Ankündigung Vortrag und Vorführung Spätantike
Weißenburg — Am 2. Juni besucht uns der Historiker Géza Frank und stellt im Rahmen des Begleitprogramms der Sonderausstellung die Spätantike auf dem Balkan sowie die gravierenden Veränderungen im Militär der damaligen Zeit vor.
Die aktuelle Sonderausstellung „Freund oder Feind?“ im RömerMuseum behandelt den spektakulären Fund eines römischen Massengrabes in der Stadt Scupi, dem heutigen Skopje in Nordmazedonien. Was dort vor gut 1700 Jahren passierte und warum mindestens 200 Männer hingerichtet und ohne jegliche Beigaben bestattet wurden, ist unklar. Auch die genaue Zeit, wann dies
geschah, konnte bislang nicht geklärt werden. Am ehesten dürften die Ereignisse mit einer der unruhigsten Zeiten der römischen Geschichte zusammenhängen, der sogenannten Reichskrise des 3. Jahrhunderts. Diese markierte eine Zeit voller Umbrüche, als sich aus der Kaiserzeit die Spätantike entwickelte. Die römischen Kaiser dieser Zeit waren sich ständigen Bedrohungen von äußeren Feinden wie den Germanen oder den Sassaniden ausgesetzt und mussten sich gegen Usurpatoren im eigenen Reich wehren, die versuchten, mit Militärgewalt den Kaiserthron zu erobern. Grade der Balkan, wo Scupi eine der bedeutendsten Siedlungen dieser Zeit darstellte, war ein heißes Pflaster für die Römer. Armeen wurden hier geschlagen und siegreiche Feldherren zu neuen Kaisern ausgerufen. Auf welcher Seite die Opfer der Auseinandersetzung, deren Überreste bei Ausgrabungen 2011 durch mazedonische Archäologen gefunden wurden, gekämpft hatten, muss offenbleiben. Was Forensik und Archäologie bislang herausgefunden haben, ist in der Sonderausstellung im RömerMuseum bis zum 23. August zu sehen.
Im Begleitprogramm zur Sonderausstellung stellt der österreichische Historiker Géza Frank am 2. Juni im Kulturforum in der Rosenstraße die unruhige Zeit um 300 n. Chr. auf dem Balkan vor und berichtet von einer Zeit und einem Weltreich im Wandel. Er zeigt auf, wie Militärreformen das römische Reich (vorerst) retteten und wie diese den Raum entlang Donau und Rhein nachhaltig prägten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Balkanraum des 4. Jahrhunderts n. Chr., wo in den vergangenen Jahren mehrere bedeutende Schlachtfelder dieser Epoche entdeckt wurden. Den Fokus setzt Géza Frank auf die militärische Ausrüstung der Spätantike, die mit den Legionären bei Asterix nichts mehr gemein hat und das Bild eines (spät-)römischen Soldaten völlig neu zeichnet. Anhand neuer Funde und Rekonstruktionen gibt der Vortrag spannende Einblicke in die Ausrüstung, Organisation und Lebenswelt spätrömischer Soldaten und zeigt, wie moderne Forschung und experimentelle Archäologie unser Bild der spätantiken Armee stetig erweitern. Dabei werden historisch korrekte Nachbildungen der Waffen und Ausrüstungsgegenstände in den Vortrag eingebunden und vor Ort präsentiert.
Géza Frank ist Living-History-Darsteller, Experte für die Spätantike und europaweit bekannt für seine Darstellung spätrömischer Kaiserfiguren und militärhistorischer Persönlichkeiten. Seit vielen Jahren arbeitet er mit Museen, archäologischen Institutionen sowie internationalen Reenactment-Gruppen zusammen und wirkt regelmäßig an Dokumentationen, Filmproduktionen und wissenschaftlichen Veranstaltungen mit. Auch auf Social Media besitzt er eine große Fangemeinde, die er mit Beiträgen zur Spätantike begeistert. Darüber hinaus ist er gefragter Vortragender bei archäologischen Konferenzen und Fachveranstaltungen in ganz Europa, wo er insbesondere zu spätantiker Militärgeschichte, Rekonstruktion historischer Ausrüstung und experimenteller Archäologie referiert.
Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei, Beginn im Kulturforum (Rosenstraße 2) ist um 18.30 Uhr.
Foto: Géza Frank


