Gunzenhausen — Vergangenen Samstag wurde der Gunzenhäuser Klimaplatz offiziell eingeweiht. Die grüne Oase im Herzen der Altmühlstadt soll an heißen Tagen für Abkühlung sorgen. Ein Brunnen mit ansprechendem Wasserlauf, dazu satt-grüne Rasenflächen und zahlreiche Blumen, Sträucher und Bäume – der von Landschaftsarchitektin Lucia Ermisch gestaltete Platz fügt sich optisch wunderbar ins urbane Umfeld ein. Der hierfür benötigten Fläche weichen musste vor allem versiegelter Boden, aus 640 m² sind 241 m² geworden. Dazu wurden Wege neu und nachhaltig angelegt, natürlich wasserdurchlässig.
Nun also die Einweihung, welche mit einem bunten Rahmenprogramm gefeiert wurde. Den attraktiven Ort auf seinen Erholungscharakter zu reduzieren, wird der Sache jedoch nicht gerecht. Vielmehr soll nicht vergessen werden, dass dort, wo heute das Wasser sprudelt und sich Menschen im Schatten aufhalten, einst eine Synagoge stand. Gunzenhausen möchte hieran und an das jüdische Stadtleben insgesamt erinnern. Aus diesem Grund wurde im Rahmen der Eröffnungsfier zusätzlich eine Bronzeplastik der Mörsacher Künstlerin Elke Zimmermann enthüllt.
„Mit dem Klimaplatz haben wir einerseits einen wichtigen Erholungsraum geschaffen und Grün ins Herz der Stadt gebracht“, so Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. „Andererseits möchten wir hier zum Nachdenken anregen und eine Botschaft an alle Menschen senden: Vergesst das Geschehene nicht, sprecht miteinander und sucht den Dialog. Auch in Gunzenhausen wurden jüdische Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus entrechtet, verfolgt und ermordet. Wir können die Vergangenheit nicht ändern, doch dafür sorgen, dass sie sich nicht wiederholt. Die Skulptur erinnert und steht gleichzeitig für Versöhnung und Verständigung.“
Die Bronzefigur ist das Ebenbild des 1923 geborenen Gunzenhäuser Jugendlichen Werner Dottenheimer. Mit 19 Jahren wurde er im Konzentrationslager Majdanek von den Nazis ermordet. Bei der Gestaltung hat sich Künstlerin Elke Zimmermann an einer alten Fotografie orientiert.
Auch dem Freistaat Bayern ist das Thema „Aufarbeitung und Versöhnung“ wichtig. So nahmen neben dem bayerischen Antisemitismus-Beauftragten Ludwig Spaenle auch die beiden Landtagsabgeordneten Helmut Schnotz (CSU) und Wolfgang Hauber (FW) an der Einweihungsfeier teil. Per Videoschalte konnten außerdem die über die ganze Welt verstreuten Nachkommen ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger Gunzenhausens an der Enthüllung visuell teilhaben. Die Amerikanerinnen Rachel Tamari und Faye Dottheim-Brooks schickten im Vorfeld zudem Audio-Grußbotschaften nach Mittelfranken, die vor Ort eingespielt wurden.
Schon Monate zuvor wurden auf dem Gunzenhäuser Klimaplatz zahlreiche Steine integriert, die vor Jahrzehnten in einem örtlichen jüdischen Gebäude verbaut waren. Diese bewahren als steinerne Zeugen Geschichte und verwandeln die grüne Oase auch in eine Plattform für Erinnerungskultur.
Nun klingt es ja fast so, als wäre die Einweihung des Klimaplatzes eine traurige Veranstaltung gewesen. Doch ganz im Gegenteil blickt die Stadt Gunzenhausen nach vorne, und zwar gemeinsam mit den jüdischen Nachkommen. „Wir haben die Enthüllung bewusst inmitten des bunten Rahmenprogramms platziert“, erklärt Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. „Wir möchten Zukunft ermöglichen und wo geht das besser als auf einem Klimaplatz?!“
Die Feierlichkeiten begannen um 10 Uhr mit Stimmungsmusik der Band „Auf Zack!“. Die vier Herren aus Franken und der Oberpfalz heizten dem Publikum ordentlich ein und so gab es die ein oder andere spontane Tanzeinlage zu bewundern. Wer hiervon Abkühlung brauchte, der „rettete“ sich zu einem der Informationsangeboten, beispielsweise zu den Infotafeln der UNESCO zum Klimawandel, der Kräuterpädagogin Eva Rodewald oder zum Klimazug des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Auf dem Platz selbst sorgten derweil zwei farbenfrohe Stelzenläuferinnen und der Pantomime bzw. Comedy-Gärtner PAN für strahlende Gesichter, nicht nur bei den Kindern. „Es war für jeden was dabei, dazu hat uns Petrus mit wundervollem, sonnigem Wetter beschenkt“, freute sich Organisator Wolfgang Eckerlein, der gleichzeitig Gunzenhausens Touristik-Chef ist. „Der Klimaplatz hat eindrucksvoll bewiesen, was er für die Menschen sein kann. Ein Ort des Miteinanders, an dem sich erinnert werden kann aber auch das Leben gefeiert werden soll.“ Nähere Informationen zum Gunzenhäuser Klimaplatz erhalten Sie unter www.gunzenhausen.info. Die Künstlerin Elke Zimmermann ist online unter www.kunstatelier-zimmermann.de zu finden.
Fotocredit: Stadt Gunzenhausen/Manuel Grosser Bildunterschrift: Auf Bild sind Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz und die Künstlerin Elke Zimmermann vor der Bronzeplastik zu sehen. Foto: Stadt Gunzenhausen/ Manuel Grosser


