Pestel-Institut legt Untersuchung vor: „Alterstauglichkeit“ der Wohnungen

von | 1. Juli 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Nur 11.400 Woh­nun­gen im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen haben das Top-Kri­te­ri­um fürs Woh­nen im Alter: gut begeh­ba­re Duschen

„Boo­mer-Zuschüs­se“ für den alters­ge­rech­ten Umbau von Woh­nun­gen gefor­dert

Längst nicht alle Woh­nun­gen sind fit fürs Alter: Von den gut 47.500 Woh­nun­gen im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sind nur rund 2.700 so gebaut, dass älte­re Men­schen dar­in ide­al klar­kom­men. Gera­de dann, wenn sie auf einen Rol­la­tor oder Roll­stuhl ange­wie­sen sind. „Damit bie­ten nur rund 6 Pro­zent aller Woh­nun­gen im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen den Stan­dard, der nötig ist, um mit kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen oder auch als Pfle­ge­fall dar­in alt zu wer­den“, sagt Mat­thi­as Gün­ther. Er ist Lei­ter des Pest­el-Insti­tuts. Des­sen Wis­sen­schaft­ler haben im Auf­trag des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del (BDB) eine regio­na­le Woh­nungs­markt-Ana­ly­se gemacht.

Im Fokus der Unter­su­chung: die „Alters­taug­lich­keit“ der Woh­nun­gen. „Gera­de die ist auch für den Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen wich­tig: Immer­hin gehen hier in den nächs­ten zehn Jah­ren rund 15.500 Men­schen in Ren­te – die Baby-Boo­mer näm­lich“, sagt Katha­ri­na Metz­ger vom Bun­des­ver­band Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del. Ziel müs­se es des­halb sein, mög­lichst schnell für mehr Senio­ren­woh­nun­gen im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen zu sor­gen. „Denn die wer­den frü­her oder spä­ter gebraucht. Und auf Dau­er ist jede alters­ge­rech­te Sanie­rung güns­ti­ger als ein Umzug ins Heim“, so BDB-Prä­si­den­tin Metz­ger.

Schon rein volks­wirt­schaft­lich müs­se der Staat also ein Inter­es­se dar­an haben, mehr Senio­ren­woh­nun­gen zu schaf­fen. „Vor allem aber geht es um den Wunsch der Men­schen selbst: Die meis­ten wol­len in den eige­nen vier Wän­den alt wer­den und, solan­ge es geht, zu Hau­se blei­ben“, sagt Katha­ri­na Metz­ger.

Das funk­tio­niert aber nur, so das Pest­el-Insti­tut, wenn gera­de Alt­bau­woh­nun­gen fürs Woh­nen im Alter umge­baut wer­den: „Wich­tig sind wenig Bar­rie­ren – also mög­lichst kei­ne Schwel­len, Stu­fen oder gan­ze Trep­pen. Aber auch brei­te Türen und viel Platz, um sich mit einem Rol­la­tor oder Roll­stuhl frei bewe­gen zu kön­nen. Vor allem im Bad und in der Küche ist das wich­tig. Genau die sind aber oft zu klein gebaut.“

Doch das Pro­blem fängt häu­fig schon ganz vor­ne an – beim Ein­gang: „28 Pro­zent aller Haus­flu­re im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sind nicht breit genug, um mit dem Roll­stuhl wirk­lich gut durch­zu­kom­men. Das betrifft immer­hin rund 12.300 Woh­nun­gen“, sagt Mat­thi­as Gün­ther. Oft sei­en sogar schon die Haus­tü­ren zu schmal.

Ent­schei­dend wird es, so das Pest­el-Insti­tut, dann aber in den Woh­nun­gen – vor allem in der Küche und im Bad: „Immer­hin haben zwar 71 Pro­zent der Woh­nun­gen im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen eine Küche, die groß genug ist. Das bedeu­tet umge­kehrt aber auch: In rund 14.000 Küchen kön­nen Men­schen mit einem Roll­stuhl nicht wen­den“, so Mat­thi­as Gün­ther. Bei den Bädern im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sei­en 20.800 und damit 44 Pro­zent zu klein.

Der wich­tigs­te Punkt beim Bade­zim­mer sei aller­dings nicht unbe­dingt des­sen Grö­ße, son­dern eine begeh­ba­re, also boden­glei­che Dusche: „Die gibt es aktu­ell nur in rund 11.400 Woh­nun­gen im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen“, so der Wis­sen­schaft­ler. Damit erfüll­ten ledig­lich 24 Pro­zent der Woh­nun­gen „das A‑und-O-Kri­te­ri­um, um in der eige­nen Woh­nung alt wer­den zu kön­nen“, so Mat­thi­as Gün­ther.

Der Chef-Öko­nom des Pest­el-Insti­tuts rät, beim alters­ge­rech­ten Umbau von Woh­nun­gen „unbe­dingt das Bad anzu­pa­cken“. Pro­ble­me kön­ne es aller­dings bei älte­ren Gebäu­den geben: „Gera­de bei Wohn­häu­sern aus den 50er-Jah­ren ist oft die Decke zu dünn, um eine boden­glei­che Dusche ein­zu­bau­en“, sagt Gün­ther.

Grund­sätz­lich habe der Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen einen „enor­men Nach­hol­be­darf, um den Woh­nungs­be­stand fit fürs Alter zu machen“, so der Lei­ter des Pest­el-Insti­tuts. Genau hier sieht auch die Prä­si­den­tin des Deut­schen Bau­stoff-Fach­han­dels ein Pro­blem: „In den nächs­ten zehn Jah­ren gehen die Baby-Boo­mer kom­plett in Ren­te. Der Bedarf an Senio­ren-Woh­nun­gen, den der Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen in den kom­men­den Jahr­zehn­ten damit haben wird, ist also enorm. Neu­bau kann da zwar hel­fen. Aber die Lösung liegt ganz klar im senio­ren­ge­rech­ten Umbau der Woh­nun­gen, in denen die Boo­mer heu­te woh­nen“, sagt Katha­ri­na Metz­ger.

Der alters­ge­rech­te Umbau sei jahr­zehn­te­lang zu kurz gekom­men. Daher sei jetzt eine „Senio­ren-Umbau-Offen­si­ve“ drin­gend not­wen­dig. „Das bedeu­tet: vol­le Kraft für den bar­rie­re­ar­men Umbau von Woh­nun­gen. Die Mie­ter, Woh­nungs- und Haus­ei­gen­tü­mer im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen brau­chen dafür aller­dings Rücken­wind aus Ber­lin: ‚Boo­mer-Zuschüs­se‘, mit denen sich aus Stan­dard-Woh­nun­gen mit Stu­fen und Stol­per­schwel­len an der Dusche end­lich bar­rie­re­ar­me Woh­nun­gen machen las­sen“, so Katha­ri­na Metz­ger.

Die Wis­sen­schaft­ler vom Pest­el-Insti­tut for­dern dazu, der Bund müs­se einen Groß­teil der Umbau­kos­ten über­neh­men – und zwar als Zuschuss. „Denn wer kurz vor der Ren­te sei­ne Woh­nung alters­ge­recht umbau­en will, der scheut sich, dafür noch einen Kre­dit auf­zu­neh­men. Und die heu­te gän­gi­ge staat­li­che Unter­stüt­zung von 10 Pro­zent beim Bad-Umbau ist nichts ande­res als ein ‚Pla­ce­bo-Zuschuss‘. Der reicht auf kei­nen Fall, um eine effek­ti­ve Umbau­wel­le fürs Senio­ren­woh­nen in Deutsch­land los­zu­tre­ten“, sagt Insti­tuts­lei­ter Mat­thi­as Gün­ther.

Auch der Bun­des­ver­band Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del erteilt dem „bestehen­den Mix aus För­der­töp­fen“ für den alters­ge­rech­ten Umbau eine kla­re Absa­ge: „Die staat­li­che För­der­bank KfW, die Kran­ken­kas­sen, die Pfle­ge­ver­si­che­rung – durch das För­der-Dickicht muss man sich erst ein­mal durch­kämp­fen. Der Sanie­rungs­schub, der drin­gend not­wen­dig ist, kommt so jeden­falls nicht zustan­de“, kri­ti­siert Ver­bands­prä­si­den­tin Metz­ger. Der Bund müs­se das alters­ge­rech­te Umbau­en end­lich zum Schwer­punkt sei­ner Woh­nungs­bau­po­li­tik machen und dafür einen „mil­li­ar­den­schwe­ren Zuschuss“ bereit­stel­len.

Foto: Tobi­as Sei­fert