Trumps letztliche Ukraine-Absage und Putins Aufrüsten: Europa muss Sicherheit völlig neu denken

von | 7. Juni 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

Gun­zen­hau­sen (red). Die Euro­pä­er müs­sen spä­tes­tens seit dem rigo­ro­sen Nein Trumps zu gemein­sa­men Ukrai­ne-Sank­tio­nen und nach den beun­ru­hi­gen­den Rüs­tungs­nach­rich­ten aus Mos­kau ihre Ver­tei­di­gung völ­lig neu orga­ni­sie­ren. Wir müs­sen erken­nen, dass Putin „Blut geleckt“ hat: er baut Russ­land gera­de zu einer Art Krie­ger­staat um, ver­gleich­bar mit dem anti­ken Spar­ta oder dem heu­ti­gen Nord­ko­rea. Er hat bemerkt, der ein­zi­ge Sek­tor mit dem er auf der Welt­büh­ne Bedeu­tung erlan­gen kann, ist der mili­tä­ri­sche, also baut er die­sen Sek­tor immer mehr aus. Auf allen ande­ren, z. B. tech­ni­schen oder wis­sen­schaft­li­chen Gebie­ten hat Russ­land nichts „zu bie­ten“. Roh­stof­fe ver­kau­fen, das geht auch noch, aber sonst ist geis­tig von Russ­land nichts zu erwar­ten. Putins Devi­se lau­tet: „Welt­macht wer­den durch Waf­fen und Sol­da­ten“. Die­ses (wun­der­ba­re) Gefühl Welt­macht zu sein, ist für Russ­land und sei­ne Bewoh­ner von gera­de­zu iden­ti­täts­stif­ten­der Bedeu­tung.

Das heißt aber auch, dass Putin der­zeit über­haupt kei­nen Grund sieht, die Kampf­hand­lun­gen in der Ukrai­ne zu been­den, egal wel­cher Frie­dens­ver­mitt­ler auch immer ins Spiel kommt. Dies zu erken­nen, ist ganz wich­tig und muss dann noch mit der Tat­sa­che ver­knüpft wer­den, dass Trump nicht mehr Geg­ner von Putin sein will. Wir Euro­pä­er sind also ganz allein auf uns sel­ber ange­wie­sen und ste­hen einer Art „Fürs­ten der Fins­ter­nis“ gegen­über, der beschlos­sen hat ohne Rück­sicht auf Ver­lus­te wie­der Welt­macht zu spie­len. Ja es ist lei­der noch ver­track­ter, weil ja auch Chi­na nicht Geg­ner, son­dern prak­tisch Ver­bün­de­ter Putins ist.

Wel­che Stra­te­gie soll­te Euro­pa ange­sichts die­ser schwie­ri­gen Situa­ti­on anwen­den?

Sie kann nur lau­ten: Aus der Not eine Tugend machen, d.h. wenn Putin nicht auf­hö­ren will dann hören wir eben auch nicht auf. Dann müs­sen wir die Ukrai­ne mit allem ver­füg­ba­ren Mate­ri­al ver­sor­gen und müs­sen schau­en wer den län­ge­ren Atem hat. Dann wer­den wei­ter­hin 800.000 rus­si­sche Sol­da­ten in der Ukrai­ne „gebun­den“ und Euro­pa kann die dadurch „gewon­ne­ne Zeit“ nut­zen, um in den nächs­ten Jah­ren mili­tä­risch so stark zu wer­den, dass ein wei­te­rer rus­si­scher Angriff unmög­lich wird. Dazu gehört ins­be­son­de­re der Auf­bau eines eige­nen euro­päi­schen ato­ma­ren Abwehr­schirms.

His­to­risch ist das natür­lich ein furcht­ba­rer Rück­griff auf Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven des 20. Jahr­hun­derts, aber wenn Russ­land auf die­ses — als über­holt gedach­te — Modell zurück­greift, sind wir lei­der gezwun­gen auch auf die­sem Feld zu agie­ren. Das wird teu­er und ver­langt einen Abschied von man­chen lieb gewor­de­nen Gewohn­hei­ten.

Auf Dau­er kann aber Russ­land auch nicht durch­hal­ten, täg­lich 500 bis 1000 Men­schen zu ver­lie­ren. Und: Immer­hin ste­hen den 160 Mio. Rus­sen 530 Mio. Euro­pä­er gegen­über. Die beson­ders Leid­tra­gen­den einer sol­chen Ent­wick­lung sind natür­lich die Ukrai­ner, die sel­ber ent­schei­den müs­sen, wie lan­ge sie die­sen Abwehr­kampf durch­hal­ten kön­nen. Ins­ge­samt steht den Euro­pä­ern eine Bewäh­rungs­pro­be son­der­glei­chen bevor.

Hof­fen wir, dass Euro­pa die­se „Pro­be“ besteht und gestärkt aus die­ser Aus­ein­an­der­set­zung her­vor­geht.

Foto: Dr. Ingo Fried­rich