Tourismusgespräche in Eichstätt: Zwischen digitalen Innovationen und Nachhaltigkeitszielen

von | 3. Juli 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Eich­stätt (red). Wie gelingt es, digi­ta­le Tech­no­lo­gien so ein­zu­set­zen, dass sie Wirt­schaft und Gesell­schaft nach­hal­ti­ger machen? Und wel­che Gren­zen set­zen die Nach­hal­tig­keits­zie­le bei der Nut­zung von digi­ta­len Tech­no­lo­gien? Die­se Fra­gen haben Exper­tin­nen und Exper­ten aus dem Tou­ris­mus, der Tech­no­lo­gie­ent­wick­lung und Gesell­schafts­for­schung im Rah­men der 35. Eich­stät­ter Tou­ris­mus­ge­sprä­che erör­tert. Ver­an­stal­tet wur­de die Tagung vom Lehr­stuhl Tou­ris­mus der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Eich­stätt-Ingol­stadt (KU) in Koope­ra­ti­on mit dem Tou­ris­mus­ver­band Natur­park Alt­mühl­tal.

Zu Gast waren die Tou­ris­mus­ge­sprä­che wie­der im Land­rats­amt. Nach der Begrü­ßung durch Land­rat Alex­an­der Anets­ber­ger ging Tou­ris­mus-Pro­fes­so­rin Dr. Moni­ka Bachin­ger auf aktu­el­le Ent­wick­lun­gen im Tou­ris­mus ein. „Die digi­ta­len Tech­no­lo­gien soll­ten nicht nur öko­no­mi­sche, son­dern auch öko­lo­gi­sche und sozi­al-gesell­schaft­li­che Zie­le unter­stüt­zen – sie tun dies aber nicht immer“, so Bachin­ger in ihrer Ein­füh­rung. Chris­toph Hen­se­ler vom Mit­tel­stand-Digi­tal Zen­trum Tou­ris­mus und Prof. Dr. Vanes­sa Bork­mann vom Fraun­ho­fer Insti­tut für Arbeits­wirt­schaft und Orga­ni­sa­ti­on beleuch­te­ten in den Vor­trä­gen die digi­ta­le Arbeits­welt im Tou­ris­mus mit Fokus auf Chan­cen und Risi­ken. Dabei mach­ten sie deut­lich, dass der Mensch zwar wei­ter­hin in der Arbeits­welt im Vor­der­grund ste­he, durch die Digi­ta­li­sie­rung jedoch befä­higt und unter­stützt wer­de. Spe­zi­fi­sche Berufs­bil­der pro­fi­tier­ten dabei in unter­schied­li­chem Aus­maß von digi­ta­len Tech­no­lo­gien. Eine Umfra­ge zeig­te, dass Beschäf­tig­te digi­ta­len Tech­no­lo­gien am Arbeits­platz grund­sätz­lich posi­tiv gegen­über­ste­hen. Prof. Dr. Robert Kel­ler von der Hoch­schu­le Kemp­ten stellt in sei­ner Key­note mit dem Ziel „Digi­ta­le Tech­no­lo­gien für ein nach­hal­ti­ges Besu­cher­ma­nage­ment – ein Blick in die Zukunft“ unter ande­rem dar, wie Ver­an­stal­ter und Desti­na­tio­nen die Pro­gno­sen von Besu­cher­zah­len mit Hil­fe von neu­en Tech­no­lo­gien ver­bes­sern kön­nen, ohne dabei ein flä­chen­de­cken­des Netz­werk aus Zähl­ge­rä­ten ein­zu­set­zen.

Bei den anschlie­ßen­den Work­shops hat­ten die Teil­neh­men­den die Mög­lich­keit, sich aktiv ein­zu­brin­gen. Eine Arbeits­grup­pe unter der Lei­tung von Mar­co Hol­zer von Sus­tainable Homes, ein Anbie­ter von so genann­ten Tiny Hou­ses, und Micha­el Loy von der Digi­tal-Agen­tur Loy GmbH beschäf­tig­ten sich mit der „nach­hal­ti­gen Unter­kunft 4.0“ und der Fra­ge, wie Kleinst­un­ter­künf­te ört­li­che Infra­struk­tu­ren wie zum Bei­spiel ein Fit­ness-Stu­dio mit­nut­zen kön­nen.

Felix Hie­mey­er von der KU und Lau­ra Pas­kow­ski von der Vai­brant GmbH, ein Anbie­ter für KI-Lösun­gen, stell­ten in einem wei­te­ren Work­shop das The­ma „Arbeit (Mensch 4.0)“ mit Fokus auf die Mensch-Maschi­ne-Inter­ak­ti­on zur Dis­kus­si­on. Dabei stan­den Ideen für das Manage­ment von Hür­den bei der Ver­wirk­li­chung von digi­ta­len Arbeits­um­wel­ten in Unter­neh­men im Mit­tel­punkt. In einem wei­te­ren Work­shop berich­te­ten Sibyl­le Wart­lick von der Gemein­de Kirch­heim bei Mün­chen und Marc-Chris­ti­an Hodapp vom Soft­ware­an­bie­ter Urba­ni­stic, wie sie mit­hil­fe eines digi­ta­len Zwil­lings der Gemein­de Kirch­heim die nach­hal­ti­ge Stadt­pla­nung unter­stüt­zen und wel­che Chan­cen dies für die Tou­ris­mus­ent­wick­lung bie­tet – unter ande­rem indem über die Inte­gra­ti­on ver­schie­dens­ter digi­ta­ler Infor­ma­tio­nen unter­schied­li­che Bevöl­ke­rungs­grup­pen betei­ligt wer­den kön­nen.

Caro­lin Alte­na vom Fraun­ho­fer Insti­tut für Mate­ri­al­fluss und Logis­tik dis­ku­tier­te in einer wei­te­ren Arbeits­grup­pe Chan­cen und Her­aus­for­de­run­gen der digi­tal­ge­stütz­ten und nach­hal­ti­gen Mobi­li­tät im Kon­text des Tou­ris­mus. Alle vier Work­shops mach­ten deut­lich, dass die Tou­ris­mus­bran­che den The­men Digi­ta­li­sie­rung und Nach­hal­tig­keit mit gro­ßem Inter­es­se und Ideen­reich­tum begeg­net, jedoch noch Unsi­cher­hei­ten im Hin­blick auf eine wir­kungs­vol­le Umset­zung bestehen.

Dr. Sebas­ti­an Rosen­grün von der CODE Uni­ver­si­ty Ber­lin lenk­te im Abschluss der Tagung mit sei­nem Vor­trag „Die Macht der Algo­rith­men im Tou­ris­mus – ethi­sche Gesichts­punk­te“ den Blick auf kri­ti­sche Aspek­te der Digi­ta­li­sie­rung. Im Zen­trum sei­ner Aus­füh­run­gen stand die Fest­stel­lung, dass digi­ta­le Tech­no­lo­gien gesell­schaft­li­che Struk­tu­ren prä­gen – etwa die Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on – und damit in der Lage sind, Macht zu ent­wi­ckeln. Die­sem Ein­fluss von Tech­no­lo­gien sei­en sich Men­schen jedoch nicht immer bewusst, so Rosen­grün.

Am Ende der Tagung führ­ten der Geschäfts­füh­rer des Tou­ris­mus­ver­ban­des Natur­park Alt­mühl­tal, Chris­toph Würf­lein, und Pro­fes­so­rin Bachin­ger die Erkennt­nis­se zusam­men und über­tru­gen sie auf Wis­sen­schaft und Pra­xis. The­men wie digi­ta­le Teil­ha­be, Daten­sou­ve­rä­ni­tät, aber auch Lang­le­big­keit und Res­sour­cen­ef­fi­zi­enz von digi­ta­len Pro­duk­ten im Tou­ris­mus gel­te es wei­ter­hin inten­siv zu bear­bei­ten, so ihr Fazit. Über die Anwen­dung von digi­ta­len Tech­no­lo­gien hin­aus müs­se es dabei in einem nor­ma­ti­ven Dis­kurs noch stär­ker dar­um gehen, wie die Rah­men­be­din­gun­gen von digi­ta­len Tech­no­lo­gien im Tou­ris­mus aus­se­hen soll­ten, um neben der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on auch Bei­trä­ge für die Nach­hal­tig­keits­trans­for­ma­ti­on zu leis­ten.

Bild­un­ter­schrift: Die Refe­ren­tin­nen und Refe­ren­ten der 35. Eich­stät­ter Tou­ris­mus­ge­sprä­che. Foto: upd/Katrin Wycik