Rollkoffer im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen unterwegs

von | 1. Oktober 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

NGG beklagt: „Gerin­ger Lohn, wenig Per­so­nal, kür­ze­re Öff­nungs­zei­ten, weni­ger Umsät­ze“

Jede Men­ge Roll­kof­fer auf dem Pflas­ter im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen unter­wegs: Im ers­ten Halb­jahr gab es im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen rund 463.800 Über­nach­tun­gen von Gäs­ten aus dem In- und Aus­land. Das hat die Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten mit­ge­teilt. Die NGG Nürn­berg-Fürth beruft sich dabei auf aktu­el­le Tou­ris­mus-Zah­len vom Baye­ri­schen Lan­des­amt für Sta­tis­tik. Damit hat es im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen in den ers­ten sechs Mona­ten die­ses Jah­res rund 12,1 Pro­zent mehr Über­nach­tun­gen gege­ben als im ers­ten Halb­jahr 2024, so die Gewerk­schaft NGG. Auch bay­ern­weit nah­men die Über­nach­tun­gen zu (+0,8 Pro­zent). „Und das nach dem Rekord­jahr 2024, das bereits alle bis­he­ri­gen Zah­len, auch vor Coro­na, über­trof­fen hat­te“, betont Regi­na Schle­ser von der NGG Nürn­berg-Fürth.

Anläs­se, in den Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen zu kom­men, gebe es vie­le: „Urlaub, Tages­aus­flug, Geschäfts­rei­se, Ver­wandt­schafts­be­such, medi­zi­ni­sche Behand­lung, Fort­bil­dung … – jeder Besuch und jede Über­nach­tung ist gut für das Hotel- und Gast­stät­ten­ge­wer­be im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen“, sagt Regi­na Schle­ser. Für die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth bedeu­tet das aller­dings auch: „Hotels, Pen­sio­nen, Restau­rants, Gast­stät­ten, Cafés & Co. im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen soll­ten gezielt auf Stamm­per­so­nal set­zen. Vor allem auch auf den Nach­wuchs: Die Bran­che braucht mehr Aus­zu­bil­den­de“, so Schle­ser.

Denn in den Küchen und im Ser­vice feh­le Per­so­nal. „Wenn heu­te über Umsatz­rück­gän­ge gejam­mert wird, dann kann man nur sagen: Vie­le Gas­tro-Betrie­be haben ihre Öff­nungs­zei­ten stark gekürzt. Der Grund dafür ist Per­so­nal­man­gel. Gera­de wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie haben vie­le Voll­zeit­kräf­te dem Gast­ge­wer­be dau­er­haft den Rücken gekehrt. Das liegt auch am Ver­hal­ten der Arbeit­ge­ber in die­ser Zeit. Kein Wun­der also, dass dann auch der Umsatz zurück­geht“, so die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth. Regi­na Schle­ser spricht von „vie­len haus­ge­mach­ten Pro­ble­men“ in der Gas­tro-Bran­che im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen.

Ein wich­ti­ger Punkt dabei sei auch die Bezah­lung. „Vie­le Gast­wir­te und Restau­rant­chefs machen einen Rie­sen­bo­gen um den Tarif­lohn“, so Schle­ser. Der lie­ge in Bay­ern für einen Koch oder eine Kell­ne­rin mit Aus­bil­dung schon beim Start in den Job bei aktu­ell 17,85 Euro pro Stun­de. „Den fai­ren Tarif­lohn ver­die­nen vie­le aber lei­der nicht. Die unters­te Lohn­kan­te in der Gas­tro­no­mie ist oft der gesetz­li­che Min­dest­lohn von aktu­ell nur 12,82 Euro pro Stun­de. Hin­zu kom­men die ‚Open-End-Arbeits­zei­ten‘. Kein Wun­der, dass die Gas­tro­no­mie kei­ne Leu­te fin­det“, sagt Regi­na Schle­ser.

Dabei mache der Baye­ri­sche Hotel- und Gast­stät­ten­ver­band es den Hotels, Restau­rants und Gast­hö­fen leicht, den Tarif­lohn zu umge­hen: Der DEHOGA Bay­ern ver­ein­ba­re zwar mit der Gewerk­schaft NGG Tarif­löh­ne. „Gleich­zei­tig signa­li­siert er den Gas­tro-Arbeit­ge­bern aber, dass sie sich nicht unbe­dingt dar­an hal­ten müs­sen: Restau­rants in Bay­ern kön­nen eine ‚Son­der-Mit­glied­schaft‘ im DEHOGA haben – mit allen Vor­tei­len, aber ohne Tarif­bin­dung. Das ist eine Miss­ach­tung gel­ten­der Tarif­ver­trä­ge und die baye­ri­sche Lösung, um die Gas­tro­no­mie zur Bil­lig­lohn-Bran­che zu machen – mit allen Pro­ble­men die da dran­hän­gen: beim Per­so­nal, bei den Öff­nungs­zei­ten, aber auch bei der Qua­li­tät der Leis­tun­gen“, so Schle­ser.

Die NGG Nürn­berg-Fürth warnt Gas­tro­no­men im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen vor einem „gefähr­li­chen Trend“ in der Bran­che: „Immer mehr Aus­hilfs- und immer weni­ger Fach­kräf­te. Das geht zu Las­ten der Qua­li­tät – in der Küche genau­so wie im Ser­vice. Die Hotel­le­rie und Gas­tro­no­mie im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen soll­te alles dar­an­set­zen, ihren Ruf als Pro­fi-Bran­che nicht zu ver­lie­ren. Sie darf nicht als Lai­en-Bran­che rüber­kom­men“, warnt Regi­na Schle­ser. Die Gas­tro-Bran­che müs­se zudem drin­gend etwas gegen „Frust-Dienst­plä­ne“ unter­neh­men: „Näm­lich genug Per­so­nal ein­stel­len, um super­lan­ge Schich­ten und zu vie­le Wochen­en­d­ein­sät­ze zu ver­mei­den“, so Schle­ser.

Immer­hin bekom­me die Gas­tro­no­mie dafür schon bald ein „ordent­li­ches Steu­er­ge­schenk“ aus Ber­lin: „Wenn im Janu­ar die Gas­tro-Steu­er von 19 auf 7 Pro­zent sinkt, dann dürf­ten Gast­hö­fe, Restau­rants, Hotels & Co. im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen genug zusätz­li­ches Geld in der Kas­se haben, um mehr Beschäf­tig­te ein­zu­stel­len – und mit einem ordent­li­chen Tarif­lohn zu bezah­len. Kein Mensch glaubt schließ­lich dar­an, dass durch das schwarz-rote ‚Schnit­zel-Steu­er­ge­schenk‘ die Prei­se in der Gas­tro­no­mie sin­ken wer­den. Aber bevor die Hote­liers und Wir­te sich das Geld kom­plett in die eige­ne Tasche ste­cken, sol­len sie es lie­ber ins Per­so­nal inves­tie­ren“, so Schle­ser.

Dabei gehe es bun­des­weit immer­hin um geschätz­te 3,6 Mil­li­ar­den Euro pro Jahr. „Das ist Geld, das der Staat an ande­rer Stel­le gut inves­tie­ren könn­te: in Woh­nun­gen zum Bei­spiel“, so NGG-Geschäfts­füh­re­rin Regi­na Schle­ser. Es sei näm­lich fast exakt die Sum­me, die der Bund in die­sem Jahr ins­ge­samt in den sozia­len Woh­nungs­bau inves­tiert habe. „Anstatt Gast­wir­ten ein Steu­er­ge­schenk zu machen, soll­te der Bund mit dem Geld lie­ber sei­ne För­de­rung für den sozia­len Woh­nungs­bau ver­dop­peln“, for­dert Schle­ser. Dann könn­ten vor allem kom­mu­na­le, kirch­li­che und genos­sen­schaft­li­che Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten für mehr Wohn­raum sor­gen.

Bild­un­ter­schrift: Der bes­te „Bot­schaf­ter“ für den Tou­ris­mus: der Roll­kof­fer. „Egal, ob pri­vat oder geschäft­lich: Wer in den Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen kommt und in ein Hotel und Restau­rant geht, belebt das Geschäft“, sagt Regi­na Schle­ser von der Gas­tro Gewerk­schaft NGG Nürn­berg-Fürth. Wich­tig sei aller­dings, dass Hotel­le­rie und Gas­tro­no­mie „nicht am fal­schen Ende“ spar­ten: Mehr Fach- statt immer mehr Aus­hilfs­kräf­te – dar­auf müss­ten Gas­tro­no­men ach­ten. „Pro­fi-Küche und Pro­fi-Ser­vice sind wich­tig. Wer Pro­fis bekom­men will, muss aller­dings auch Tarif­lohn bezah­len“, so Schle­ser. Foto: NGG | Ali­re­za Kha­li­li