Ruth Sichermann war beim Erzählcafé in Gunzenhausen zum Thema Geburt zu Gast

von | 5. April 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). Geburts­hil­fe frü­her und heu­te sowie die viel­fäl­ti­gen Erfah­run­gen von Müt­tern wur­den the­ma­ti­siert – initia­ti­ve des Fami­li­en­zen­trums „Unser Dorf e.V.“: Wie ist das so mit dem Start ins Leben? Beim Erzähl­ca­fé des Fami­li­en­zen­trums „Unser Dorf e. V.“ war die Heb­am­me Ruth Sicher­mann mit dabei und konn­te aus ihrer lang­jäh­ri­gen Berufs­pra­xis berich­ten. Ein Fazit: Es hat sich seit den 1970ern, als man bei den Gebur­ten auf eine lücken­lo­se Über­wa­chung und den Ein­satz von mög­lichst viel Tech­nik gesetzt hat, vie­les ver­än­dert. Aber bei­lei­be sind auch heu­te noch nicht alle Hin­der­nis­se für eine wohn­ort­na­he Geburts­hil­fe, die auf Mut­ter und Kind in einer höchst emo­tio­na­len Situa­ti­on Rück­sicht nimmt, aus dem Weg geräumt.

Beim klei­nen Gesprächs­kreis in der Stadt- und Schul­bü­che­rei Gun­zen­hau­sen konn­te jede der Frau­en etwas bei­steu­ern. Da ging es um die Gebur­ten der eige­nen Kin­der, aber auch um Berich­te über Gebur­ten in frü­he­ren Zei­ten, wie sie in den Fami­li­en wei­ter­ge­ge­ben wer­den.

Ruth Sicher­mann, eine der Grün­de­rin­nen des Geburts­hau­ses in Ans­bach, berich­te­te aus ihrer Aus­bil­dungs­zeit: Eines der Schlag­wor­te war in den 1970er Jah­ren die „pro­gram­mier­te Geburt“. Sobald der Mut­ter­mund einen Zen­ti­me­ter geöff­net war, wur­de die Frucht­bla­se gesprengt um Elek­tro­den am Kopf des Kin­des zu befes­ti­gen und die Wehen­tä­tig­keit zu über­wa­chen. Vom Stil­len wur­de damals eher abge­ra­ten und stil­len­de Müt­ter hat­ten eher mit Vor­wür­fen zu kämp­fen: „Das Kind wird doch nicht rich­tig satt!“ Trotz die­ser Tech­nik-Wel­le gab es damals noch vie­le Haus­ge­bur­ten und weit­aus weni­ger Kai­ser­schnit­te. Die­se bar­gen zu die­ser Zeit auch noch mehr Gefah­ren für die Gebä­ren­de.

Heut­zu­ta­ge – so die Mei­nung der erfah­re­nen Heb­am­me – wird weit­aus behut­sa­mer inter­ve­niert, doch die Zahl der Kai­ser­schnit­te oder geplan­ten Gebur­ten ist auf­fäl­lig hoch. Außer­kli­ni­sche Gebur­ten und die Tätig­keit von frei­be­ruf­li­chen Heb­am­men wird durch immens hohe Bei­trä­ge für eine beruf­li­che Haft­pflicht­ver­si­che­rung erschwert. In Öster­reich und den Nie­der­lan­den wer­de dies anders gehand­habt und die Heb­am­men zah­len pro Jahr nur 350.-€ für ihre Haft­pflicht­ver­si­che­rung. In den Nie­der­lan­den gibt es bei­spiels­wei­se einen staat­li­chen Fond, der die Risi­ken der Geburts­hil­fe absi­chert.

Was allen Müt­tern im Gesprächs­kreis miss­fällt, sind die wei­ten Fahr­ten, die zu den Geburts­kli­ni­ken und immer noch Nach­hol­be­darf in Bezug auf die Selbst­be­stimmt­heit der Frau­en bei der Geburt. Eine Tren­nung von Mut­ter und Kind ohne medi­zi­ni­schen Grund gibt es nach Spon­tan­ge­bur­ten nicht mehr, doch immer noch kommt dies in Kli­ni­ken bei Kai­ser­schnitt­ge­bur­ten vor.

Domi­ni­que Reit­mei­er und Tina Nür­min­ger bei­de im Ver­eins­vor­stand des Fami­li­en­zen­trums „Unser Dorf“ wol­len nach den guten und inten­si­ven Gesprä­chen beim ers­ten Erzähl­ca­fé sol­che Gesprächs­run­den wie­der anbie­ten. Wich­tig ist dem Ver­ein der Aus­tausch der Fami­li­en unter­ein­an­der und mit Men­schen, die im päd­ago­gi­schen und the­ra­peu­ti­schen Bereich arbei­ten.

Bild­un­ter­schrift: Erzähl­ca­fé Geburt: Die Initia­to­rin­nen des Erzähl­ca­fés Tina Nür­min­ger und Domin­que Reit­mei­er (sit­zend von links), die Heil­prak­ti­ke­rin für Psy­chol­the­ra­pie Evi Augus­tin und die Heb­am­me Ruth Sicher­mann. Foto: Stadt Gun­zen­hau­sen