Stellungnahme zur Kritik an der Informationspolitik des Landrats zum Projekt chance.natur

von | 14. Februar 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Alt­mühl­fran­ken (red). In den ver­gan­ge­nen Tagen wur­de Land­rat Manu­el West­phal eine schlech­te Infor­ma­ti­ons­po­li­tik bezüg­lich des Pro­jekts chance.natur Lebens­raum Mit­tel­frän­ki­sches Alt­mühl­tal unter­stellt. Das Gegen­teil ist dabei aller­dings der Fall, denn Land­rat West­phal hat in den ver­gan­ge­nen Mona­ten immer wie­der auf eine trans­pa­ren­te Dis­kus­si­on mit den betrof­fe­nen Akteurs­grup­pen gedrängt und mehr Infor­ma­tio­nen ein­ge­for­dert. Dies wird sei­tens des Land­rats­am­tes Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen mit den nach­fol­gen­den Fak­ten unter­legt.

Land­rat Manu­el West­phal hat als Ver­tre­ter des Trä­gers Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen den Pfle­ge- und Ent­wick­lungs­plan (PEPL) nach einer ers­ten rudi­men­tä­ren Vor­stel­lung wäh­rend einer Trä­ger­ver­samm­lung Anfang des Jah­res 2023 zum ers­ten Mal im März 2023 als Doku­ment zur Frei­ga­be erhal­ten. Im Zuge der Über­prü­fung die­ses ers­ten Pla­nungs­ent­wurfs sind dabei umfas­sen­de fach­li­che Defi­zi­te und Feh­ler zu Tage getre­ten, die in Abstim­mung mit Fach­be­hör­den und Fach­ver­bän­den in den Fol­ge­mo­na­ten erst noch berei­nigt wer­den muss­ten. In Rück­spra­che mit den ande­ren Trä­gern und dem Pro­jekt­bü­ro wur­den bis Ende Sep­tem­ber 2023 der PEPL mehr­mals über­ar­bei­tet und ent­spre­chen­de inhalt­li­che Nach­bes­se­run­gen vor­ge­nom­men. Dabei wur­de ins­be­son­de­re auch der Baye­ri­sche Bau­ern­ver­band ein­ge­bun­den. Auch hier war es letzt­lich Land­rat Manu­el West­phal, der die Her­aus­ga­be des PEPL-Ent­wur­fes an die Ver­bän­de for­der­te, was zunächst nicht geschah.

Im Zuge der teil­wei­sen Berei­ni­gung fach­li­cher Unstim­mig­kei­ten im PEPL offen­bar­ten sich wäh­rend des ver­gan­ge­nen Jah­res im wei­te­ren Ver­lauf des Abstim­mungs­pro­zes­ses zum Pfle­ge- und Ent­wick­lungs­plan eine Rei­he von unge­lös­ten Ziel- und Inter­es­sens­kon­flik­ten durch den PEPL. Ins­be­son­de­re wur­de auch deut­lich, dass wich­ti­ge Inter­es­sens­grup­pen bei der Erstel­lung des kon­kre­ten Maß­nah­men­kon­zep­tes nicht aus­rei­chend invol­viert wur­den. Dies wur­de dann auf Druck von Land­rat Manu­el West­phal in Bezug auf die Land­wir­te und die Jäger im Som­mer 2023 vom Pro­jekt­bü­ro mit der Durch­füh­rung meh­re­rer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen zum Teil ver­sucht nach­zu­ho­len.

Bedau­er­li­cher­wei­se wur­de der PEPL von Sei­ten des Pro­jekt­bü­ros dann aber erst im Novem­ber 2023 auf der pro­jek­tei­ge­nen Home­page ver­öf­fent­licht und damit den ein­schlä­gi­gen Akteurs­grup­pen an der Basis aus der Land­wirt­schaft, dem Jagd- und Fische­rei­we­sen sowie der brei­ten Öffent­lich­keit ins­ge­samt zugäng­lich gemacht.

Mit der Ver­öf­fent­li­chung des PEPL tra­ten bei den maß­geb­li­chen Land­nut­zern an der Basis (Land­wir­te, Jäger, Fischer) immer mehr Ziel- und Inter­es­sens­kon­flik­te auf. Land­rat West­phal hat die­se Defi­zi­te gegen­über dem Pro­jekt­bü­ro und den wei­te­ren betei­lig­ten Pro­jekt­trä­gern deut­lich ange­spro­chen und kon­struk­ti­ve Vor­schlä­ge ein­ge­bracht, wie die auf­ge­tre­te­nen Pro­ble­me sowie die bestehen­den Kon­flik­te noch ziel­ori­en­tiert im Sin­ne eines Inter­es­sens­aus­gleichs ange­gan­gen wer­den kön­nen. Nach­dem eine exter­ne neu­tra­le Mode­ra­ti­on zur Lösung die­ser Kon­flik­te, aber auch ein Run­der Tisch oder eine Ver­län­ge­rung der Pla­nungs­pha­se des Pro­jekts von den ande­ren Trä­gern und den För­der­ge­bern im ver­gan­ge­nen Jahr abge­lehnt wur­de, hat Land­rat Manu­el West­phal den fach­über­grei­fen­den Run­den Tisch für den Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen mit einem neu­tra­len Mode­ra­tor initi­iert, der Anfang Janu­ar statt­ge­fun­den hat.

Zu die­sem Run­den Tisch waren neben dem Pro­jekt­bü­ro auch Ver­tre­ter der Jagd­ver­ei­ne, Revier­päch­ter, Funk­tio­nä­re des Baye­ri­schen Bau­ern­ver­bands, die für das Pro­jekt gewähl­ten Land­wir­te­spre­cher des Land­krei­ses, Ver­tre­ter der Fische­rei­ver­ei­ne und der Fische­rei­ver­bän­de, des Lan­des­bunds für Vogel­schutz sowie des Land­schafts­pfle­ge­ver­bands ein­ge­la­den, zudem auch das Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach, das AELF Roth-Wei­ßen­burg i. Bay., die betrof­fe­nen Bür­ger­meis­ter aus Treucht­lin­gen, Markt Berolz­heim, Ale­sheim, Thei­len­ho­fen, Gun­zen­hau­sen und Muhr am See sowie die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den des Kreis­tags. Der Run­de Tisch fuß­te also auf einer brei­ten fach­über­grei­fen­den Betei­li­gung. Die Kon­flik­te, die Jäger, Land­wir­te und die Fische­rei in den Maß­nah­men des PEPL sehen, wur­den wäh­rend der Ver­an­stal­tung mit den Ver­tre­tern des Pro­jekt­bü­ros deut­lich ange­spro­chen.

Der Lei­ter des Was­ser­wirt­schafts­am­tes Tho­mas Kel­ler ging in sei­nem Vor­trag zunächst auf mög­li­chen Syn­er­gien des Pro­jekts mit was­ser­wirt­schaft­li­chen Ziel­set­zun­gen zur Ver­bes­se­rung des Land­schafts­was­ser­haus­halts ein. Er beton­te aber zugleich, dass die Umset­zung nicht zu Las­ten des Lebens­raums Alt­mühl gehen darf. In Zei­ten des Kli­ma­wan­dels mit län­ge­ren und hei­ße­ren Tro­cken­pe­ri­oden ist ein ufer­be­glei­ten­der Bewuchs als Schat­ten­spen­der und Lebens­raum für Fische und sons­ti­ge Was­ser­be­woh­ner von immenser Bedeu­tung. Zudem brem­sen Gehöl­ze und Hecken den Was­ser­ab­fluss und hel­fen, das Mikro­kli­ma zu ver­bes­sern.

Dass der Run­de Tisch mei­nungs­bil­dend für alle Betei­lig­ten sein soll­te und auf einen Inter­es­sens­aus­gleich abziel­te, zeig­te auch die Vor­stel­lung eines ande­ren Natur­schutz­groß­pro­jekts zwi­schen Bay­ern und Thü­rin­gen. Ein Ver­tre­ter der dor­ti­gen Land­wir­te zeig­te wäh­rend sei­nes Vor­trags Mög­lich­kei­ten zur Rea­li­sie­rung eines Inter­es­sens­aus­gleichs sowie zur Kon­flikt­lö­sung auf. Dabei wur­de aber eben auch deut­lich, dass eine wei­te­re Über­gangs­pha­se not­wen­dig ist, um die vor­han­de­nen Kon­flik­te zu lösen. Im vor­ge­stell­ten Natur­schutz­groß­pro­jekt wur­de eine sol­che Pha­se genutzt, um einen Inter­es­sens­aus­gleich zu errei­chen.

Die Pres­se­mit­tei­lung, die nach dem Run­den Tisch sei­tens des Land­rats­am­tes ver­schickt wur­de und in den ver­gan­ge­nen Tagen eben­falls kri­ti­siert wur­de, soll­te dar­stel­len, dass die Ver­an­stal­tung die Kri­tik­punk­te der Betrof­fe­nen noch­mal deut­li­cher ans Licht gebracht hat. Dem Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach war es dabei wich­tig, dass die o.g. Hin­wei­se aus dem Bereich der Was­ser­wirt­schaft kon­kret mit auf­ge­nom­men wer­den. Dies erfolg­te in Abstim­mung mit dem Lei­ter des Was­ser­wirt­schafts­am­tes. Der wei­te­re Fahr­plan bis zu den fina­len Bera­tun­gen und Beschluss­fas­sun­gen in den Kreis­gre­mi­en wur­de in der Pres­se­mit­tei­lung eben­falls auf­ge­zeigt.

Bis Ende Janu­ar hat­ten die betrof­fe­nen Ver­bän­de nun Zeit, ihre offe­nen Fra­gen, For­de­run­gen und Kri­tik­punk­te dem Land­rat mit­zu­tei­len, der die­se Punk­te und The­men zur Klä­rung und Ein­ar­bei­tung in mög­li­che Umset­zungs­leit­fä­den an das Pro­jekt­bü­ro wei­ter­ge­ge­ben hat. Dabei müs­sen grund­le­gen­de For­de­run­gen der Betrof­fe­nen berück­sich­tigt wer­den, die in der Umset­zungs­pha­se des Pro­jekts bei Pla­nung, Umset­zung und Siche­rung von Maß­nah­men zur Anwen­dung kom­men sol­len, um Kon­flik­te zu ver­mei­den. Das Vor­ge­hen zeigt letzt­lich auch, dass der gesam­te Pro­zess auch im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen wei­ter­hin ergeb­nis­of­fen ver­läuft. Auch den Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den des Kreis­ta­ges wur­den die­se Stel­lung­nah­men zuge­lei­tet, damit sich die Frak­tio­nen eine eige­ne Mei­nung zu den For­de­run­gen und letzt­lich dem Gesamt­pro­jekt bil­den kön­nen.

Umfas­sen­de Infor­ma­ti­on sei­tens des Land­rats­am­tes

Es wird also deut­lich, dass Land­rat Manu­el West­phal sehr wohl eine trans­pa­ren­te Infor­ma­ti­ons­po­li­tik gegen­über den Betrof­fe­nen bezüg­lich des Pro­jekts ver­folgt und hier auch vie­le Nach­bes­se­run­gen ange­strebt hat, die im bis­he­ri­gen Pro­jekt­ver­lauf nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt wur­den.

Im ver­gan­ge­nen Jahr sind die Defi­zi­te im bis­he­ri­gen Pro­zess immer stär­ker offen­kun­dig gewor­den, ins­be­son­de­re bei der Betei­li­gung der Akteu­re an der Basis aus Land­wirt­schaft, Jagd und Fische­rei, bei der Aus­wahl der Flä­chen­ku­lis­se für das Pro­jekt sowie bei der Maß­nah­men­ent­wick­lung. Die­se Kon­flik­te sind aus der Sicht von Land­rat West­phal nicht ohne Wei­te­res lös­bar, da sich die Kri­ti­ker des Pro­jekts nicht leicht­fer­tig mit Beschwich­ti­gungs­for­meln abspei­sen las­sen (Bsp.: „Maß­nah­men­pla­nung ist nicht flä­chen­scharf bzw. ist noch unver­bind­lich“; „Detail­pla­nung wird erst in der Pro­jekt­pha­se II in Abspra­che mit den Eigen­tü­mern und Flä­chen­be­wirt­schaf­tern erfol­gen“). „Für mich ist bei dem Pro­jekt abso­lut von Bedeu­tung, dass gera­de die Nut­zer eng mit ein­ge­bun­den wer­den und mit dem Pro­jekt ins­ge­samt ein­ver­stan­den sind. Das habe ich im ver­gan­ge­nen Jahr immer wie­der gefor­dert! Nur mit den Akteu­ren, die die Maß­nah­men spä­ter mal beglei­ten oder umset­zen sol­len, kann solch ein Pro­jekt gelin­gen! Natur­schutz ist wich­tig, kann aber nur gemein­sam mit den Betrof­fe­nen umge­setzt wer­den“, betont Land­rat Manu­el West­phal.

Außer­dem ist auch der Vor­wurf, die „Geg­ner“ des Pro­jekts im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sei­en im Ver­gleich zu den Akteurs­grup­pen im Land­kreis Ans­bach schlicht­weg schlecht infor­miert (wor­den), anhand der dar­ge­leg­ten Infor­ma­ti­ons­po­li­tik sei­tens des hie­si­gen Land­krei­ses in den ver­gan­ge­nen Mona­ten kei­nes­wegs halt­bar. Die Betrof­fe­nen im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen wur­den im Rah­men der Mög­lich­kei­ten durch das Land­rats­amt ins­be­son­de­re wäh­rend des Run­den Tisches infor­miert und hat­ten die Mög­lich­keit Stel­lung zum Pro­jekt zu bezie­hen.

Auch die Kreis­tags­mit­glie­der beka­men fort­lau­fend Infor­ma­tio­nen. Im Umwelt­aus­schuss des Land­krei­ses stand das Pro­jekt z.B. mit einem Vor-Ort-Ter­min im Wies­met im Jahr 2020 oder mit aktu­el­len Sach­stands­be­rich­ten zum lau­fen­den Pla­nungs­pro­zess im Mai 2022 sowie im Novem­ber 2023 auf der Tages­ord­nung.

Bereits im Juli 2023 wur­den die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den bei einer Bespre­chung über die mit dem Pro­jekt ver­bun­de­nen Pro­ble­me und auch über die zwi­schen­zeit­lich auf­ge­tre­te­nen Kon­flik­te infor­miert. Die zuge­hö­ri­gen Prä­sen­ta­tio­nen wur­den im Nach­gang auch an alle Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den ver­schickt, so dass nach Mög­lich­keit auch Frak­tio­nen, die zu die­sem Punkt nicht/nicht mehr anwe­send waren, dazu infor­mie­ren konn­ten.

Wäh­rend einer wei­te­ren Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den­be­spre­chung im Novem­ber 2023, zu der auch die gewähl­ten Land­wir­te­spre­cher aus dem Land­kreis ein­ge­la­den waren und dazu Stel­lung neh­men konn­ten, wur­de das Pro­jekt erneut the­ma­ti­siert sowie Ziel- und Inter­es­sens­kon­flik­te mit der Land­wirt­schaft inten­siv dis­ku­tiert. Es wur­de auch auf den PEPL und des­sen Ver­öf­fent­li­chung durch das Pro­jekt­bü­ro hin­ge­wie­sen. Beim Run­den Tisch am 11. Janu­ar 2024 waren, wie bereits erwähnt, die Vor­sit­zen­den aller Frak­tio­nen eben­falls ein­ge­la­den und konn­ten sich einen eige­nen Ein­druck ver­schaf­fen. Bis­lang wur­den auch durch kei­ne Frak­ti­on gegen­über dem Land­rat wei­te­re Infor­ma­tio­nen ein­ge­for­dert, wes­we­gen nicht nach­voll­zieh­bar ist, wes­halb man nun eine unzu­rei­chen­de Infor­ma­ti­on bemän­gelt.