Waffen, Schlachten und Reformen. Die Spätantike auf dem Balkan

von | 31. Mai 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Ankün­di­gung Vor­trag und Vor­füh­rung Spät­an­ti­ke

Wei­ßen­burg — Am 2. Juni besucht uns der His­to­ri­ker Géza Frank und stellt im Rah­men des Begleit­pro­gramms der Son­der­aus­stel­lung die Spät­an­ti­ke auf dem Bal­kan sowie die gra­vie­ren­den Ver­än­de­run­gen im Mili­tär der dama­li­gen Zeit vor.

Die aktu­el­le Son­der­aus­stel­lung „Freund oder Feind?“ im Römer­Mu­se­um behan­delt den spek­ta­ku­lä­ren Fund eines römi­schen Mas­sen­gra­bes in der Stadt Scu­pi, dem heu­ti­gen Skop­je in Nord­ma­ze­do­ni­en. Was dort vor gut 1700 Jah­ren pas­sier­te und war­um min­des­tens 200 Män­ner hin­ge­rich­tet und ohne jeg­li­che Bei­ga­ben bestat­tet wur­den, ist unklar. Auch die genaue Zeit, wann dies
geschah, konn­te bis­lang nicht geklärt wer­den. Am ehes­ten dürf­ten die Ereig­nis­se mit einer der unru­higs­ten Zei­ten der römi­schen Geschich­te zusam­men­hän­gen, der soge­nann­ten Reichs­kri­se des 3. Jahr­hun­derts. Die­se mar­kier­te eine Zeit vol­ler Umbrü­che, als sich aus der Kai­ser­zeit die Spät­an­ti­ke ent­wi­ckel­te. Die römi­schen Kai­ser die­ser Zeit waren sich stän­di­gen Bedro­hun­gen von äuße­ren Fein­den wie den Ger­ma­nen oder den Sas­sa­ni­den aus­ge­setzt und muss­ten sich gegen Usur­pa­to­ren im eige­nen Reich weh­ren, die ver­such­ten, mit Mili­tär­ge­walt den Kai­ser­thron zu erobern. Gra­de der Bal­kan, wo Scu­pi eine der bedeu­tends­ten Sied­lun­gen die­ser Zeit dar­stell­te, war ein hei­ßes Pflas­ter für die Römer. Armeen wur­den hier geschla­gen und sieg­rei­che Feld­her­ren zu neu­en Kai­sern aus­ge­ru­fen. Auf wel­cher Sei­te die Opfer der Aus­ein­an­der­set­zung, deren Über­res­te bei Aus­gra­bun­gen 2011 durch maze­do­ni­sche Archäo­lo­gen gefun­den wur­den, gekämpft hat­ten, muss offen­blei­ben. Was Foren­sik und Archäo­lo­gie bis­lang her­aus­ge­fun­den haben, ist in der Son­der­aus­stel­lung im Römer­Mu­se­um bis zum 23. August zu sehen.

Im Begleit­pro­gramm zur Son­der­aus­stel­lung stellt der öster­rei­chi­sche His­to­ri­ker Géza Frank am 2. Juni im Kul­tur­fo­rum in der Rosen­stra­ße die unru­hi­ge Zeit um 300 n. Chr. auf dem Bal­kan vor und berich­tet von einer Zeit und einem Welt­reich im Wan­del. Er zeigt auf, wie Mili­tär­re­for­men das römi­sche Reich (vor­erst) ret­te­ten und wie die­se den Raum ent­lang Donau und Rhein nach­hal­tig präg­ten. Ein beson­de­rer Schwer­punkt liegt dabei auf dem Bal­kan­raum des 4. Jahr­hun­derts n. Chr., wo in den ver­gan­ge­nen Jah­ren meh­re­re bedeu­ten­de Schlacht­fel­der die­ser Epo­che ent­deckt wur­den. Den Fokus setzt Géza Frank auf die mili­tä­ri­sche Aus­rüs­tung der Spät­an­ti­ke, die mit den Legio­nä­ren bei Aste­rix nichts mehr gemein hat und das Bild eines (spät-)römischen Sol­da­ten völ­lig neu zeich­net. Anhand neu­er Fun­de und Rekon­struk­tio­nen gibt der Vor­trag span­nen­de Ein­bli­cke in die Aus­rüs­tung, Orga­ni­sa­ti­on und Lebens­welt spät­rö­mi­scher Sol­da­ten und zeigt, wie moder­ne For­schung und expe­ri­men­tel­le Archäo­lo­gie unser Bild der spät­an­ti­ken Armee ste­tig erwei­tern. Dabei wer­den his­to­risch kor­rek­te Nach­bil­dun­gen der Waf­fen und Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de in den Vor­trag ein­ge­bun­den und vor Ort prä­sen­tiert.

Géza Frank ist Living-Histo­ry-Dar­stel­ler, Exper­te für die Spät­an­ti­ke und euro­pa­weit bekannt für sei­ne Dar­stel­lung spät­rö­mi­scher Kai­ser­fi­gu­ren und mili­tär­his­to­ri­scher Per­sön­lich­kei­ten. Seit vie­len Jah­ren arbei­tet er mit Muse­en, archäo­lo­gi­schen Insti­tu­tio­nen sowie inter­na­tio­na­len Ree­nact­ment-Grup­pen zusam­men und wirkt regel­mä­ßig an Doku­men­ta­tio­nen, Film­pro­duk­tio­nen und wis­sen­schaft­li­chen Ver­an­stal­tun­gen mit. Auch auf Social Media besitzt er eine gro­ße Fan­ge­mein­de, die er mit Bei­trä­gen zur Spät­an­ti­ke begeis­tert. Dar­über hin­aus ist er gefrag­ter Vor­tra­gen­der bei archäo­lo­gi­schen Kon­fe­ren­zen und Fach­ver­an­stal­tun­gen in ganz Euro­pa, wo er ins­be­son­de­re zu spät­an­ti­ker Mili­tär­ge­schich­te, Rekon­struk­ti­on his­to­ri­scher Aus­rüs­tung und expe­ri­men­tel­ler Archäo­lo­gie refe­riert.

Der Ein­tritt zu dem Vor­trag ist frei, Beginn im Kul­tur­fo­rum (Rosen­stra­ße 2) ist um 18.30 Uhr.

Foto: Géza Frank