Selbst der Regen wird die Ernte nicht mehr retten

von | 31. August 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Dür­re, Hit­ze und Krank­hei­ten stür­zen den Rüben­an­bau in his­to­ri­sche Kri­se

Och­sen­furt – Den süd­deut­schen Zucker­rü­ben­an­bau­ern droht eine his­to­ri­sche Miss­ern­te. Wochen­lan­ge Hit­ze, extre­me Tro­cken­heit und ein hoher Krank­heits­druck haben die Rüben­be­stän­de mas­siv geschä­digt. Bereits in sei­ner vor­an­ge­gan­ge­nen Ein­schät­zung hat­te der Ver­band Süd­deut­scher Zucker­rü­ben­an­bau­er e.V. (VSZ) vor erheb­li­chen Ertrags­ein­bu­ßen gewarnt. Die aktu­ell lau­fen­den zwei­ten Pro­bero­dun­gen zei­gen nun: Selbst die­se bereits deut­lich redu­zier­ten Erwar­tun­gen müs­sen noch­mals nach unten kor­ri­giert wer­den. In beson­ders stark betrof­fe­nen Regio­nen wie dem Rhein-Main-Gebiet, Baden-Würt­tem­berg und Fran­ken, wer­den die Fel­der zum Teil kaum noch Ertrag brin­gen bzw. kann ein Total­aus­fall ein­tre­ten. Auch Regen wird die Situa­ti­on die­ser Rüben­schlä­ge nicht mehr ver­bes­sern.

Sogar auf den tra­di­tio­nell ertrags­star­ken Löss­stand­or­ten Süd­deutsch­lands sind die Was­ser­vor­rä­te im Boden erschöpft. Hin­zu kom­men erheb­li­che Schä­den durch Blatt­krank­hei­ten wie Cer­cos­po­ra und durch die sich immer wei­ter aus­brei­ten­de bak­te­ri­el­le Infek­ti­on SBR/Stolbur, die durch die Schilf-Glas­flü­gel­zi­ka­de über­tra­gen wird.

Der VSZ rech­net nicht nur mit der nied­rigs­ten Zucker­rü­ben­men­ge seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung. Beson­ders dras­tisch ist, dass gerin­ge Nie­der­schlä­ge die Situa­ti­on sogar noch ver­schlech­tern kön­nen. Die Rüben wer­den die­sen Regen dann allein für ihre Rege­ne­ra­ti­on nut­zen und den bereits gebil­de­ten Zucker zum Wachs­tum neu­er Blät­ter ver­wen­den. Selbst ergie­bi­ge Nie­der­schlä­ge wer­den in den kom­men­den Wochen erwar­te­te Ern­te­ver­lus­te nicht mehr aus­glei­chen kön­nen.

Die Kom­bi­na­ti­on aus extre­mer Tro­cken­heit, lang anhal­ten­den Hit­ze­wel­len sowie außer­ge­wöhn­lich hohem Krank­heits- und Schäd­lings­druck stellt die süd­deut­schen Rüben­an­bau­er vor eine noch nie gese­he­ne Belas­tungs­pro­be.
Dr. Ste­fan Streng, Vor­sit­zen­der des Ver­bands Süd­deut­scher Zucker­rü­ben­an­bau­er: „Vie­le unse­rer Anbau­er erle­ben einen Alp­traum aus Dür­re, Hit­ze und Krank­hei­ten. Die Ern­te­ver­lus­te sind in vie­len Regio­nen bereits ein­ge­tre­ten. 2026 droht als eines der schwie­rigs­ten und bit­ters­ten Rüben­jah­re in die Geschich­te des süd­deut­schen Zucker­rü­ben­an­baus ein­zu­ge­hen. Selbst stei­gen­de Zucker­prei­se kön­nen die Ver­lus­te nicht mehr aus­glei­chen.“

Bild­un­ter­schrift: Die Hit­ze­wel­le und feh­len­de Nie­der­schlä­ge las­sen die Zucker­rü­ben­pflan­zen zusam­men­bre­chen – das macht sie zudem anfäl­li­ger für Krank­hei­ten. Den aktu­el­len Regen nutzt die Pflan­ze für ihre Rege­ne­ra­ti­on und ver­wen­det bereits gebil­de­ten Zucker zum Wachs­tum neu­er Blatt­mas­se. Die dras­ti­schen Ern­te­ver­lus­te kön­nen also nicht mehr aus­ge­gli­chen wer­den.
Im Ver­gleich dazu das Bild eines kräf­tig ent­wi­ckel­ten Zucker­rü­ben­felds zur unge­fähr sel­ben Zeit im ver­gan­ge­nen Jahr. Foto: Dr. Chris­ti­an Lang, Dr. Julia Wieß­ner

ÜBER DEN VSZ

Der Ver­band Süd­deut­scher Zucker­rü­ben­an­bau­er e. V. (VSZ) ist der Dach­ver­band von sie­ben regio­na­len Zucker­rü­ben­an­bau­er­ver­bän­den in Süd­deutsch­land. Er ver­tritt die Inter­es­sen von knapp 10.000 Rüben­an­bau­ern, die auf rund 100.000 Hekt­ar Zucker­rü­ben anbau­en und sie­ben Zucker­fa­bri­ken belie­fern. Zu den zen­tra­len Auf­ga­ben des 1920 gegrün­de­ten Ver­bands gehö­ren die För­de­rung des Zucker­rü­ben­an­baus, die Ver­tre­tung der Anbau­er gegen­über Poli­tik, Wirt­schaft und Öffent­lich­keit sowie die Aus­hand­lung von Rüben­lie­fer­ver­trä­gen mit der Zucker­in­dus­trie. Dar­über hin­aus stärkt der VSZ die Zusam­men­ar­beit der regio­na­len Ver­bän­de und gibt mit der dzz – die Zucker­rü­ben­zei­tung das Fach­me­di­um für den süd­deut­schen Zucker­rü­ben­an­bau her­aus.