Projekt chance.natur im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

von | 26. Januar 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Wei­ßen­burg (red). Die mehr­jäh­ri­ge Pla­nungs­pha­se für das Pro­jekt „chance.natur — Lebens­raum Mit­tel­frän­ki­sches Alt­mühl­tal“ zur dau­er­haf­ten Siche­rung der Wie­sen­brü­ter­be­stän­de im Pro­jekt­ge­biet der obe­ren und mitt­le­ren Alt­mühl von Colm­berg bis Buben­heim bei Treucht­lin­gen ist im ver­gan­ge­nen Jahr mit der Fer­tig­stel­lung des Pfle­ge- und Ent­wick­lungs­plans (PEPl) abge­schlos­sen wor­den. In den ver­gan­ge­nen Mona­ten sind im Zuge der Ver­öf­fent­li­chung des PEPl sowie wäh­rend Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen zuneh­mend Inter­es­sens- und Nut­zungs­kon­flik­te mit regio­na­len Ver­tre­tern aus den betrof­fe­nen Berei­chen Land­wirt­schaft, Was­ser­wirt­schaft, Jagd­we­sen und Fische­rei im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen zu Tage getre­ten. Da die­se bis­lang nicht zufrie­den­stel­lend gelöst wer­den konn­ten, hat Land­rat Manu­el West­phal zu einem Run­den Tisch ein­ge­la­den, bei dem alle Her­aus­for­de­run­gen ange­spro­chen wer­den konn­ten.

Land­rat Manu­el West­phal hat zu dem Gespräch mit dem Pro­jekt­bü­ro Ver­tre­ter der Jagd­ver­ei­ne, Revier­päch­ter, Funk­tio­nä­re des Baye­ri­schen Bau­ern­ver­bands, die für das Pro­jekt gewähl­ten Land­wir­te­spre­cher des Land­krei­ses, Ver­tre­ter der Fische­rei­ver­ei­ne und der Fische­rei­ver­bän­de, des Lan­des­bunds für Vogel­schutz sowie des Land­schafts­pfle­ge­ver­bands ein­ge­la­den, zudem auch das Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach, das AELF Roth-Wei­ßen­burg i. Bay., die betrof­fe­nen Bür­ger­meis­ter aus Treucht­lin­gen, Markt Berolz­heim, Ale­sheim, Thei­len­ho­fen, Gun­zen­hau­sen und Muhr am See sowie die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den des Kreis­tags.

Bevor es in den zustän­di­gen poli­ti­schen Gre­mi­en des Land­krei­ses zu abschlie­ßen­den Ent­schei­dun­gen hin­sicht­lich der Fra­ge kommt, ob Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen in die Umset­zungs­pha­se ein­tre­ten wird, soll­ten wäh­rend des Run­den Tisches die vor­lie­gen­den Ziel‑, Inter­es­sens- und Nut­zungs­kon­flik­te fach­über­grei­fend ange­spro­chen, erfasst und mög­lichst lösungs­ori­en­tiert behan­delt wer­den. Wäh­rend der Ver­an­stal­tung zeig­te sich aber deut­lich, dass der­zeit noch sehr vie­le Kon­flik­te aus allen genann­ten Berei­chen unge­löst sind. Ein fach­li­cher Kri­tik­punkt des Was­ser­wirt­schafts­am­tes ist zum Bei­spiel die Gefahr einer Gewäs­se­rer­wär­mung, wenn Gehöl­ze ent­lang der Alt­mühl ent­fernt wer­den, was eine im PEPl beschrie­ben Maß­nah­me ist. Dies wür­de den bis­he­ri­gen Bemü­hun­gen der Was­ser­wirt­schaft und der Fische­rei, gera­de in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels mit län­ge­ren und hei­ße­ren Tro­cken­pha­sen, ent­ge­gen­ste­hen. Den betrof­fe­nen Inter­es­sens­grup­pen fehlt bis­lang noch die Klar­heit und Ver­läss­lich­keit hin­sicht­lich des künf­ti­gen Umgangs mit die­sen noch unge­lös­ten Kon­flik­ten in der anste­hen­den Umset­zungs­pha­se.

„Mit der Ver­öf­fent­li­chung des PEPl sind etli­che offe­ne Punk­te in der bis­he­ri­gen Kom­mu­ni­ka­ti­on im Rah­men des Pro­jekts zuta­ge getre­ten. Ein sol­ches Groß­pro­jekt kann man kei­nes­falls an den Betrof­fe­nen, in die­sem Fall an Land­wir­ten, Jägern, Fischern oder auch der Was­ser­wirt­schaft vor­bei­pla­nen, wes­halb ich auch aktiv wur­de, als ich den PEPl erst­mals vor­ge­legt bekom­men habe. Aus den betrof­fe­nen Berei­chen erhal­te ich seit meh­re­ren Wochen zahl­rei­che Unter­schrif­ten­lis­ten und Schrei­ben, die unge­lös­te Kon­flik­te anspre­chen und kla­re, ver­läss­li­che Ant­wor­ten dazu for­dern. Die­se feh­len bis­lang“, ver­deut­licht Land­rat Manu­el West­phal nach dem Run­den Tisch.

Die Kon­flik­te, die Jäger, Land­wir­te und die Fische­rei in den Maß­nah­men des PEPl sehen, wur­den wäh­rend der Ver­an­stal­tung mit den Ver­tre­tern des Pro­jekt­bü­ros deut­lich ange­spro­chen. Bis zum 22. Janu­ar 2024 kön­nen die betrof­fe­nen Ver­bän­de nun noch ihre offe­nen Punk­te dem Land­rat mit­tei­len, der die­se Fra­ge­stel­lun­gen zur Klä­rung und Ein­ar­bei­tung in mög­li­che Umset­zungs­leit­fä­den an das Pro­jekt­bü­ro wei­ter­ge­ben wird. Dabei sol­len grund­le­gen­de For­de­run­gen der Betrof­fe­nen berück­sich­tigt wer­den, die in der Umset­zungs­pha­se des Pro­jekts bei Pla­nung, Umset­zung und Siche­rung von Maß­nah­men zur Anwen­dung kom­men sol­len, um Kon­flik­te zu ver­mei­den und die geeig­nets­ten Flä­chen und trag­fä­higs­ten Maß­nah­men zu fin­den. Das Pro­jekt­bü­ro muss die­se For­de­run­gen akzep­tie­ren. Auf­grund der Rück­mel­dun­gen bzw. des aus­ge­ar­bei­te­ten Umset­zungs­leit­fa­dens kön­nen sich die Betrof­fe­nen der Land­wirt­schaft, der Jagd und der Fische­rei dann zum Pro­jekt posi­tio­nie­ren.

Die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung, ob eine wei­te­re Betei­li­gung des Land­krei­ses Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen an dem Pro­jekt erfolgt, fällt dann am 26. Febru­ar 2024 der Kreis­tag. Vor­be­ra­tend behan­delt wird das The­ma am 7. Febru­ar im Umwelt­aus­schuss.

Land­rat West­phal ergänzt: „Das Pro­jekt­bü­ro muss nun wei­ter tätig wer­den und auf die wäh­rend des Run­den Tisches ange­spro­che­nen Kon­flikt­fel­der ein­ge­hen. Bereits bis­her haben sich die ange­spro­che­nen Grup­pen mit ihrer Arbeit auf der Flä­che für den Schutz der Wie­sen­brü­ter ein­ge­setzt, sonst wür­den die Bestän­de ja nicht vor­han­den sein. Nur mit, nicht gegen oder ohne die Land­wirt­schaft, den Jägern, der Fische­rei und der Was­ser­wirt­schaft ist ein nach­hal­ti­ger Schutz des Lebens­raums mög­lich!“

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