Person im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen am äußerst seltenen Borna-Virus erkrankt

von | 26. November 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Alt­mühl­fran­ken (red). Im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen trat kürz­lich eine Erkran­kung durch das äußerst sel­te­ne, aber lebens­be­droh­li­che Bor­na-Virus (BoDV‑1 — Bor­na Dise­a­se Virus 1) auf. Ins­ge­samt sind deutsch­land­weit bis­lang nur ca. 50 Fäl­le von BoDV‑1 Erkran­kun­gen beim Men­schen nach­ge­wie­sen wor­den.

Jähr­lich wer­den weni­ger als zehn Fäl­le in Deutsch­land gemel­det, eine über­wie­gen­de Mehr­heit davon aus Bay­ern. Ursprüng­lich war das Bor­na Dise­a­se Virus 1 (BoDV‑1) als Erre­ger der Borna’schen Krank­heit, einer Tier­seu­che bei Pfer­den, Scha­fen und ande­ren Säu­ge­tie­ren in Mit­tel­eu­ro­pa bekannt. Im Jahr 2018 wur­de das Virus zum ers­ten Mal als Ursa­che von schwe­ren Gehirn­ent­zün­dun­gen beim Men­schen iden­ti­fi­ziert.

Virus­re­ser­voir für BoDV‑1 ist die Feld­spitz­maus (Cro­ci­du­ra leu­c­o­don). Infi­zier­te Feld­spitz­mäu­se schei­den das Virus, u.a. über Kot, Urin und Spei­chel aus, ohne selbst zu erkran­ken. Laut LGL kann eine Über­tra­gung des Virus nach aktu­el­lem For­schungs­stand durch den Kon­takt zur Feld­spitz­maus und/oder deren Aus­schei­dun­gen erfol­gen. Der genaue Über­tra­gungs­weg von der Feld­spitz­maus auf den Men­schen ist aber aktu­ell nicht bekannt. Laut Robert Koch-Insti­tut (RKI) kommt das Bor­na-Virus in wei­ten Tei­len Bay­erns ende­misch in Feld­spitz­mäu­sen vor.

Gesund­heits­amt und Vete­ri­när­amt sind vor Ort inten­siv mit der Klä­rung eines mög­li­chen Infek­ti­ons­we­ges befasst und ste­hen in engem Kon­takt mit den Exper­tin­nen und Exper­ten des LGL.

Das LGL wie auch ande­re Fach­be­hör­den emp­feh­len grund­sätz­lich, den Kon­takt zu Spitz­mäu­sen und deren Aus­schei­dun­gen zu ver­mei­den und fol­gen­de Vor­sichts­maß­nah­men zu beach­ten:

  • Leben­de oder tote Spitz­mäu­se soll­ten nicht mit blo­ßen Hän­den berührt wer­den.
  • Soll­ten Spitz­mäu­se im häus­li­chen oder Arbeits­um­feld iden­ti­fi­ziert wer­den, gilt es, ihre Nah­rungs­quel­le her­aus­zu­fin­den und sie ihnen zu ent­zie­hen. Spitz­mäu­se akzep­tie­ren z. B. im Außen­be­reich ange­bo­te­nes Hun­de- oder Kat­zen­fut­ter. Auch Kom­post­hau­fen oder ande­re Abfäl­le kön­nen durch das rei­che Nah­rungs­an­ge­bot an Insek­ten für Spitz­mäu­se inter­es­sant sein.
  • Gene­rell sol­len Orte, an denen ein Kon­takt mit den Aus­schei­dun­gen von Spitz­mäu­sen auf­tre­ten kann, wenn mög­lich (auch) von spie­len­den Kin­dern gemie­den wer­den bzw. Arbei­ten dort, v.a. mit Staub­ent­wick­lung (Keh­ren), soll­ten nur unter den ent­spre­chen­den Hygie­ne- bzw. Vor­sichts­maß­nah­men (s. u.) erfol­gen. Dies sind z. B. Stra­ßen­bö­schun­gen, Stein­mau­ern, Hecken oder gene­rell auch Schup­pen oder ande­re für wild­le­ben­de Klein­tie­re zugäng­li­che Gebäu­de­tei­le.
  • Spitz­mäu­se soll­ten nicht als Haus­tie­re gehal­ten wer­den!

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen bie­tet das LGL im Inter­net unter https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borna/index.htm

Emp­feh­lun­gen für die Besei­ti­gung von toten Spitz­mäu­sen, Aus­schei­dun­gen und Rei­ni­gung

Soll­ten Sie in Ihrem Wohn- oder Arbeits­um­feld eine tote Spitz­maus fin­den (z. B. weil eine Kat­ze die­se ins Haus gebracht hat) soll­te der Tier­kör­per schnellst­mög­lich sicher besei­tigt und kon­ta­mi­nier­te Flä­chen (Böden, Arbeits­flä­chen und ande­re Ober­flä­chen) sorg­fäl­tig mit Haus­halts­rei­ni­ger gesäu­bert wer­den.

Tra­gen Sie Gum­mi­hand­schu­he und bei Staub­ent­wick­lung mög­lichst einen eng anlie­gen­den Mund­na­sen­schutz oder eine FFP2-Mas­ke.

  • Besprü­hen Sie dann die tote Spitz­maus und deren mög­li­che Aus­schei­dun­gen zunächst gründ­lich mit einem han­dels­üb­li­chen Rei­ni­gungs­mit­tel. So ver­hin­dern Sie, dass bei der Ent­sor­gung bzw. Rei­ni­gung virus­be­la­de­ner Staub auf­ge­wir­belt wird.
  • Neh­men Sie die tote Spitz­maus in einer über die Hand gestülp­ten Plas­tik­tü­te auf, ver­schlie­ßen und ent­sor­gen Sie die­se mit dem Haus­müll.
  • Duschen Sie sofort nach stau­bi­gen Arbei­ten (inkl. Haa­re waschen) und waschen Sie die benutz­te Klei­dung.

Wor­an erkennt man eine (Feld-)Spitzmaus?

Spitz­mäu­se haben deut­lich spit­ze­re Nasen bzw. Gesich­ter als ech­te Mäu­se. Zudem zeich­nen sie sich durch einen ste­chen­den Geruch sowie rela­tiv klei­ne Augen und Ohren aus. Feld­spitz­mäu­se sind ins­ge­samt sehr sel­ten. Sie leben auf Brach­ge­bie­ten, z.B. Stra­ßen­bö­schun­gen, Stein­mau­ern oder unter Hecken. Sie sind scheu und nacht­ak­tiv, Begeg­nun­gen zwi­schen Feld­spitz­maus und Mensch sind eher sel­ten. Mit der Feld­spitz­maus eng ver­wandt sind Gar­ten- und Haus­spitz­maus. Die Feld­spitz­maus kann anhand ihrer zwei­far­bi­gen Fär­bung mit deut­li­cher Gren­ze zwi­schen Ober- (grau/braun) und Unter­sei­te (weiß) von der Gar­ten- und der Haus­spitz­maus unter­schie­den wer­den. Es ist bis­her unbe­kannt, ob auch die Gar­ten- oder die Haus­spitz­maus BoDV‑1 über­tra­gen kön­nen.

Besorg­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger kön­nen sich per E‑Mail an servicestelle@lgl.bayern.de wen­den.

Bild­un­ter­schrift: Feld­spitz­mäu­se und deren Aus­schei­dun­gen kön­nen nach aktu­el­lem For­schungs­stand das Bor­na-Virus über­tra­gen. Foto: Dr. Hen­ning Vier­haus (FLI)