Stadt Gunzenhausen — Klimaplatz wurde eingeweiht

von | 29. April 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen — Ver­gan­ge­nen Sams­tag wur­de der Gun­zen­häu­ser Kli­ma­platz offi­zi­ell ein­ge­weiht. Die grü­ne Oase im Her­zen der Alt­mühl­stadt soll an hei­ßen Tagen für Abküh­lung sor­gen. Ein Brun­nen mit anspre­chen­dem Was­ser­lauf, dazu satt-grü­ne Rasen­flä­chen und zahl­rei­che Blu­men, Sträu­cher und Bäu­me – der von Land­schafts­ar­chi­tek­tin Lucia Ermisch gestal­te­te Platz fügt sich optisch wun­der­bar ins urba­ne Umfeld ein. Der hier­für benö­tig­ten Flä­che wei­chen muss­te vor allem ver­sie­gel­ter Boden, aus 640 m² sind 241 m² gewor­den. Dazu wur­den Wege neu und nach­hal­tig ange­legt, natür­lich was­ser­durch­läs­sig.

Nun also die Ein­wei­hung, wel­che mit einem bun­ten Rah­men­pro­gramm gefei­ert wur­de. Den attrak­ti­ven Ort auf sei­nen Erho­lungs­cha­rak­ter zu redu­zie­ren, wird der Sache jedoch nicht gerecht. Viel­mehr soll nicht ver­ges­sen wer­den, dass dort, wo heu­te das Was­ser spru­delt und sich Men­schen im Schat­ten auf­hal­ten, einst eine Syn­ago­ge stand. Gun­zen­hau­sen möch­te hier­an und an das jüdi­sche Stadt­le­ben ins­ge­samt erin­nern. Aus die­sem Grund wur­de im Rah­men der Eröff­nungs­fier zusätz­lich eine Bron­ze­plas­tik der Mör­sa­cher Künst­le­rin Elke Zim­mer­mann ent­hüllt. 

„Mit dem Kli­ma­platz haben wir einer­seits einen wich­ti­gen Erho­lungs­raum geschaf­fen und Grün ins Herz der Stadt gebracht“, so Ers­ter Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz. „Ande­rer­seits möch­ten wir hier zum Nach­den­ken anre­gen und eine Bot­schaft an alle Men­schen sen­den: Ver­gesst das Gesche­he­ne nicht, sprecht mit­ein­an­der und sucht den Dia­log. Auch in Gun­zen­hau­sen wur­den jüdi­sche Men­schen wäh­rend der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus ent­rech­tet, ver­folgt und ermor­det. Wir kön­nen die Ver­gan­gen­heit nicht ändern, doch dafür sor­gen, dass sie sich nicht wie­der­holt. Die Skulp­tur erin­nert und steht gleich­zei­tig für Ver­söh­nung und Ver­stän­di­gung.“

Die Bron­ze­fi­gur ist das Eben­bild des 1923 gebo­re­nen Gun­zen­häu­ser Jugend­li­chen Wer­ner Dot­ten­hei­mer. Mit 19 Jah­ren wur­de er im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Maj­da­nek von den Nazis ermor­det. Bei der Gestal­tung hat sich Künst­le­rin Elke Zim­mer­mann an einer alten Foto­gra­fie ori­en­tiert.

Auch dem Frei­staat Bay­ern ist das The­ma „Auf­ar­bei­tung und Ver­söh­nung“ wich­tig. So nah­men neben dem baye­ri­schen Anti­se­mi­tis­mus-Beauf­trag­ten Lud­wig Spaen­le auch die bei­den Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Hel­mut Schnotz (CSU) und Wolf­gang Hau­ber (FW) an der Ein­wei­hungs­fei­er teil. Per Video­schal­te konn­ten außer­dem die über die gan­ze Welt ver­streu­ten Nach­kom­men ehe­ma­li­ger jüdi­scher Bür­ge­rin­nen und Bür­ger Gun­zen­hau­sens an der Ent­hül­lung visu­ell teil­ha­ben. Die Ame­ri­ka­ne­rin­nen Rachel Tama­ri und Faye Dott­heim-Brooks schick­ten im Vor­feld zudem Audio-Gruß­bot­schaf­ten nach Mit­tel­fran­ken, die vor Ort ein­ge­spielt wur­den.

Schon Mona­te zuvor wur­den auf dem Gun­zen­häu­ser Kli­ma­platz zahl­rei­che Stei­ne inte­griert, die vor Jahr­zehn­ten in einem ört­li­chen jüdi­schen Gebäu­de ver­baut waren. Die­se bewah­ren als stei­ner­ne Zeu­gen Geschich­te und ver­wan­deln die grü­ne Oase auch in eine Platt­form für Erin­ne­rungs­kul­tur.

Nun klingt es ja fast so, als wäre die Ein­wei­hung des Kli­ma­plat­zes eine trau­ri­ge Ver­an­stal­tung gewe­sen. Doch ganz im Gegen­teil blickt die Stadt Gun­zen­hau­sen nach vor­ne, und zwar gemein­sam mit den jüdi­schen Nach­kom­men. „Wir haben die Ent­hül­lung bewusst inmit­ten des bun­ten Rah­men­pro­gramms plat­ziert“, erklärt Ers­ter Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz. „Wir möch­ten Zukunft ermög­li­chen und wo geht das bes­ser als auf einem Kli­ma­platz?!“

Die Fei­er­lich­kei­ten began­nen um 10 Uhr mit Stim­mungs­mu­sik der Band „Auf Zack!“. Die vier Her­ren aus Fran­ken und der Ober­pfalz heiz­ten dem Publi­kum ordent­lich ein und so gab es die ein oder ande­re spon­ta­ne Tanz­ein­la­ge zu bewun­dern. Wer hier­von Abküh­lung brauch­te, der „ret­te­te“ sich zu einem der Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­ten, bei­spiels­wei­se zu den Info­ta­feln der UNESCO zum Kli­ma­wan­del, der Kräu­ter­päd­ago­gin Eva Rode­wald oder zum Kli­ma­zug des Amts für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten. Auf dem Platz selbst sorg­ten der­weil zwei far­ben­fro­he Stel­zen­läu­fe­rin­nen und der Pan­to­mi­me bzw. Come­dy-Gärt­ner PAN für strah­len­de Gesich­ter, nicht nur bei den Kin­dern. „Es war für jeden was dabei, dazu hat uns Petrus mit wun­der­vol­lem, son­ni­gem Wet­ter beschenkt“, freu­te sich Orga­ni­sa­tor Wolf­gang Ecker­lein, der gleich­zei­tig Gun­zen­hau­sens Tou­ris­tik-Chef ist. „Der Kli­ma­platz hat ein­drucks­voll bewie­sen, was er für die Men­schen sein kann. Ein Ort des Mit­ein­an­ders, an dem sich erin­nert wer­den kann aber auch das Leben gefei­ert wer­den soll.“ Nähe­re Infor­ma­tio­nen zum Gun­zen­häu­ser Kli­ma­platz erhal­ten Sie unter www.gunzenhausen.info. Die Künst­le­rin Elke Zim­mer­mann ist online unter www.kunstatelier-zimmermann.de zu fin­den. 

Foto­credit: Stadt Gunzenhausen/Manuel Gros­ser Bild­un­ter­schrift: Auf Bild sind Ers­ter Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz und die Künst­le­rin Elke Zim­mer­mann vor der Bron­ze­plas­tik zu sehen. Foto: Stadt Gunzenhausen/ Manu­el Gros­ser