Vergebung hat viele Gesichter

von | 7. April 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Karin Spit­zer refe­riert vor 240 Frau­en im Bethel­saal der Stif­tung Hen­solts­hö­he

Gun­zen­hau­sen (red). Am 19 März 2025 lud das Geist­li­che Zen­trum zum jähr­li­chen Frau­en­früh­stück auf die Hen­solts­hö­he ein. Rund 240 Frau­en folg­ten der Ein­la­dung, um nach dem gemein­sa­men Früh­stück einem Vor­trag der Refe­ren­tin Karin Spit­zer zu fol­gen.

Karin Spit­zer, über­re­gio­na­le Lei­tung für den Bereich Frau­en beim evan­ge­li­schen Gemein­schafts­ver­band AB (Augs­bur­ger Bekennt­nis), sprach sowohl über die bibli­sche Sicht auf Ver­ge­bung, als auch über die Schwie­rig­kei­ten, die wir Men­schen mit ihr haben. Zum Ein­stieg erzähl­te Spit­zer von einem Atten­tat auf das Kabi­nett der bri­ti­schen Pre­mier­mi­nis­te­rin Mar­gret That­cher, wel­ches am 12. Okto­ber 1984 ver­übt wur­de. Direkt unter dem Bett Ihres PR-Chefs Har­vey Tho­mas deto­nier­te eine Bom­be, die er wie durch ein Wun­der über­leb­te. Nach vie­len Jah­ren gelang es ihm, dem Atten­tä­ter nicht nur zu ver­ge­ben, son­dern sogar eine freund­schaft­li­che Bezie­hung zu ihm auf­zu­bau­en.

Beim The­ma Ver­ge­bung gebe es aller­dings nicht auto­ma­tisch die eine rich­ti­ge Ant­wort, die dann für alle pas­se. Ver­ge­bung müs­se aus unter­schied­li­chen Blick­win­keln betrach­tet wer­den. Manch­mal wer­de man selbst schul­dig und kön­ne dann vor Gott und Men­schen um Ver­ge­bung bit­ten. Ein ande­res Mal wer­de man von ande­ren ver­letzt und somit zum Opfer. Manch­mal hel­fe ein klä­ren­des Gespräch oder ein recht­li­cher Schritt, der Betrof­fe­ne vor tie­fer Ver­bit­te­rung bewah­ren kön­ne.

Mit einer sehr per­sön­li­chen Geschich­te zeig­te Spit­zer auf, wie schnell man in Situa­tio­nen gerie­te, in denen Ver­ge­bung zu einem gro­ßen The­ma wer­den kön­ne. „Manch­mal wer­den wir unge­fragt mit Lebens­um­stän­den kon­fron­tiert, die uns völ­lig aus der Bahn wer­fen. Und wir benö­ti­gen dann sofort unglaub­lich viel Kraft, um das zu ver­ar­bei­ten und damit klar zu kom­men“. Spit­zer beton­te, dass selbst wenn Ver­ge­bung aus­ge­spro­chen wer­de, die Gefüh­le oft blie­ben. Wut, Trau­er oder düs­te­re Gedan­ken, die Gefüh­le gin­gen nicht ein­fach weg. Statt­des­sen müs­se man ler­nen, damit umzu­ge­hen. Gefüh­le und Gedan­ken wür­den in Pre­dig­ten lei­der nur sel­ten bedacht, äußer­te Spit­zer. Dazu käme, dass indi­rekt Betei­lig­te häu­fig eine schnel­le Ver­ge­bung for­dern wür­den, in der Hoff­nung, dass ihre Vor­stel­lung einer hei­len Welt so schnell wie mög­lich wie­der­her­ge­stellt wer­de. Dem setz­te Spit­zer ent­ge­gen: „Ver­ge­bung benö­tigt viel Zeit“.

Ein Musik­stück mit Kla­vier und Gei­ge run­de­te den gelun­ge­nen Vor­mit­tag ab. Wann das nächs­te Frau­en­früh­stück auf der Hen­solts­hö­he statt­fin­det, wird auf der Home­page www.geistliches-zentrum-hensoltshoehe.de bekannt­ge­ge­ben.

Bild­un­ter­schrift: 240 Frau­en früh­stück­ten gemein­sam. Foto: Lisa Berg/ Stif­tung Hen­solts­hö­he