tadt- und Schulbücherei Gunzenhausen: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

von | 12. Januar 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). Ein Bild sagt mehr als 1000 Wor­te – nach die­sem Prin­zip funk­tio­nier­te der abwechs­lungs­rei­che Abend zur Gun­zen­häu­ser Stadt­ge­schich­te in der Stadt- und Schul­bü­che­rei. Stadt­ar­chi­var Wer­ner Mühl­h­äu­ßer hat­te rund 90 Foto­gra­fien und his­to­ri­sche Post­kar­ten aus­ge­wählt und prä­sen­tier­te dazu mit viel Fach­kun­de, aber auch mit einer Pri­se Humor Wis­sens­wer­tes zu Stra­ßen, Plät­zen und Per­so­nen.

Zum „Spa­zier­gang durch Alt-Gun­zen­hau­sen“ begrüß­te Bür­ger­meis­ter Karl Heinz Fitz das hei­mat­ge­schicht­lich inter­es­sier­te Publi­kum und wies auf die beein­dru­cken­de Bil­der­samm­lung des städ­ti­schen Archivs mit mehr als 17000 Foto­gra­fien und Abbil­dun­gen hin.

Ein­lei­tend berich­te­te Wer­ner Mühl­h­äu­ßer, wie er vom Staats­ar­chiv Nürn­berg nach Gun­zen­hau­sen gewech­selt war und damals als ers­ter haupt­amt­lich beschäf­tig­ter Archi­var der Stadt zunächst eine ernüch­tern­de Bilanz zie­hen muss­te: Damals war das Bild­ar­chiv mit rund 50 Ansichts­kar­ten und Foto­gra­fien recht über­schau­bar. So begann eine exzes­si­ve Pha­se des For­schens und Sam­melns. Es gab vie­le Schen­kun­gen von pri­va­ter Sei­te, aber Wer­ner Mühl­h­äu­ßer spür­te auch immer wie­der inter­es­san­te und zum Ver­kauf ste­hen­de Samm­lun­gen pro­fes­sio­nel­ler Foto­gra­fen auf.

Für den Vor­trag mit dabei hat­te der Red­ner auch die ältes­ten Stadt­an­sich­ten. So befin­det sich im fürst­lich-oet­ting­i­schen Archiv eine Kar­te aus dem Jahr 1656: Acht Jah­re nach dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg zeigt die Abbil­dung das Stadt­bild von Gun­zen­hau­sen mit intak­ter Stadt­be­fes­ti­gung und den Stadt­tür­men. Auch die Bruck-Kapel­le, die auf einem Pfei­ler der Alt­mühl­brü­cke stand, ist dort abge­bil­det. Wei­ter ist auf einem 1690 ent­stan­de­nen Epi­taph aus dem Bestand des Stadt­mu­se­ums im Hin­ter­grund eine Stadt­an­sicht zu sehen, auf der auch das mark­gräf­li­che Brau­haus, errich­tet im Jahr 1679, sowie der zwei­äl­tes­te Fried­hof Gun­zen­hau­sens außer­halb der Stadt­mau­er zu erken­nen ist.

Aus dem Jahr 1880 stammt die ers­te Foto­gra­fie des Markt­plat­zes in Gun­zen­hau­sen. Eini­ge Häu­ser wür­de man wohl heu­te noch wie­der­erken­nen, obwohl es selbst­ver­ständ­lich noch kei­ne gro­ßen Schau­fens­ter in den Erd­ge­schos­sen gab. Auf den ers­ten Markt­platz-Bil­dern Ende des 19. und Anfang des 20. Jahr­hun­derts bestimm­ten Kut­schen und land­wirt­schaft­li­che Fuhr­wer­ke das Stra­ßen­bild.

Wer­ner Mühl­h­äu­ßer zeigt auch eini­ge Bil­der, in denen mal Per­so­nen, mal ein Auto­mo­bil ins Bild mon­tiert wur­den, qua­si Bild­be­ar­bei­tung vor 120 Jah­ren. Wahr­schein­lich woll­te man so das fort­schritt­li­che Gun­zen­hau­sen her­aus­stel­len, obwohl eigent­lich eher Kut­schen und Och­sen­kar­ren unter­wegs waren, ver­mu­tet Wer­ner Mühl­h­äu­ßer.

Das 1970 abge­ris­se­ne Schran­nen­ge­bäu­de (heu­te Kauf­haus Stein­gass) dien­te ursprüng­lich als Getrei­de­la­ger, beher­berg­te spä­ter vie­le Geschäf­te, dar­un­ter auch ein „Zahn­ate­lier“. Die Feu­er­wehr mie­te­te sich hier eben­so ein wie das Hei­mat­mu­se­um. Zudem war die ers­te könig­lich-baye­ri­sche Real­schu­le in dem Gebäu­de unter­ge­bracht. Hier konn­te Wer­ner Mühl­h­äu­ßer unter ande­rem eine Sze­ne aus dem Zei­chen­un­ter­richt in den 1950ern mit Kunst­leh­rer Ston­ner zei­gen.

Vie­le Bil­der von Geschäfts­häu­sern Gun­zen­hau­sens ent­stan­den wohl als eine Art Fami­li­en­bild: Vor dem Haus ver­sam­mel­te sich die Fami­lie des Inha­bers sowie die Beleg­schaft. Aus­ge­wählt hat­te Wer­ner Mühl­h­äu­ßer Bil­der von der Leb­küch­ne­rei Adam Sau­ber, vom Satt­ler Karl Brand­ner, der Gast­wirt­schaft Johann Barth oder der Braue­rei Braun. Oft ent­spann sich bei sol­chen Bil­dern in der Büche­rei eine rege Dis­kus­si­on, um wel­ches Haus am Markt­platz es sich bei die­sen Geschäfts­por­träts han­delt.

Mehr als aus­rei­chend Platz für Fuß­gän­ger und Fuhr­wer­ke gab es am unte­ren Markt­platz und wenn der Fär­ber­turm in den Fokus genom­men wur­de, war bestimmt auch irgend­ein Land­wirt mit sei­nem Kar­ren zu sehen. Der Stor­chen­turm und sein ori­gi­nel­ler Besit­zer der Metz­gers­wirt „Her­mann bin i“-Fischer wur­den gezeigt und auch auf die Gär­ten, die im eins­ti­gen was­ser­ge­füll­ten Stadt­gra­ben und ent­lang der Stadt­mau­er gehegt und gepflegt wur­den, kam Wer­ner Mühl­h­äu­ßer zu spre­chen.

Ein Limes-Denk­mal, das den Ver­lauf des Limes anzeig­te, gab es einst an der Ein­mün­dung der Nürn­ber­ger Stra­ße in die Bahn­hofs­stra­ße. Ein Bild die Nürn­ber­ger Stra­ße hin­auf mit der frü­he­ren Katho­li­schen Kir­che war eben­so dabei wie ein Blick stadt­aus­wärts auf die „Mit­tel­frän­ki­sche Fleisch- und Wurst­wa­ren­fa­brik in der Ans­ba­cher Stra­ße.

Mit dem ältes­ten Fami­li­en­por­trät von 1859 aus der städ­ti­schen Bil­der­samm­lung, der kin­der­rei­chen Fami­lie Kränz­lein lei­te­te Stadt­ar­chi­var Mühl­h­äu­ßer den zwei­ten Teil sei­nes Vor­trags ein, in dem er auf das sozia­le Leben, das viel­fäl­ti­ge Wirt­schafts­le­ben Gun­zen­hau­sens und die Lebens­wirk­lich­keit in frü­he­ren Zei­ten ein­ging.

Foto­gra­fien von den spar­sam ein­ge­rich­te­ten Innen­räu­men und auf die gepfleg­ten Park­an­la­gen rund um das ehe­ma­li­ge Kreis­kran­ken­haus, erbaut zur Jahr­hun­dert­wen­de, stie­ßen auf gro­ßes Inter­es­se. Hier ist heu­te die Stadt- und Schul­bü­che­rei im Erd­ge­schoss unter­ge­bracht.

Bis ins Jahr ver­brach­ten hilfs­be­dürf­ti­ge alte Men­schen im „Spi­tal“, dem spä­te­ren Jugend­zen­trum ihre letz­ten Lebens­jah­re. Stei­le Trep­pen und allein­fachs­te Ein­rich­tung wür­den heut­zu­ta­ge die Heim­auf­sicht in Kri­sen­stim­mung brin­gen!

Bil­der gab es von Zei­ten, als es in der Braue­rei Karl Mül­ler noch Gun­zen­häu­ser Bier in Bügel­fla­schen abge­füllt wur­de, als der Groß­han­del Faul­stich eine Kaf­fee­rös­te­rei betrieb oder am Markt­platz regel­mä­ßig ein Kraut- sowie ein Fer­kel­markt abge­hal­ten wur­de.

Bil­der und Post­kar­ten von Kirch­weih­fes­ten der 1910er und 1920er Jah­re hat Archi­var Mühl­h­äu­ßer her­vor­ge­holt und auch die eins­ti­ge Stadt­ka­pel­le mit der Stadt­mu­sik­meis­ter-Dynas­tie Scheu­ern­stuhl vor­ge­stellt.

Auch die Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus wur­de im Vor­trag the­ma­ti­siert: Da gab es ein Bild vom ers­ten kom­plett natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Stadt­rat im Jahr 1933, bei dem sich fast alle Rats­mit­glie­der in Uni­form und mit Haken­kreuz-Arm­bin­de dem Foto­gra­fen prä­sen­tier­ten. Sowohl die Ein­wei­hung des Hit­ler-Denk­mals am Burg­stall­rand eben­falls 1933, als auch ein Besuch Adolf Hit­lers im Okto­ber 1932 mit ent­spre­chen­dem Mas­sen­auf­lauf haben Foto­gra­fen doku­men­tiert.

Bil­der aus den 1950er Jah­ren bil­de­ten den Abschluss des Vor­trags­abends: Unter ande­rem war eine Men­schen­men­ge vor dem eins­ti­gen Radio-Fach­ge­schäft „Föt­tin­ger“ zu sehen. Dort war der ers­te Fern­se­her Gun­zen­hau­sens im Schau­fens­ter auf­ge­stellt und zur Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft im Jahr 1954 dräng­ten sich die Fans der deut­schen Mann­schaft vor dem Geschäft.

Bild­un­ter­schrift: Ers­ter Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz und Stadt­ar­chi­var Wer­ner Mühl­h­äu­ßer. Foto: Babett Gut­h­mann

 

Blick um 1901 auf den Unte­ren Markt­platz, an des­sen Ende das Pro­tes­tan­ti­sche Schul­haus (heu­te Spar­kas­se) steht. Foto: Stadt­ar­chiv Gun­zen­hau­sen