tok-Account mitt­ler­wei­le 50 Mil­lio­nen Fol­lower gewin­nen kön­nen und gehört zu den erfolg­rei­chen deut­schen Tik­Tok-Stars. Er pos­tet krea­ti­ve Video mit vie­len far­ben­fro­hen Spe­cial-Effects und ver­rät auch oft, wel­cher Trick hin­ter den ein­drucks­vol­len Bil­dern steckt.

Fast fünf Mil­lio­nen Abon­nen­ten bei You­Tube hat der Gamer Gron­kh. Er spielt Video­spie­le und gibt dazu lus­ti­ge Kom­men­ta­re ab. Einen ähn­li­chen Kanal hat der Jugend­buch­au­tor und Gamer Palu­ten, auch er gehört zur erfolg­rei­chen Gam­ing-Sze­ne in Deutsch­land und nimmt in sei­nen Web­vi­de­os mit in die Welt von Mine­craft. 1,4 Mil­lio­nen Abon­nen­ten hat Dom­ten­do, der sei­ne „Let’s plays“ auf You­Tube prä­sen­tiert. Die von ihm gewähl­te Berufs­be­zeich­nung: Gam­ing-Video-Crea­tor.

Bild­un­ter­schrift: Das Bild zeigt den Medi­en­päd­ago­gen Björn Fried­rich und Moni­ka Wop­pe­rer von gun­net e.V.. Foto: Babett Gut­h­mann