Trotz Herausforderungen — positive Entwicklung des Arbeitsmarktes 2022

von | 27. Januar 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). „Der Arbeits­markt hat sich im ver­gan­ge­nen Jahr trotz mul­ti­pler Her­aus­for­de­run­gen, die vor allem durch den rus­si­schen Angriffs­krieg auf die Ukrai­ne ver­ur­sacht wur­den, posi­tiv ent­wi­ckelt. So sank der Jah­res­durch­schnitt der arbeits­los gemel­de­ten Men­schen und liegt nun sogar noch auf dem Niveau von 2019, wenn man die Per­so­nen mit ukrai­ni­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit her­aus­rech­net“, bilan­ziert Wolf­gang Lan­ger, stell­ver­tre­ten­der Geschäfts­füh­rer der Agen­tur für Arbeit Ans­bach-Wei­ßen­burg.

Erfas­sung Geflüch­te­ter aus der Ukrai­ne in Sta­tis­tik sicht­bar
Seit Juni 2022 wer­den die Men­schen, die aus der Ukrai­ne flie­hen muss­ten von den Job­cen­tern betreut, um sie län­ger­fris­tig zu beglei­ten und in den Arbeits­markt zu inte­grie­ren. Dem­entspre­chend stieg der Jah­res­durch­schnitt der Per­so­nen, die vom Job­cen­ter betreut wer­den gegen­über dem Vor­jahr um 18,4 Pro­zent. Der Jah­res­durch­schnitt der arbeits­los­ge­mel­de­ten Men­schen mit aus­län­di­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit nahm um 31,1 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr zu. „Im Lau­fe des zwei­ten Halb­jah­res 2022 konn­ten immer mehr Men­schen mit ukrai­ni­scher Staats­bür­ger­schaft einen Inte­gra­ti­ons­kurs begin­nen. Vor allem erler­nen sie in die­sem Rah­men die deut­sche Spra­che, was Vor­aus­set­zung für die erfolg­rei­che Inte­gra­ti­on in den Arbeits­markt ist. Wäh­rend die­ser Qua­li­fi­ka­ti­on gel­ten sie nicht als arbeits­los“, erläu­tert Lan­ger.

Rück­gang der Arbeits­lo­sig­keit im Jah­res­durch­schnitt
Die ins­ge­samt posi­ti­ve Dyna­mik des Arbeits­mark­tes ver­deut­licht vor allem die Zahl der im Jah­res­durch­schnitt von der Agen­tur für Arbeit betreu­ten Per­so­nen. Die­se nahm um 18,9 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr ab. Von die­ser Ent­wick­lung pro­fi­tier­ten unter ande­rem arbeits­lo­se Per­so­nen ab 55 Jah­ren, deren Zahl im Jah­res­durch­schnitt um 137 auf 2.302 (-5,6 Pro­zent) abnahm. Eben­so sank die Zahl der arbeits­lo­sen schwer­be­hin­der­ten Men­schen um 82 auf 791 (-9,4 Pro­zent). Auch die Zahl der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen nahm um 196 auf 1.761 (-10,0 Pro­zent) ab. „Gleich­wohl sind immer noch ein Vier­tel aller arbeits­los gemel­de­ten Per­so­nen Lang­zeit­ar­beits­lo­se. Vor der Coro­na­pan­de­mie waren es nur ein Fünf­tel. Des­halb liegt auch im neu­en Jahr ein Schwer­punkt unse­rer Arbeit, in der Unter­stüt­zung die­ser Per­so­nen­grup­pe. Dazu för­dert die Agen­tur für Arbeit Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen ins­be­son­de­re durch beruf­li­che Wei­ter­bil­dung sowie mit­hil­fe des soge­nann­ten Ein­glie­de­rungs­zu­schu­ses“, erklärt Wolf­gang Lan­ger.

Neu­es All­zeit­hoch sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Beschäf­ti­gung
Noch nie waren so vie­le Men­schen sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäf­tigt wie zum Stich­tag 30. Juni 2022. Mit 166.632 sind es 1.973 (1,2 Pro­zent) mehr als zum Vor­jah­res­stich­tag.
Inner­halb von zehn Jah­ren ist die sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung um 21.689 bezie­hungs­wei­se 15,0 Pro­zent gestie­gen. Beson­ders groß ist der Zuwachs sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Beschäf­ti­gung, im Ver­gleich zum Vor­jah­res­stich­tag, im öffent­li­chen Dienst (+428), im Han­del (+331) sowie im Gast­ge­wer­be (+330). Die rela­tiv größ­te Zunah­me weißt der Bereich Infor­ma­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on mit 17,9 Pro­zent auf. Dem­ge­gen­über nahm die sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­te Beschäf­ti­gung in der Arbeit­neh­mer­über­las­sung (-385) und im Bau­ge­wer­be (-128) ab. Trotz der deut­li­chen Zunah­me hat sich die Zahl der sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten im Gast­ge­wer­be noch nicht wie­der auf das Niveau vor der Coro­na­kri­se ent­wi­ckelt. Dage­gen waren im Han­del zum Stich­tag mehr Men­schen sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tigt als zum Ver­gleichs­stich­tag 2019.
„Die Ent­wick­lung der Beschäf­ti­gungs­zah­len unter­streicht die posi­ti­ve Ent­wick­lung des Arbeits­mark­tes trotz der wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen“, so Lan­ger.

Kurz­ar­beit wei­ter rück­läu­fig trotz wirt­schaft­li­cher Her­aus­for­de­run­gen
„Kurz­ar­beit hat sich als wirk­sa­mes Instru­ment erwie­sen, um beson­ders wäh­rend der Hoch­pha­se der Pan­de­mie Ent­las­sun­gen zu ver­mei­den. Trotz wirt­schaft­li­cher Her­aus­for­de­run­gen ging die Kurz­ar­beit ins­ge­samt wei­ter zurück, auch wenn sie unter ande­rem wegen wei­ter bestehen­der Lie­fer­eng­päs­se noch nicht wie­der auf das Niveau vor dem Beginn der Coro­na­kri­se gesun­ken ist“, bilan­ziert Wolf­gang Lan­ger. Der Höchst­stand der Kurz­ar­bei­ter­geld-Anzei­gen wur­de dabei Anfang des Jah­res im Janu­ar und Febru­ar mit 195 bezie­hungs­wei­se 77 Anzei­gen für 1.872 bezie­hungs­wei­se 686 Arbeitnehmer*innen erreicht. Zum Jah­res­en­de im Novem­ber waren die Anzei­gen rück­läu­fig. Hier lag die Anzahl nur noch bei 34 für 1.495 Arbeitnehmer*innen.

Zugang neu­er Stel­len nimmt ab, doch Bestand offe­ner Stel­len so hoch wie nie Im Jahr 2022 mel­de­ten die Arbeitgeber*innen dem gemein­sa­men Arbeit­ge­ber-Ser­vice von Arbeits­agen­tur und Job­cen­tern ins­ge­samt 13.179 freie Stel­len. Das sind 1.265 oder 8,8 Pro­zent weni­ger als im Vor­jahr. 19 Pro­zent aller Stel­len­zu­gän­ge kamen von Arbeitgeber*innen aus dem ver­ar­bei­ten­den Gewer­be, 17,1 Pro­zent aus der Arbeit­neh­mer­über­las­sung, 13,4 Pro­zent aus dem Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen, 12,8 Pro­zent aus dem Han­del und 5,6 Pro­zent aus dem Bau­ge­wer­be.

Im Jah­res­durch­schnitt stan­den im Berichts­jahr 6.363 freie Stel­len zur Ver­fü­gung; 2021 waren durch­schnitt­lich 5.418 im Bestand. Damit hat die Zahl der offe­nen Arbeits­stel­len im Jahr 2022 einen neu­en Höchst­wert im Ver­gleich der letz­ten zehn Jah­re erreicht. Vor die­sem Hin­ter­grund blickt Wolf­gang Lan­ger zuver­sicht­lich ins neue Jahr: „Auch 2023 ist mit einer wei­te­ren Zunah­me der Beschäf­tig­ten­zah­len zu rech­nen. Jedoch spielt das Anfor­de­rungs­ni­veau bei der Beset­zung der Stel­len eine gro­ße Rol­le. Vor allem die Nach­fra­ge nach pas­sen­den Fach­kräf­ten ist unver­än­dert hoch. So setz­ten auch im ver­gan­ge­nen Jahr mehr als drei Vier­tel aller ange­bo­te­nen Stel­len eine abge­schlos­se­ne Berufs­aus­bil­dung oder einen Hoch­schul­ab­schluss vor­aus. Dem­entspre­chend wird ein wei­te­rer Schwer­punkt unse­rer Arbeit auf der Qua­li­fi­ka­ti­on von Arbeitnehmer*innen und arbeits­los gemel­de­ten Men­schen lie­gen.”

Foto: Bri­git­te Dorr