Von Stärke und Hoffnung“ und „Ich bringe Potenzial“

von | 1. Juli 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

Zum ers­ten Welt­flücht­lings­tag in Eich­stätt kamen vie­le Besu­che­rin­nen und Besu­cher

Eich­stätt (red). „Von Stär­ke und Hoff­nung“: Unter die­sem Mot­to hat am Sams­tag der ers­te Welt­flücht­lings­tag in Eich­stätt statt­ge­fun­den, den vie­le Men­schen am Dom­platz und in der Johan­nis­kir­che besuch­ten. Zahl­rei­che Grup­pie­run­gen waren dar­an betei­ligt, dar­un­ter die Flücht­lings- und Inte­gra­ti­ons­be­ra­tung (FIB) der Cari­tas-Kreis­stel­le Eich­stätt. „Die Initia­ti­ve zu dem Tag ging von den Geflüch­te­ten selbst aus, vor allem von Saleem Zma­ri­al aus Afgha­ni­stan. Sie haben sich mit dem Netz­werk an Orga­ni­sa­tio­nen hier in beson­ders guter Wei­se zusam­men­ge­schlos­sen. Und nur des­halb konn­te das hier auf die Bei­ne gestellt wer­den“, erklär­te Ange­la Mül­ler, Fach­dienst­lei­te­rin der FIB bei der Cari­tas-Kreis­stel­le und Spre­che­rin für die­sen Bereich für die Cari­tas im Bis­tum Eich­stätt. Ihre Kol­le­gin Lea Schweit­zer bei der FIB Eich­stätt mein­te: „Ich hof­fe, dass der Tag eine posi­ti­ve Reso­nanz hat. In der aktu­el­len Poli­tik haben Geflüch­te­te ja eher einen schlech­ten Stand. Das liegt auch dar­an, dass vie­le kei­ne Berüh­rungs­punk­te mit den Betrof­fe­nen haben. Die­ser Tag hier kann sol­che Berüh­rungs­punk­te bie­ten, indem man sich mit ihnen aus­tauscht.“

Aus­tausch- und Infor­ma­ti­ons­mög­lich­kei­ten gab es denn auch vie­le bei der Ver­an­stal­tung. So konn­te man bei­spiels­wei­se über das Han­dy Inter­views hören, wel­che zahl­rei­che Geflüch­te­te in der Regi­on Eich­stätt im Vor­feld des Welt­flücht­lings­ta­ges unter dem Mot­to „Ich brin­ge Poten­zi­al“ gaben. In den Inter­views erzäh­len die Betrof­fe­nen von ihren Erfah­run­gen in Deutsch­land. Auch von den Hür­den, „die nicht nur aus Form­la­ren bestehen, son­dern auch aus Bli­cken, Erwar­tun­gen und Miss­ver­ständ­nis­sen“, wie es an einer Stell­wand hieß. Vor Ort selbst war die 47-jäh­ri­ge Ole­na Bel­bas aus der Ukrai­ne. Sie hat­te dort als Psy­cho­lo­gin gear­bei­tet und war kurz nach dem Über­fall Russ­lands auf Ihr Hei­mat­land im April 2022 mit ihrem heu­te 14-jäh­ri­gen Sohn nach Eich­stätt geflüch­tet. Ole­na Bel­bas absol­vier­te hier zunächst flei­ßig Sprach­kur­se in Deutsch. Heu­te ist sie Sozi­al­be­treue­rin an der Berufs­schu­le Eich­stätt. „Das gefällt mir sehr gut, weil ich hier viel im Kon­takt mit Men­schen bin“, erzähl­te sie.

In einer Aus­stel­lung unter dem Mot­to „Von Hoff­nung und Stär­ke“ wur­den die Per­spek­ti­ven von Eich­stät­ter Geflüch­te­ten vor­ge­stellt, zum Bei­spiel die des 24-jäh­ri­gen Afgha­nen Nai­mat Shin­wa­ri. Sei­ne Flucht nach Deutsch­land hat­te ins­ge­samt ein Jahr lang gedau­ert. Er kam wegen des Krie­ges in sei­nem Hei­mat­land. Inzwi­schen ist er seit vier Jah­ren in Deutsch­land. „Mir gibt Hoff­nung, dass ich hier vie­le Freun­de gefun­den habe“, berich­te­te er. Nach der Schu­le will er eine Aus­bil­dung als Maler machen.

Zu sehen waren an gro­ßen Stell­wän­den mit Por­träts und State­ments auch die Geschich­ten meh­re­rer mexi­ka­ni­scher Zuwan­de­rin­nen und Zuwan­de­rer. „Obwohl wir nicht in der­sel­ben Lage sind wie Geflüch­te­te, son­dern aus eige­nen Ent­schei­dun­gen hier­her­ge­kom­men sind, erle­ben auch wir, wie her­aus­for­dernd es sein kann, in einem neu­en Land in allen Lebens­be­rei­chen von vor­ne anzu­fan­gen“, berich­te­te die aus Mexi­ko stam­men­de Eich­stät­te­rin Leti­cia Pin­tor. Neben die­ser Aus­stel­lung prä­sen­tier­te sich das mit dem dies­jäh­ri­gen Shalom­preis aus­ge­zeich­ne­te kolum­bia­ni­sche Pro­jekt „Casa Social Cul­tu­ral y Memo­ria“ (Sozi­al­haus für Kul­tur und Erin­ne­rung), eine Orga­ni­sa­ti­on aus der Pazi­fik­stadt Buen­a­ven­tura. Das Pro­jekt setzt sich für die Rech­te mar­gi­na­li­sier­ter Grup­pen in der von Gewalt gepräg­ten Hafen­stadt ein.

Chris­ti­an Alber­ter, Diö­ze­san­ge­schäfts­füh­rer des Mal­te­ser Hilfs­diens­tes Eich­stätt, sag­te in einer Anspra­che: „Ich freue mich, dass so vie­le Men­schen hier zusam­men­ge­kom­men sind, die sich für Mensch­lich­keit und Soli­da­ri­tät ein­set­zen. Eine Stadt wie Eich­stätt kann zei­gen, dass Zusam­men­halt funk­tio­niert.“ Alber­ter for­der­te mehr Unter­stüt­zung von der Lan­des­po­li­tik für Geflüch­te­te und kri­ti­sier­te, dass es Kür­zun­gen bei der För­de­rung der Inte­gra­ti­ons­lot­sen durch die Staats­re­gie­rung gebe.

Beim den Welt­flücht­lings­tag gab es auch musi­ka­li­sche Bei­trä­ge, zum Bei­spiel von der Ukrai­ne­rin Tetya­na Hoch aus Wei­ßen­burg am Key­board zusam­men mit ihren Kin­dern Lau­ra und Leon Guni. Gemein­sam san­gen sie ein Lied mit den Wor­ten „Unse­re Augen, unse­re Her­zen, unse­re Hän­de blei­ben zusam­men“, in das die Besu­che­rin­nen und Besu­cher ein­stimm­ten. Für das leib­li­che Wohl sorg­ten Geflüch­te­te aus Afgha­ni­stan mit ver­schie­de­nen Gerich­ten aus ihrer Hei­mat.

Bild­un­ter­schrift: Zahl­rei­che Men­schen besuch­ten den ers­ten Welt­flücht­lings­tag in Eich­stätt, hier in der Johan­nis­kir­che. Foto: Cari­tas / Peter Esser