„Ois anders: Großprojekte in Bayern 1945–2020“ — Aspekte aus Franken

von | 9. September 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Bay­ern­aus­stel­lung 2024 im Haus der Baye­ri­schen Geschich­te in Regens­burg

Augs­burg / Regens­burg (red). Vom Main-Donau-Kanal zur Isen­tal-Auto­bahn, vom Natio­nal­park Baye­ri­scher Wald zum Flug­ha­fen im Erdin­ger Moos: Der Frei­staat Bay­ern erlebt in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten eine umfas­sen­de Moder­ni­sie­rung und ändert sein Gesicht. Die Bay­ern­aus­stel­lung „Ois anders“ im Haus der Baye­ri­schen Geschich­te in Regens­burg spürt bis 22. Dezem­ber 2024 baye­ri­schen Groß­pro­jek­ten nach und beschreibt den Wan­del des Lan­des von 1945 bis heu­te. Die Aus­stel­lung ist selbst als Bau­stel­le insze­niert und prä­sen­tiert sich mit einer 50 Meter umspan­nen­den Pro­jek­ti­ons­flä­che und vie­len digi­ta­len Ange­bo­ten als inter­ak­ti­ves Erleb­nis.

Aspek­te aus Fran­ken in der Aus­stel­lung:

Frän­ki­sches Seen­land und Main-Donau-Kanal: Vom „Armen­haus Bay­erns“ zum „Seen­pa­ra­dies“: 1970 beschließt der Land­tag den Bau des Frän­ki­schen Seen­lands. Durch den Bau des Was­se­rü­ber­lei­tungs­sys­tems und einer künst­li­chen Seen­land­schaft erfin­det sich die Regi­on West­mit­tel­fran­ken kom­plett neu. Über gro­ße Lei­tun­gen und die künst­lich ange­leg­ten Seen gelangt Was­ser vom was­ser­rei­chen Süden in den ver­gleichs­wei­se tro­cke­nen Nor­den Bay­erns. Die Seen die­nen gleich­zei­tig dem Hoch­was­ser­schutz im Alt­mühl­tal und sind ein belieb­tes tou­ris­ti­sches Ziel.

Wir zei­gen in unse­rer Aus­stel­lung die Geschich­te des Seen­lands anhand von Fotos und Fil­men, stel­len den Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ernst Lech­ner, der immer wie­der als Vater des Seen­lan­des bezeich­net wird, vor, wer­fen einen Blick in Gäs­te­bü­cher aus Aha und damit auf die Anfän­ge des Tou­ris­mus in der Regi­on sowie auf die Tri­ath­lon-Regi­on Roth­see. Auch wenn gegen den Bau des Seen­lan­des selbst wenig pro­tes­tiert wur­de, spra­chen sich die Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner 2019 in einem Bür­ger­ent­scheid gegen die geplan­te  Feri­en­an­la­ge Cen­ter Parcs aus – wir Baye­ri­sches Staats­mi­nis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst prä­sen­tie­ren eine Aus­wahl ver­schie­de­ner Pla­ka­te und Ban­ner von Befür­wor­tern und Geg­nern.

Der Main-Donau-Kanal ist ein Tri­umph der Tech­nik über die Natur: Mit 16 Schleu­sen über­win­det er seit 1992 die Euro­päi­sche Was­ser­schei­de. Der Kanal, Bay­erns längs­tes Bau­werk, ersetzt damit den Lud­wig-Donau-Main-Kanal. Die Idee der bei­den Kanä­le ähnelt sich: Schaf­fung einer durch­ge­hen­den Schiffs­ver­bin­dung von der Nord­see zum Schwar­zen Meer. Auch wenn der neue Kanal die Dimen­sio­nen des alten bei wei­tem über­trifft, ist sei­ne Ren­ta­bi­li­tät immer wie­der Gegen­stand von­Kon­tro­ver­sen.

In unse­rer Aus­stel­lung ver­fol­gen wir die Geschich­te des Main-Donau-Kanals und zei­gen die Aus­ma­ße der Bau­stel­le zum Kanal. Ein meh­re­re Meter lan­ges Modell ver­an­schau­licht den Ver­lauf, die Stu­fen sowie wich­ti­ge Weg­mar­ken ent­lang des Kanals in der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg. Der in Bam­berg begin­nen­de Kanal trifft am Hafen Nürn­berg auf den Waren­ver­kehr auf Stra­ße und Schie­ne. Ein beson­de­res High­light: An einem inter­ak­ti­ven Spiel kön­nen Besu­che­rin­nen und Besu­chern selbst ein Schiff durch eine Schleu­se navi­gie­ren. Alles in allem: Auf­bau, Umbau, Aus­bau, wohin man schaut. Die einen jubeln über den Fort­schritt, die ande­ren kla­gen über die Naturzerstörung.Vieles ist heu­te aus unse­rer Wohl­stands­ge­sell­schaft nicht mehr weg­zu­den­ken. Am Ende der Bay­ern­aus­stel­lung bau­en die Besu­che­rin­nen
und Besu­cher selbst an einem vir­tu­el­len Pro­jekt.

Nach­hal­tig und Wie­der­ver­wend­bar: Die 500 Qua­drat­me­ter umfas­sen­de Schau ist als nach­hal­ti­ges und kli­ma­freund­li­ches Modell­pro­jekt geplant. Im Aus­stel­lungs­bau wur­den aus­schließ­lich wie­der­ver­wend­ba­re Ele­men­te ein­ge­setzt. Bei allen Anschaf­fun­gen steht eine gute Nach­nutz­bar­keit im Mit­tel­punkt. Der öko­lo­gi­sche Fuß­ab­druck der Bay­ern­aus­stel­lung soll ins­ge­samt so gering wie mög­lich aus­fal­len. Die Maß­nah­men wer­den auf www.hdbg.de doku­men­tiert.

Das Maga­zin zur Aus­stel­lung: Mit dem Titel „Ois anders: Groß­pro­jek­te in Bay­ern 1945–2020“ wid­met sich das HDBG Maga­zin Nr. 7 dem The­ma der Bay­ern­aus­stel­lung. Der Band stellt ein­zel­ne Groß­pro­jek­te im Rück­blick und in der Baye­ri­sches Staats­mi­nis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst
Haus der Baye­ri­schen Geschich­te Zusam­men­schau vor und illus­triert die­se mit zahl­rei­chen Abbil­dun­gen. 15 Exper­tin­nen und Exper­ten beleuch­ten Bay­erns bau­li­che Ent­wick­lung in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten. Das Maga­zin ist für 10 € im Online-Laden des HdBG oder im Muse­ums­la­den in Regens­burg zu erwer­ben.

Haus der Baye­ri­schen Geschich­te | Muse­um, Donau­markt 1, 93047 Regens­burg
Öff­nungs­zei­ten: Diens­tag bis Sonn­tag von 09.00 bis 18.00 Uhr. Mon­tags geschlos­sen. Fällt ein Fei­er­tag auf einen Mon­tag, so ist das Muse­um geöff­net. Geschlos­sen am 24.12., 25.12., 31.12., 01.01.
Ein­tritts­prei­se ins Muse­um:
Dau­er­aus­stel­lung
Erwach­se­ne 7,00 € (inklu­si­ve Bay­ern­aus­stel­lung 2024 „Ois anders: Groß­pro­jek­te in Bay­ern 1945 — 2020“)
Ermä­ßigt 5,00 € (z. B. Senio­ren ab 65 Jah­ren, Schwer­be­hin­der­te, Grup­pen ab 15 Per­so­nen)
Kin­der und Jugend­li­che bis 18 Jah­ren sowie Schü­ler im Klas­sen­ver­band und
Stu­die­ren­de unter 30 Jah­re: Ein­tritt frei
Son­der­preis Bay­ern­aus­stel­lung 2024 5,00 €

Die Bay­ern­aus­stel­lung „Ois anders: Groß­pro­jek­te in Bay­ern 1945 – 2020“ ist bar­rie­re­frei zugäng­lich und bie­tet mit Tast­sta­tio­nen und Tex­ten in Leich­ter Spra­che auch inklu­si­ve Ange­bo­te.

Füh­run­gen für Grup­pen mit maxi­mal 25 Per­so­nen in der Dau­er­aus­stel­lung
Stan­dard­füh­rung (75 Minu­ten): 110,00 € zzgl. Ein­tritt
Schü­ler­füh­rung (60 Minu­ten): 95,00 € zzgl. Ein­tritt
Füh­run­gen für Grup­pen mit maxi­mal 25 Per­so­nen in der Bay­ern­aus­stel­lung
Stan­dard­füh­rung (60 Minu­ten): 95,00 € zzgl. Ein­tritt
Schü­ler­füh­rung (60 Minu­ten): 95,00 € zzgl. Ein­tritt

Für Infor­ma­tio­nen und Reser­vie­run­gen mel­den Sie sich bei der Buchungs­hot­line unter +49 (0)941 788 388 0 oder wen­den sich per E‑Mail an
museumsfuehrung@stadtmaus.de.

Bild­un­ter­schrift: Der Alt­mühl­see als Urlaubs- und Natur­pa­ra­dies (Alt­mühl­see, 2017). Das Frän­ki­sche Seen­land gehört inzwi­schen zu den tou­ris­ti­schen Attrak­tio­nen Bay­erns. Zähl­te man Mit­te der 1980er Jah­re rund 350.000 Über­nach­tun­gen, sind es heu­te über 1,2 Mil­lio­nen. Was die meis­ten Besu­che­rin­nen und Besu­cher mit Erho­lung und Urlaub ver­bin­den, hat einen erns­ten Hin­ter­grund: Die sie­ben Seen gehö­ren zu einem kom­ple­xen Was­ser­sys­tem. So neh­men sie bspw. Was­ser aus der Alt­mühl auf und ver­hin­dern damit jähr­lich wie­der­keh­ren­de Über­schwem­mun­gen. Das gespei­cher­te Was­ser geben sie bei Bedarf an Flüs­se im was­ser­ar­men Nor­den Bay­erns ab. Foto: Archiv Tou­ris­mus­ver­band Frän­ki­sches Seen­land und sei­ner Partner/multimaps360°

 


Für das Frän­ki­sche Seen­land müs­sen unter ande­rem zahl­rei­che land­wirt­schaft­li­che Flä­chen, Wie­sen und Gebäu­de, dar­un­ter eini­ge Müh­len, wei­chen. Die Pro­tes­te gegen die Umge­stal­tung der Regi­on sind ins­ge­samt ver­hal­ten und lei­se. Die Lang­weid­müh­le im Brom­bach­tal wird vom Frei­staat Bay­ern auf­ge­kauft. Der ehe­ma­li­ge Eigen­tü­mer die­ser Müh­le, Wil­li­bald Ege­rer, ver­lässt jedoch sein Anwe­sen erst, als bereits mit der Flu­tung des Brom­b­ach­sees begon­nen wird. Die Lang­weid­müh­le kurz vor ihrem Abriss bei der Ent­ste­hung des Frän­ki­schen Seen­lan­des
Rams­berg, um 1992; Foto: Micha­el Mate­j­ka / VNP

Der Main-Donau-Kanal und ande­re Ver­kehrs­we­ge bei Frau­en­au­rach aus der Luft Her­bert Lie­del, 1995. Ent­lang des Main-Donau-Kanals ent­stan­den zahl­rei­che Stra­ßen, Bahn­stre­cken, Brü­cken, Fahr­rad­we­ge, Logis­tik­zen­tren sowie meh­re­re Häfen. Der Kanal wird heut­zu­ta­ge vor allem für Schwer­last- und Mas­sen­gü­ter genutzt. Dar­über hin­aus ist er eine tou­ris­ti­sche Attrak­ti­on und wird von immer mehr Fluss­kreu­zern, Aus­flugs­schif­fen oder Motor­boo­ten befah­ren. Foto: Her­bert Lie­del / Hel­mut Doll­hopf