Vom Lohn bis zur Unterkunft – Erntehelfer im Kreis

von | 24. Juli 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

Appell der Agrar-Gewerk­schaft an hei­mi­sche Land­wir­te Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sind kei­ne „Feld­ar­bei­ter 2. Klas­se“

(red). Sie sor­gen für fri­sches Obst und Gemü­se: Ern­te­hel­fer im Land­kreis Wei­ßen­burg Gun­zen­hau­sen haben fai­re Löh­ne und ordent­li­che Unter­künf­te ver­dient. Das for­dert die Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die IG BAU Mit­tel­fran­ken appel­liert an die Obst- und Gemü­se­bau­ern in der Regi­on, bei Sai­son­kräf­ten für gute Arbeits­be­din­gun­gen zu sor­gen.

„Vom Spar­gel über Erd­bee­ren und Gur­ken bis zu Äpfeln und Kir­schen: Die Obst- und die Gemü­se­ern­te ist har­te Arbeit – gebückt, auf den Knien, oft im Regen oder in sen­gen­der Son­ne. Die Men­schen, die die­se Jobs machen, müs­sen dafür auch ordent­lich bezahlt und anstän­dig unter­ge­bracht wer­den. Sai­son­ar­bei­ter haben min­des­tens den Min­dest­lohn
ver­dient. Aus­nah­men darf es dabei auch in Zukunft nicht geben“, sagt die Bezirks­vor­sit­zen­de der IG BAU Mit­tel­fran­ken, Iris San­to­ro.

Oft kämen die Sai­son­kräf­te aus ost­eu­ro­päi­schen Län­dern – vor­wie­gend aus Rumä­ni­en. Aber auch aus Bul­ga­ri­en, Polen und Kroa­ti­en. Und zuneh­mend sogar aus Zen­tral­asi­en. „Vie­le kom­men Jahr für Jahr zur Ern­te­sai­son. Sie blei­ben dann drei Mona­te. Oft aber auch län­ger. Wäh­rend die­ser Zeit leben die Sai­son­kräf­te in Unter­künf­ten, die häu­fig auch noch ziem­lich her­un­ter­ge­kom­men sind. Trotz­dem zah­len sie dafür oft eine hohe Mie­te“, so Iris San­to­ro. Auch die Ver­pfle­gung gehe vom Lohn ab. Dazu kämen die Trans­port- und Ver­mitt­lungs­kos­ten zu den Land­wir­ten im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen.

Unterm Strich bleibt dabei für Sai­son­kräf­te, die den gesetz­li­chen Min­dest­lohn ver­die­nen, am Monats­en­de nicht mehr wirk­lich viel übrig“, so San­to­ro. Die IG BAU Mit­tel­fran­ken warnt: Die Arbeit auf dem Feld dür­fe nicht zur Aus­beu­tung wer­den. Ern­te­hel­fer aus dem Aus­land sei­en kei­ne „Feld­ar­bei­ter 2. Klas­se“. Dabei sei, so San­to­ro, der gesetz­li­che Min­dest­lohn von aktu­ell 12,82 Euro pro Stun­de das Mini­mum, das Land­wir­te ihren Sai­son­be­schäf­tig­ten zah­len müss­ten. „Alles dar­un­ter ist straf­bar und ein Fall für den Zoll. Und für Land­wir­te, die davon geträumt haben, Sai­son­ar­bei­ter aus dem Aus­land mit abso­lu­ten Bil­ligst-Löh­nen abspei­sen zu kön­nen, gibt es jetzt eine kla­re Bot­schaft: Das Bun­des­agrar­mi­nis­te­ri­um in Ber­lin hat klar­ge­stellt, dass es für die Land­wirt­schaft kei­ne Aus­nah­men vom Min­dest­lohn geben wird“, so die Bezirks­vor­sit­zen­de der Agrar-Gewerk­schaft. Damit sei die „respekt­lo­se For­de­rung“ des Deut­schen Bau­ern­ver­ban­des, Sai­son­ar­bei­tern in der Land­wirt­schaft nur 80 Pro­zent des gesetz­li­chen Min­dest­loh­nes zu zah­len, end­lich vom Tisch. Denn das hät­te, so die IG BAU Mit­tel­fran­ken, ins­ge­samt das Lohn­ni­veau gedrückt – auch für Fach­kräf­te in den land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben.

Bereits heu­te wer­de in der Land­wirt­schaft nicht gera­de üppig ver­dient: „Vie­le Betrie­be suchen hän­de­rin­gend nach Arbeits­kräf­ten – vor allem auch nach Sai­son­kräf­ten. Jede Lohn­drü­cke­rei wür­de den Man­gel an Arbeits­kräf­ten noch ver­schlim­mern“, so San­to­ro. Es sei auch nicht gerecht­fer­tigt, „bei den Löh­nen zu knau­sern“. Denn wirt­schaft­lich pas­sie­re
gera­de eine Men­ge, wovon auch die Land­wir­te im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen erheb­lich pro­fi­tier­ten: So pla­ne die schwarz-rote Bun­des­re­gie­rung eine Sen­kung der Strom­steu­er für die Land­wirt­schaft. Und ab 2026 wer­de es zudem wie­der die vol­le Rück­ver­gü­tung beim Agrar-Die­sel von immer­hin 21,4 Cent pro Liter geben. Iris San­to­ro ver­weist außer­dem auf die Nie­der­lan­de: „Die Bau­ern in Hol­land zah­len heu­te bereits einen Min­dest­lohn von immer­hin 14,40 Euro pro Stun­de. Sie lie­gen damit 1,58 Euro über dem gesetz­li­chen Min­dest­lohn in Deutsch­land. Und sie belie­fern trotz­dem
den deut­schen Markt mit Obst und Gemü­se.“ Der Min­dest­lohn in Deutsch­land stei­ge im kom­men­den Jahr auf 13,90 Euro pro Stun­de und lie­ge dann immer noch unter dem unters­ten heu­ti­gen Lohn­ni­veau der Nie­der­lan­de.

Wer im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen auf Sai­son­kräf­te tref­fe, die Hil­fe benö­tig­ten, kön­ne sich an das Bera­tungs­netz­werk Fai­re Mobi­li­tät vom Deut­schen Gewerk­schafts­bund (DGB) wen­den: kontakt@faire-mobilitaet.de oder 030 219 65 37 21. Die Home­page www.faire-mobilitaet.de bie­tet zudem Infor­ma­tio­nen in Spra­chen, die für Sai­son­kräf­te rele­vant sind, so die IG BAU Mit­tel­fran­ken.

Bild­un­ter­schrift: Süß und lecker: frisch gepflück­te Erd­bee­ren. Die Arbeit, die hin­ter der Erd­beer­ern­te steckt, ist aller­dings hart, sagt die Agrar-Gewerk­schaft IG BAU Mit­tel­fran­ken. Sie appel­liert an die Land­wir­te im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen, auf fai­re Löh­ne und anstän­di­ge Unter­künf­te für Ern­te­hel­fer zu ach­ten. Foto: IG BAU/ Flo­ri­an Göri­cke