Schwebende Annäherungen

von | 21. Juli 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Kunst­aus­stel­lung von Anna Ott­mann in der Städ­ti­schen Gale­rie Pap­pen­heim

Pap­pen­heim — Trotz einer Publi­kum abzie­hen­den Groß­ver­an­stal­tung in Pap­pen­heim kamen vie­le inter­es­sier­te Besu­cher zur Ver­nis­sa­ge der neu­en Kunst­aus­stel­lung in die Städ­tisd­che Gale­rie. Für die Gäs­te hat sich die­ser Sonn­tag­vor­mit­tag umso mehr gelohnt. Sie erleb­ten, dass Dar­stel­len­de Kunst wie die Male­rei von Anna Ott­mann nicht iso­liert gese­hen wer­den darf, son­dern dass es ein Zusam­men­spiel von Musik und Lite­ra­tur, auch von Schau­spiel und Per­for­mance bedarf, um uns Kunst heu­te näher zu brin­gen. Die­ses Zusam­men­wir­ken ver­schie­de­ner Ansät­ze hat die Ver­nis­sa­ge her­vor­ra­gend geleis­tet: Zuerst mit dem Gruß­wort der Drit­ten Bür­ger­meis­te­rin Anet­te Papp­ler, für die Kunst nicht geschmei­dig, son­dern wider­spens­tig sein darf und soll, die sich erfreut gezeigt hat, dass von der Städ­ti­schen Gale­rie Impul­se in die Regi­on gehen und dass der Zusam­men­klang von Bil­den­der Kunst mit ande­ren Kunst­zwei­gen wie hier bei der Eröff­nung untrenn­bar ist.

Für die Musik als Teil der Kunst­dar­bie­tung hat Ilan Scheind­ling gesorgt, Musi­ker am Key­bord und Maler, mit Stü­cken von Mel Bonis, einer sicher den Zuhö­rern vor­her völ­lig unbe­kann­ten fran­zö­si­schen Kom­po­nis­tin aus der spä­ten Roman­tik, ein­fühl­sam, melan­cho­lisch und den­noch schwung­voll-musi­ka­lisch.

Und kunst­voll erfolg­te auch die sprach­li­che Ein­füh­rung in die Kunst­aus­stel­lung durch Susan­ne Nie­mann, die es ver­stand, Per­son und Arbei­ten von Anna Ott­mann mit weni­gen, aber bewusst gesetz­ten Begrif­fen zu skiz­zie­ren – mit Strei­cheln, vom Sein der Din­ge, ihrer Hün­din, von Lie­be und Sinn­lich­keit in ihren Bil­dern und den Atem, den man auch als “lan­gen Atem haben” ver­ste­hen kann. Ihr Vor­trag fand nicht hin­ter einem Pult statt, son­dern sie schritt dabei durch die Räu­me und rezi­tier­te ein Gedicht der israe­li­schen Lyri­ke­rin Agi Mis­hol über die Kunst des Schrei­bens, leicht abge­wan­delt von ihr in “die Kunst des Malens”. Malen heißt dem­nach, so lan­ge über Papier und Far­ben zu kau­ern, bis sich einem die Türe öff­net, die Augen wei­tet und man spürt, wie die Idee zum Kunst­werk nun vom Him­mel schwebt. So sol­len auch die Betrach­ter ihren eige­nen Him­mel mit­brin­gen und sich in den Kunst­him­mel von Anna Ott­man hin­ein­strö­men las­sen.

Nach die­sen arti­fi­zi­el­len Reden und Musik­stü­cken konn­te man in den Bil­dern plötz­lich ande­re Ansät­ze erken­nen, es waren jetzt nicht mehr nur schwar­ze Krin­gel, die an japa­ni­sche Gra­phi­ken erin­ner­ten, son­dern Bil­der, bei denen die Künst­le­rin ihre phi­lo­so­phi­schen Ansät­ze durch­schei­nen ließ — genau­so die fast trans­pa­rent wir­ken­den grö­ße­ren Bil­der im ers­ten Raum. Sie öff­ne­ten sich nun plötz­lich für den Betrach­ter oder die Betrach­te­rin, je nach per­sön­li­chen Erfah­run­gen mit der Kunst. Die im drit­ten Raum instal­lier­ten Tücher mit auf­ge­kleb­ten und “beschmier­ten” Dru­cken waren jetzt mit einem Mal nicht nur wei­ße Vor­hän­ge, son­dern erzähl­ten den Betrach­tern von Lie­be, vom Sturm und geschla­ge­nen Wun­den.

Frei­er Ein­tritt, Städ­ti­sche Gale­rie Pap­pen­heim, An der Stadt­müh­le 1, Zugang von der Klos­ter­stra­ße über den roten Turm.
Geöff­net jeden Sonn- und Fei­er­tag bis ein­schließ­lich 13. Sep­tem­ber.

Foto: Städ­ti­sche Gale­rie Pap­pen­heim