Regionales Zentrum des Kesselbaus

von | 3. Januar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Land­rat Manu­el West­phal zu Besuch bei Bosch Indus­trie­kes­sel GmbH in Gun­zen­hau­sen

Land­rat Manu­el West­phal und sein Team besuch­ten kürz­lich die Bosch Indus­trie­kes­sel GmbH in Gun­zen­hau­sen – ein füh­ren­des Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men, das maß­ge­schnei­der­te Indus­trie­kes­sel für eine grü­ne Ener­gie­zu­kunft ent­wi­ckelt und pro­du­ziert. Der Besuch bot Ein­bli­cke in die moder­ne Fer­ti­gung und die zukunfts­wei­sen­den Stra­te­gien des Unter­neh­mens.

Emp­fan­gen wur­den Land­rat Manu­el West­phal, Sabi­ne Unter­land­staett­ner (Wirt­schafts­för­de­rung) und Nico Kögel (Stand­ort­mar­ke­ting) von Per­so­nal­lei­ter und Pro­ku­rist Wolf­gang Pen­de­lin an den Toren des Schlun­gen­ho­fer Werks. Dort star­te­te die Füh­rung durch die groß­räu­mi­gen Pro­duk­ti­ons­hal­len und Pen­de­lin erläu­ter­te anschau­lich den Pro­zess vom Blech bis hin zum fer­ti­gen Kes­sel.

Die Eck­da­ten des Unter­neh­mens

Bosch fer­tigt in Gun­zen­hau­sen kun­den­spe­zi­fi­sche Kes­sel­an­la­gen mit kom­plet­ter Steue­rungs­tech­nik und Soft­ware. Am Stand­ort arbei­ten inzwi­schen 623 Mit­ar­bei­ter, davon 263 in der Pro­duk­ti­on, sowie 22 Aus­zu­bil­den­de. Ent­wick­lung, Pro­duk­ti­on und After-Sales-Ser­vice sind an einem Stand­ort ver­eint, was ein ent­schei­den­der Vor­teil im inter­na­tio­na­len Wett­be­werb sei, erfuhr Land­rat West­phal. „Unse­re Kun­den erwar­ten höchs­te Qua­li­tät und abso­lu­te Zuver­läs­sig­keit. Genau die­se Anfor­de­run­gen erfül­len wir mit unse­ren tech­no­lo­gisch füh­ren­den Pro­duk­ten“, erklär­te Pen­de­lin.

Pro­duk­te & Fer­ti­gung

Im Werk Gun­zen­hau­sen wer­den ver­schie­de­ne Arten von Indus­trie­kes­seln gefer­tigt, dar­un­ter auch moder­ne Elek­trokes­sel. Das Leer­ge­wicht der Groß­kes­sel kann dabei bis zu 120 Ton­nen betra­gen. Jede Kes­sel­fer­ti­gung ist kun­den­in­di­vi­du­ell und Prä­zi­si­ons­ar­beit: Plas­ma­schneid­an­la­gen fer­ti­gen aus bis zu zwölf Ton­nen schwe­ren Ble­chen exak­te Zuschnit­te. Anschlie­ßend wer­den die geschnit­te­nen Ble­che zu zylin­der­för­mi­gen Kes­sel­kör­pern gewalzt. Ein zen­tra­les Ele­ment der Fer­ti­gung sind das soge­nann­ten Längs­naht­schwei­ßen und wei­te­re spe­zia­li­sier­te Schweiß­ar­bei­ten. Da die größ­ten Kes­sel einem Druck von bis zu 30 bar stand­hal­ten müs­sen, liegt der Tole­ranz­be­reich im Mil­li­me­ter­be­reich, erfuhr Land­rat und Wirt­schafts­för­de­rung. Ent­spre­chend prä­zi­se müss­ten des­halb alle Schweiß­näh­te aus­ge­führt wer­den. Im fir­men­ei­ge­nen Rönt­gen­bun­ker wer­den bis zu 100 Pro­zent der Schweiß­näh­te der Druck­kör­per geprüft und die fer­ti­gen Bau­tei­le nach den jeweils gül­ti­gen län­der­spe­zi­fi­schen Nor­men zer­ti­fi­ziert.

Auto­ma­ti­sie­rung und Hand­ar­beit

Wäh­rend High­tech-Robo­ter in vie­len Schweiß­be­rei­chen die Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se unter­stüt­zen, bleibt die manu­el­le Fer­tig­keit von qua­li­fi­zier­ten Fach­kräf­ten unver­zicht­bar. In der Pro­duk­ti­on arbei­ten unter ande­rem Schlos­ser mit spe­zi­el­len Schweiß­prü­fun­gen sowie Anla­gen­me­cha­ni­ker mit Schweiß­zer­ti­fi­ka­ten. Der Kun­den­dienst umfasst rund 200 Außen­dienst­mit­ar­bei­ter welt­weit, meist mit einer ergän­zen­den Grund­qua­li­fi­ka­ti­on als Elek­tri­ker. Zusätz­li­che sicher­heits­tech­ni­sche Schu­lun­gen sind ins­be­son­de­re beim Ein­satz von Elek­trokes­seln erfor­der­lich. Die Bosch Indus­trie­kes­sel GmbH bemü­he sich in Gun­zen­hau­sen inten­siv dar­um, Fach­kräf­te lang­fris­tig zu bin­den, und sei stän­dig auf der Suche nach qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal, erklär­te Pen­de­lin.

Markt­ent­wick­lung & Tech­no­lo­gie

Bosch erkann­te früh das Poten­zi­al von Elek­trokes­seln als ein Schlüs­sel zur Dekar­bo­ni­sie­rung indus­tri­el­ler Pro­zes­se. Ins­be­son­de­re Län­der mit einem hohen Anteil an erneu­er­ba­ren Ener­gien, wie zum Bei­spiel Skan­di­na­vi­en, set­zen immer mehr auf die elek­tri­schen Dampf- und Wär­me­er­zeu­ger. Auch in Deutsch­land wächst das Inter­es­se an Elek­trokes­seln ste­tig, trotz der aktu­el­len Strom­preis­si­tua­ti­on, die die Trans­for­ma­ti­on teil­wei­se bremst. Zudem inves­tie­ren immer mehr Unter­neh­men in eige­ne PV-Anla­gen. In Kom­bi­na­ti­on mit Elek­trokes­seln kann der über­schüs­si­ge Strom effi­zi­ent in Wär­me umge­wan­delt wer­den. Das redu­ziert die Betriebs­kos­ten und spart jede Men­ge CO2-Emis­sio­nen.

Ein star­ker Stand­ort

Bosch wol­le den Stand­ort in Gun­zen­hau­sen sogar regio­nal noch wei­ter stär­ken, um lang­fris­tig Wert­schöp­fung und Arbeits­plät­ze in der Regi­on zu sichern, ver­si­cher­te das Gun­zen­häu­ser Bosch-Team bei dem anschlie­ßen­den Gespräch, an dem auch Geschäfts­füh­rer Micha­el Schil­ler teil­nahm. Bei­spie­le sind unter ande­rem das im Jahr 2024 fer­tig­ge­stell­te Tech­nik- und Sozi­al­ge­bäu­de. Dort fand auch die neue Lehr­werk­statt auf einer Flä­che von 360 qm ihren Platz. Dar­über hin­aus erfuh­ren Land­rat West­phal und die Ver­tre­ter der Wirt­schafts­för­de­rung, dass die Indus­trie­kes­sel welt­weit ver­trie­ben wer­den und bei zahl­rei­chen nam­haf­ten Kun­den aus den Berei­chen Lebens­mit­tel, Phar­ma oder Ener­gie­ver­sor­gung im Ein­satz sind. Trotz wach­sen­der Kon­kur­renz – in Euro­pa gibt es etwa acht bis zehn nen­nens­wer­te Wett­be­wer­ber – sieht sich Bosch hier gut auf­ge­stellt. „Unser exzel­len­ter Ser­vice welt­weit, die kom­plet­te Pro­duk­ti­on aus einer Hand sowie die inten­si­ve Betreu­ung unse­rer Kun­den von der Pro­jek­tie­rung bis zur Aus­lie­fe­rung zeich­net unser Unter­neh­men und Pro­duk­te aus“, beton­te Schil­ler.

Auch die wei­te­re Ent­wick­lung alter­na­ti­ver, umwelt­freund­li­cher Tech­no­lo­gien ins­be­son­de­re bei Elek­trokes­seln, sol­le das Unter­neh­men noch zukunfts­si­che­rer machen. Land­rat West­phal zeig­te sich von dem Gun­zen­häu­ser Pro­duk­ti­ons­be­trieb beein­druckt: „Es ist span­nend zu sehen, wie in die­sem Nischen­seg­ment lau­fend Pro­zes­se moder­ni­siert sowie neue Qua­li­täts­stan­dards gesetzt wer­den. Dadurch wer­den lang­fris­tig Arbeits­plät­ze in unse­rer Regi­on gesi­chert und jun­ge Men­schen her­vor­ra­gend aus­ge­bil­det!“

Lan­ge His­to­rie in Alt­mühl­fran­ken

In der Bevöl­ke­rung ist das Unter­neh­men auch heu­te noch als „Loos“ bekannt. Schließ­lich war es Phil­ipp Loos, der im Jahr 1865 in der Pfalz die dama­li­ge Fir­ma grün­de­te, die sich 1917 mit einem Pro­duk­ti­ons­stand­ort für Drei­zug­kes­sel in Gun­zen­hau­sen nie­der­ließ. Im Lau­fe der Jah­re ent­wi­ckel­te sich das Geschäft präch­tig, sodass nach meh­re­ren Patent­an­mel­dun­gen und einer Werks­ver­grö­ße­rung im Orts­teil Schlun­gen­hof im Jahr 1964 bereits der 30.000 Kes­sel das Werk ver­ließ. Ein bedeut­sa­mes Jahr in der Geschich­te der Fir­ma war das Jahr 2009, als Loos ein Toch­ter­un­ter­neh­men der Bosch Ther­mo­tech­nik GmbH wur­de. In den fol­gen­den Jah­ren wur­de der Fir­men­auf­tritt voll­stän­dig auf den Namen Bosch umge­stellt und die Pro­duk­te fort­an von der Bosch Indus­trie­kes­sel GmbH her­ge­stellt und ver­kauft.

Bild­un­ter­schrift: Land­rat Manu­el West­phal (l.) und Sabi­ne Unter­land­staett­ner (r.) aus der Wirt­schafts­för­de­rung des Land­krei­ses besuch­ten vor kur­zem die Fir­ma Bosch Indus­trie­kes­sel GmbH in Gun­zen­hau­sen und wur­den von Pro­ku­rist und Per­so­nal­lei­ter Wolf­gang Pen­de­lin (m.) durch das Werk geführt. Foto: Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen / Nico Kögel