Erste Aktionswoche „Wassergerechtigkeit – Lass dir nicht das Wasser abgraben“ trifft den Nerv der Bevölkerung
Treuchtlingen (red). Treuchtlingen organisiert sich gegen Wasserungerechtigkeit – mit einer kraftvollen Aktionswoche und einer klaren Botschaft: Wasser gehört allen.In der Region kommt Bewegung in den langjährigen Wasserkonflikt. Die erste Aktionswoche unter dem Motto „Wassergerechtigkeit – Lass dir nicht das Wasser abgraben“ hat ein starkes Signal gesetzt: Die Menschen vor Ort wollen sich das nicht länger gefallen lassen – sie organisieren sich und fordern Gerechtigkeit im Umgang mit der lebenswichtigen Ressource Wasser.
„Es kann nicht sein, dass Konzerne kostenlos Wasser entnehmen, während wir dafür zahlen – das empört viele“, sagt eine Sprecherin der Wassergruppe Treuchtlingen.
Hintergrund: Wasser für Konzerne, Kosten für Bürger:innen
Auslöser des Protests ist die gebührenfreie Entnahme von jährlich 650.000 Kubikmetern Tiefengrundwasser durch die Altmühltaler Mineralbrunnen GmbH, eine Tochter von ALDI Nord. Das entspricht dem jährlichen Trink- und Haushaltswasserbedarf von über 10.000 Menschen. Währenddessen zahlen die Bürger:innen der Stadt hohe Preise für Trinkwasser, das aus dem weit entfernten Lech bezogen wird.
Eine geplante Ausweitung der Entnahmemenge ab 2026 droht die angespannte Lage weiter zu verschärfen – in einer Region, die ohnehin unter Dürre, sinkendem Grundwasserspiegel und wachsendem Druck auf die Landwirtschaft leidet.
Die Überschreitung der planetarer Grenzen wird hier greifbar.
Zivilgesellschaft zeigt Stärke
Veranstaltet wurde die Aktionswoche von der Umweltgruppe Guter Grund und der örtlichen Bürgerinitiative Wassergruppe Treuchtlingen. Ziel war es, Informationen zugänglich zu machen, Betroffene zu befähigen, sich selbst zu organisieren, und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Die Resonanz war groß.
Das Programm der Woche war vielfältig:
· Gezieltes Organizing mit Haustürgesprächen – zur direkten Ansprache der Bürger:innen
· Workshops und Trainings – zur Stärkung zivilgesellschaftlicher Beteiligung
· Kreative Installationen im Stadtbild – die Aufmerksamkeit erzeugten
· Ein Marktstand – mit Informationen, Wasserkostproben und Raum zum Dialog
· Bürger:innenveranstaltung und Gespräche – mit politischen Entscheidungsträger:innen
Wir haben Einblicke in den regionalen Wasserkonflikt und die globalen Zusammenhänge gegeben – und zugleich Raum für konstruktive Lösungen eröffnet.
Mit unserem friedlichen Protest haben wir ein deutliches Zeichen gegen Wasserraubbau und Ungleichverteilung gesetzt.
Start der Petition – Vier klare Forderungen
Im Rahmen der Aktionswoche startete auch eine neue Petition. Die Forderungen sind klar und konkret:
1. Gerechte Abgabe für industrielle Wasserentnahme – finanzieller Ausgleich für eine wertvolle Ressource
2. Volle Transparenz bei Wasserrechten und bestehenden Verträgen
3. Begrenzung des LKW-Verkehrs durch Treuchtlingen
4. Keine automatische Verlängerung der Genehmigung – Neuausrichtung jetzt!
Ein Anfang – Das Netzwerk wächst weiter
„Diese Woche war erst der Anfang“, sagt das Aktions-Team. „Das Interesse war riesig – viele Menschen sind sehr betroffen über diese Ungerechtigkeit. Unser Ziel ist es, mit ihnen gemeinsam Strukturen zu schaffen, die dauerhaft wirken – auch über Treuchtlingen hinaus.“
Denn Wasser ist eine Lebensgrundlage – auch für unsere Kinder. Und sie wird angesichts von Klimawandel, Trockenperioden und sinkenden Grundwasserständen zunehmend wertvoll.
Der Ruf nach einem gerechteren Umgang mit Wasser wird lauter – und er wird nicht mehr verstummen.
Wir werden Anfang August wiederkommen und unseren friedlichen Protest weiterführen.
Die erste Aktionswoche in Treuchtlingen war ein voller Erfolg.
Aber um den Wasserkonflikt zu gewinnen, braucht es uns alle.
Nur gemeinsam können wir etwas verändern.
Kontakt & Mitmachen
Mit einem wachsenden Netzwerk engagierter Bürger:innen setzen sich Menschen vor Ort für den Schutz der lebenswichtigen Ressource Wasser ein.
Wem diese ungerechte Wasserentnahme nicht egal ist, und wer sich engagieren oder einfach mehr erfahren möchte, kann sich melden:
mail: kontakt@wassergruppe-treuchtlingen.de
https://wassergruppe-treuchtlingen.de
Bildunterschrift: Bürgermeisterin Dr. Dr. Kristina Becker im Gespräch mit Anneliese Dischinger und der Umweltgruppe Guter Grund am Infostand. Foto: Geyer