Rehsteaks und Intervalljagd

von | 22. Juni 2023 | Altmühlfranken, Treuchtlingen, Weißenburg

Wei­ßen­burg (red). Im Stadt­wald Wei­ßen­burg gilt seit 01.04.23 ein neu­es Jagd­kon­zept Schon 1972 erforsch­te der Wild­bio­lo­ge Her­mann Ellen­berg die Akti­vi­täts­pha­sen des Reh­wil­des im Jah­res­ver­lauf und fand her­aus, dass die höchs­te Akti­vi­tät aller Geschlech­ter und Alter in den Mona­ten April und Mai ver­zeich­net wer­den konn­te. Begrün­dung hier­für sind vor allem die Rang­ord­nungs­kämp­fe der Reh­bö­cke und die Tren­nung der letzt­jäh­ri­gen Kit­ze von der Geiß. Eine zwei­te Hoch­pha­se gibt es dann erneut im Sep­tem­ber, wenn die Kit­ze alle mobil sind und von Milch auf krau­ti­ge Nah­rung umstel­len. Vor dem Win­ter ist dann eine letz­te Pha­se hoher Äsungs­ak­ti­vi­tät, wenn sich das Reh­wild Reser­ven für die Zeit gerin­ge­rer Stoff­wech­sel­ak­ti­vi­tät anfrisst.

Damit schuf Ellen­berg eine Grund­la­ge für den soge­nann­ten „Reh­jagd­ka­len­der“, eine heu­te noch gül­ti­ge Ori­en­tie­rung, wann die Jagd auf Reh­wild beson­ders erfolg­ver­spre­chend ist. Auch der
Kli­ma­wan­del scheint an den Akti­vi­täts­pha­sen bis­her nur wenig zu ändern, da sich Reh­wild an den Tages­län­gen und nicht an den Tem­pe­ra­tu­ren ori­en­tiert. Eine gewis­se Bestä­ti­gung erhal­ten die vor über 50 Jah­ren gewon­ne­nen Erkennt­nis­se Ellen­bergs durch die Aus­wer­tung der in den letz­ten Jah­ren erleg­ten Rehe im Stadt­wald. Über 70% der Rehe wur­den in den Mona­ten Mai, Sep­tem­ber, Novem­ber und Dezem­ber erlegt, die auch Ellen­berg als beson­ders attrak­tiv aus­wies.

Die­sen Fak­ten wird mit dem neu­en Inter­vall­jagd­kon­zept im Stadt­wald Rech­nung getra­gen. In Pha­sen gerin­ger Wild­ak­ti­vi­tät wird im Wald nicht gejagt, was auch wild­bio­lo­gisch Sinn ergibt, da das Reh­wild somit in den Mona­ten der Kitz­auf­zucht und Brunft nicht durch die Jagd beun­ru­higt wird. Die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Abschuss­zah­len wer­den dann in den guten Jagd­mo­na­ten mög­lichst effi­zi­ent erfüllt, damit zum Beginn des Win­ters, wenn die Rehe ihren Stoff­wech­sel her­un­ter­fah­ren, der Jagd­druck redu­ziert wer­den kann. Aller­dings ist dabei immer die Grat­wan­de­rung zu beschrei­ten, gleich­zei­tig Wild­schwei­ne wei­ter zu beja­gen, was kaum ohne Beun­ru­hi­gung der rest­li­chen Wild­ar­ten mög­lich ist.

Zeit­lich trifft die som­mer­li­che Jagd­ru­he im Wald mit den kri­ti­schen Wild­scha­dens­pha­sen in der Feld­flur zusam­men, so dass die Wald­jä­ger dann auf den Äckern prä­sent sein kön­nen. Gleich­zei­tig ist der Wald in die­ser Pha­se für die Wild­schwei­ne ein siche­rer Rück­zugs­ort, wo sie kaum Scha­den anrich­ten.

Ziel des neu­en Jagd­kon­zep­tes ist einer­seits, dem Wild mehr Ruhe­pha­sen beson­ders in den sen­si­blen Zei­ten zu ver­schaf­fen, ande­rer­seits die vor­ge­schrie­be­nen Abschuss­zah­len in den Jagd­pha­sen durch ver­trau­te­res Wild effek­ti­ver erfül­len zu kön­nen. Auch wei­ter­hin wird das aus­schließ­lich mit blei­frei­er Muni­ti­on erleg­te Wild­bret in gewohn­ter Form am Städ­ti­schen Forst­amt an End­kun­den ver­kauft. Auch zum Gril­len im Som­mer eig­net sich Wild­bret sehr gut. Neben den bis­her bereits sehr gut nach­ge­frag­ten Wild­brat­würs­ten gibt es ab sofort auch geschnit­te­ne Steaks aus
der Reh­keu­le, die nach Belie­ben mari­niert oder pur zube­rei­tet wer­den kön­nen. Der Ver­kauf fin­det wei­ter­hin jeden Don­ners­tag zwi­schen 10.00 und 12.00 Uhr sowie von 16.00 bis 18.00 Uhr am Städ­ti­schen Forst­amt in der Geheimrat-Dr.-Doerfler-Straße 38 statt.

Foto: Pix­a­bay