Ursachen nicht Folgen der Algenplage bekämpfen

von | 3. Mai 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). Zu der aktu­el­len Debat­te über die Bekämp­fung der jähr­li­chen Algen­pla­ge am Alt­mühl­see erklärt der Stimm­kreis­ab­ge­ord­ne­te Hel­mut Schnotz (CSU): „Der vom Vor­gän­ger­ab­ge­ord­ne­ten Brandl initi­ier­te Vor­schlag hin­sicht­lich eines Ver­suchs am Alt­mühl­see wur­de im Sin­ne einer ver­läss­li­chen kon­ti­nu­ier­li­chen Poli­tik bis­her wei­ter­ge­führt. Zur Anwen­dung soll­ten Tech­ni­ken der Fir­ma Gran­der und Drau­sy kom­men. Ent­spre­chend wur­de die Koali­ti­ons­in­itia­ti­ve von mir zur mikro­bio­lo­gi­schen Akti­vie­rung der Flo­ra zur Seen­sa­nie­rung ein­ge­bracht.

Es gilt, nach bis­her eher nega­ti­ven Ergeb­nis­sen bei der Bekämp­fung mit neu­en Ansät­zen nach einer Lösung zu suchen. Der Baye­ri­sche Land­tag wird über die Anträ­ge im Rah­men der Haus­halts­be­ra­tun­gen im Juni die­ses Jah­res end­gül­tig ent­schei­den.

Zwi­schen­zeit­lich habe ich die Zeit genutzt, um mich beim Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach über die bis­he­ri­gen Bemü­hun­gen und den Stand der Was­ser­qua­li­tät am Alt­mühl­see aus ers­ter Hand zu infor­mie­ren.

Im Rah­men der – vom dama­li­gen Umwelt­mi­nis­ter Dr. Söder ein­be­ru­fe­nen – Seen­land­kon­fe­ren­zen in den Jah­ren 2009 und 2010 wur­den bereits eine Viel­zahl von Maß­nah­men zur Bewäl­ti­gung der Algen­pro­ble­ma­tik im Frän­ki­schen Seen­land erar­bei­tet. Das damals regel­mä­ßig auf­ge­tre­te­ne Blau­al­gen­wachs­tum war Anlass für die­se Kon­fe­ren­zen.

Bevor neue, inter­es­san­te Tech­ni­ken begon­nen wer­den, war es mir wich­tig, den Stand der damals beschlos­se­nen Akti­vi­tä­ten beim Was­ser­wirt­schafts­amt abzu­fra­gen. Die unter­schied­li­chen Tech­ni­ken müs­sen sich ergän­zen und dür­fen sich auf kei­nen Fall gegen­sei­tig nega­tiv beein­flus­sen. Somit war der Schritt zur Fach­be­hör­de die logi­sche Kon­se­quenz, bevor der Land­tag über den Antrag beschließt.

Am Frei­tag, den 26 April habe ich mich lang und inten­siv mit dem Lei­ter des Was­ser­wirt­schafts­am­tes Ans­bach aus­ge­tauscht. Der Ter­min war bereits lan­ge Zeit ver­ein­bart.

Ich war über­rascht, was seit 2009 alles in die Wege gelei­tet wur­de und wie kom­plex die Zusam­men­hän­ge sind. Lei­der gibt uns der Kli­ma­wan­del mit sei­nen län­ge­ren und hei­ße­ren Tro­cken­pha­sen ein noch zügi­ge­res Han­deln vor. Die Gewäs­ser wer­den wär­mer, was den Algen in die Hän­de spielt.

Das Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach zielt im Wesent­li­chen dar­auf ab, die Nähr­stof­fe, die das Algen­wachs­tum bewir­ken, zu redu­zie­ren. Hier­bei ist es uner­läss­lich, sich im Ein­zugs­ge­biet des Alt­mühl­sees umzu­se­hen. Das Augen­merk gilt dabei vor allem den Nähr­stoff Phos­phor.

Beson­ders her­vor­he­ben möch­te ich die Bemü­hun­gen der Kom­mu­nen, die ihre Klär­an­la­gen mit einer Phos­phat­fäl­lung nach­ge­rüs­tet haben. Der Frei­staat Bay­ern hat­te die­se Umbau­ten mit einem Son­der­för­der­pro­gramm unter­stützt.

Aber auch die Land­wirt­schaft war sehr aktiv. Gewäs­ser­re­le­van­te KULAP-Maß­nah­men wer­den im Ein­zugs­ge­biet ange­bo­ten und ger­ne in Anspruch genom­men.

Um die Fisch­fau­na im Alt­mühl­see in ein natür­li­ches Gleich­ge­wicht zu brin­gen, wer­den regel­mä­ßig Sanie­rungs­be­fi­schun­gen vom Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach und dem Fische­rei­ver­band Mit­tel­fran­ken durch­ge­führt. Dadurch kann mehr Zoo­plank­ton, also tie­ri­sches Plank­ton wach­sen, wel­ches wie­der­um die Algen mini­miert. Zudem wüh­len die Fische das Sedi­ment am See­grund weni­ger auf und es gelan­gen weni­ger Nähr­stof­fe in das Was­ser.

Zusätz­lich wird das Sedi­ment seit 2015 dem See jähr­lich ent­nom­men. Mit dem Sedi­ment wer­den auch die für das Algen­wachs­tum ver­ant­wort­li­chen Nähr­stof­fe (v. a. Phos­phor) ent­fernt.

Die durch­ge­führ­ten und wie­der­keh­rend lau­fen­den Maß­nah­men zei­gen auch ers­te Wir­kung. Die Sicht­tie­fe im See hat sich ver­bes­sert, die Algen­dich­te hat abge­nom­men und Was­ser­pflan­zen konn­ten sich bes­ser ansie­deln.

Wir dür­fen aber nicht locker­las­sen und müs­sen dran­blei­ben. Die­sen Wunsch habe ich Herrn Kel­ler auch so über­mit­telt.

Ein Punkt aus den Seen­land­kon­fe­ren­zen konn­te lei­der in den letz­ten Jah­ren nicht wunsch­ge­mäß umge­setzt wer­den. Die natur­na­he Umge­stal­tung der Alt­mühl und Schaf­fung von bewach­se­nen Ufer­strei­fen wur­de damals auch beschlos­sen.  Das Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung hat hier stark unter­stützt. Die Was­ser­wirt­schaft hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren umfang­reich Ufer­grund­stü­cke über die Länd­li­che Ent­wick­lung erwer­ben kön­nen. Zwei klei­ne­re Abschnit­te bei Orn­bau wur­den bereits natur­nah umge­stal­tet. Es ste­hen aber noch rund 20 km aus. Durch bewach­se­ne Ufer­strei­fen kann der Nähr­stoff­ein­trag in die Alt­mühl noch­mals redu­ziert wer­den und es ent­ste­hen wert­vol­le Lebens­räu­me. Auch für den Fluss Alt­mühl muss hier in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels gehan­delt wer­den.

Nach dem fach­li­chen Aus­tausch set­ze ich mich dafür ein, Haus­halts­mit­tel noch stär­ker für die Ursa­chen­be­kämp­fung des Algen­wachs­tums ein­zu­set­zen. Es wäre scha­de, wenn Land­wir­te ihre Grund­stü­cke zwar ein­ge­bracht haben, aber die Was­ser­wirt­schaft auf­grund knap­per Haus­halts­mit­tel den öko­lo­gi­schen Gewäs­ser­aus­bau zuguns­ten eben­falls drin­gen­der Hoch­was­ser­schutz­bau­ten zurück­stel­len muss­te.

Wir müs­sen schnel­ler sein als der Kli­ma­wan­del. Des­halb wer­de ich mich dafür ein­set­zen, dass die Haus­halts­mit­tel für die natur­na­he Umge­stal­tung der Alt­mühl ein­ge­setzt wer­den. So bleibt das Geld vor Ort, wir stär­ken den Lebens­raum Alt­mühl und redu­zie­ren die Nähr­stoff­zu­fuhr in den See. Eine win-win-Situa­ti­on für vie­le Sei­ten.“

Foto: MdL Hel­mut Schnotz