Stilvermengungen — Skulpturen, Holzschnitte, Objekte, Bilder, Radierungen

von | 26. Juli 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

Ver­nis­sa­ge in der Städ­ti­schen Gale­rie in Pap­pen­heim

Pap­pen­heim (red). Am zwei­ten Sonn­tag­vor­mit­tag im Juli herrsch­te gro­ßer Andrang in der Städ­ti­schen Gale­rie in
Pap­pen­heim bei der Eröff­nung der Aus­stel­lung „Zeit­ebe­nen ver­men­gen sich“, bis auf die Klos­ter­stra­ße stau­te sich das Publi­kum.

Das war einer­seits sicher­lich den bei­den Künst­lern Fabio­la Diehl und Rudolf Schleuß­in­ger geschul­det, die in der Stadt und in der Regi­on als Kunst­schaf­fen­de bes­tens bekannt sind – ande­rer­seits wohl auch, weil sich der befreun­de­te Kul­tur­ver­ein aus Mar­gets­höch­heim bei Würz­burg zur Ver­nis­sa­ge ein­fand. Und wer zumin­dest noch einen Steh­platz fand, wur­de durch die Aus­füh­run­gen der bei­den Lau­da­to­ren infor­miert, dass hier ein wei­te­rer Künst­ler aus­stellt, der aller­dings schon vor 50 Jah­ren gestor­ben ist – Franz Maria Diehl, der Groß­va­ter von Fabio­la Diehl. Von daher wird dann auch der Titel deut­li­cher – die Kunst aus der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts wird mit Kunst aus der ers­ten Hälf­te des 21. Jahr­hun­derts neben­ein­an­der in drei Räu­men gezeigt und in der Aus­stel­lung also „ver­mengt“. Und das macht auch den Besuch der Städ­ti­schen Gale­rie in Pap­pen­heim so loh­nens­wert: Neben den expres­si­ven und kla­ren Holz­schnit­ten,
Zeich­nun­gen und klein­for­ma­ti­gen Bil­dern Franz Diehls, den fei­nen Arbei­ten Fabio­la Diehls ste­hen Skulp­tu­ren Rudolf Schleuß­in­gers, kräf­tig und aus­drucks­stark, aber eben drei­di­men­sio­nal, dazu sei­ne Radie­run­gen, die eben­falls das gra­fi­sche Ele­ment beto­nen.

In das künst­le­ri­sche Werk Rudolf Schleuß­in­gers führ­te Rena­te Bärn­thol, selbst Künst­le­rin, ein, die beton­te, wel­che zen­tra­le Bedeu­tung das hand­werk­li­che Kön­nen bei der Her­stel­lung von Radie­run­gen und Bron­ze­skulp­tu­ren hat. Rudolf Schleuß­in­ger, 1949 in Wei­ßen­burg gebo­ren, Auto­di­dakt, kam durch Zufall zur Tech­nik der Radie­rung. Die dabei ent­ste­hen­den star­ken Kon­tras­te beschäf­ti­gen ihn, Grau­stu­fun­gen sind dabei nur ein­ge­schränkt mög­lich, mit wei­te­ren Far­ben wird es immer kom­pli­zier­ter und Kor­rek­tur­mög­lich­kei­ten sind äußerst begrenzt, die gesetz­ten Stri­che müs­sen stim­men. Eine Radie­rung zeigt beim Arbei­ten dem Künst­ler immer nur ein indi­rek­tes Bild, erst der ers­te Andruck offen­bart das eigent­li­che Werk.

Die­se nicht völ­li­ge Beherrsch­bar­keit übt einen beson­de­ren Reiz aus, es bleibt Raum für Phan­ta­sie und Geheim­nis – so Rena­te Bärn­thol. Par­al­lel zur Arbeit mit Metall und Säu­re wid­met sich Rudolf Schleuß­in­ger zusätz­lich dem Bron­ze­guss, der bei ihm mensch­li­che Gestal­ten bzw. die Bezie­hung der Figu­ren zuein­an­der ver­in­ner­licht. Die Bestän­dig­keit die­ses
edlen Metalls ist für ihn von gro­ßer Bedeu­tung, die Dau­er­haf­tig­keit des Mate­ri­als ist ein wesent­li­cher Teil des Aus­drucks. Nicht allein die Schaf­fung der Ton­form ist ein künst­le­ri­scher Pro­zess, son­dern nach dem Guss begin­nen die Fein­ar­bei­ten mit Nach­schlei­fen, Polie­ren, Tren­nen und Pati­nie­ren, bis das gewünsch­te Objekt ent­steht.

Uwe Graf hat es über­nom­men, den hier in Pap­pen­heim bis­her wohl eher unbe­kann­ten Künst­ler Franz Diehl, gebo­ren 1895, vor­zu­stel­len und in sein Oeu­vre ein­zu­füh­ren. Er soll als Jugend­li­cher am Buch­ein­band zu Was­si­liy Kan­din­skis 1912 erschie­nen Buch „Klän­ge“ mit­ge­wirkt haben, wie die Fami­li­en­sa­ga weiß. Als Künst­ler ist Franz Diehl Auto­di­dakt,
den­noch wird er spä­ter Mit­glied der „Neu­en Künst­ler Ver­ei­ni­gung Mün­chen“. Neben Land­schaf­ten und Orts­bil­dern ist Schwer­punkt sei­ner vie­len Holz­schnit­te und Gra­fi­ken die Fra­ge nach Leben und Tod. Dass er in der Mit­te des 20. Jahr­hun­derts durch­aus als aner­kann­ter Künst­ler gel­ten kann, zei­gen die Ankäu­fe meh­re­rer Blät­ter durch das
renom­mier­te Len­bach­haus in Mün­chen.

Fabio­la Diehl „ver­mengt“ nun bei­de Kunst­rich­tun­gen: Sie arbei­tet ger­ne „teil­plas­tisch“ und schafft so neue Erleb­nis­wel­ten mit ihren run­den, gleich­zei­tig gebro­che­nen Grund­for­men als Sinn­bild für das den­noch Unvoll­kom­me­ne, der Dua­li­tät und Wider­sprüch­lich­keit. Neben ihren reli­ef­ar­ti­gen Rund­for­men bringt sie in die Aus­stel­lung klei­ne Skulp­tu­ren hin­ter Glas ein, dazu eine Instal­la­ti­on als Anspie­lung an die Ver­gäng­lich­keit. 1963 in Mün­chen gebo­ren, lernt sie zuerst die Buch­bin­de­rei und bringt es dort zur Meis­ter­schaft. Gleich­zei­tig wid­met sie sich dem künst­le­ri­schen Gestal­ten, geprägt von – natür­lich – Papier, dann Acryl und Gips. Mit dem Umzug nach Pap­pen­heim ist ihr Leben in Bewe­gung gekom­men, es beginnt eine neue Schaf­fens­pe­ri­ode, sie hat sich eman­zi­piert und ver­än­dert auch ihre Arbei­ten. „Fabio­la Diehl nimmt Aus­schnit­te der rea­len Natur auf, ver­bin­det Fund­stü­cke des Weges, von Dach­bö­den und Kel­lern mit ihren bevor­zug­ten Mate­ria­li­en Papier und Gold. Alles was ihr begeg­net, fließt in ihre Objek­te ein“, so Uwe Graf als ihr Lau­da­tor bei der Ver­nis­sa­ge.

Unter­malt mit pas­sen­der Musik wur­de die Ver­nis­sa­ge von Loes Snij­der – sie ist nicht nurei­ne be gna­de­te Sän­ge­rin, son­dern ist über Umwe­ge auch mit Fami­lie Diehl ver­wandt. Ihr Lied „10 Frau­en will ich sein“ hat sie spe­zi­ell Fabio­la Diehl gewid­met. Die vie­len Kunst­in­ter­es­sier­ten dank­ten ihr dies mit begeis­ter­tem Bei­fall. Die Aus­stel­lung mit den
viel­fäl­ti­gen Kunst­an­ge­bo­ten moti­vier­te die Anwe­sen­den zu inten­si­ven Gesprä­chen. Der Kunst- und Kul­tur­ver­ein Pap­pen­heim freu­te sich, dass zu Eröff­nung nicht nur der Pap­pen­hei­mer Bür­ger­meis­ter Flo­ri­an Gal­lus Gruß­wor­te sprach, son­dern dass auch Bür­ger­meis­ter Wal­de­mar Brohm aus dem unter­frän­ki­schen Mar­gets­höch­heim die Bedeu­tung von Kunst und Kul­tur für die Gemein­de­ar­beit beton­te. Er benei­det die Pap­pen­hei­mer um ihre­S­täd tischen Gale­rie, um das Haus der Bür­ger K14 und wegen der dort erfolg­rei­chen enga­gier­ten Ver­eins­ar­beit.

Aus­stel­lung „Zeit­ebe­nen ver­men­gen sich“ in der Städ­ti­schen Gale­rie in Pap­pen­heim, geöff­net sonn- und fei­er­tags von 14.00 bis 17.00 Uhr bis ein­schließ­lich 7. Sep­tem­ber 2025. Der Ein­tritt ist frei.

Foto: Kunst- und Kul­tur­ver­ein Pap­pen­heim e. V.